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Jüdische Feiertage - Pessach

Pessach:
Ein Leitfaden durch den Seder

I.Teil von Rabbiner Walter Rothschild, Berlin

1. Gedanken zum Seder

Der Seder ist jener Teil von Pessach, an den die meisten von uns sich von ihrer Jugendzeit her am besten erinnern, oder den sie einhalten – denn es ist ein Ritus, der zuhause stattfindet, ein Familienritual und wird beladen mit persönlicher, privater Bedeutung und Erinnerung. Das ist gut und sollte auch so sein – ABER ... Der Seder spricht Menschen auf ganz unterschiedlichen Ebenen an: Vom Gelehrten bis zum sehr Einfachen. 
Die "Vier Söhne" illustrieren einen Teil dieser Vielfalt. Manche Juden können gelehrte Fragen stellen und mit gelehrten Antworten umgehen. Manche fühlen sich recht entfremdet von dem eigentlichen Vorgang, finden vielleicht den Seder eine langweilige Angelegenheit, die man eben über sich ergehen lassen muß und drohen es durch ihr Benehmen den anderen zu verderben – und müssen daher scharf ermahnt werden.
Manche können nur mit kindlichen Fragen und Antworten etwas anfangen. Und einige schließlich können nicht einmal eine intelligente Frage stellen – sie mögen zu jung, oder gestört oder aber behindert sein.

Das Problem ist, daß die meisten von uns den Seder, wenn überhaupt, dann in der Kindheit gelernt haben, und dann auch nur die kindlichen Versionen der Interpretation und Vorgehensweisen. Wenn wir nicht weitergehen und unser Wissen vertiefen und dem Seder und seine Traditionen als fragende Erwachsene begegnen, werden wir nur die kindlichen Antworten an unsere Kinder weitergeben können und könnten damit durchaus in die Situation geraten, daß wir dem Sechzehnjährigen dieselben Antworten geben wie dem Dreijährigen – Antworten, die wir selbst als unbefriedigend empfinden – und dabei wird uns doch in der Haggada ausdrücklich gesagt, daß jedes Niveau einer Fragen seine eigene Antwort verdient. 
Um ein Beispiel aus einer anderen Religion heranzuziehen: Weihnachten ist mehr als Sankt Nikolaus, nur sind viele Eltern unfähig, ihren Kindern mehr über ihre Religion zu vermitteln, denn das ist auch alles was sie selbst gelernt haben! Wenn das Kind einmal nicht mehr an den Nikolaus glaubt, landet der ganze Glaube überhaupt auf dem Prüfstand, denn für das Kind ist es nicht offensichtlich, daß es noch etwas mehr zu lernen gibt...
Und genauso hat es auch mit dem Seder mehr auf sich als nur über den Maror das Gesicht zu verziehen oder nach Elias Ausschau zu halten, ob er denn seinen Weinbecher leert. Viel, viel mehr. Dieser kurze Leitfaden kann nur auf ein paar der Aspekte und Geheimnisse in der Haggada hinweisen.

2. Der Seder

Der Seder sollte Spaß machen. Es ist kein ernsthaftes, feierliches Ritual. Man gibt eine hinreißende Geschichte von Erlösung und Freiheit zum Besten, und pflügt nicht nur durch ein langatmiges Gebetbuch. Der Wein steht da, damit man ihn trinkt, nicht nur an ihm nippt oder mit ihm herumspielt. Es stimmt durchaus, daß Widersprüche in der Art bestehen, wie wir Pessach begehen. Zum Beispiel werden eine Menge der Speisen, die wir essen, nicht im Bibeltext erwähnt, und was tatsächlich in der Bibel erwähnt wird – Opfer – ist nun auf den symbolischen Knochen und das Ei reduziert. 
An Pessach erinnern wir uns an eine hastige nächtliche Flucht – eine Vertreibung unserer Vorfahren, die unterdrückte Sklaven waren. Wir tun dies mit Hilfe eines beabsichtigten Kontrastes – wir nehmen uns Zeit für ein langes Mahl, lehnen uns zurück, singen Lieder bis spät in die Nacht...

Das Wort "Seder" bedeutet natürlich "Ordnung" und bezieht sich strenggenommen auf die "Gebetsordnung" und weniger auf das Essen. Das Essen ist selbst ein Teil dieser Ordnung , deshalb laden Sie jemanden, wenn Sie ihn zu einem Seder einladen, auf ein ganzes Ritual ein und sollten daher nicht Teile durchschludern oder überspringen. 

Nachdem man die Ordnung verlesen oder gesungen hat, ist der erste Teil folgender:

3. Kadesch

Der Kiddusch – der Standardsegen über den Wein, kombiniert mit einer Festtagsversion des "Segensspruchs für den Tag" und den relevanten Einschüben für Schabbat oder Hawdalah, wenn Pessach auf den jeweiligen Freitag- oder Samstagabend fällt.

Warum lehnen wir uns auf die linke Seite, wenn wir den Wein trinken? In griechisch-römischer Zeit gehörte es zur Etikette, sich beim Essen auf Sofas zurückzulehnen, dabei auf dem linken Arm und Ellbogen zu ruhen und das Essen mit der rechten Hand aufzunehmen (In vielen Gesellschaften ist die rechte Hand für die "sauberen" Tätigkeiten vorgesehen und die linke für die "unreinen". Ich weiß nicht, was die Leute taten, wenn sie Linkshänder waren!) 
Am Seder glichen die Juden der Mischnazeit (d.h. Römerzeit) ihr Verhalten dem ihrer nichtjüdischen aristokratischen Nachbarn an, und nahmen diese Methode zu dem Zwecke an, um zu zeigen, daß in der Sedernacht, sie so frei und ungezwungen waren, wie alle anderen auch (und das war leider im übrigen Jahr nicht unbedingt so).

... Fortsetzung
4. Ur’chaz
5. Karpass
6.

haGalil onLine 17-04-2000



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