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Koscher leben...
 
 

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Im Anfang schuf G'tt...
BeReschith bara Elohim...

Das Gute und das Böse

Die Torah beginnt mit dem Bericht von der Erschaffung der Welt, jener Welt, die mit der Erschaffung des Menschen vollendet war. Der Midrasch Ekew (49) berichtet uns, dass G'tt den Menschen mit zwei Trieben erschuf: mit dem Guten (haJezer hatow) und mit dem Schlechten (haJezer har'a).
Um uns daran zu erinnern, enthält das hebräische Wort für "und er formte", "vajjzer" (die Form = haZurah), den Buchstaben Jud gleich zweimal: einmal für das Gute, einmal für das Schlechte.

Auf diese Dualität verweisen uns auch die zwei Schöpfungsberichte im Sefer Bereschith (Genesis). In Bereshith 1-31 lesen wir: "G'tt sah was G'tt gemacht und sah: Es war sehr gut", dieser erste Schöpfungsbericht (Bereschith 1.28ff) schließt mit einem doppelten Segen - gesegnet ist der Mensch und gesegnet der Schabath. Der zweite Schöpfungsbericht (Bereschith 3.9ff) schließt mit doppeltem Fluch - an den Menschen und an den Boden.

Schon die erste Paraschah der Lehre, der Torah, ist also voller Spannung und Gegensatz. Gut und Schlecht, Segen und Fluch. Dazwischen liegt die Übertretung des bis dahin einzigen Gebots, mit dessen Einhaltung im Gan Eden der Respekt vor G'tt, dem Schöpfer, zum Ausdruck gebracht werden konnte. Die Übertretung führt zur Erkenntnis von Gut und Böse.

Nach Buber bezieht sich der oben erwähnte Segen auf die Natur des Menschen, der Fluch betrifft die Geschichte des Menschen. Die Natur des Menschen ist g'ttlich, seine Geschichte ist menschlich. In der Spannung zwischen diesen Gegensätzen sind wir bis heute hin und her gerissen.

Es gibt manche, die bereits aus dem ersten Kapitel der Torah die Verdammung des Menschen folgern. Das Judentum, widerspricht dieser Lesart von Anbeginn bis heute: Der Mensch ist weder sündig noch ist er gefallen und verdorben; der Weg zu G'tt ist ein Weg den jeder einzelne gehen kann und gehen soll. Wir sollen nicht auf eine Rettergestalt warten, sondern die Errettung der Welt aus uns heraus betreiben. Dass uns G'tt auf diesem Wege begleitet, wir also nicht alleine sind, verdeutlicht uns die Torah, sie ist die Lehre des Lebens (Torath Chajim) und weist uns die Wege des Friedens (Darkhej Schalom).

G'tt hat uns eine Anleitung zum Leben gegeben. Diese Lehre erinnert wieder und wieder an unseren g'ttlichen Ursprung und unsere Verantwortung - für uns und unsere Mitmenschen, für die Welt und die Gegenwart G'ttes in ihr. Der Weg zur Errettung liegt in der Torah, in der Beschäftigung mit ihr und im Streben nach der Erfüllung der Mizvoth, der Gebote G'ttes.

Die Missachtung des einen einzigen Gebots, das G'tt im Gan Eden forderte, führte den Menschen zur Erkenntnis seiner Nacktheit. Ein Midrasch im Sanhedrin erläutert, dass hier nicht körperliche sondern religiöse Entblößung gemeint ist. Der Mensch schämte sich ohne seine einzige Mizvvah und er versuchte sich vor G'tt zu verstecken. Er versuchte zu fliehen, doch G'tt fand ihn.

Wo bist Du - Mensch?

In Bereschith 3-9 ruft G'tt nach dem Menschen und spricht zum Adam: "Wo bist Du?". Der Midrasch Tanchumah fragt sich zurecht, warum G'tt den Menschen ruft, wusste er denn nicht wo Adam steht? Die Antwort ist: "G'tt rief den Menschen, denn er wollte ihm die Möglichkeit geben zur Umkehr".
Nach Rabbi Awraham Heschel wog die Tatsache, dass sich der Mensch vor G'tt zu verbergen suchte, schwerer als der Genuss von der verbotenen Frucht. Der Mensch hatte vergessen, dass G'tt G'tt ist - und deshalb weniger entfernt als wir denken.

Interessant ist auch, dass Adam versucht die Verantwortung für sein Tun zum einen auf Havvah (Eva), zum anderen aber auch auf G'tt selbst umzulenken. Er spricht: "Die Frau, die DU gegeben mit mir, sie gab mir vom Baum und ich aß". Er scheint nicht nur die Allgegenwart G'ttes vergessen zu haben, sondern auch die ganz persönliche und individuelle Beziehung des Menschen, eines jeden einzelnen Menschen, zu G'tt.

Im Elul erinnern wir uns an das Bild einer schwankenden Waagschale, der Waagschale der Gerechtigkeit. Wir bauen am Jom Kipur nicht auf unsere Verdienste, wir vertrauen nicht darauf, dass unsere Leistungen, unser Wissen und Können die Waagschale der Gerechtigkeit zu unseren Gunsten neigen wird. Wir vertrauen und bitten - nicht um Gerechtigkeit, denn wo ist unsere Gerechtigkeit? Wir vertrauen auf Rahamim*, wir rufen zu G'tt - höre Du uns, verzeih uns, nimm uns an - in Erbarmen.

*) Das Wort RaHaMIM ist verwandt mit dem Wort ReHeM (Uterus). So bedingungslos wie die Liebe der Mutter für ihr Kind, so unbeeinflusst wie die Versorgung des Kindes im Mutterleib vom Handeln des Kindes ist, so bedingungslos ist die Zuneigung G'ttes.

  1. Jahre der Hoffnung:
    Die Geschichte von G‘tt und der Welt
  2. BeReschith bara Elohim...
    Das Gute und das Böse
  3. Ej Hewel Achikha?
    Jenseits von Eden
  4. Gegen den Pessimismus:
    Die beste aller möglichen Welten

    Wenn wir uns die Ereignisse der letzten Monate - oder auch Jahre - Revue passieren lassen, so finden sich etliche gute Gründe pessimistisch in die Zukunft zu blicken...

dg / hagalil.com 26-09-00 / 16-09-01

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