Schabath Sakhor:
DIE MACHT AMALEKS
Teil 2 der Abhandlung über Amalek (zum
Schabath Sakhor Teil1)
Von Elijahu Kitow
Woher hat Amalek
die Kraft, sich gegen das Volk Israel zu stellen, es hinterlistig
anzugreifen, während es unter g'ttlichem Schutz steht?
Unsere Weisen sagen: 'Wajilachem Im Jisrael Birefidim - und er
kämpfte gegen Israel in Refidim.' - 'Kann denn Schilf ohne Sumpf
wachsen, oder wächst Gras ohne Wasser?'- (Ijow 8) So kann auch Israel
nicht bestehen, wenn es sich nicht mit der Tora beschäftigt. Da sie sich
von den Worten der Tora entfernt hatten, kam der Feind über sie, denn
der Feind kommt nur wegen Sünde und Verfehlen. (Jalkut 262)
Einige erklären: Refidim kommt von dem Wort: Rafe = schwach. Da sie ihre
Hände erschlaffen liessen, (sich von der Tora abwandten) kam der Feind
über sie, denn der Feind hat nur Macht über sie, wenn sie die Tora
vernachlässigen. (Jalkut 263)
REFIDIM
Immer war Amalek
dem Testament seines Grossvaters treu geblieben: 'Immer, wenn ihr sie
straucheln seht, störzt euch auf sie.'
Als das Volk Israel das Schilfmeer hinter sich hatte und in die Wüste
Schur kam wusste es, dass es sich dem G'ttesberge näherte, um dort die
Tora zu erhalten, und um ein 'Königreich von Priestern' und ein heiliges
Volk zu werden, ein Volk, das nicht vom Brot allein lebt, und nicht nur
vom Brunnenwasser seinen Durst stillt, sondern von G'ttes Wort allein.
Sogar in der Wüste wandert es auf G'ttes Geheiss, in der schrecklichen
Wüste, in der es weder Wasser noch Brot gibt. Dort sollte es auf G'tt
vertrauen, dass Er es nicht verhungern lässt, selbst in der öden,
trockenen Wüste.
Als sie in die Wüste Schur kamen, wanderten sie drei Tage lang, ohne
Wasser. Doch solange sie noch Kraft hatten, beschwerten sie sich nicht.
Sie hatten Vertrauen und nahmen ihre Leiden an, denn sie wussten, dass
die Tora, die sie erhalten werden, nur mit Leiden erworben werden kann.
Durch das Ausschalten leiblicher Genösse würden sie reine Liebe zu G'tt
erwerben, und schliesslich auch in den Genuss der Freuden dieser Welt
gelangen. Das ganze Volk, 3 Millionen Männer, Frauen und Kinder, waren
in freudiger Erwartung, die Tora zu empfangen. Sie waren bereit, das
Joch der Tora auf sich zu nehmen, im vollen Bewusstsein der Tatsache,
dass dies nicht leicht sei.
Als sie nach Mara kamen, und dort Wasser fanden, kam eine neue Prüfung
auf sie zu. Sie konnten das Wasser nicht trinken, denn es war bitter.
Sie hielten nicht stand, und beklagten sich bei Mosche. 'Wajilonu
Haam... - das Volk beklagte sich', die Weisen und die Föhrer des
Volkes machten dabei nicht mit. Selbst die Klage des Volkes war nicht
allzu gross - 'Was sollen wir trinken?' war der Wortlaut ihres
Begehrens.
Somit war die erste Krise überwunden. 'Wajawou Elima.. und da
kamen sie nach Elim, dort waren 12 Wasserquellen und siebzig
Dattelpalmen, und sie lagerten dort beim Wasser.' Solange sie noch
Brotreste von Ägypten hatten, waren sie um das Brot nicht besorgt. Aber
die Erfahrung des Wassermangels liess sie beim Finden von Wasser
aufjauchzen. 'Und sie lagerten beim Wasser.' Als sie nun vom Wasser der
Oase Elim genügend Kraft geschöpft hatten, gingen sie in die Wüste
Sinai. Nun ging der Brotvorrat zu Ende. Auch gab es dort kein Wasser,
nur noch soviel als in ihren Geräten war. Doch der Mangel an Brot war
spürbar, wie sollten sie ihre Kinder ernähren, wie könnten sie nur einen
einzigen Tag ohne Brot auskommen? G'tt wird uns sicher Brot geben,
dachten sie, Er wird uns doch nicht sterben lassen! Wenn die Tora ein
solch schweres Leben von uns ver langt, wird man wohl daran zweifeln
müssen, ob ein ganzes Volk imstande sein wird, dies durchzuhalten.
'Wajilonu Kol Adat Benej Jisrael... - Da beschwerte sich die ganze
Gemeinde Israels gegen Mosche und Ahron in der Wüste.'
Die erste Prüfung in der Wüste Schur konnte ganz Israel bestehen. Bei
der zweiten Prüfung in Mara beklagte sich nur das Volk, aber die Föhrer
und Weisen hielten noch stand. Doch als die dritte Prüfung auf sie
zukam, versagten sie alle. Ihre Lage wurde ja auch wirklich
unerträglich! Wenn solche Prüfungen anhalten würden, wäre es unmöglich
für ein ganzes Volk, diese bis zum Ende durchzustehen. Bis jetzt war
auch ihr Begehren noch im Rahmen des Verständlichen, sie hatten ja nur
ein Minimum verlangt: Brot und Wasser.
Nun kam das Man herunter, und so erhielten sie ihr tägliches Brot. Tag
für Tag sammelten sie ihre Ration ein, und das Volk war beruhigt. Sie
waren nun bereit, die Tora zu empfangen, hatten sie doch das sichere
Gefühl, Tag für Tag versorgt zu sein.
Nun ging ihnen aber das Wasser aus, das sie von Elim noch in ihren
Gefässen hatten. Wieder waren sie der schweren Prüfung des Wassermangels
ausgesetzt. 'Und sie lagerten in Refidim und das Volk hatte kein
Trinkwasser.' Gleich darauf: 'Da stritt das Volk mit Mosche.' Alle
hatten sich bei dem Murren beteiligt, aber nicht alle beim Streit.
Diese Prüfungen stellten harte Anforderungen an das Volk: Das Brot des
Elends ohne Wasser, bitteres Wasser, eng bemessene Wasserration ohne
Brot, - dann gab es endlich Brot, und es war wieder kein Wasser
vorhanden. Gab es das eine, gab es das andere nicht, und gab es das
andere, dann war das erste wieder nicht da. Sollte dies der Weg der Tora
sein? 'Wajachanu Birefidim.' Refidim - Scherafu Jedejhem Min
Hatora - das war der Ort, an dem ihre Hände schwach wurden, zu
schwach um die Tora zu halten. Viele unter dem Volk verloren den Mut und
waren nicht bereit das Joch der Tora auf sich zu nehmen, eine Tora, die
mit so vielen Erschwerungen und Schwierigkeiten das tägliche Leben
belasten sollte.
MASSA UMERIWA - PRÜFUNG UND STREIT
"Und man nannte den
Namen dieses Ortes: Massa Umeriwa - Prüfung und Streit - weil die
Benej Jisrael dort stritten und weil G'tt sie dort prüfte. Sie hatten
nämlich die Frage gestellt:"Gibt es denn einen G'tt in unserer Mitte
oder nicht?"
Wie konnte ein so heiliges Volk wie Israel eine solche Frage stellen?
Hatten sie nicht täglich grosse Wunder erlebt?
"Um welchen Streit ging es dort?" fragen unsere Weisen.
Rabbi Jehuda sagt: Sie hatten gesagt: Wenn Er Herr der ganzen Welt und
auch Herr über uns ist, dann dienen wir Ihm. Wenn aber nicht, so werden
wir uns gegen Ihn auflehnen.
Rabbi Nechemia sagt: Wenn er für unseren Lebensunterhalt sorgt, so wie
es ein König in seinem Lande tut, dann dienen wir Ihm, wenn aber nicht,
werden wir uns gegen Ihn erheben.
Und unsere Weisen sagen: Wenn Er uns beweist, dass Er unsere innersten
Gedanken erkennen kann, dienen wir Ihm. Wenn nicht, werden wir
aufständig werden.
Daraufhin sagte der Heilige, gelobt sei Er: Wollt ihr Mich denn pröfen?
Dann soll "der Böse" kommen, und euch pröfen. Sofort danach: "Wajawo
Amalek - da kam Amalek."(Schernot Rabba 26)
Nach den Worten von Rabbi Jehuda sollten die Benej Jisrael folgendes
gesagt haben: Wir sind wohl bereit das Joch der Tora in allen ihren
Wegen auf uns zu nehmen, sei es noch so schwer. Doch wollen wir nicht
schwereren Prüfungen ausgesetzt sein als alle anderen Geschöpfe.
Zu diesem fügt Rabbi Nechemia hinzu: Israel war wohl bereit anders als
alle Völker und Sprachen zu sein. Das heisst, sie wären bereit gewesen,
auf persönliche Göter zu verzichten, wenn nur G'tt, der König ihren
Lebensunterhalt zusichern würde. Doch wollten sie nicht zu jeder Zeit
und zu jeder Stunde dafür bitten müssen.
Unsere Weisen sagen, Israel hätte behauptet: Sogar wenn wir anders sein
sollen als die anderen Völker und wenn auch der Weg schwerer sei als der
ihrige, "Naasse Wenischma" - wir wollen tun und hören, führen und
verstehen lernen. Sogar wenn wir jederzeit um unseren Lebensunterhalt
bitten müssen, Naasse Wenischma. Wir bitten nur darum, dass
Mangel an Nahrung keine unerträglichen Ausmasse annehmen möge, denn in
der Todesangst verliert der Mensch die Selbstbeherrschung und kann dann
nur noch murren und streiten. Wenn G'tt nun unsere Bedürfnisse, so wie
wir sie in unserem innersten Herzen föhlen, erkennt, und sie uns dann
erfüllt, dann "Naasse Wenischma". dann wollen auch wir alles
erfüllen und Ihm immer dienen. Wenn er dies aber nicht so tut, wenn wir
für die Erhaltung unseres Lebens in bitteres Wehgeschrei ausbrechen
müssen, wird es uns nicht möglich sein, in jeder Situation standhalten
zu können. Wir würden dann - G'tt behüte - einst wieder in Wut
ausbrechen und gegen Ihn aufständig werden!
In Refidim war es also kein vollkommener Vertrauensbruch, sondern nur
"Rafu Jedejhem" - ihre Hände wurden schwach, sie waren nicht
imstande durchzuhalten, um die Tora, die sie bald empfangen sollten,
bedingungslos anzunehmen. Darum stellten sie Forderungen bevor sie sich
verpflichteten, um der hohen Aufgabe gewachsen zu sein, und um nie
wieder schwach zu werden.
Da sagte G'tt: Ihr stellt Mir Bedingungen und wollt Mich auf die Probe
stellen, damit Meine Anforderungen an euch nicht zu hoch sind! So soll
denn Amalek kommen, und euch auf die Probe stellen, ob ihr euer
Möglichstes getan habt, um meinen Willen zu erfüllen.
GÖTZENDIENST IM LAGER
'Lechtech
Bamidbar' - dass ihr Mir in die Wüste gefolgt seid, in ein unbesätes
Land. Dies ist ein Dienst, der nur den Charakter des Vorläufigen und des
Einmaligen dieses Weges durch die Wüste trägt, bis die Tora endgültig in
euch dringt. Danach werdet ihr in Mein Land, in Meinen Palast eintreten.
Pflögen, säen und ernten, je nach Jahreszeit, und Mein Segen über euch
wird grösser sein als der über andere Völker. Doch die Aufgabe, fremde
Götter zu entfernen und.Mir allein zu dienen, ist eine Aufgabe, die sich
über Generationen hinweg erstreckt. Da wird von Zeit zu Zeit Amalek
erscheinen, um zu pröfen, ob ihr voll und ganz zu Mir steht. Wenn dies
der Fall ist, braucht ihr ihn nicht zu fürchten. Wenn aber unter euch
Frauen oder Männer sind, deren Herz noch an den ägyptischen Göttern und
ihren Abscheulichkeiten hängt, so sollen sie doch kommen, und euch von
Amalek fetten. Dann bewahrheitet sich: 'Wajawo Amalek - Und
Amalek kam, Wajesanew Becha Kol Haneche schalim Acharecha - dann
wird er hinterlistig alle jene über fallen, die schwach waren.'
'Wajesanew Becha'- und er hat dich hinterlistig überfallen.'
Raw Nachuran sagt: Wenn jemand von der schätzenden Wolke hinausgestossen
wurde, da wurde er von Amalek überfallen.
Und unsere Weisen sagen: Der Stamm Dan wurde von der Wolke ausgestossen,
denn sie waren alle Götzendiener. (Jalkut 491)
Noch war das Götzenbild Micha in ihren Händen, und viele unter ihnen
dienten G'tt noch nicht aus vollem Heizen.
Darum sagte G'tt zu ihnen: Ich zürne,weil es in eurer Macht steht zu
handeln, und ihr tut es nicht. Fürchtet ihr euch etwa, dass Ich euch
etwas befehle, was ihr nicht führen könnt? So komme doch Amalek und
prüfe euch! So war Amalek wie eine Fliege, die sich auf jede offene
Wunde setzt. Kaum entdeckte er eine 'Wunde', eine schwache Stelle, da
griff er an und kämpfte gegen Israel.
Woher schöpfte Amalek die Kraft, gegen Israel zu kämpfen? In 'Refidim',
Rafu Jedejhem - denn da waren Israels Hände schwach geworden. Sie
hatten ja vor der Gesetzgebung am Sinai schon durch einige Gesetze
beweisen müssen, dass sie sich bewähren können. Doch sie hielten nicht
stand. Wajesanew Bahem, er überfiel sie, denn 'der Böse' kommt
nur, wenn Fehl und Sünde im Spiel sind.
Fehl und Sünde - dies ist Amaleks Kraft. Er ist die Quelle der Sünde,
aus ihm entsteht sie und auch die Strafe ist durch ihn verursacht. Dies
ist nämlich die Art des Satan', des Anklägers: Zuerst legt er ein
Hindernis in den Weg, dann geht er zu G'tt, dem Richter und klagt an,
und am Ende geht er selbst hin und zerstört.
SACHOR... GEDENKE, WAS AMALEK DIR ANGETAN HAT !
Unsere Weisen
sagen: 'Ascher Korcha' (Kor = Kälte) - er hat sie kalt gestellt
vor den Völkern der Welt. Man vergleicht dies mit einer Wanne, die mit
kochend heissem Wasser gefällt ist, in die keiner hineinsteigen kann.
Wenn dann aber doch ein Mutwilliger hineinspringt, so hat er sich zwar
verbrüht, aber das Wasser ist für die anderen abgekühlt. So ist es auch
mit Israel: Als sie aus Ägypten hinauszogen, fürchteten sich alle Völker
der Welt, denn es steht: 'Damals erschraken die Fürsten von Edom' und
'Es falle Schrecken und Angst über sie.' Als nun Amalek kam, und sie
überfiel, da 'verbrannten' sie sich zwar an ihnen, doch waren sie für
die anderen Völker 'abgekühlt' (Korcha) und für diese leichter
verletzbar. (Jalkut Teze, 938)
Bevor die Sonne unseres Stammvaters Awraham aufging, war die ganze Erde
öde, es war, als ob das Licht der Welt erloschen war, und sie drohte in
den dunklen Abgrund des Frevels und des Götzendienstes zu versinken. Da
kam Awraham und brachte die zu erlöschende Kohlenglut zum Brennen. Seine
Nachkommen fachten die Flamme weiter an bis sie loderte und Wärme
spendete. Israel konnte nur durch die wunderbare Offenbarung G'ttes aus
Ägypten herauskommen, und so wurde es Israel, Ägypten und allen Völkern
klar, dass es ausser G'tt keinen anderen gibt. Nun warteten alle auf das
erhabene Ereig nis, die Offenbarung am Sinai, bei welchem Er erstmals
mit Menschen von Angesicht zu Angesicht spricht. An jenem Tage sollte
menschlicher Stolz und Hochmut gebrochen werden, und nur G'tt allein
erhaben über allem walten, für Götzen gab es keinen Bestand mehr. G'tt
hatte sich da dem ganzen Volk offenbart und hat es dazu bestimmt,
Beauftragter für die ganze Menschheit zu werden, ihnen den Weg zu
Höherem zu weisen. Würde es dann noch Völker geben, die, wie Pharao
sagen könnten: 'Wer ist überhaupt G'tt, dass ich auf Ihn hören soll?'
Ganz Israel war für dieses grosse Ereignis vorbereitet. Es war sich der
grossen Aufgabe bewusst. Doch da kam jener Bösewicht, Amalek, und
zerstörte alles. Er sprang in das von allen gefürchtete Feuer und
verbrannte sich.- Aber gleichzeitig kühlte er auch die lodernde Glut ab
(Ascher Korcha). Die anderen Völker können jetzt sagen: Wir führen
den Kampf weiter fort, wir haben uns nur vorläufig unterworfen. So ist
der 'Tikkun', der Idealzustand der messianischen Zeit, in die
Ferne gerückt.
Was nun das Volk Israel betrifft, - auch es hatte Schaden erlitten durch
diesen Angriff. Obwohl Amalek durch den Kampf 'verbrannt' wurde, war
sein Kampfgeist nicht gebrochen. Doch auch Israels feurige Begeisterung
und ihr G'ttvertrauen war von da an 'abgekühlt'. Angst und Bangen vor
Kriegen, die von Fleisch und Blut geführt werden, lassen wahre, echte
G'ttes furcht noch nicht aufkommen. Die Schwachgewordenen hatte Amalek
aus dem Hinterhalt angegriffen, den Entkräfteten hatte er Furcht
eingejagt, und sogar die Starken waren besorgt. Und als sie dann beim
Sinai standen, fehlte schon etwas von der Vollkommenheit, und diese
Unvollkommenheit machte sich dann auch später durch zahlreiche
schwerwiegende negative Handlungen bemerkbar. So wurde Israels
'Tikkun', ein Idealzustand für die Menschheit, für spätere Zeiten
verschoben. Nun sind es schon mehr als dreitausend Jahre her, und die
Erlösung ist noch nicht gekommen. Die Welt schwebt immer noch über dem
Abgrund - - - und all dies wegen der listigen Schlange, Amalek. Möge
sein Name und sein Andenken ausgeslöscht werden.
'Wehaja Behaniach... und es wird sein, wenn G'tt dir Ruhe geben
wird' 'Osse
Gedolot ejn Cheker - der G'tt, der Grosses tut, Er ist nicht zu
ergründen.' Gibt es denn etwas, das zu wunderbar wäre, dass Er es nicht
machen könnte? Hätte Er damals Amalek nicht bändigen können wie Er es
mit anderen Völkern tat, hätte Er es nicht zum Schweigen bringen können
wie Steine?
Hierin liegt gerade die Tiefe Seines Wirkens. Dass Er die anderen Völker
bezwungen hatte, wird ihnen als Verdienst angerechnet. 'Wejejdu
Mizrajim Ki Ani Haschern - Mizrajim soll erkennen, dass Ich G'tt
bin.' Es ist ein Verdienst für Ägypten, denn durch ihre Unterwerfung und
ihre Furcht haben sie ja die Herrschaft G'ttes anerkannt. Ebenso gilt
dies für die Bewohner von Pleschet - Philistia - und die Mächtigen von
Moaw, denn auch sie beugten sich vor der g'ttlichen Majestät und so
werden sie auch am Ende der Zeiten Anteil an der Erlösung durch
Maschiach haben. Amalek jedoch fehlen alle Voraussetzungen, und es wird
niemals zusammen mit allen anderen Völkern G'ttes Herrschaft anerkennen
können. So wird es für ewig verstossen bleiben.
Wehaja Behaniach... - und es wird sein, wenn G'tt dir Ruhe geben
wird von all deinen Feinden ringsum', wenn es keine Furcht vor Krieg
mehr geben wird, und wenn Israel keine Angst mehr von Amalek haben muss,
und wenn es in der Welt kein Hindernis mehr geben wird und G'tt als
einziger Herrscher anerkannt wird, dann: 'Timche et Secher Amalek',
dann wird das Andenken an Amalek vollkommen ausgelöscht werden unter dem
Himmel, als ob es nie bestanden hätte. Dann erst kann die Welt wieder zu
einer neuen Vollkommenheit gelangen, einer neuen Schöpfung gleich, eine
Welt ohne Amalek.
AUS DEN LEHREN UNSERER WEISEN
Das Böse, sichtbar
oder verborgen für alle, die G'tt dienen wollen, lauert an jedem
Kreuzweg und versucht, die vollkommene Hingabe zu G'tt zu verhindern.
Diese bösen Kräfte, deren einziges Ziel es ist, zu stören und den Weg
zum reinen, vollkommenen Dienst für G'tt allein zu verhindern, sind die
Wurzeln von Amalek. Sobald ein Mensch nur ein wenig nachlässt in seiner
Verehrung für G'tt, nimmt dieser Rascha, dieser Bösewicht die
Gelegenheit wahr, um seine zerstörerische Kraft wirken zu lassen. Darum
soll jeder Mensch darauf bedacht sein, die g'ttlichen Gesetze nicht zu
übertreten, damit Amaleks Kraft nicht überhand nimmt.
'Ein Krieg G'ttes ist es gegen Amalek von Generation zu Generation.'
Denn für jede Generation hat G'tt das Licht Seiner Offenbarung bestimmt
und nur Amaleks Schlechtigkeit stellt sich in den Weg dieser
Offenbarung, die für jede Generation bestimmt ist. Darum verabscheut
G'tt Amalek, da sich dieser der Güte, die Er Seinen Geschöpfen zukommen
lassen will, entgegenstellt. Wird sich nun ein Mensch, der G'tt in
Wahrheit dienen will, bewusst, dass es Amalek ist, der ihn an einer
vollkommenen Hingabe hindert, so wächst natürlich seine Abnei gung gegen
Amalek dementsprechend.
Amaleks Stärke besteht vor allem darin, dass er versucht das menschliche
Dasein zu beschweren. Doch wenn der Mensch nicht unter Arbeitsdruck
steht, und wenn er die Seelenruhe bewahren kann, dann verliert Amalek
seine Herrschaft. Darum steht geschrieben: 'Und es wird sein, wenn G'tt,
dein G'tt dich zur Ruhe kommen lässt... lösche das Andenken an Amalek
aus.' Nur in ruhigen Momenten und in ausgeglichener Gemütsverfassung
wird sich der Mensch bewusst, wie nichtig und schädlich die Kraft des
Bösen ist. Darum liest man auch Paraschat Sachor am Schabbar, denn er
ist ein Tag der Ruhe und darum besonders dazu geeignet, eine Atmosphäre
der seelischen Ruhe zu schaffen, um Amaleks Schlechtigkeit
auszuschalten.
Dies ist auch der Grund, warum das Datum von Purim nicht für den Tag des
Sieges über Haman, der ja von Amalek ab stammt, festgelegt wurde. Jom
Tow wurde erst gefeiert, als sie von ihren Feinden 'ruhen' konnten:
'Schenachu Meojewejhem.' Denn nur die Ruhe nach dem Sieg kann die
Vernichtung Amaleks herbeiföhren.
Das 'Auslöschen' von Amalek wird erst zur Zeit der endgültigen Erlösung
stattfinden, wenn die ganze Welt anerkennen wird: 'Haschern Echad
Uschemo Echad' - G'tt ist einzig und Sein Name ist einzig. Dies wird
vor Beginn des Monats Nissan sein. Jedes Jahr, 'in den Tagen von
Mordechai und Esther', zur Purimzeit also, die vor dem Monat Nissan
gefeiert wird, fühlt man schon eine Spur dieses endgültigen
'Auslöschens'. Dann wurde das Vorlesen der Paraschat Sachor auch für
diese Zeitspanne festgelegt.
Rosch Chodesch Nissan ist Rosch Haschana für die Könige Israels; die
Errichtung des Königreiches Israel ist abhängig von der Gründung des
himmlischen Königreiches. Darum sind in der Tora die beiden Mizwot:
Einsetzen eines Königs und Aus löschen von Amaleks Andenken
nebeneinander gestellt.
SITTEN UND BRÄUCHE
Man hatte es sich
früher zur Gewohnheit gemacht, die Feder, mit der man schreiben wollte
zu pröfen. Man schrieb die Buchstaben von dem Wort 'Amalek' und
versuchte dann, mit der gleichen Feder die geschriebenen Buchstaben
wieder auszu streichen, bis der Name unleserlich wurde. Dies, um die
Mizwa 'Macho Timche' zu erfüllen.
Manche pflegten am Purim die Namen von Amalek und Haman auf ein Stück
Papier zu schreiben und danach das Geschriebene mit 'Scheckar',
einem Alkoholgetränk auszulöschen. Dies tat man, um 'Tenu Scheckar
Laowejd - gebet Schechar dem Verlorengehenden' (Mischlej 31, 6) zu
erfüllen. Denn es steht im Zusammenhang mit Amalek: 'Weacharito Adej
Owejd' - und sein (Amaleks) Ende, bis es ein Verlorenes wird.
(Bamidbar 24, 20)
Andere wiederum pflegten die Buchstaben Amalek auf die Sohlen ihrer
neuen Schuhe zu schreiben, bevor sie sie zum ersten Mal anzogen. Damit
traten sie dann kräftig auf den Boden; um den Namen zu verwischen. Man
bezog sich auf den Vers: 'Bechol Derachecha Daehu... - Auf allen
deinen Wegen sollst du Ihn erkennen, dann wird Er deine Pfade recht
weisen.' (Mischlej 3, 6) Denn es steht auch: 'Weata Al Bamotejmo
Tidroch - und du sollst auf alle ihre Bamot (Anhöhen, die zum
Götzendienst bestimmt waren) treten.'
DER TAG DES TRAJAN
In Megillat Taanit
wird der zwölfte Adar als Tag erwähnt, an dem G'tt Rache an Trajan,
einem bitteren Feind Israels, genommen hat, Zwei rechtschaffene Brüder,
Lulianus und Papus hatten ihr Leben zur Heiligung des g'ttlichen Lebens
gegeben, und somit ihren Mitbrödern das Leben gerettet. Dieser Tag wurde
als Freudentag festgesetzt, an dem man weder fasten durfte, noch einen
Hesped - Trauerrede - über einen Toten halten sollte. Der freudige
Charakter dieses Tages wurde jedoch später wieder abgeschafft, weil am
gleichen Tage zwei andere fromme Brüder, Schmaja und Achija getötet
wurden. Trajan
war ein römischer Herrscher, der die Juden grausam unterdrückte. Einst
Sand man die Tochter des Trajan in Lod erschlagen auf. Keiner wusste,
wer sie getötet hatte. Trajan sagte: An diesem Ort habe ich keine
Feinde, höchstens die Juden. Sicherlich haben sie meine Tochter getötet.
Daraufhin befahl er, alle Juden von Lod zu erschlagen.
Nun wohnten dort zwei fromme Brüder, Lulianus und Papus. Die gingen zu
Trajan und sagten: Wir sind schuldig, wir haben deine Tochter
erschlagen. Trajan wusste wohl, dass sie es nicht getan hatten, und dass
sie die Schuld nur auf sich nahmen, um ihre Brüder zu retten. Trotzdem
nahm er ihr Geständnis an, und so konnte er seine Wut nicht an allen
jüdischen Bewohnern Lods auslassen.
Man erzählt, dass, als Lulianus und Papus zur Hinrichtung gebracht
wurden, Trajan sagte: Wenn ihr zu dem Volk von Chananja, Mischael und
Asarja gehört, dann soll doch euer G'tt kommen, und euch aus meiner Hand
befreien, genau wie er Chananja, Mischgel und Asarja aus der Hand von
Nebukadnezar errettet hat! Da antworteten sie: Chananja, Mischgel und
Asaqa waren Zadikim, sie hatten es verdient, dass ihretwegen ein Wunder
geschehe! Auch Nebukadnezar war ein bedeutender Mensch, und er hatte es
verdient, dass durch ihn ein Wunder geschehe! Aber dieser
Bösewicht-Trajan-ist ein gewöhnlicher Mensch, er verdient es nicht, dass
ein Wunder durch ihn geschehe. Was uns betrifft, wir sind vor G'tt zu
Tode verurteilt worden. Wenn du uns nicht tötest, dann hat Er andere
Vollstrecker, um das Todesurteil zu vollstrecken. Viele Bären und Löwen
hat Er, die uns töten können. Doch G'tt hat uns dir ausgeliefert, weil
Er einst von dir die Schuld unseres Blutes fordern wird! Dies machte auf
Trajan keinen Eindruck, und tötete sie.
Man erzählt, dass später zwei hohe Regierungsbeamte erschienen sind, die
Trajan auf brutale Weise töteten. Sie schlugen mit hölzernen Stöcken auf
seinen Kopf, bis dieser starb. Und so wurde wahr, was Lulianus und Papus
gesagt hatten.
Dies geschah am 12. Adar, und so wurde dieser Tag als Freudentag
festgesetzt. Man nannte ihn: 'Trajan-Tag'.
Man erwähnt die beiden Brüder Lulianus und Papus als die Erschlagenen
von Lod', und man sagt von ihnen: Keiner kann am Platz des Erschlagenen
von Lod im Gan Eden stehen, so hoch wird ihre Opferbereitschaft
geschätzt!
Genaue Details über die beiden anderen Brüder Schmaja und lchija, die
auch an diesem Tage erschlagen wurden, sind nicht gekannt. Man weiss
nicht, warum sie getötet wurden. (Siehe Caanit 18 b, und Raschi zu
dieser Stelle).
"Sefer haTod'a" - Jad Eljahu Kitow
MORASCHA VERLAG ZÜRICH |