 

Aus den Tiefen rufe ich, G'tt' zu dir:
G'tt, höre meine Stimme!
Der Elul, der 29 Tage
hat, spielt unter den Monaten etwa die gleiche Rolle wie der Freitag unter
den Tagen: Elul ist gewissermaßen der Rüstmonat des Rosch haSchanah, des
Neujahrsfestes. Denn nur das religiöse jüdische Jahr hat mit dem Monat
Nissan (Pesach) begonnen, das bürgerliche beginnt am 1.Tischri, dem ersten
Tag des Neujahrsfestes.
Der Elul, der letzte
Monat des bürgerlichen, der sechste des religiösen Jahres, ist ganz und
gar Rüste auf Neujahr und Versöhnungsfest und wird im Vorbedacht auf
jene großen »furchtbaren Tage« des Gerichts, der göttlichen Abrechnung
hin gelebt. Die Gedanken zum Monat Elul
sind ausgerichtet auf die kommenden 'Hohen Tage'. Jeden Morgen wird
Schofar geblasen, ein Mahn- und Weckruf des
Gewissens, das in diesem Monat immer tiefer aufgerührt wird.
Schofar (ra)
Man sagt, daß unser
Lehrer Mose nach seiner Empörung und Verzweiflung über das goldene Kalb
am Rosch Chodesch, dem 1. Elul, wieder auf den Sinai gegangen und am Jom
Kippur, dem Versöhnungstag, am 10. Tischri mit den neuen Tafeln
zurückgekehrt sei. Vierzig Tage war er auf dem Berg, vierzig Tage tat
unten das Volk Buße, und diese vierzig Tage vom 1.Elul bis zum
10.Tischri sind ein für alle Male die Zeit der Teschuwa, der Ein- und
Heimkehr der jüdischen Seele. Von Tag zu Tag steigert sich die
Leidenschaftlichkeit der Teschuwa.
Schon in diesem ganzen
Monat wünscht man einander in jedem Brief ein gutes neues Jahr mit
Hinblick auf die durch Teschuwa zu erreichende Vergebung. Im EluI lassen
die Frommen von Sachverständigen ihre Tefillin und Mesusot überprüfen.
Im Elul sucht jeder so viel Mizwot, schöne Pflichten, zu erfüllen, wie
er nur kann.
Die letzten Tage vor
Rosch haSchanah, und zwar wenn dieses auf einen Montag oder Dienstag
fällt, vom 21. oder 22. Elul, sonst vom Sonntag vor dem Neujahrsfest an
sind die Selichot Tage. Es sind dies die Tage der besonderen Bußgebete,
mit denen man schon am frühesten Morgen vor Sonnenaufgang beginnt;
Gesänge voller Bereitschaft zur Einkehr, voller Hingabe und
Selbstaufgabe wie die folgenden (auch in den Kol-Nidre-G'ttesdienst
eingefügten) Selichastrophen:
Denn sieh, wie der
Lehm in des Töpfers Hand - wie er will, macht er weit, wie er will macht
er eng - so sind wir in deiner Hand, der du Gnade bewahrst; schau auf
den Bund und wende dich nicht zum Trieb.
Denn sieh, wie der Stein in des Steinhauers Hand - wie er will,
erfaßt er, und wie er will, zerschlägt er - so sind wir in deiner Hand,
gütiger und verzeihender G'tt.
Denn sieh, wie das Glas in des Glasbläsers Hand - wie er will,
formt er, und wie er will, schmelzt er - so sind wir in deiner Hand, der
du Frevel und Irrtum vergibst.
Denn sieh, wie der Teppich in des Wirkers Hand - wie er will, wirkt
er grad, wie er will, wirkt er schräg - so sind wir in deiner Hand,
eifriger, rächender G'tt.
Denn sieh, wie das Feuer in des Schmiedes Hand - wie er will, bläst
er an, wie er will, bedeckt er es - so sind wir in deiner Hand, der du
den Atem einhauchst, schau auf den Bund und wende dich nicht zum Trieb.
Vom ersten Selichot-Tage
an fasten viele immer den halben Tag in der Weise, daß sie erst nach dem
Minchagebet, das sie aber schon zu seiner frühest erlaubten Zeit
verrichten, gegen halb ein Uhr mittags, die erste Mahlzeit zu sich
nehmen. Ebenso fastet man am Erew Rosch haSchana, am Rüsttag zum
Neujahr, bis Mittag. Und ebenso wie der neunte
Aw als allgemeiner Trauertag die persönliche Trauer des
Schiwa-Sitzenden aufhebt, der dann also sein Haus verlassen und im
Bethaus mit der Gemeinde trauern und beten soll, ebenso kommt der
Schiwa-Sitzende auch am Erew Rosch haSchana S'lichot sagen. An diesem
Morgen beginnt der G'ttesdienst noch früher, und vorher, also unbedingt
vor Tagesanbruch, nimmt man ein weniges zu sich. Am Nachmittag reinigt
man sich von Kopf bis Fuß und geht auch in die Mikwa, ins Tauchbad. Und
man zieht womöglich - vielfach allerdings erst am zweiten Abend - neue
Kleider an.
"Gib Ehrfurcht vor
dir, G'tt, unser G'tt, auf all deine Geschöpfe und Schrecken vor dir auf
alles, was du geschaffen hast, damit alles Werk dich fürchte und alles
Erschaffene sich vor deinem Angesicht beuge, damit sie alle ein Bund
werden, deinen Willen zu tun von ganzem Herzen, so wie wir erkennen,
G'tt, unser G'tt, daß die Herrschaft bei dir ist . . . Dann jauchzen die
Gerechten, dann schließt das Unrecht seinen Mund, und alles Übel muß wie
Rauch vergehen; du tilgst die Herrschaft der Willkür von der Erde."
Elul:
Die Hohen Feiertage / Furchtbaren Tage
Im nin'alu Daltej Nadiwim,
Daltej Marom lo nin'alu!
36kb //
71kB RealAudio
Von
Rabbi Shalom Shabazy (Jemen):
'Selbst wenn die Tore der Wohltätigen sich vor
Dir verschließen, die Tore der Himmelshöhen werden niemals verschlossen
sein'.
Gedanken zum Monat Elul
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