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Jüdische Feiertage - Pessach

Zur Haftarah:
Schabbat Chol HaMo’ed Pessach

Von Rabbi Arthur Waskow

Liebe Chevra,

ich hatte gehofft, Euch heute von zwei interessanten und bewegenden Pessachexperimenten zu berichten, an denen ich teilhatte – ich werde dies in Kürze nachholen.

Es erscheint mir im Moment wichtiger, andere Ereignisse anzusprechen.

In der letzten Samstagnacht, im Sedwick Cultural Center in Philadelphia, wurde eine „Einstimmung in Pessach“ abgehalten. Vier Bands, eine Afro-Amerikanische, eine Klezmerband, eine amerikanische Folkband und eine Countryband spielten jeweils eine Anzahl von Liedern und Melodien zum Thema Pessach – Freiheit, Obdachlosigkeit usw. Ich trat als MC und Erzähler auf, suchte die Beziehungen zu Pessach und zueinander...

Obdachlosigkeit, Hunger und Pessach

Letzte Nacht fand in der 42. Strasse nähe Times Square in NYC eine Performance statt, die sich „Matzoh Ball Soup Kitchen & Seder“ nannte. Das Thema dieser „Mazzeknejdel-Suppenküche“  war Obdachlosigkeit, Hunger und Pessach.

Vier Menschen – ein Kantor, ein NYC Rabbiner, Ruth Messenger vom Amer Jewish World Service und ich leiteten verschiedene Passagen der Haggadah von einem Schaufenster aus, in das eine Wand aus Mazzot eingezogen war. Diese Wand wurde später „eingerissen“, damit die Mazzen gegessen werden konnten.

Nach den Mazzot gab es Mazzeknejdelsuppe. Diese Veranstaltung wurde von Melissa Shiff als Teil der Chashama-Serie  (http://www.chashama.org/) der „street/art/politics“-Projekte  geplant.

Am meisten beeindruckte mich an diesen beiden Veranstaltungen, dass hier versucht wurde, den Seder in zeitgemässen Formen zu präsentieren, so dass Pessach eine heutige Gemeinschaft, die nicht auschliesslich jüdisch ist, ansprechen kann.

Kann Pessach als nächstes Paradigma für das Judentum stehen?

Aber das „neue Paradigma“ konfrontiert uns auch mit noch schwerwiegenderen Themen. Das „neue Paradigma“ schliesst ein jüdisches Volk ein, welches nicht mehr Opfer und Paria ist, sondern Macht hat in der Welt, und darum die Verantwortung trägt, diese Macht zum Wohle zu nutzen – für unsere eigenen Leben, die Zukunft unserer Gemeinschaft und das Leben schlechthin.

Statt dessen müssen wir tagtäglich hören – nicht, dass Leben erneuert wird - sondern Meldungen über den Tod, den Tod und nochmals den Tod.

Gerade jetzt lesen wir Jecheskel (Ezekiel) in unserer Haftara zum Schabbat Chol HaMo’ed Pessach – (am letzten Schabbat):

Die Haftara (Ezekiel 37:1-14) beginnt folgendermassen:

(Ez. 37, 1-5)

„Die Hand von '''', des Atems des Lebens, war auf mir,
und ein brausender-Atem-von-Wind '''' trug mich fort
und stellte mich in die Mitte eines Tales.
Voll mit Knochen!

Und führte mich an ihnen rings umher, rings umher.
Hier! Viele von ihnen waren auf der Fläche des Tales.
Und hier! Sie waren sehr verdorrt.
Und (...) sprach zu mir:

Menschenkind, Erdenwesen, können diese Knochen (auf)leben?
Ich sprach: Säule der Welt, Atem des Lebens,
Du weisst es in Deinem Herzen, nur Du.
Dann sagte G’tt zu mir:

Weissage über diese Gebeine!
Sprich zu ihnen:
Verdorrte Gebeine,
hört das Wort  Des-Einen-der-alles-Leben-atmet!

So sprach die Stütze der Welt,
der Atem des Lebens zu diesen Gebeinen:
Hier! Ich werde Atem bringen, der in euch hineinzieht
und ihr werdet leben.“

So - zuerst lesen wir nur vom Tod. Aber wenn G’tt fragt: „Denkst Du, diese Knochen können leben?“ ist Ezekiels verzweifelte Antwort: „Hey“! Warum fragst Du mich? Nur Du weisst es.“

Und G’tt antwortet: Nutze Deinen Atem, um Leben weiszusagen und dann wird der Lebensatem einziehen können. Ezekiel folgt diesem Rat und die Knochen kehren zum Leben zurück.

Wenn wir also im Sinne des Lebens sprechen, gibt es eine Chance.

Warum spricht mich diese Haftara im Moment so stark an? – Weil ich mich fühle, als würde ich in ein Tal mit ausgedörrten Gebeinen schauen. Death Valley.

Juden sterben Tag für Tag für Tag. Und Palästinenser – die meisten unschuldig – sterben ebenso.

Unsere gegenwärtige Führung im Staat Israel und ein Grossteil der Führung in Amerika, ist – meines Erachtens nach – nicht fähig, zu handeln - WIR WERDEN WEDER GESCHÜTZT NOCH WAHREN WIR UNSERE VERANTWORTUNG GEGENÜBER ANDEREN.

Hat denn niemand bemerkt, dass die Politik der Zerstörung und Zerschlagung, die die Regierung Sharon durchführt, mehr und mehr terroristische Anschläge und viele, viele neue israelische Tote herbeiführt – nicht weniger?

Hat denn niemand bemerkt, dass jeder Tag in Ramallah wie jener gestern und der heutige tausend neue Terroristen produziert? Selbst wenn viele von ihnen getötet werden, einige werden überleben, um weiterhin Israelis zu ermorden.

Und in Kürze, so stelle ich es mir zumindest vor, auch Juden in anderen Orten der Welt.

Hunderte solcher Tode würden „sich lohnen“ – wenn ihr Sterben, unser Sterben den jüdischen Staat erhalten und erfolgreich werden lassen würden und das Judentum erblühend. Aber mir scheint es, als ob die Taten der Regierung Sharon in dieser Woche das Todesurteil für den jüdischen Staat heraufbeschworen hätten – vollstreckt in vielleicht fünfzig Jahren.

Und das Todesurteil eines Judentums, das doch in Freude wurzelt, nicht in Verzweiflung, in Hoffnung, nicht in Furcht und Schrecken.

Und all dieses erscheint so unnötig. Man stelle sich vor, Sharon hätte auf den Saudischen Friedensvorschlag mit einem enthusiastischen Hurra!! reagiert – „Dies kann zum grössten Sieg der zionistischen Hoffnung, HaTikvah, führen, den wir seit hundert Jahren zu erringen versuchen. Lasst uns mit den Friedensverhandlungen sofort beginnen. Natürlich gilt es viele Fragen zu bearbeiten, aber ein Anfang ist eine mechaje!“

Statt dessen – nun, wir sehen, wo wir uns jetzt befinden.

Nichts kann die Obszönität der terroristischen Attentate in Abrede stellen.

Es hätte andere Möglichkeiten einer Antwort gegeben – starke, übertriebene, aber gewaltlose Antworten – von Palästinensern geliefert als Reaktion auf die Erstickung, die sie durch die Besatzung erfahren.

Was soll man also tun, was kann man tun?

Welche Worte könnten neuen Atem in diese toten Gebeine von Hoffnungslosigkeit und Unfrieden blasen, die uns mit ihren leeren, knochigen Augen anstarren?

Ich würde sagen – folgende Worte sind erforderlich: Rückzug aller israelischer Truppen aus Area A.

Eine unverzügliche Beendigung der Bombardierungen von Zivilisten, ausgeführt sowohl durch palästinensische Gruppierungen als auch durch die israelische Armee. (Manche dieser Bombardements sind planmässig durchgeführt, um jegliche Friedensmöglichkeiten zu torpedieren, viele sind jedoch das Resultat von Wut und Verzweiflung, welche beendet werden könnten, wenn es Hoffnung gäbe.

„Schläge allein werden nicht einmal einen Esel dazu bringen, sich zu bewegen“; „Karotten“ sind ebenfalls notwendig. Während der ganzen letzten drei blutigen Monate hat niemand den Palästinensern „Karotten“ angeboten – nur Schläge.

Was Arafat, oder wer immer dieses auch überleben wird, braucht, um die Attentate der Hamas mit Nachdruck zu beenden, ist das Gefühl, der palästinensischen Gemeinschaft ein wirkliches Angebot machen zu können, so dass sie selbst den Vorstoß wagen, die Terroristen zu stoppen.

Die Vereinigten Staaten müssen unverzüglich eine Versammlung einberufen, die es Israel ermöglicht, mit allen arabischen Staaten, die den saudischen Friedensplan unterstützen, an einer Friedenskonferenz teilzunehmen, mit dem ausgesprochenen Ziel, ein Palästina in den Grenzen von 1967 – nicht 100%ig, aber sehr nahe an diesen Grenzen – zu schaffen, und damit die Möglichkeit, palästinensische Flüchtlingen in dieses neue Palästina zurückkehren zu lassen oder sie entsprechend ihrer finanziellen Verluste zu entschädigen.

Die Schaffung einer internationalen Truppe, welche die Beendigung der Gewalt überwacht, mit der Befugnis, jene zu inhaftieren, die wegen terroristischer Übergriffe belangt werden, ist zusätzlich erforderlich, sowie die Schaffung eines besonderen internationalen Gerichtshofes für den Mittleren Osten, um denjenigen den Prozess zu machen und schließlich zu verurteilen, die sich des Terrorismus oder der Verbrechen an Zivilisten und an zivilen Nachbarschaften schuldig gemacht haben.

Alles dieses sollte mit sofortiger Wirkung geschehen, man sollte nicht auf das Eine warten, wenn das Andere noch nicht in Angriff genommen wurde.

Das dringliche und ultimative Bedürfnis, verbunden zu sein, wenn die Gewalt beendet ist - dieses wird jedoch nicht eintreten, solange es keine Hoffnung auf BEIDEN Seiten gibt.

Schliesslich möchte ich Euch sagen – wenn es so scheint, dass ich an diesem Thema hängengeblieben bin – lasst mich Euch versichern, ich würde tausendmal lieber über all die wundervollen Möglichkeiten eines Judentums berichten, welches sich in life-cycle-Ereignissen, unseren Festen, unser „eco-kosher“ Lebensweg, unser Gebet und unseren Meditationen ausdrückt.

Ich bin jedoch tief besorgt, dass, wenn wir den Konflikt mit den Palästinensern nicht lösen, ihr und unser Leben retten können, diese anderen Möglichkeiten zerinnen werden.

Rabbi Arthur Waskow

ist Direktor des Shalom Center (http://www.shalomctr.org) , einer Abteilung von ALEPH (Alliance for Jewish Renewal). Er gibt das Journal „New Menorah“ heraus und ist der Autor von zwölf Büchern, unter anderem „Godwrestling“ und „down-to-earth-judaism“.
Er ist mit Phyllis Berman verheiratet und Vater von fünf Kindern.


Kommentar und Gedanken zum Mazaw und zur Haftara Schabbat Chol HaMo’ed Pessach (30.03.2002) - von Rabbi Arthur Waskow

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