PESSACH
Informationen
zusammengestellt von Chaim FRANK
(Documentations-Archiv, Muenchen)
II. Teil
OMER-ZÄHLEN
Mit dem Omer-Zählen beginnt man am Abend des 2.
Pessach-Tages.
Am zweiten Pessachtag wurde im alten Israel das
Opfer für den ‘Erntebeginn’ dargebracht. Es bestand aus einem ''Omer''
Gerste, d.h. aus einem Maß zwischen 2.2 bis 4.5 Liter.
Von diesem Opfertag bis zum Wochenfest (schavuot) hatte man 49 Tage gezählt
und am 50. Tag, also am 6. SIVAN, war der Beginn des Shavuot, dem zweiten
Wallfahrts-Festes.
Diese 50 Tage, von Pesah bis Shawuoth, sind
angefüllt mit trauriger Erinnerung an die Leidenszeit während der
Regentschaft Hadrians, dem römischen Kaiser, aber sie erinnern auch an die
Leiden während der Kreuzzüge.
In dieser Zeit werden keine Feste und auch
keine Hochzeiten abgehalten und man verzichtet sogar auf musikalische
Darbietungen.
Die einzige Ausnahme macht der 18. Ijar (der 33.Tag der Sefira), der ''LaG
b'Omer'' (bestehend aus G(3)+ L(30) = Zahlenwert 33) - es ist ein
Halb-Festtag, weil das Sterben der Schüler des großen Rabbi Akiba an einer
Seuche an diesem Datum aufgehört haben soll.
Darum werden an diesem Tag alle Trauervorschriften (das Verbot der
Hochzeitsfeier; Musizieren ect.) außer Kraft gesetzt.

PESSACHIM (die Mishnah zu Pesah)
ist der dritte Traktat der Mishna-Ordnung,
und behandelt hauptsächlich die Gebote der Schrift betreffs der Feier des
Pessachfestes.
Mishna: (Wiederholung, Lehre) ist der
Kern der ‘mündlichen Lehre’ des Judentums. Sie ist die kanonische Sammlung
des Gesetzes-Schrifttums der Tannaiten, im 2.Jhdt und wurde noch von Juda
ha-Nassi redigiert. Gesetze und Religions-Gesetze, in sachlicher Anordnung
(6 Hauptteile, 63 Traktate) handschriftlich geschrieben. Die Mishna wird von
der Gemara kommentiert und bildet mit dieser zusammen den Talmud
Der Name ‘Pessachim’ ist nach dem Inhalt der
Kapitel 5-9 gewählt. Diese Mishna enthält 10 Kapitel:
- Das Wegschaffen des Sauerteigs (chamez)
- Das verbot der Nutznießung des chamez.
Woraus man Mazzot (ungesäuertes Brot) backen darf.
Was als Maror (Bitter-Kraut) verwendet werden darf.
- Dinge, die als Chamez anzusehen sind.
Besonderheiten, die zu beachten sind, wenn der 14. Nissan auf einen
Shabbat fällt.
- Das Verbot des Arbeitens am Rüsttag des
Pessach-Festes.
- Schlachtung des Pessach-Lammes
(Pessach-Opfer)
- Inwiefern das Pessachopfer die
Shabbat-Verbote aufhebt.
Wann zugleich mit dem Pessach ein Festopfer dargebracht wird.
- Das Braten des Pessach-Lammes.
Was zu geschehen hat, wenn das Pessachopfer unrein geworden ist, und in
welchen Fällen es in Unreinheit dargebracht und gegessen werden darf.
Welche Teile des Pessachopfers gegessen werden.
- Zu welcher Pessachopfer-Gemeinschaft gewisse
Personen gehören und für wen das Lamm geschlachtet werden darf.
- Welche Personen das ''pessach sheni''
darbringen (Num. 9:10ff).
Pessach in Ägypten.
Über die Verwechslung des Pesach.
- über die Mahlzeit am 1. Pessachabend
(Seder).
Auch die Tossef’ta umfaßt 10 Kapitel und
enthält wertvolle Ergänzungen, wie z.B. die Erzählung über die Ernennung
Hillels zum Nassi und über die Art, wie der König Agrippa einmal die Zahl
der am Pessach-Fest in Jerusalem weilenden Juden festzustellen suchte (ed.
Zuckermandel, IV).
Die babylon. Gemara (121 Blatt) enthält
viel Haggadisches. Von besonderem Interesse sind die Ausführungen über den
‘Am haArez’, über verschiedene Hohepriester, und über den Propheten Hosea.
Auch die palästinische Gemara ist
ausführlich.
Tossef’ta: (Hinzugefügtes, Supplement)
tannaitisches Sammelwerk, Einteilung und Anordnung wie die Mischna,
umfangreicher, aber außerhalb des Kanons stehend und nur als Zusatz
angesehen; traditionelle Urheber: die Tannaiten Nehemia und Chija ben Abba;
der Amoräer Oschaja (3.Jhdt). Kritische Ausgabe 1880 von Zuckermandel.

PESSACH-OPFER (Sewach Pessach)
Name des Opfers, das nach
Ex. 12 beim Auszug aus Ägypten geschlachtet werden sollte.
Das Opfertier, ein männliches Lamm von Schafen
oder Ziegen, sollte bereits am 10. Nissan vorherbestimmt und am 14. Nissan
‘gegen Abend’ geschlachtet werden. Mit dem Blut sollten Pfosten und
Oberschwelle des Hauses bestrichen werden, damit der Würgengel G’Tes, der
die Erstgeborenen Ägyptens tötete, schonend an den israelitischen Häusern
vorüberschreite. (daher wird der Name Pessach auch als ‘Vorüberschreiten’
gedeutet).
Das Lamm sollte gebraten und zusammen mit
ungesäuertem Brot (mazzot) und Bitterkräutern im Familienkreis verzehrt
werden.
Dabei sollten die Teilnehmer an der Opfermahlzeit zum Aufbruch bereit sein:
''die Lenden gegürtet, den Stab in der Hand, die Schuhe an den Füßen.''
Kein Knochen sollte zerbrochen und nichts bis zum Morgen übrig gelassen
werden.
An dieses ‘Pessach-Opfer in Ägypten’ lehnte
sich das ‘Pessach-Opfer der folgenden Geschlechter’ an, jedoch mit einigen
Modifikationen: das Lamm sollte fortan nur im Vorhofe des Zentral-Heiligtums
geschlachtet und das Blut nicht mehr an Pfosten und Schwelle des
Familienhauses, sondern vom Priester an den Altar gesprengt werden. Dazu
kamen noch das Verbrennen der Fettstücke, das Weglassen des Reiseanzuges,
die Forderung der levitischen Reinheit u.a.
Hinsichtlich der Opferzeit bestand eine Meinungsdifferenz zwischen Pharisäern
und Sadduzäern. Letztere bezogen die Bestimmung ‘gegen Abend’ auf die Zeit
zwischen Sonnenuntergang und Anbruch der Nacht; - erstere auf die letzten 3
Tagesstunden vor dem Untergang der Sonne.
Die Opferung geschah unter Absingung der
Hallel-Psalmen durch die Leviten; diese Psalmen wurden auch daheim beim
Pessach-Mahl von den Teilnehmern gesungen, die miteinander den Auszug aus
Ägypten und die Bedeutung des Ritus besprachen. Mit der Zerstörung des
Tempels kam gleich den übrigen Opfern auch das Pessach-Opfer in Wegfall. Die
Samaritaner bringen es noch heute dar.
Die wissenschaftliche Forschung vermutet in dem
Pessach-Opfer ein ursprüngliches Erstgeburtsopfer. Auch an das „ägyptische
‘poseh’ (Ernte) wird erinnert.
In der christlichen Kirche gilt Jesus als das wahre Pessach-Lamm (I. Korinther
5:7). Die Einsetzung des Abendmahls knüpft an das Pessach-Mahl an, nach den
synoptischen Evangelien fand sie am Abend des Pessach-Mahles selbst statt.

PESSACH SCHENI (zweites Pessach-Opfer)
Bezeichnung für das Pessach-Opfer, das von
denen, die zur Zeit der Darbietung auf fernem Wege oder durch Berührung
eines Leichnams unrein waren, einen Monat später, am 14. Iljar dargebracht
werden sollte (Num. 9:6ff).
Nach dem Talmud findet die Vorschrift von dem
‘pessach scheni’ auch auf diejenigen Anwendung, die infolge von Zwang oder
aus Irrtum das Pessach-Opfer nicht rechtzeitig dargebracht haben, und selbst
auf solche, die dies freventlich unterlassen haben.
Zwischen dem ‘ersten’ und dem ‘zweiten’
Pessach-Opfer finden gewisse rituelle Abweichungen statt.

Aus dem Sidur: Juedische Gebete
Die Anleitung: Fuer jede Woche ein Abschnitt der Torah
Die zehn Gebote und die dreizehn Grundsaetze
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