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Persien und Israel
Nach Gaalyahu Cornfelds "haMikra baOlam"
6. Die persische Kultur
Abb.
aus dtv - Barnavi:
UNIVERSALGESCHICHTE DER JUDEN
(Zur Vergrößerung bitte auf die Abb. klicken)...
a) Die persische Sprache
Um 650 v. Chr. schrieb man die indoeuropäische Sprache der
Perser in einer Art Keilschrift, die ein System von 51 einzelnen Silben
benutzte. Später übernahmen die Perser für die gesamte Verwaltung ihres
Reiches die aramäische Sprache und Schrift, die dann zur lingua franca für
ganz Westasien wurde.
Der
wiederaufgebaute Harem von Persepolis
b) Die
Königspaläste
Das Leben am Hof eines persischen Königs ist im Buch
Esther gut skizziert, aber erst die zahlreichen archäologischen Funde in den
Ruinen von Persepolis, Susa und anderen persischen Städten haben uns ein
historisch getreues Bild von der Pracht und Größe persischer Paläste
vermittelt.
Der königliche Palast von Persepolis, von Darius erbaut,
ist ein Denkmal für die Kunst und Kultur der Perser.
Zum Palast kamen die Delegationen der unterworfenen
Völker, um dem Herrscher ihren Tribut zu entrichten, ein Vorgang, der in dem
Apadana oder der Halle der hundert Säulen in einem Relief verewigt ist,
einem Bauwerk, das für Audienzen diente und für die zeremonielle Parade des
berühmten Regiments der Unsterblichen.
Relief
aus dem Königspalast von Persepolis: Soldaten und tributtragende Vasallen
Der östliche Aufgang zum Apadana war mit Reihen von
Skulpturen verziert, die Ränge der Soldaten und Tributträger darstellten
(Abb.).
Das Apadana wurde unter Darius begonnen und unter Xerxes I. vollendet. Das
Dach ruhte auf 36 Säulen, von denen vier noch erhalten sind.
Der Thron der Könige wird gewöhnlich dargestellt, wie er von den Abgesandten
aller Völker des Reiches getragen wird. Auf einen Relief wird er von der
Armee des Reiches getragen.
Die Stadt Persepolis wurde von Alexander dem Großen niedergebrannt, nachdem
er die Macht gestürzt hatte, deren großartiges Symbol diese Stadt gewesen
war.
Einen
Eindruck vom Palast in Susa mag auch der Hof der persischen Könige in der
zweiten Hauptstadt des Reiches, Persepolis, vermitteln
c) Persien und Jerusalem
Von diesem politischen Hintergrund fällt auf die
Ereignisse in Jerusalem kaum Licht.
Unter der Herrschaft des Kambyses kontrollierte der Satrap von Abar-Nahara
(ebir-nari, die Provinz "jenseits des Flusses" Euphrat) das Gebiet vom
Euphrat bis Ägypten (s. Karte, Abar-Nahara war die 5. Satrapie).
Kambyses scheint von Kyros' Edikt über den Wiederaufbau des Tempels nichts
gewußt zu haben und versuchte, die Ausführung des Werkes zu verhindern (Esra
4). Man richtete jedoch ein Gesuch an Darius, und dieser ordnete vermutlich
eine Nachprüfung an. In Ekbatana (der alten Hauptstadt des Kyros) fand man
eine Kopie des Ediktes. Darius bestätigte daraufhin die Anordnungen seines
Vorgängers und wies sogar persische Beamte an, beim Wiederaufbau tatkräftige
Hilfe zu leisten. Ferner genehmigte er eine Zuteilung von Salz für den
Tempel und befreite die Juden von der hohen Salzsteuer, die er seinen
übrigen Vasallen auferlegte.
Manche Gelehrte sehen den Hauptgrund für die weise Politik des Kyros und vor
allem des Darius in ihrer Zugehörigkeit zur toleranten Religion des
Zoroaster.
Unter Darius' Nachfolger Xerxes I. (486-465 v. Chr.) gab es in Abar-Nahara
schwere Aufstände. Einige Gelehrte nehmen an, es habe sich um die Zeit
gehandelt, da Judäas Feinde, seine Nachbarn (und die Samaritaner), Jerusalem
angriffen und seine Mauern zerstörten.
Das
Buch Esther berichtet von Reliefdarstellungen von Soldaten und Tieren im
Palast zu Susa, derartigen Wandschmuck entdeckte man auch in Persepolis.
d) Die persische Religion
Die alten Perser verehrten Naturgötter, und zwar
Frucht-barkeits- und Astralgottheiten.
Den Dienst versahen Priester, die alle dem Stamm der Magi
(persisch magus) angehörten.
Zu Beginn des 6. Jhdts. v. Chr. gründete der Prophet
Zoroaster, auch als Zarathustra und unter anderen Namen bekannt, eine neue
Religion, die auf dem Prinzip »Tue das Gute und hasse das Übel« beruhte. Er
führte die Idee eines einzigen Gottes, Ahuramazda, des »gerechten Meisters
der Gerechtigkeit« ein, der durch das reinigende Feuer und Wasser
symbolisiert wurde, und seines Gegenspielers, des Erzdämons Ahriman, der
alles Böse repräsentierte.
Charakteristisch für diese Religion waren ihre ethischen
Belehrungen und ihre Toleranz gegenüber anderen Göttern und
Glaubensüberzeugungen. Die iranische Religion lehrte, dass es Aufgabe des
Menschen sei, für Gerechtigkeit und für das Gute zu kämpfen, und zwar sowohl
durch ein wahrhaftiges und rechtes Verhalten als auch durch produktive
Arbeit. Auf rituelle Reinheit wurde größter Wert gelegt, dagegen forderte
man keine asketische Selbstverleugnung. Die Lehre schloss auch den Glauben
an ein individuelles Gericht nach dem Tod und eine endgültige Ära der
Erlösung ein, in der »am Ende der Zeiten« das »Gute des Lebens, der Reinheit
und der Wahrheit« siegreich sein und in Ewigkeit fortdauern werde.
Jesaja trat diesem Glauben entgegen (45,6ff), doch steht außer Frage, dass
der Einfluß persischen Glaubensgutes in der Folgezeit auch im Judentum
spürbar wurde, vor allem in der Lehre über Engel und Dämonen. Persischen
Einfluß verraten auch die Bücher Daniel, Tobias und die apokalyptischen
Apokryphen
(s. Deuterokanonische Bücher). Er wird
ferner erkennbar in der dualistischen Theologie der Qumran-Schriften (dem
Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen), in ihrer Lehre von der Kosmischen
Ausweitung der Macht Satans und vom Königtum des 'J 'H 'V 'H ', aber auch im
Neuen Testament. Die Frage, wieweit dieser Einfluß reichte, wird von den
gelehrten verschieden beantwortet. Einige halten ihn nur für sehr
oberflächlich; er habe sich hauptsächlich im Bereich der Vorstellung und der
Bildersprache ausgewirkt. Wenn es aber tiefere theologische Einwirkungen
gegeben habe, dann seien die meisten Spuren vom gesetzestreuen Judentum
später wieder getilgt worden.
Allerdings hatte sich die ursprüngliche Religion Zoroasters zur Zeit der
Achämenidenkönige längst in eine Vielfalt von synkretistischen Kulten
aufgelöst, die mehr den Dualismus zwischen dem Guten und dem Bösen betonten
als die ursprüngliche Vorstellung von einem universalen göttlichen
Herrscher. Ein positiver Kern dieses Glaubens wird jedoch in der
wohlwollenden Religionspolitik des Kyros und Darius I. deutlich.
e) Die Juden in Persien
Das Leben der Juden in Judäa war während der zwei
Jahrhunderte (538-333 v.Chr.), da ihr Land von einem Satrapen regiert wurde,
sowohl in politischer als auch in kultureller Hinsicht mit dem Geschick des
persischen Weltreichs verknüpft. Im eigentlichen Persien war eine starke
Kolonie von Juden entstanden (s. Buch Esther).
Ausgrabungsfeld
von Susa
Das Buch Esther spricht von ihnen als von einer
einflußreichen Gruppe innerhalb der Bevölkerung von Susa, aber auch in allen
127 Provinzen des Reiches (1,1).
Diese Angabe steht in Widerspruch zu den 31 Satrapien, deren damaliges
Bestehen als historisch einigermaßen gesichert anzusehen ist (unter Xerxes
wurde ihre Zahl auf 20 reduziert). Die Zahl 127 kehrt bei Dan 6,2 wieder, wo
aber vermutlich dieselbe Tradition weitergegeben wird.
f) Die Juden im Partherreich
Über ihre Geschichte ist nur wenig bekannt, doch lebte
wohl bereits im 4. Jhdt. v. Chr. eine größere Anzahl von Juden in Parthien.
Sie blieben dort auch in der Folgezeit, als die Parther Mesopotamien, das
ehemalige Babylon und Medien zwischen 250 und 225 v. Chr. überrannten.
Dieses Gebiet hatten sie den Seleukiden entrissen und behaupteten sich
während der ganzen hellenistischen und römischen Epoche auf dem ehemals
persischen Territorium.
Um die Vorherrschaft im Nahen Osten führten die Parther beständig Krieg mit
Rom. Sie fanden es mitunter politisch klug, sich mit jüdischen Fürsten zu
verbünden. Im Jahre 40 v. Chr. setzten sie Antigonus Mattathias
(s. Hasmonäer) wieder auf den Thron von Judäa, und die
Juden des römischen Weltreichs sahen die Parther irrtümlich als ihre
möglichen Befreier an.
Die Parther gewährten ihren jüdischen Kolonien ein beträchtliches Maß an
Autonomie, und unter ihrer Herrschaft begann die Blütezeit der berühmten
rabbinischen Schulen in Mesopotamien.
Unter der Dynastie der Sassaniden erlangte Persien seine Unabhängigkeit
wieder, und von 225 n. Chr. an waren auch die alten jüdischen
Niederlassungen in Babylon und Persien der Sassanidenherrschaft unterworfen.
In dieser Epoche wurde der babylonische Talmud kompiliert - ein klarer
Beweis, dass jüdisches Leben in Persien weiterbestand und sich kraftvoll
entfaltet hatte.
Juden in der Welt:
Persien (Iran)
Die Geschichte der Juden in Persien beginnt unter Cyrus, der
Babylonien im Jahre 539 v. Chr. eroberte und den dort lebenden Deportierten
aus Palästina (Erez Israel) als Retter erschien...
Die
Bibel und ihre Welt.
Eine Enzyklopädie zur Heiligen Schrift in drei Bänden.
Herausgegeben von Gaalyahu Cornfeld
hagalil.com
28-03-2005
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