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Megilla & Megillalesung
Ein
zentrales Ereignis des Purimfestes ist das Verlesen der Purimgeschichte am
Vorabend und am Tag des 14. Adar aus der Megilla. Die Megillot sind oft, im
Gegensatz zur Tora, in der Bilder nicht erlaubt sind, mit Bildern bzw.
Graphiken ausgeschmückt. Eine Megilla ist eine
Rolle, in welche der Text der Esthergeschichte eingeschrieben ist. Sie hat
nur einen Griff, im Gegensatz zur Tora, ist häufig von geringer Größe und
ist oft in einer kostbaren Schmuckhülle aufbewahrt.

Megillalesung im Kibbutz, Yavne 1970
Die Esthergeschichte wird in der Rolle
visuell häufig naturalistisch oder symbolisch dargestellt. Zeit und Ort der
Herstellung der Megilla ist anhand des Stils nachweisbar.
Die Lesung
findet mit viel Lärm statt, die Gemeinde verkleidet sich und die Stimmung
ist fröhlich und ausgelassen.
Erzählt wird eine Geschichte am Hofe des
persischen Königs Ahasveros, dessen Minister Haman sich an einem Juden
rächen wollte und dies als Anlass nahm, sämtlichen Juden nach dem Leben zu
trachten und sie zu berauben. Die jüdische Gemeinde wird durch die kluge
Initiative von Esther, die dem jüdischen Volk entstammt und den König von
Persien heiratet, gerettet.
Alle Juden sind traditionell
verpflichtet, die Lesung zu hören, sowohl Männer, wie auch Frauen und
Kinder.
Der Text wird nicht nur gelesen, sondern
gesungen. Für Purim gibt es, wie für alle Festtage, eine besondere Melodie.
Auch müssen die Namen der Söhne Hamans in einem Atemzug gelesen werden. Die
vier Verse, in denen das Wort "Erlösung" vorkommt, müssen lauter als die
übrigen Verse gesungen werden. Im babylonischen Talmud finden wir ein ganzes
Traktat aus dem 2. Jahrhundert, das Traktat Megilla aus der Ordnung Moed
(Festtage), welches uns genaue Anweisungen zur Lesung liefert. Bei der
Lesung erlebt man eine Art "akustischen Midrasch" anhand der besonderen
Melodie und der spezifischen Leseweisen.
Midrasch: 1. Methode der Schriftanwendung
und Schriftendeutung; 2. literarische Gattung (eine Art Kommentar zur
Bibel); 3. Bezeichnung für verschiedenartige, rabbinische Schriften, auch
homilitischen und traktatartigen Charakters (aus: Glossar von Inge Schott,
s.u.).
Die Lesung wird vom Publikum mit viel
Lärm kommentiert, sobald der Baal Kore, der Leser der Megilla, das Wort
"Haman" ausgesprochen hat (die Details zum Lärm werden in einem der
folgenden Abschnitte erklärt).

In dieser Megilla, einer so genannten
Megillat ha'Melech, einer Königs-Megilla, ist die Purimgeschichte im
Renaissancestil dargestellt. Sie wurde im 18. Jahrhundert in Italien
hergestellt.
Jeder Reihe beginnt mit dem Wort
"ha'Melech", der König. Mit dem "König" ist der König der Welt, G'tt,
gemeint. Der Text wird visuell durch architektonische Säulenelemente
unterteilt und durch verspielte Pflanzen- und Vogelmotive umrahmt. Am
unteren Rand wird die Esthergeschichte wie ein Kommentar zum Text bildlich
dargestellt.

Diese Estherrolle stammt aus dem Elsass
und wurde um 1730 angefertigt. Der Text ist dekorativ in Kreisen angelegt.
Die Illustrationen zeigen Szenen aus der Purimgeschichte, aus dem jüdischen
Alltag der damaligen Zeit, Figuren, Vögel und Blumen. Als Besonderheit ist
der Text von Tierkreiszeichen eingefasst.

Diese Skizzen zu einer Megilla von Otto
Geismar ist ein Beispiel der Ausgestaltung durch einen modernen Künstler.
Der aus Deutschland stammende Otto Geismar, der durch seinen
minimalistischen Stil bekannt wurde, hat hier um die Jahrhundertwende als
Gestalter gewirkt. Seine Megilla zeichnet sich durch seinen sparsamen und
comicartigen Stil aus, der Witz und die Ironie des Purimfestes wird visuell
verdeutlicht.

Megillot Esther, Estherrollen, werden
meistens in dekorativen Hüllen aus Silber oder Holz aufbewahrt. Diese
aufgerollte Megilla stammt ebenso wie die Hülsen aus Holland (Mitte des 18.
Jahrhunderts). Sie ist reich bebildert mit Szenen vom Hof des Ahasveros und
gegliedert durch Säulenelemente, die den Text unterteilen. Die Hülsen zeigen
feinste Silberschmiedearbeit mit figurativen und floralen Elementen.
Bitte die Bilder zur Vergrößerung
anklicken!
hagalil.com
05-03-2004
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