Gott, du bist uns so fern — was könnten wir in deiner Gegenwart sagen?
Gott, du bist uns so hoch überlegen wie der Himmel über uns - was könnten wir
dir erzählen?
Doch dir ist alles Geheime und alles Offenkundige bekannt. Du verstehst die
verborgenen Sehnsüchte des Herzens. Du lässt dich von Äußerlichkeiten nicht
täuschen, und nichts ist vor dir verborgen. Du kennst die Rätsel der Welt! Du
weißt um die gehüteten Geheimnisse aller Lebewesen. Du kennst das Innerste des
Körpers. Du weißt um die Gefühle und Gedanken. Nichts ist vor dir versteckt,
nichts deinem Blick verborgen.
Ewiger, unser Gott und Gott unserer Vorfahren,
gib uns Versöhnung für all unsere Verfehlungen.
Verzeih uns all unsere Verkehrungen.
Vergib uns all unsere eigensüchtigen Taten und Gedanken.
Du
reichst denen, die sich gegen dich auflehnen, deine Hand.
Dein rechter Arm ist denen entgegengestreckt, die umkehren.
Ewiger, unser Gott, du hast uns gelehrt, alle unsere Verkehrungen in deiner
Gegenwart zu bekennen, damit wir aufhören, Gewalt zu üben.
Deinen Worten gemäß wirst du unsere vollständige Umkehr annehmen, als hätten wir
dir Feueropfer dargebracht oder Wohlgerüche aufsteigen lassen. Endlos wären die
Feueropfer, die wir für unsere Schulden bringen müssten, und unzählig die
Wohlgerüche, die für unsere Verschuldungen aufsteigen müssten.

Du aber kennst unser Ende: Es ist Wurm und Made.
Deshalb hast du die Mittel zur Vergebung vermehrt.
Was sind wir? Was ist unser Leben? Was ist unsere Liebe?
Was ist unsere Gerechtigkeit? Was sind unsere Erfolge? Was ist unsere Kraft? Was
ist unsere Macht?
Ewiger, unser Gott und Gott unserer Vorfahren, was könnten wir in deiner
Gegenwart sagen?
Ist nicht unsere Kraft wie nichts vor dir? Und sind nicht ruhmreiche Menschen
so, als wären sie nie gewesen? Sind nicht Kluge vor dir wie solche ohne Wissen,
und Intelligente wie solche ohne Einsicht?
Ja, die meisten unserer Werke sind vor dir wie Nichtigkeiten, und die Tage
unseres Lebens sind wie nichts vor dir. Selbst "der Vorrang des Menschen vor den
Tieren wird bedeutungslos" (Koh. 3,19). Ja, alles ist wie nichts vor dir
- außer einer reinen Seele. Denn diese wird eines Tages in ihrer
Verantwortlichkeit ernst genommen werden vor dem Thron deiner Herrlichkeit.
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Quelle:
Sefer haTfiloth,
Gebetsbuch für die Hohen Feiertage...
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