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Koscher leben...
 
 

Elul16. Elul



Jahreswechsel:
Erkennen was immer vor uns steht


Ein Jahreswechsel hat immer eine besondere Bedeutung für uns Menschen. Die Abrechnung mit der Vergangenheit und der Blick in die Zukunft treffen hier aufeinander und selbst nicht religiös lebende Menschen empfinden eine gewisse Ehrfurcht vor einem solchen Umbruch. Es ist die Zeit der Abrechnung und der Neuplanung.

Wie sehr der Mensch solche Orientierungspunkte braucht, erkennt man daran, dass es wohl keine Kultur oder Religion auf der Welt gibt, in der es kein Neujahrsfest in der einen oder anderen Form gibt. Aber es gibt nicht nur die religiös geprägten Jahreswechsel, auch im ganz weltlichen Bereich kennen wir Bilanzen, Inventuren, Steuerjahre, Schulzeugnisse, Bundesjugendspiele und auch Kinderchöre und Fußballvereine teilen ihre Auftritte bzw. Spiele nach einem festgelegten Jahresplan ein. Am Jahresende will man sehen, wie die Vergangenheit war und darauf aufbauend die Zukunft neu planen und verbessern.

Der Monat Elul ist dieser Abrechnung und Neuorientierung im jüdischen Leben gewidmet. Am 1. Elul stieg Moses noch einmal auf den Sinaj, um die Gesetzestafeln zum zweiten Mal von G-tt zu empfangen und dann am 10. Tischri mit dem Zeichen des verzeihenden G-ttes zurückzukehren. Es muss für das wartende Volk Israel, das zuvor noch das goldene Kalb angebetet hatte, eine schwere Zeit des Bangens und Hoffens gewesen sein. Vierzig Tage lang Furcht und Hoffnung, bis Moses endlich die Gesetzestafeln mitbrachte, zum Zeichen, dass G-tt die Reue der Israeliten annahm und ihnen einen Neuanfang gewährte. Genau so geht es uns im Elul, wir bereuen unsere Sünden und hoffen auf G-ttes Gnade am Tag der Versöhnung.

Mein Licht und meine Freiheit ist Er, 
vor wem mich fürchten?

Während des ganzen Elul wird nach dem täglichen Morgengebet das Schofar geblasen und danach der 27. Psalm gesagt: "Mein Licht und meine Freiheit ist Er, vor wem mich fürchten?" Täglich lassen wir uns durch den Klang des Schofars daran erinnern, dass die Zeit der Reue und Umkehr gekommen ist und täglich wiederholen wir mit den Worten des 27. Psalms unseren Willen, ganz auf G-tt und seine Gnade zu vertrauen.

Nach den 29 Tagen des Elul kommt Rosch haSchanah, das Neujahrsfest und zehn Tage später der Jom Kipur, der Versöhnungstag. Die Bedeutungsschwere dieser Tage wird in der Bezeichnung "Jamim noraim" die "gewaltigen Tage" oder "Tage der Ehrfurcht" erkennbar.

Wer leben wird und wer sterben,
wer sinkt, wer steigt...

Im Gebet Unetane tokef heißt es: "Am Neujahrstag wird es geschrieben und am Versöhnungstag wird es besiegelt, wie viele vergehen, wie viele entstehen, wer leben wird und wer sterben .. wer in Freuden, wer in Leiden, wer arm, wer reich, wer sinkt, wer steigt. Aber Umkehr (T'schuwah), Gebet (T'filah) und Liebeswerk (Z'dakah) wenden das Böse des Verhängnisses ab."

In diesem Gebet wird sichtbar, dass wir in der Gestaltung unseres Lebens nicht machtlos sind. G-tt hat uns unseren freien Willen gegeben, damit wir an dem Gebäude unseres Lebens aktiv arbeiten können. Der Mensch wird mit einer reinen Seele geboren und er hat die Möglichkeit der steten Erneuerung.

Der Elul ist nicht durch hektisch-freudige Vorbereitung auf das kommende Jahr geprägt, sondern durch Stille, Reue und Umkehr. Man besinnt sich auf seine Pflichten vor G-tt und den Menschen, betet viel, gibt Spenden an die Bedürftigen und nimmt sich vor, das neue Jahr mit mehr Liebe zu G-tt und den Menschen auszufüllen, statt sich wieder von den Sachzwängen des Alltags ablenken zu lassen.

Hier in der westlichen Welt und in einer Zeit, in der Traditionen weniger werden, muss man sich oft selbst zwingen, diese Stille zu spüren. Ich kenne sie eigentlich nur noch aus Erzählungen und versuche mich im Elul bewusst in diese Stimmung der stillen Hoffnung zu versetzen.

Persönliche Gedanken 
zum Elul

Gestern morgen saß ich in der Synagoge und war eigentlich nicht so sehr bei der Sache. Meine Gedanken schweiften immer wieder ab, weil ich versprochen hatte, diesen Beitrag über den Elul zu schreiben. Aber was sollte ich schreiben? Wie sollte ich es anfangen? Ich war ziemlich ratlos und starrte vor mich hin. Da fiel mein Blick auf den Vorhang, der vor dem Torahschrein hängt. Die Anfangsbuchstaben der zehn Gebote sind dort aufgestickt und plötzlich wurde mir bewusst:

Die Bedeutung des Elul steht uns eigentlich ganzjährig vor Augen. Wenn ich auf den Vorhang sehe, bemerke ich die Anordnung der zehn Gebote auf den Gesetzestafeln. Auf der rechten Vorhangseite beginnt es mit den Geboten, die unser Verhältnis zu G-tt regeln, auf der linken Seite geht es mit denen weiter, die unser Verhältnis zu den Menschen regeln. Die beiden Seiten der Gesetzestafeln befinden sich auf einer Ebene, sie sind gleich wichtig für uns. Je mehr ich mich um die Erfüllung der Gebote für G-tt bemühe, desto näher bin ich auch den Menschen. Je besser ich die Gebote erfülle, die das menschliche Zusammenleben regeln, desto näher bin ich G-tt. Die beiden Seiten gehören zueinander, wie die beiden Seiten einer Münze. Ohne die eine Seite ist die andere wertlos.

Für mich hat dieser Vorhang von jetzt an eine zusätzliche Bedeutung.

Schanah towah!

Elul vehaSlichoth:
Adon haSlichoth - Herr der Vergebungen
Dieser Pijuth listet in alphabetischer Reihenfolge Eigenschaften Gottes auf...

>> Elul 17

InSc / haGalil onLine 22-09-2000



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