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Jom haAzmauth
05 Ijjar / 14.Mai
G'tt und G'tt unserer Vorfahren, in deiner Hand liegt das
Geschick unseres Volkes und die Zukunft aller Nationen jeder Sprache. Du
hast uns über die ganze Erde zerstreut, und du sammelst uns wieder. Du
führst uns aus der Knechtschaft zur Freiheit, aus Zeiten der Not zur Freude.
Als deine Zeugen lassen wir dein Licht unter den Völkern leuchten. Stärke
uns, damit wir deinen Willen erfüllen.
Wir wenden uns nach Zion wie unsere Vorfahren vor uns. Die
Erinnerungen daran bringen uns einander näher. Die Visionen darüber bringen
uns dir näher. Erweise uns die Gnade, dass wir den Bau Jerusalems in unseren
Tagen sehen. Seine Stärke möge darin liegen, dass Recht in ihm wohnt und
seine Sicherheit darin, dass sich gerechte Taten in ihm finden. Friede sei
Irushalajims Lohn.
Deinem
Namen erweisen wir die Ehre für die Wunder, die unsere Augen gesehen haben.
Aus der Vernichtung wuchs Hoffnung, in der Dürre entsprang eine Quelle,
,,die Steppe blühte wie die Lilie" (Jes 35,1).
Mitten in der Zeit der Not haben wir die Worte deiner
Propheten gehört und die Erfüllung deiner Worte gesehen. Wahrhaftiger G'tt,
von neuem hast du uns erlöst. Stärke uns nun und gib uns Mut, dein Werk zu
vollenden. Öffne die Pforten zur Erlösung für Israel und für alle Völker.
Amen.
G'tt wartet nun ab, was sie daraus machen werden...
Ich gehöre zu einer Gruppe von Menschen, die seit der
Eroberung Palästinas durch die Briten nicht aufgehört hat, für einen wirklichen
Frieden zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung zu kämpfen.
Unter einem wirklichen Frieden verstanden wir und
verstehen immer noch, dass beide Völker gemeinsam das Land entwickeln, ohne
dass eins dem anderen seinen Willen aufzwingt. Im Blick auf die
internationalen Gepflogenheiten unserer Generation schien uns dies
schwierig, aber nicht unmöglich zu sein. Wir waren und sind uns dessen
bewusst, dass dieser unübliche, ja beispiellose Fall, von uns verlangt, neue
Wege zu suchen, neue Wege der Verständigung und des herzlichen Einvernehmens
zwischen den Nationen. Auch hier standen und stehen wir unter der Macht
eines Gebotes.
Wir sahen einen wesentlichen Punkt darin, dass sich hier
zwei berechtigte Ansprüche gegenüberstehen, zwei Ansprüche von ganz
unterschiedlichem Charakter und unterschiedlicher Herkunft, die man nicht
objektiv gegeneinander ausspielen kann. Man wird keine objektive
Entscheidung darüber fällen können, welcher der beiden Ansprüche berechtigt
ist und welcher nicht. Wir sahen und sehen unsere Aufgabe darin, den
Anspruch, der sich unserem entgegenstellt, zu verstehen und zu achten und
uns darum zu bemühen, beide Ansprüche miteinander zu versöhnen. Wir konnten
und können den jüdischen Anspruch nicht verleugnen. Etwas, das sogar über
unserem Leben steht, ist untrennbar an dieses Land gebunden: sein Werk,
seine g'ttliche Sendung. Dennoch waren und sind wir davon überzeugt, dass es
einen Kompromiss geben muss zwischen diesem Anspruch und dem anderen. Wir
lieben Land und wir glauben an seine Zukunft. Da eine solche Liebe ein
solcher Glaube mit Sicherheit auch auf der anderen Seite vorhanden sind,
muss eine Vereinigung zu einem gemeinsamen Dienst an diesem Land im Bereich
des Möglichen liegen. Wo Glaube und Liebe ist, mag eine Lösung gefunden
werden, sogar für das, was ein verhängnisvoller Gegensatz zu sein scheint.
Ich denke, dass G'tt nicht einen Teil der Erde abgibt,
damit jemand, wie G'tt in der 'Heiligen Schrift' sagen könnte: ,,Das ganze
Land ist mein!" (Ex 19,5). Das eroberte Land ist meiner Meinung nach auch
den Eroberern nur geliehen, die sich darauf niedergelassen haben. Und G'tt
wartet nun ab, was sie daraus machen werden.
Martin Buber
Azma'uth Jisrael
Wir, die Mitglieder des Nationalrats als die Repräsentanz der
jüdischen Bevölkerung im Land Israel und der Zionistischen Bewegung, haben
uns an diesem Tag versammelt, an dem das britische Mandat über Palästina
abläuft. Kraft unseres natürlichen und historischen Rechts und gestützt auf
die Resolution der Vollversammlung der Vereinten Natio nen proklamieren wir
hiermit die Errichtung eines Jüdischen Staates im Land Israel: den Staat
Israel.
Der Staat Israel wird offen sein für die jüdische Immigration und
die Sammlung der in der Diaspora Lebenden. Er widmet sich der Aufgabe, das
Land zum Wohl für alle seine Bewohner zu entwickeln. Er gründet sich auf
Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden gemäß der Verkündigung der Propheten
Israels. Er wird allen seinen Bürgerinnen und Bürgern die gleichen sozialen
und politischen Rechte garantieren, unabhängig von Glaube, Rasse oder
Geschlecht. Er garantiert Glaubens- und Gewissensfreiheit und freie Wahl der
Sprache, Ausbildung und Kultur. Er wird die heiligen Orte aller Religionen
schützen. Er wird sich an die Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen
halten.
Selbst unter dem unmittelbaren Eindruck der gewalttätigen
Attacken, die in den vergangenen Monaten gegen uns gerichtet waren, rufen
wir die arabische Bevölkerung in Israel auf, den Frieden zu wahren und sich
bei der Bildung des Staates Israel zu beteiligen, auf der Basis einer vollen
und gleichberechtigten Staatsbürgerschaft und einer angemessenen Vertretung
in allen seinen vorübergehenden und dauerhaften Institutionen.
Wir reichen allen uns umgebenden Staaten und ihren Völkern die
Hand zu Frieden und guter Nachbarschaft und bitten sie, mit der unabhängigen
jüdischen Nation in dem ihr gehörenden Land in gegenseitiger
Hilfsbereitschaft zu kooperieren. Der Staat Israel ist bereit, seinen
Beitrag zu leisten zu einer gemeinsamen Bemühung um die Entwicklung des
gesamten Nahen Ostens.
Wir bitten die jüdische Bevölkerung in der Diaspora, uns bei
Einwanderung und Aufbau des Landes zu unterstützen und uns in dem Bemühen
zur Seite zu stehen, die jahrtausendealte Sehnsucht nach der Erlösung
Israels zu erfüllen.
Im Vertrauen auf den allmächtigen G'tt unterzeichnen wir diese Proklamation
in dieser Sitzung der vorläufigen Regierung auf dem Boden unseres
Heimatlandes in der Stadt Tel Aviv, diesen Schabbat-Abend, den fünften Ijjar
5708, den 14. März 1948.
(Aus der israelischen Unabhängigkeitserklärung)
Ein
Pilgerlied von David:
Ich freute mich, als man zu mir sagte:
,,Lasst uns zum Hause G'ttes gehen!"
Unsere Füße standen
in deinen Toren, Jerusalem.
Jerusalem ist gebaut
als eine Stadt, die alle vereint.
Die Stämme zogen zu ihr hinauf,
die Stämme G'ttes,
denn es ist Israels Auftrag,
den Namen G'ttes zu loben.
Dort saß man zu Gericht,
dort sind die Richterstühle des Hauses Davids.
Trachtet nach Frieden für Jerusalem,
allen, die dich lieben, soll es gut gehen.
Friede sei in deinen Mauern
und Geborgenheit in deinen Palästen.
Um meiner Familie und meiner Freunde willen sage ich:
Friede sei mit dir!
Um des Hauses unseres G'ttes willen, bitte ich:
Dir geschehe Gutes!
G'tt in der Höhe, bei dir ist Barmherzigkeit in Fülle. Lass
die Seelen derer, die Israel in Zeiten der Not eine neue Hoffnung gaben und die
für die Bildung des Staates ihr Leben ließen, ungestört in deiner Gegenwart
ruhen.
Lass sie wie die Lichter am Himmel leuchten, zusammen mir den Heiligen und
Reinen in der Höhe. G'tt voller Barmherzigkeit, lass ihre Seelen bis in Ewigkeit
in deiner Gegenwart geborgen sein.
Ihr
Leben möge eingebunden sein in den Bund des Lebens. G'tt, du bist ihr Schicksal.
Lass sie an ihren Ruhestätten in Frieden ruhen. Darauf sprecht: Amen.
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