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Sfirath haOmer:
Die Kunst des Zählens Der Sederabend
am Erew Pesach wird am Abend des 14.Nisan gefeiert. Der erste
Pesach-Feiertag, der 15.Nisan, fällt im Jahr 2008 auf den 20.April. Es
folgen der zweite Pesach am 21.April, danach die Halbfeiertage und
schließlich der siebte Pesach am 26.April und der achte Pesach (nur in der
Galuth), der Acharon schel Pesach, am 27.April.
Die "Halbfeiertage" (Chol haMo'ed)
von Pesach umfassen in Israel 5 Tage, in der Galuth nur 4 Tage, da ja ein
zusätzlicher Chag (haScheni lePesach) gefeiert wird.
Der letzte Tag der Pesachwoche, haSchwi'i schel Pesach, der siebte Pesachtag,
ist wieder ein Chag ("Hauptfeiertag"). Die Tage dazwischen werden mit
teilweisem Arbeitsverbot begangen, d.h. z.B., dass aufschiebbare Arbeiten
nicht erledigt werden. Die Liturgie ist ähnlich der an den Halbfeiertagen
anderer Wallfahrtsfeste (Schloschah Regalim, z.B. Sukoth).
Mit der Omerzählung beginnt man am Eingang des 16.Nisan.

Zum 2.Omer sagt man am Abend
des 21.April, also zum Eingang des 17.Nisan, zuerst die Brakhah:
"Barukh Atah Adonaj, Elohejnu
Melekh haOlam, ascher kidschanu beMizvothav, vezivvanu al Sfirath haOmer".

und zählt dann:
"haJom schnej Jamim la'Omer".

Geboten wird die Zählung in der Torah:
"Und
zählt euch von dem Tage nach diesem Schabbat, von dem Tage eurer
Darbringung des geschwungenen Omeropfers, sieben volle Schabbatot sollen
es sein" (va. 23, 15).
Aus einer
Besprechung zum Wochenabschnitt EMOR
(Wajikra 21, 1-24,23) von Zwi Braun
Mit diesen Worten führt die Tora die Mizwa des Omerzählens ein, welche
Pessach mit Schawuot verbindet. Nach einhelliger Meinung unserer Weisen ist
mit dem Schabbat im obigen Passuk nicht der siebte Wochentag, der Ruhetag
gemeint, sondern der 15.
Nissan, der erste Tag
Pessach.
Warum verwendet die Tora für diesen Tag
nicht einen eindeutigeren Begriff wie "Mo‘ed", "Chag" oder "Pessach"? Laut
Malbim kommen alle diese Möglichkeiten nicht in Betracht, da wir unter
"Mo‘ed" oder "Chag" ebenfalls den siebten Tag Pessach verstehen könnten,
unter Pessach auch den 14. Nissan, den Tag, an dem das Pessachopfer
geschlachtet wurde, um am Abend des 15. Nissan verzehrt zu werden. Daher
weicht die Tora hier auf den Begriff Schabbat aus. Schliesslich ist jeder
Jom Tow ein Schabath, ein Ruhetag!
S.R. Hirsch bietet eine originelle Antwort auf unsere Frage:
"Vielleicht löst sich die ganze Schwierigkeit durch folgende Erwägung.
Unmittelbar im Vers zuvor wird das Omer "Reschit K'zirchem" genannt (das
Erste des Geschnittenen) und damit vor dessen Darbringung, oder doch vor
dessen Schnitt, das Schneiden des neuen Bodenertrags untersagt. Sowie denn
auch bis zu diesem Tage der Genuss dieses neuen Bodenertrags in jeglicher
Gestalt verboten ist.
Bis zum Omertag ist somit Ackerrast, das Getreide steht auf dem HaIm und
darf nicht geschnitten und nicht genossen werden. Eine solche Ackerrast
heisst aber ohne weiteres Schabath. So Waj. 25, 2: "Und das Land ruhe einen Schabbat dem Herrn".
Am 15. Nissan war somit noch 'Schabbat Ha‘arez' und der
16. der Omertag, mit welchem dieser 'Schabbat' aufhörte, war im
buchstäblichen Sinne der Tag nach Schabbat."
Worin liegt die Bedeutung des Omerzählens?
In Paraschat
Mezora finden wir die Vorschrift, dass nach Abheilen des Aussatzes der
Betroffene sieben Tage abwarten muss, bevor die definitive Heilung
ausgesprochen wird (Waf. 14, 9). Der Aussatz in der Tora trat
bekanntlich als Strafe für verschiedene Vergehen auf und führte zur
Unreinheit. Durch den Propheten Jecheskel (20, 6-8) wissen wir, dass
Teile des jüdischen Volkes in Ägypten ebenfalls dem Götzenkult anhingen. Der
Midrasch spricht von 49 Toren der Unreinheit, in welche das Volk bereits
eingetreten war. Hätten sie das 50. Tor erreicht, so wäre keine Rettung mehr
möglich gewesen.
Der Auszug aus Ägypten geschah im allerletzten Moment und verhinderte die
totale geistige Assimilation des Volkes. Die 49 Tage des Omerzählens
symbolisieren somit den Reinigungsprozess des Volkes. Raw Salman Sorotzkin
weist auf eine Mischna hin, in welcher Rabbi Jochanan ben Nuri die Meinung
vertritt, dass der Prozess, welcher den Bösewichten im Gehinom gemacht wird,
von Pessach bis Schawuot dauert (Edujoth 2, 10). Wem es nicht
gelingt, seine Seele in dieser Welt zu reinigen, der muss diesen Prozess in
der zukünftigen Welt durchmachen.
Freiheit
Den 49 Tagen der Omerzeit entsprechen aber auch die 49 Jahre, welche zum Joweljahr
führen (Waj. 25, 8). Im 50. Jahr, dem Joweljahr, werden die Knechte
freigelassen und "Freiheit im ganzen Land verkündet" (Waj. 25, 10).
Während wir am Pessach die physische Befreiung aus Ägypten feiern, ist es am
Schawuot die geistige Befreiung. Erst mit Matan Tora, mit der Offenbarung am
Sinai, erreichte die Erlösung ihr eigentliches Ziel und ihren Höhepunkt.
Nach Rabbi Jehoschua ben Levi kann nur derjenige als frei bezeichnet werden,
der sich mit Tora beschäftigt und die Mizwot auf sich nimmt (Pirke Awot
6, 2).
Erst durch die Tora erlangen wir die innere, die seelische
Freiheit. Interessanterweise entspricht das hebräische Wort für Freiheit,
"Cherut", dem Zahlenwert 614. Dies symbolisiert den Menschen, der sich den
613 Geboten verpflichtet fühlt (613+1).

Ein weiterer Aspekt des Zählens erschliesst sich uns bei genauerer
Betrachtung der "sieben vollen Schabbatot", die gezählt werden sollen. Hier
ist Schabbat als Woche zu verstehen, doch warum die Betonung auf voll,
"temimot"?
Das Wort "tam" begegnet uns bei Awraham, als G'tt ihn zur Brit
Mila auffordert, um vollständig, "tam" zu werden (Ber. 17, 1). Vor
der Beschneidung werden sieben Tage gezählt, um durch die Mila am achten Tag
die physische Vollkommenheit der Neugeborenen zu erreichen. Parallel dazu
versuchen wir nach sieben mal sieben Tagen, am 50. Tag, am Schawuot, durch
die Tora geistige Vollkommenheit zu erlangen.
"Und zählt euch" —
aus dieser Formulierung leitet der Talmud ab, dass das Zählen
Aufgabe jedes einzelnen ist (Menachot 65b). Jeder von uns ist
aufgerufen, zwischen Pessach und Schawuot wie unsere Vorfahren den Weg von
der physischen zur geistigen Freiheit zurückzulegen.
Omer zählen:
Sefirat ha Omer
Die Zeit zwischen Pessach und Schawuot (wörtlich "Wochen") wird "Sefirat ha
Omer" das Omer - Zählen genannt. Am 2. Tag des Pessachfestes wurde ein Omer
Opfer im Tempel in Jerusalem dargebracht und zwar von der neuen
Gerstenernte...
Sefirath ha Omer:
Kabalistische Aspekte zur Omerzählung
Jedem Tag der Omerzeit ist ein bestimmter
Zustand der kabbalistischen Sefiroth zugeordnet. Die Sefiroth, die Sphären
des Lebensbaums, sind ausstrahlende g'ttliche Energie, durch welche G'tt mit
der Welt interagiert...
Die Zählung des Omer
Bsp.:
Henejni muchan umsuman...
Vor der
Omerzählung gilt der Segenspruch:
"Barukh Atah Adonaj, Elohejnu
Melekh haOlam, ascher kidschanu beMizvothav, vezivvanu al Sfirath haOmer".
(D.h.: "Gelobt seiest Du Ewiger unser G'tt, König der Welt, der uns
geheiligt hat durch seine Gebote und uns die Omer-Zählung geboten hat").

Kalender:
Nach Sonnenuntergang des 31.Mai 2006 / 04.Siwan 5766 beginnt der 49. Tag,
das sind 7 Wochen des Omer.
"HaJom tisch'ah vearba'im Jom, schehem schiw'ah
Schawu'oth laOmer".
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