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Jüdische Feiertage - Pessach

Pessach:
Ein Leitfaden durch den Seder

III. Teil von Rabbiner Walter Rothschild, Berlin

15. Dajjenu

Dieses Lied wird dem Hohepriester Jason im zweiten vorchristlichen Jahrhundert zugeschrieben. Die Botschaft ist einfach – wir wären für einem Bruchteil der Hilfe, die wir erhielten schon dankbar genug gewesen. Um wieviel dankbarer sollten wir sein, daß wir sie so reichlich bekommen haben! Die Sequenz beginnt mit dem Exodus und geht dann weiter zur Erbauung des Tempels.

16. Rabban Gamliel

Welches sind die grundlegenden Teile des Seder? Wenn wir ihn mit dem (Lamm)-Knochen in Verbindung bringen, was können wir dann mindestens einhalten? Gamliel bietet eine Antwort: Alles andere ist ein möglicher Zusatz, aber diese drei Symbole sind das Kernstück und müssen erklärt werden. Und das werden sie in den nachfolgenden Paragraphen.

17. Hallel

Der Hallel-Teil im Seder ist, offiziell, Nummer dreizehn, aber vor der Mahlzeit werden die ersten zwei Psalmen – 113 und 114 - gelesen oder gesungen. Besonders der Letztere bezieht sich auf den Auszug aus Ägypten.

18. Rachzah

Weil man nun mit Essen umgehen wird, sagt man den normalen Segensspruch über diese Handlung (also "al Netilat Jadaim").

19. Mozi Mazza

Der normale Segensspruch über Brot ist HaMozi Lechem Min Ha'Arez. Weil Mazza eine Art Brot ist, sagen wir genau das. Weil uns auch im Besonderen befohlen wird, Mazza zu essen (d.h. Ex.12:15), fügen wir diesem besonderen Gebot auch den noch spezifischeren Segen hinzu.

20. Maror

Der bittere Geschmack repräsentiert die Bitterkeit der Sklaverei und des Leidens. In manche Familien findet man den Brauch, ein kleines Stück Meerrettichwurzel oder etwas ähnlich Scharfes zu essen. In anderen, in denen Meerrettichsauce verwendet wird, ist es schwerer, dies in den Charosset zu tauchen, also muß ein Stück Mazza als Stütze genommen werden.

21. Korech

Vom aramäischen Begriff Karach "einwickeln/umhüllen". Dieser Gang ist symbolisch und eine eher wortwörtliche Lesart des Gebotes aus Ex. 12:8 - "Weil es heißt, wir sollen "a" mit "b" und "c" - offensichtlich sollen wir alles zusammen essen". Also geht Hillel als der Erfinder des Club-Sandwiches in die Geschichte ein. Und doch, bedenken Sie, weil wir das Pessach-Lamm nicht mehr haben, werden heute nur zwei der drei Ingredienzen gebraucht!

22. Der Sederteller

Bevor man zum Essen schreitet, ist jetzt ein guter Moment, zu sagen, was noch auf dem Sederteller zu finden ist. Der Lammknochen (manche verwenden einen Hühnerknochen) repräsentiert natürlich das Opferlamm an Pessach. Das geröstete oder angebrannte hartgekochte Ei repräsentiert das im Tempel dargebrachte Festopfer - das Chagiga. Es gibt keine formale Vorstellung des täglichen Opfers im Tempel - des Tamid – denn dieses wird heute weitgehend durch den Gottesdienst selbst ersetzt. Charosset wird nirgendwo in der Bibel erwähnt, ist jedoch zu Mischnahzeiten allseits bekannt. Das Salzwasser ist ebenfalls kein Bestandteil des festgelegten Gedenkens, obwohl es ein alter Brauch ist, Gemüse in solch eine Flüssigkeit zu tauchen. Schließlich haben einige Sederteller Platz für Chaseret – Salat oder ein anderes breitblättriges grünes Gemüse. Er wird nicht verwendet, sondern ist lediglich ein Verweis auf die vorherige Verwirrung über den Karpass.

23. Schulchan Orech

Der Gedeckte Tisch, das Mahl ist kein Zusatz zum Sedergottesdienst, sondern ist ein integraler Bestandteil! Mehrere Bräuche existieren zum Inhalt des Mahls und alle Gruppierungen innerhalb des Judentums haben ihre Lieblingsrezepte. Es ist gebräuchlich, mit einem hartgekochten Ei in Salzwasser getaucht zu beginnen – das Ei repräsentiert Leben und Fruchtbarkeit, die Beigabe Bitternis und vielleicht die Flüchtigkeit des Lebens. Manche Familien essen Lamm in Erinnerung an das Opfer. Andere wiederum meiden aus eben diesem Grunde Lammfleisch!

24. Barech

Dies ist wirklich das Standard -„Birkat HaMason", enthält aber den Einschub Ja’ale wejawo, den man normalerweise an besonderen Tagen einfügt, hier in der für Pessach gerechten Wortwahl.

25. Der dritte Becher

Am Ende des Dankgebetes wird der dritte Becher geleert und der vierte eingeschenkt. An diesem Punkt wird die Tür geöffnet und Sfoch Hamatcha gelesen. Es ist dies eine Kombination von Psalm 79, Vers 6-7, Psalm 69, Vers 25 und Ejcha (Klahelied), Kapitel 3, Vers 66. Er drückt Bitterkeit und Zorn aus gegen die Menschen, unter denen die Juden zu leben hatten – und das Öffnen der Türe ist wahrscheinlich nicht so sehr, um „Elias einzulassen", wie man häufig den Kindern erzählt, sondern ein Überbleibsel der Notwendigkeit, vor der Türe nachzusehen, ob irgendwelche Feinde dort auf der Lauer lagen, oder gar ein Leichnam vor dem Hause abgelegt worden war, um einen Anlaß für ein Pogrom zu geben.
„Der Becher des Elias" ist gleichfalls kein Becher, den Elias austrinken muß, sondern ein Relikt eines alten Streites, ob man nun vier oder fünf Becher in der Sedernacht trinken solle. Der einmal gefundene Kompromiß besagte, daß vier Becher zwingend waren und der fünfte als Frage an Elias belassen wurde, die er lösen sollte, wenn er kommt...

26. Hallel

Die zweite Hälfte der Hallel-Psalmen folgt, mit Psalmen 115, 116, 117 (sehr kurz – nur zwei Verse!) und 118. Diesem folgt wiederum Psalm 136, der im Talmud (Pessachim 118a) "Hallel HaGadol", ‘das Große Hallel’ genannt wird, um ihn von Psalmen 113 bis 118 anzusetzen, die bekannt sind als „ägyptisches Hallel". Es enthält den regelmäßigen Refrain „Seine Gnade währet ewiglich".

27. Nischmat-Gebet

Ein Teil des normalen Gottesdienst folgt nun. Das Nischmat Gebet ist sehr alt (ein Teil davon wird im Talmud erwähnt. Berachot 59b und Ta’anit 6b), und ist ein Teil eines Gebetes um Regen. (Die Regentropfen werden als die „zahllosen Gnaden" gesehen, mit denen Gott aufwartet). In Pessachim 118a wird empfohlen, die Haggada mit einem „Gesungenen Segen" abzuschließen und dieser ist bekannt als Nischmat.

28. Lieder

Verschiedene Lieder sind heute Teil der Haggada. Ihr Hintergrund ist ganz unterschiedlich. Manche kommen vor, andere wieder nach dem:

29. Der vierte Becher und Nirza

Der Segen nach dem vierten Becher blickt erwartungsvoll auf die zukünftige Erlösung. Das Gedicht „Zuende ist der Seder", geschrieben von Joseph Tow Elam, wurde im 11. Jahrhundert in die Haggada eingefügt.
Der Seder ist nun vorüber – man kann jetzt bis zum Einschlafen weitersingen!

30. Schluß

Dieser Leitfaden durch den Seder ist nicht allzu tief auf den mystischen Symbolismus eingegangen, der hinter dem Afikoman, oder vielen andere Teilen versteckt ist, aber er wird hoffentlich Ihnen helfen, den Seder besser zu verstehen und Ihnen dabei helfen, diese Nacht „anders als alle Nächte" werden zu lassen.


Chag Sameach!

Rabbiner Walter Rothschild 
(liberaler Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin)

haGalil onLine 17-04-2000



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