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Koscher leben...
 
 

Gedanken zu Rosch haSchanah 5762

Rab. Daniela Thau

Rosch Haschana 5762 wird in unsere Zeitgeschichte als ein denkwürdiges Rosch HaSchana eingehen. Eine knappe Woche vorher ist gegen die freie Welt ein Terroranschlag verübt worden, der in der Geschichte keines Gleichen findet. Wir stehen einem solchen Ereignis sprachlos gegenüber und können uns nur sehr langsam wieder in den unaufhaltbaren Alltag einfinden.

Dieser Anschlag fand noch im Monat Elul statt, der Monat in dem wir in uns gehen und anfangen uns mit unseren Unzulänglichkeiten und Verfehlungen auseinanderzusetzen. Es ist ein Vorbereitungsmonat, der dem neuen Jahr gewidmet ist und mitten in diesen Vorbereitungen werden wir unterbrochen von einem solchen schlimmen Ereignis.

Im Monat Elul beten wir die S'lichotgebete, das ist ein Gebetsgottesdienst, der aus Gebeten besteht, die um Vergebung bitten und das Gebet, das im Mittelpunkt steht beschreibt die dreizehn Eigenschaften G'ttes, die in dem biblischen Vers (Ex. 34: 6-7) aufgezeichnet sind:

Adonai, adonai el rachum w'chanun erech apaim w'rav chesed w'emet. Notzer chesed l'alafim nose awon wafescha w'chata'a w'nake lo j'nake…

Der Ewige, der Ewige, G'tt, barmherzig und gnädig, nachsichtig, von unendlicher Liebe und Treue; bewahrt Gnade bis in die tausendste Generation, vergibt Verkehrung, Eigensüchtigkeit, und Verfehlung und verzeiht…

Der Terroranschlag auf das World Trade Centre in New York, das Pentagon in Washington und die 4 Flugzeugentführungen fanden am 11. September statt. Dies entspricht dem 23. Elul. An diesem Tag lesen wir in einem Machsor, der einen Gebetskalender für den Monat Elul beinhaltet die Worte von dem biblischen Vers, der die dreizehn Eigenschaften G'ttes beschreibt. Nose awon wafescha w'chata'a.

Dort bekommen wir eine Erklärung über die drei Sündenbegriffe: Pescha, Awon und Chet: (Das Jüdische Gebetbuch, Magonet-Homolka, 1997, Gütersloh, S.26)

"Der Begriff Pescha bedeutet: "Rebellion". Er beschreibt die Einstellung eines Menschen, der sich selbst als der alleinige Richter seiner Taten sieht und weder G'tt noch die Gesetze G'ttes anerkennt. Pescha beschreibt den Menschen, der es ablehnt, für sich und sein Taten vor G'tt verantwortlich zu sein. Für solche Menschen gibt es keine äußerlichen Maßstäbe für Gut und Böse. Für "gut" halten sie alle Handlungen, die ihnen gefallen und die ihren Zielen entsprechen, für "böse" all jene, die ihnen mißfallen und ihren Zielen im Wege stehen."

Ich denke die Erklärung des Begriffs Pescha spricht für sich alleine und wir wissen alle, auf Menschen welcher Geisteshaltung wir ihn beziehen könnten.

Der Begriff Awon kommt von einer Wurzel mit der Bedeutung "verbogen, krumm sein". Er beschreibt einen Menschen, der davon abgelenkt wird, nach dem Guten zu streben. … Er beschreibt auch jene Verbiegung des menschlichen Charakters, die ihn dazu treibt, Böses zu tun, jene seltsame, widernatürliche Veranlagung, die einen dazu antreibt, die falsche Richtung einzuschlagen und Böses zu tun.

Auch dieser Begriff ist nicht all zu schwer zu verstehen.

Der Begriff Chet ist der schwächste dieser drei Begriffe. Er kommt von einer Wurzel mit der Bedeutung "etwas versäumen, verfehlen". Das Wort kann sich zum Beispiel auf einen Bogenschützen beziehen, dessen Pfeil das Ziel verfehlt hat. Der Bergriff Chet beschreibt das Mißlingen, dem guten Weg zu folgen, die Charakterschwäche oder die mangelnde Ausdauer, die einen Menschen davon abhalten, das Ziel zu erreichen, das er sich selbst gesetzt hat. Schuld liegt sogar bei einer unwissentlichen Sünde vor, wenn man sie bei größerer Sorgfalt hätte vermeiden können. Unachtsame Fahrerinnen und Fahrer, schlampige Lehrerinnen und Lehrer, überfürsorgliche oder nachlässige Eltern, gedankenlose Kinder - sie alle machen sich schuldig durch Chet.

Dieser letzte Begriff kommt uns allen wahrscheinlich am bekanntesten vor.

Merkwürdig, daß ausgerechnet an diesem Tag ein Gebetbuch eine Erklärung über die drei verschiedenen Sündenbegriffe gibt !!!

Ich denke, daß dies uns lehrt immer wieder unsere Taten zu hinter fragen, so daß wir nicht der schlimmsten dieser drei Sünden jemals schuldig werden, auch nicht in diesen schlimmen Tagen an denen wir vielleicht meinen, dass man es uns nicht verübeln kann, an das Schlimmste zu denken.

In diesen Vorbereitungstagen des Elul, beten wir auch Psalm 27. Ein Psalm, der uns Hoffnung gibt und in dem unser Glauben und Vertrauen auf G'tt zum Ausdruck kommt. Glauben und Vertrauen brauchen wir in diesen Tagen ganz besonders. (Psalm 27: 1-4)

G'tt ist mein Licht und mein Heil:
vor wem sollte ich mich fürchten?
G'tt ist die Kraft meines Lebens:
vor wem sollte mir bangen?

Dringen Frevler auf mich ein,
um mich zu verschlingen,
meine Bedränger und Feinde,
sie müssen straucheln und fallen.

Mag ein Heer mich belagern:
mein Herz wird nicht verzagen.
Mag Krieg gegen mich toben:
ich bleibe dennoch voll Zuversicht.

Nur eines erbitte ich von G'tt,
danach verlangt es mich:
im Haus G'ttes zu wohnen
alle Tage meines Lebens,
die Freundlichkeit G'ttes zu schauen
und nachzusinnen in seinem Tempel…..

In der Hoffnung, daß wir alle im Hause G'ttes wohnen, um dort meditieren und Frieden finden zu dürfen wünsche ich Euch allen an diesem schweren Rosch HaSchana

Schana tova u'metuka w'chatima tova

Rab. Daniela Thau
Bedford 16. September 2001 / 28. Ellul 5761

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