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Koscher leben...
 
 

Persien und Israel

Nach Gaalyahu Cornfelds "haMikra baOlam"

3. Kyros II. und das persische Weltreich

a) Revolte Kyros' II.

Kyros II. (559-530 v.Chr.) festigte zunächst seine Stellung in Persien, dann erhob er sich gegen die Vorherrschaft Mediens. Im Jahre 551 v.Chr. stürzte er Astyages, den letzten Mederkönig. Er eroberte Ekbatana, die medische Hauptstadt, brachte die Meder völlig unter seine Kontrolle und machte sich zum »König der Meder«. Mit diesem Akt begründete er eine Konförderation von Persern und Medern in seinem Reich.

Persische und medische Bräuche und Gesetze wurden miteinander verschmolzen (vgl. Dan 6,8.15), die Perser übernahmen die Kultur der Meder, deren Religion, militärische und politische Organisation, Waffentypen sowie deren Kleidung und Sitten. Im neugeschaffenen Reich saßen viele Meder auf verantwortungsvollem Posten, und Ekbatana sowie Susa (Schuschan) in Elam wurden die Hauptstädte des neuen persisch-medischen Reiches.

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Karte: Westasien zur Zeit der Meder und Perser
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b) Ausbau des Reiches durch Siege über Lydien und Babylon

Kyros war es gelungen, sein Reich zu einer Weltmacht zu machen. Er wandte sich nun gegen Kroisos von Lydien, dem Amasis von Ägypten und möglicherweise auch Nabonid (oder dessen Regent Belsazar) von Babylon zu Hilfe kamen. Im Jahre 547 v. Chr. besiegte Kyros den Kroisos und nahm dessen reiche Stadt Sardes (Sepharad bei Obadja, V. 20) ein.

Schließlich zog Kyros im Jahre 539 v. Chr. gegen Babylon zu Felde. Am 29. Oktober eroberte sein General Gubaru (Gobyras) Babylon, und Kyros konnte im Triumph in die Stadt einziehen (vgl. Dan 5,28ff).

Mit diesem Sieg wurde Persien die führende Macht im Vorderen Orient. Kyros unternahm noch eine Reihe von Feldzügen und festigte durch sie Persiens Stellung in Westasien. Einer der Titel, die er sich selbst gab, lautete »König von Babylon und König der Länder«.

c) Kyros' Religionspolitik

(1) Der Herold des Gottes Marduk
Als Kyros in Babylon, das ohne Blutvergießen kapituliert hatte, einzog, wurde er von den Priestern der heiligen Stätten Babylons wärmstens begrüßt. Er bestätigte erneut die Privilegien, die ihnen in den Tagen Nabonids, des letzten Königs von Babylon (s. Babylon und Israel), entzogen worden waren, und machte der unpopulären Politik dieses Königs ein Ende. Einer Inschrift auf einem Zylinder zufolge nannte sich Kyros der Herold des Gottes Marduk, eine Bezeichnung, die damals als feste Formel in Gebrauch war. Er ließ die von Nabonid nach Babylon gebrachten Götterbilder wieder in den Tempeln der besiegten Völkerschaften aufstellen und bat diese um Fürbitte für ihn bei ihren nationalen Gottheiten Marduk und Nabu.

(2) Befreiung der Juden
In seinem Aufruf an die jüdischen Exilanten in Babylon (Esr 1,1-4) erscheint Kyros als Herold »des Gottes, der in Jerusalem wohnt« (V. 3) und gewährt ihnen, »das Haus des Herrn« wiederaufzubauen. Dieser Aufruf steht in Einklang mit seiner Politik einer religiösen Wiedergutmachung, wie er sie auch Babylon und anderen eroberten Ländern gegenüber verfolgte. So wurden zum Beispiel die Kultgegenstände, die aus dem Jerusalemer Tempel weggenommen worden waren, den Juden zurückerstattet. Ferner berichtet Esr 1,1-7, dass ein Dekret allen Juden, die es wünschten, die Rückkehr nach Jerusalem erlaubte. Der zweite Text über dieses Dekret (Esr 6,2-5) erwähnt jedoch nichts von einer allgemeinen Genehmigung zur Rückkehr, enthält lediglich Bestimmungen über den Wiederaufbau des Tempels aus Mitteln des königlichen Schatzes und über die Rückerstattung der heiligen Gefäße.

Es ist darum möglich, dass Sesbazar (Esr 5,14), Fürst von Israel, in Wirklichkeit gar nicht vom König zum Gouverneur der Provinz Judäa ernannt worden war, sondern dass eine königliche Kommission, der auch jüdische Führer und Fürsten angehörten, nach Jerusalem entsandt wurde, um den Wiederaufbau des Tempels zu beaufsichtigen. Kyros herrschte bis 530 v. Chr. Vorher hatte er noch in Pasargadae, nördlich von Persepolis, eine neue Metropole errichtet.

4. Darios und das persische Weltreich

a) Kambyses II. erobert Ägypten

Unter Kambyses (Kanbuzi) II. (530-522 v. Chr.) dehnte sich das persische Weltreich bis zum Mittelmeer und nach Nordafrika aus. 525 v. Chr. eroberte er Ägypten und organisierte es als persische Satrapie.

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b) Darius, der Erbauer des persischen Weltreiches

Auf Kambyses II. folgte Darius I. (522-486 v.Chr.), ein Herrscher, der kein direkter Abkömmling der Achämeniden war. Sein Vater Hystaspes war unter den beiden vorangegangenen Königen Satrap von Parthien und Hyrkanien in Nordpersien gewesen. (Der Machtbereich eines Satrapen ähnelte dem eines Vasallenkönigs). Eine ganze Kette von Rebellionen und Aufständen überall im Weltreich, in deren Verlauf der männliche Nachkomme des herrschenden Zweiges der Achämeniden getötet worden war, hatte Darius' Thronbesteigung überhaupt erst möglich gemacht.

Die ersten Jahre seiner Regierung gingen damit hin, seine Stellung gegenüber anderen Thronanwärtern zu behaupten. In den Provinzen herrschten Aufruhr und Terror. Die Juden nahmen an keiner offenen Rebellion teil, ihre geheimen Hoffnungen und Wünsche äußerten sich jedoch in einem starken Aufschwung messianischer Erwartungen (vor allem in den Schriften der Propheten Haggai und Zephanja).

Als Darius seinen Königsthron fest in der Hand hatte, machte er sich daran, das Weltreich neu zu organisieren, eine Tat, die ihm bei vielen Gelehrten den Ehrentitel eines »Erbauers des Weltreichs« eingebracht hat.


Ein Relief, das man in seiner neuen Hauptstadt Persepolis fand, zeigt ihn auf seinem Thron, während er den Kronprinzen Xerxes (vielleicht der Ahasveros des Buches Esther) empfängt.

c) Die Organisation des persischen Weltreichs beruhte auf Prinzipien, wie sie in der Alten Welt bisher unbekannt waren.

Kyros hatte eine straffe, wirksame Zentralregierung eingeführt, gelegentlich gewährte er jedoch den Vasallenkönigen unter seiner Kontrolle weitgehende Autonomie in internen Angelegenheiten. Das Weltreich war in Satrapien und Unter-Satrapien eingeteilt.
Jeder Satrapie stand ein Satrap vor, der im allgemeinen Mitglied einer der sechs aristokratischen Familien Persiens war, von Fall zu Fall konnte es auch eine angesehene Persönlichkeit aus der einheimischen Bevölkerung sein.

Der Satrap hatte innerhalb der Grenzen seines Gebietes fast unumschränkte Gewalt, wurde jedoch von Zivil- und Militärbeamten, die unmittelbar der Zentralregierung verantwortlich waren, beaufsichtigt. Jeder Satrap wurde zu gewissen Tributleistungen aufgefordert und hatte eine vorgeschriebene Zahl von Soldaten für die Armee des Königs zu stellen.

Im allgemeinen ließen die persischen Herrscher die angestammten Religionen, die Sprache und das kulturelle Leben in den verschiedenen Satrapien unangetastet. Darius verbesserte die Verwaltung der großen Satrapien (es gab 21 oder nach Ansicht mancher Gelehrter 29 oder 31) und machte die Satrapen zu Mittlern zwischen dem König und der einheimischen Bevölkerung. Er reorganisierte die Armee, verbesserte das Rechtssystem, schuf eine königliche Post innerhalb des Weltreiches und gab Münzen heraus. Die Herrscher der Satrapien und Vizesatrapien (der nach Völkerschaften gegliederten Provinzen oder medinta) behielten ein beachtliches Maß an interner Autonomie, und vielleicht liegt hier der Grund für die relative Stabilität, derer sich das Weltreich bis zum Ausgang des 4. Jhdts. v. Chr. erfreute. Diese Organisationsform machte es einer kleinen, schwachen Gemeinschaft wie den Juden möglich, zu überleben und ein hohes Maß an innerer Unabhängigkeit zu bewahren.

Aufs Ganze gesehen, war es Darius gelungen, ein großes, festgefügtes Reich zu schaffen. Eine Niederlage brachte der Versuch, die griechischen Peloponnes zu erobern. Die persische Streitmacht wurde von einem kleinen griechischen Heer im Jahre 490 v. Chr. bei Marathon geschlagen. Persien war nie imstande, die Griechen zu unterwerfen.

5. Von Artaxerxes bis zum Untergang des Reiches

a) Artaxerxes I., Esra und Nehemia

Die Lage der Juden verbesserte sich beträchtlich in der Zeit Artaxerxes' I. (465-424 v. Chr.). Er ernannte Esra zum Mittelsmann für die Interessen der Juden am königlichen Hof (Esr 7,12 ff) und entsandte diesen offiziell nach Jerusalem mit dem Auftrag, den Juden in Jerusalem zu helfen, nach ihren altehrwürdigen Gesetzen zu leben und sie in allen religiösen und weltlichen Belangen zu führen (s. das bei Esra zitierte königliche Dekret).

Esra wurde vom König ermächtigt, das Leben der jüdischen Gemeinde nach den Vorschriften der Thora zu organisieren. Das königliche Edikt machte die Thora zum offiziellen, anerkannten Gesetz des Landes
(Näheres s. Restauration und Perserzeit, Esra und Nehemia).
Eine noch weitreichendere Verbesserung für die Juden brachte die Ernennung Nehemias, Artaxerxes' »Mundschenken«, zum Gouverneur von Judäa. Mit seinem Einfluß beim König erreichte er den Wiederaufbau der Jerusalemer Stadtmauern und die Neuorganisation der jüdischen Gemeinde (Neh. 2,3-8).

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Karte: Westasien zur Zeit der Meder und Perser
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b) Autonome Verwaltung in Judäa

Über die Beziehungen zwischen Judäa und Persien in bezug auf die Verwaltung des Landes während des letzten Jahrhunderts persischer Herrschaft (4. Jhdt. v. Chr.) ist praktisch nichts bekannt. Nach A. Schalit sank Judäas Stellung von einer medinta zu einer untergeordneten Provinz innerhalb einer größeren Satrapie herab. Dieser Wechsel scheint sich während der letzten Jahre unter Artaxerxes und unter Darius II. vollzogen zu haben. Wie es dazu kam, weiß man jedoch nicht.

Das Vorkommen von Münzen mit der Aufschrift jhd (Jehud), eine symbolische Bezeichnung für die Provinz Judäa, und Inschriften mit demselben Namen oder mit jrslm (Jerusalem) aus der persischen Epoche lassen nach E. L. Sukenik und W. F. Albright den Schluss zu, dass die Provinz Judäa als eine hierokratische Gemeinschaft oder eine nationale Einheit gesehen wurde mit besonderen dem Volk und den Hohenpriestern verliehenen Vorrechten in der Verwaltung des Landes einschließlich dem Recht, eigene Münzen zu prägen. Artaxerxes I. starb bald nach Abschluß der von Nehemia und Esra in Judäa durchgeführten Reform. Auf ihn folgten Xerxes II. (424 v. Chr.), Darius II. (423-404 v. Chr.), Artaxerxes II. (404-358 v. Chr.), Artaxerxes II. Ochus (358-338 v. Chr.) und Darius III. (336-331 v. Chr.).

c) Die Juden von Elephantine

Im Gegensatz zur Dürftigkeit der historischen Zeugnisse über die palästinensischen Juden hat die Entdeckung der Papyri von Elephantine (s. Abb.) uns interessante Einblicke in das Leben der jüdischen Militärkolonie in Oberägypten verschafft.



Abb. aus dtv - Barnavi: UNIVERSALGESCHICHTE DER JUDEN
(Zur Vergrößerung bitte auf die Abb. klicken)...

Die Dokumente von Elephantine schließen eine Korrespondenz zwischen den Kolonisten und dem Hohenpriester in Jerusalem über die Feier des Passah ein. Sie berichten auch, dass es durch Intrigen der Ägypter zu antijüdischen Krawallen gekommen und bei diesen Tumulten der Tempel zu Elephantine zerstört worden war.

Die Juden baten daraufhin Bagoas, den persischen Gouverneur von jhud (Judäa), sowie den Gouverneur von Samaria um Vermittlung bei den ägyptischen Behörden. Ihre Bitten hatten Erfolg und man gestattete ihnen den Wiederaufbau des Tempels.

Abb. aus dtv - Barnavi: UNIVERSALGESCHICHTE DER JUDEN
(Zur Vergrößerung bitte auf die Abb. klicken)...

d) Untergang Persiens

Das persische Weltreich dehnte sich von Indien bis zum Süden Ägyptens aus, doch ruhte es auf sehr schwankenden Fundamenten. Die verschiedenen Nationalitäten waren den eigentlichen Persern an Zahl weit überlegen, und es fehlte die tragende Idee, die die Vielfalt zu einer einheitlichen Gemeinschaft hätte zusammenschweißen können.

Im ausgehenden 5. und im 4. Jhdt. v. Chr. gab es keine starke Zentralgewalt, und die persische Armee war keine wirksame Streitmacht mehr. Sie rekrutierte sich zum Teil aus den verschiedenen Völkerschaften des Reiches, ihr Rückgrat stellte jedoch ein hauptsächlich aus Griechen gebildetes Söldnerheer dar. Wie ein Jahrtausend später das römische Weltreich, so war auch das persische Reich zu einem überalterten, brüchigen Gebilde geworden, das jedem disziplinierten Gegner als leichte Beute zufallen musste: im Falle Persiens der makedonischen Armee unter Alexander, die klein an Zahl war, aber von erfahrenen und mutigen Männern geführt wurde.

  • III. TEIL
    6. Die persische Kultur
    a) Die persische Sprache; b) Die Königspaläste; c) Persien und Jerusalem; d) Die persische Religion; e) Die Juden in Persien; f) Die Juden im Partherreich.

hagalil.com 28-03-2005



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