Sefer
haTod'ah
Eljahu Kitow
MORASCHA - ZÜRICH
Die Herrschaft der Griechen
Jefet, der Sohn Noachs hatte sieben
Söhne. Der Name des vierten war Jawan (Griechenland). Während tausend und
siebenhundert Jahren spielte die Familie des Jawan eine unbedeutende Rolle
in der Geschichte der Menschheit, bis ihre Stunde schlug und in den Tagen
von Alexander dem Grossen zum Weltreich wurde.
So wie die himmlischen Scharen von G'tt eingesetzt sind, und jedem sein
eigenes Gebiet zugeteilt wird, so hat auch G'tt den irdischen Scharen, den
Nationen der Erde, seine Aufgaben gegeben und ihnen Grenzen gesetzt. Dem
einen gab Er Schönheit, dem anderen Macht, dem einen Reichtum und dem
anderen Weisheit. So konnte jeder in dem ihm bestimmten Bereich wirken, ohne
das Bereich des anderen zu betreten. Israel war aber bestimmt, G'ttes
'Kleinod' zu sein, doch hatte es auch die Möglichkeit, alles Schöne und
Gute, das die anderen Völker besaßen, sich anzueignen. In einer Hinsicht
sollte Israel aber über allen Völkern stehen: in ihrer Hingabe zu G'tt.
Jefet und seine Söhne hatten das Bereich des Schönen und die Weisheit
zugeteilt bekommen. Noach, ihr Stammvater, hatte sie so gesegnet: 'Schönheit
hast Du, G'tt, dem Jefet gegeben, und er wird in den Zelten Schems wohnen.'
Die Schönheit des Jefet in den Zelten Schems! Das heißt, dass es sich der
Schönheit Jefets ziemt, das Zelt des Schem zu betreten um dort
Vollkommenheit zu erreichen.
Nachdem Alexander der Grosse Griechenland zum Höhe punkt seiner Macht
gebracht hatte und viele Länder erobert hatte, machte der König Ptolemäus,
einer seiner Nachkommen, seine Hauptstadt zu einem Zentrum der Studien und
der Wissenschaften. Die Weisen Israels wurden gebeten, die Tora ins
Griechische zu übersetzen, um es den griechischen Forschern zu ermöglichen,
in die äußeren Tore der Tora von Schem zu gelangen. Die jüdischen Weisen
beriefen sich auf die obige Interpretation des Segens, den Jefet erhalten
hatte, und fandendarin die Berechtigung dieser Übersetzung.
Als Alexander der Grosse noch am Leben war, gab er den Weisen Israels Ehre
und verneigte sich ehrerbietig vor Schimon Hazaddik. Alexanders Griechenland
hatte die vorrangige Stellung des ehemaligen Perserreiches eingenommen. Der
Staat Jehuda Judäa -war Griechenland unterworfen, genau wie dies unter dem
Perserreich der Fall war. Jedoch so lange Alexander am Leben war, war er
Judäa gegenüber freundschaftlich gesinnt und bedrängte sie nicht. Nach
Alexanders Tod wurde das Imperium in drei Teile geteilt. Einer seiner
Generäle übernahm die Macht in Ägypten, einer in Griechenland selbst und ein
dritter in Syrien. Das Syrische Reich, bekannt als das Seleukidische
Königreich, wurde so nach Seleukus, der die Dynastie gegründet hatte,
benannt. Der Staat Jehuda fiel unter seleukidische Herrschaft, und es war
diese Herrschaft, unter welcher das Volk Israel immer mehr zu leiden hatte.
Die Syro-Griechen waren dem kleinen judäischen Reich in ihrer Mitte schlecht
gesinnt, da sie trotz der Unterjochung ihre eigenen Wege aufrecht erhielten.
Dies zeigte sich in der hartnäckigen Ablehnung griechischer Kultur und
Weisheit. Es war
dies eigentlich kein echter Machtkampf, denn rein physisch war ja Judäa den
Eroberern unterworfen. Es war eher ein geistiger Kampf. Im physischen
Machtkampf war Jawan überlegen, jedoch der Geist ließ sich nicht
unterkriegen. Es war ja gerade das, was den Herrschern Ärger bereitete.
Nachdem die Tora ins Griechische übersetzt war, waren die griechischen
Herrscher zuerst begeistert, und waren geneigt, den Stolz derer zu vergeben,
die so fest an den Vorschriften der Tora hielten. Doch später wurde den
nachfolgenden griechischen Herrschern die Tora ein Dorn in ihren Augen, und
sie beschlossen, sie aus dem Herzen derjenigen zu entreißen, die der Lehre
treu geblieben waren. Um die Juden physisch und geistig vollkommen zu
unterwerfen, wurde die Tora zur Zielscheibe ihrer giftigen Pfeile, und so
entstand der harte Konflikt zwischen der griechischen Machtherrschaft und
dem schwachen, unterjochten Kleinstaat Judäa.
Wie ist es möglich Schönheit in Hässlichkeit
umzuwandeln?
Es haben sowohl die himmlischen als auch die irdischen Schöpfungsscharen
ihre Aufgaben in der Welt. Während die himmlischen aber nur die ihnen
auferlegten Aufgaben erfüllen können, besitzt der Mensch den freien Willen.
Mit diesem ist er imstande, seine Aufgabe so zu erfüllen, dass sie zum
eigenen Schaden und zum Unheil für die ganze Welt führt.
Wenn die Schönheit Jefets in den Zelten Schems wohnt, und Schem für diese
Schönheit empfänglich ist, kann dies die wahre Harmonie bedeuten. Wenn
jedoch die Schönheit Jefets Schems Zelte in ihre Gewalt bringen will, dann
hat sie ihre Aufgabe verfehlt, und es gibt nichts Hässlicheres.
Macht kann in brutale Tyrannei umgewandelt werden; So wird Weisheit zu List
und die Wahrheit wird verzerrt. Wie könnte denn ohne Tyrannei, List und
Verzerrung der Sklave zum Herren werden? Ist da noch Platz für Schönheit und
Harmonie? Die
griechischen Herrscher waren bereit gewesen, den Juden die Ausführung vieler
Vorschriften der Tora zu erlauben, vor allem diejenigen, von denen sie
glaubten, dass sie ins griechische Konzept passen. Drei Mizwot jedoch,
wollten sie vollkommen abschaffen, um sie in Vergessenheit geraten zu
lassen: Den Schabbat, die Heiligung des Neumondes und die Beschneidung.
Schabbat bringt allen, die ihn hüten zum Bewusstsein, dass es einen Herr der
Welt gibt, dessen Wort das Nichts zum Sein verwandelt, und auch das Seiende
wieder zum Nichts werden lassen kann. Schabbat verkündet: 'Gib deinem
Schöpfer Ehre, und die ganze Erde verneige sich vor Ihm.' Diese Herrschaft
wollten die Griechen nicht zulassen. Sie wollten die einzigen Herren der
Welt sein, und vor ihnen sollten sich deren Bewohner beugen.
Die Heiligung des Neumondes bringt zum Bewusstsein, dass G'ttes Macht die
Zeit beherrscht. Nicht dass die Zeit selbst Macht bedeute. Doch diejenigen,
die die festgesetzten Zeiten weihen, manifestieren dadurch ihre Anerkennung
G'ttes als Herrscher aller Zeiten. Wenn das Bejt Din den Neumond heiligt, so
ist es selbst geheiligt. So sind auch alle Feiertage geheiligt und werden
Quellen der Weihe und Erhebung für Körper und Seele. Diese öffentlich
ausgesprochene Weihe bildet die Grundlage zur
Beachtung der Feiertage und verkündet die Anwesenheit G'ttes und die
Erfüllung Seiner Ziele in der Geschichte. So bedeutet die Monatsweihe
gleichzeitig Heiligung der Zeit und der Ge schichte. Darum wollten die
Griechen dies nicht mehr zulassen. Sie verkündeten: Wir bestimmen die
Festzeiten, wir bestimmen wann gefeiert oder getrauert wird!
Brit Mila - der Bund der Beschneidung bedeutet für die, die ihn schließen
die Einheit des Körpers und der Seele - sie gehören zusammen, - aus einem
Stück geschnitten. Genau, wie der Mensch eine Bindung zur materiellen Welt
hat und gezwungenermaßen sich ihren Gesetzen unterstellen muss, so ist er
doch auch mit der geistigen Welt, mit ihrem System und ihren Gesetzen eng
verknüpft, denn G'ttes Welten sind eine Welt, und all Seine Geschöpfe sind
Seinem Willen unterstellt. Die Absicht der Griechen war es, diesen Bund
G'ttes mit Israel null und nichtig zu machen. Nach den Lehren ihrer Weisen
bestanden zwei Welten: die Welt des Körpers, in der der Mensch seinen
Gelüsten ohne jegliche Zurückhaltung, nachgeben konnte, und die Welt des
Geistes, in der die Seele sich hemmungslos in höhere Sphären schwingen
konnte, in Poesie und in Visionen. Weder unterstellt sich der Körper dem
Geist, noch der Geist dem Körper. Der Körper kann tierisch sein, doch der
Geist ist engelsgleich!
Gibt es wohl etwas Hässlicheres als eine Welt ohne Schöpfer, ein Jahr ohne
Heiligkeit oder einen zügellosen Körper? Welchen Wert hat ein Leben, in dem
man an heiligen Stätten äußere Schönheiten verherrlicht, Spiele und
Volksbelustigung veranstaltet, das körperliche vergöttert und bei all dem
die Heiligung des Körpers missachtet?
Hellenisten
Ursprünglich war es die Absicht der Griechen ihre Lehren so anziehend wie
möglich für das Volk darzustellen; die Menschen friedlich zu überzeugen. So
gelang es ihnen, die einfachen Leute des Volkes zu gewinnen, indem sie ihnen
hohe Stellungen gaben, sowohl in der Regierung, als auch im Heiligtum. Sie
verteilten öffentliche Ämter: Kohanim Gedolim - Hohepriester, Älterenräte
und Richter: Sb entstand eine Sekte, die man "Hellenisten" nannte. Die
Hellenisten verbreiteten griechische
Kultur im Volke. Sie hetzten das Volk auf, die Tora zu verlassen und
verleiteten es, den griechischen Lebensweg einzuschlagen, so wie sie es
taten: Sie veranstalteten Feste und unzüchtige Tanzabende. Sie errichteten
Altäre für die griechischen Idole, denen sie auch Opfer darbrachten. Sie
verbrachten ihre Tage mit Festen und Feierlichkeiten und aufreizenden
Vergnügungen.
Der größte Teil des Volkes machte aber da nicht mit, und blieb der Tora
ihrer Väter treu. Sie wandten sich gegen die Verräter und hassten sie aus
tiefstem Herzen. Sie weinten vor G'tt, weil ihre Brüder untreu geworden
waren, und über das Volk G'ttes, die sowohl den äußeren als auch den inneren
Feinden ausgeliefert waren. Der böse Antiochus sah, dass die Hellenisten ihr
Ziel nicht erreichen konnten, und dass die Mehrheit des Volkes die
Hellenisten als Ausgestoßene betrachteten. So sandte er seine Armeen aus, an
deren Spitze er brutale Heerführer setzte, um die Juden zu Unterwerfung zu
zwingen, oder sie abzuschlachten.
Diese Armeen mordeten, schlachteten und plünderten. Sie trieben das Volk zur
Verzweiflung und setzten sie Verfolgungen aller Art aus. Sie töten
Zehntausende von Männern, Frauen und Kindern, die ihr Leben für die Tora
hingaben. Natürlich konnten manche unter ihnen nicht widerstehen, und
verbeugten sich vor den Götzen und beteiligten sich an allen
Widerwärtigkeiten. Manche von ihnen flohen in die Wüste oder versteckten
sich in Höhlen. Die Hellenisten halfen dem Feind, die Flüchtenden
aufzuspüren und ihren Versteck zu finden. Auch beteiligten sie sich daran,
die Zurückgebliebenen zu quälen, und sie zum Übertreten der g'ttlichen
Gebote zu zwingen. Sie lieferten dem Feinde auch Töchter Israels zur
Schändung aus.
Bis zum Vorhofe des Heiligtums kamen sie und verunreinig ten ihn. Sie ließen
den täglichen Opferdienst einstellen und verunreinigten das Öl und die
Menora. Sie bauten einen Altar, opferten Schweine darauf und brachten das
Blut ins Heiligtum. Das Volk erfuhr davon und erzitterte. Da wurde es ihm
klar, dass es keinen anderen Ausweg gab als offenen Krieg. Schwert und Speer
sollten nun eingesetzt werden, sowohl gegen den Feind als auch gegen die
abtrünnigen Brüder.
Das Wunder des Aufstandes
Das erste Wunder geschah durch die Töchter Israels. Wenn ein Junge bei einer
Familie im Versteckgeboren wurde, beschnitt die Mutter selbst das Kind am
achten Tage. Dann ging sie mit dem beschnittenen Kind auf die Mauer
Jerusalems, ließ ihr Kind herunterfallen und warf sich dann selbst hinunter,
und so starben beide. Sie wollte damit ihrem Manne und ihren Brüdern sagen:
Wenn ihr nicht aus eurem Versteck herausgeht und gegen eure Feinde kämpft,
werdet ihr weder Söhne noch Frauen haben, und ihr werdet alle untergehen.
Wir können alles was uns heilig ist nicht nur im Geheimen bewahren, wir
müssen es öffentlich verteidigen. Wenn ihr uns retten wollt, dann kommt aus
eurem Versteck hervor, zieht in den Krieg gegen eure Feinde, bis ihr sie
vernichtet habt. G'tt wird mit euch sein!
Da standen Matitjahu und seine fünf Söhne wie Löwen auf. Sie versammelten
alle treuen und kriegstüchtigen Männer um sich, zogen in den Krieg gegen die
Feinde G'ttes, erschlugen sie und waren auch bereit ihr eigenes Leben
einzusetzen. Lange führten sie Krieg, einen Krieg der Wenigen gegen die
Zahlreichen, der Schwachen gegen die Starken. G'ttes Recht half ihnen und
sie konnten sie so besiegen. Es gelang ihnen, das Land von den Armeen des
Antiochus samt all seinen Abscheulichkeiten zu befreien. Sie kamen in den
Vorhof des Heiligtums, reinigten den Altar und bauten ihre neu auf,
verfertigten eine neue Menora aus Holz und zündeten acht Lichter daran an.
Das Licht der Tora konnte nun wieder leuchten. Es herrschte Freude, Glaube
und Zuversicht. Dieser Geist drang wieder in alle Häuser Israels, und in
alle Wohnstätten ein für die kommenden Generationen.
Maß für Maß
Die große Rettung, die G'tt durch seine Kohanim erwirkt hatte, öffnete die
Augen derer, die sich geirrt hatten. Viele Völker erkannten, dass G'ttes
Name auf Israel ruhte, dass Er gerechte Rache geübt hatte, und dass Er
Israels Feinden Maß für Maß heimzahlt.
Nachdem die Griechen die meisten Völker der Erde erobert hatten, und die
Herrschaft über sie erlangten, rühmten sie sichund dachten: wir werden uns
über alle Wolken erheben und auch das auserwählte Volk unterwerfen. Wir
werden ihnen die Krone ihres Ruhmes herunternehmen und werden sie zu Boden
werfen, so wie wir es auch mit den anderen Völkern getan haben. Doch nach
dem Sieg der Hasmonäer kam die Strafe: sie spielten keine wichtige Rolle
mehr unter den Völkern der Welt: Ihre Absicht war es gewesen Israels Tora in
Vergessenheit geraten zu lassen und Israels Licht auszulöschen. Doch ein
neuer Feiertag entstand, ein Jom Tow, der in Erinnerung brachte und Zeugnis
gab, dass die Tora niemals weichen werde.
Eine Andeutung hierzu finden wir in den Sprüchen unserer Weisen: Die Mesusa
befindet sich zur Rechten, das Chanukka licht zur Linken, und das Oberhaupt
des Hauses dessen Talit die Zizit enthält befindet sich in der Mitte. Diese
drei Dinge sind Sicherung gegen Vergesslichkeit. Die Mesusa erinnert uns an
Seine Allmacht; die Zizit, Lemaan Tiskeru - damit ihr euch erinnert;
auch das Chanukkalicht ist Erinnerung: Schichecha Chaschecha -
Vergessen und Finsternis - enthalten die gleichen Buchstaben und haben den
selben Sinn. Auch die beiden Gegenteile: Or -Licht, das die Augen zum sehen
erhellt! Ure'item - und wenn ihr sehet, Usechartem - dann
erinnert ihr euch: Unsere Weisen aus der späteren Zeit sagen, dass das
Anschauen der Chanukkalichter Erinnerungen weckt, genau wie das Anschauen
der Zizit. So
sagen unsere Weisen: »Wechoschech al Penej Tehom« (Bereschit 1) -
dies ist Griechenland, das die Augen Israels verdunkelt hat. Darum wurden
auch die Chanukkalichter vorgeschrieben.
So erklären. auch unsere Weisen den Vers in Daniel 2: »Und seine Seite war
die einer Schlange«, denn die Schlange ist undankbar. Darum hatten sie
gesagt: Wer sich bei Modim nicht verbeugt, dessen Rückgrat wird zur
Schlange. Auch die Griechen hatten es versucht in Israel den Geist der
Dankbarkeit und Demut auszulöschen. Darum führte das Volk Israel zusätzliche
Dankbarkeitsbezeugung für das Wunder ein.
Die Griechen wollten die Heiligung des neuen Monates abschaffen, d.h. die
Kraft der ständigen Selbsterneuerung. So gab G'tt ihnen eine zusätzliche
Möglichkeit der Selbsterneuerung. Die Mizwa von Rosch Chodesch ist die erste
Möglichkeit der Selbsterneuerung, die G'tt Israel gab. Chanukka ist die
letzteErneuerung - bis zum Ende der Zeiten, wenn Maschiach kommen wird.
Die Griechen waren stolz auf ihre Macht und auf ihre Überzahl, doch sie
erlitten ihre Niederlage durch ein Volk, das ihnen zahlenmäßig unterlegen
war, und nur über wenig Waffen verfügte. Sie waren stolz auf ihre Weisheit
und ihr ausgeklügeltes Herrschaftssystem, doch erschienen sie nach ihrem
Fall als Raubtiere vor der übrigen Welt.
Ihre Anhänger unter den Juden, die Hellenisten hatten ihren jüdischen
Brüdern spöttisch erklärt: Ihr könnt von den Griechen lernen, wie man Kriege
führt und Macht erreicht. Verlasst euch nicht auf eure Lehre und auf euer
Gebet. Wenn ihr euch auf diese verlasst, seid ihr jedem Volk, das euch
angreift unterlegen. Doch da kam die Errettung. Mit Kriegsmacht und
Heldentum, die diese Schwachen der Welt gegen die Starken der Welt bewiesen
hatten, konnten sie den Sieg erringen. Dies ist umso erstaunlicher, als der
Sieg nicht durch die kriegserfahrenen des Volkes errungen wurde, sondern
durch die Kohanim, die im Heiligtum dienten, dem Heiligtum über welches kein
Schwert geschwungen werden durfte! »Ele Barechew Weele Basussim -
Jene mit Wagen, und jene mit Pferden...« (Tehillim 20) Doch es waren die
Kohanim, die den Namen ihres G'ttes ausriefen. »Hema Kare'u Wenafalu... -
andere knieten nieder und fielen, aber die Diener G'ttes standen auf und
trugen den Sieg davon.«
Hieraus lernen wir, dass es vor G'tt keine Übermacht gibt. Ihre Überzahl
nützt nichts, wenn sie unrein ist und frevelhaft. Der Sieg gilt den
Schwachen und den zahlenmäßig Geringen, wenn sie rein und gerecht sind.
Echte Stärke hat nur dann Bestand, wenn sie auf Reinheit gegründet ist.
Echte Bindung ist nur mit den Zaddikim vorhanden. Die Bindung mit den
Frevlern kann nicht von Dauer sein.
Chanukka und Purim
Als der böse Haman die Vernichtung aller Juden verkündet hatte, jung
und alt, Kinder und Frauen an einem Tag, und diese Anordnung unwiderruflich
mit dem königlichen Siegel versehen war, fasteten sie drei Tage lang und
schütteten ihr Herz vor G'tt aus, damit Er das schlimme Verhängnis abwende.
Warum hatten sie
sich nicht zusammengeschlossen, um sich an jenem Tage zu verteidigen? Die
Verordnung bezog sich nur auf einen Tag; und sogar, wenn sie sich nicht alle
durch Selbstverteidigung hätten retten können, so wären doch einige von
ihnen verschont geblieben. Gab es denn unter ihnen keine kriegstüchtigen
Männer? Hätten sie sich denn nicht in Höhlen verstecken können, bis der
verhängnisvolle Tag verstrichen wäre?
Als die Griechen die Abschaffung der Tora für das jüdische Volk verordnet
hatten, und als diese Verordnung das Heiligste in Israel traf, da gingen sie
mit Schwert und Speer in den Kampf, und waren bereit ihr Leben herzugeben.
Warum hatten sie keinen Fasttag ausgerufen um G'tt zu bitten, das Schlimmste
zu verhüten? Waren unter ihnen nicht fromme Menschen, Priester G'ttes, die
torakundig waren und beten konnten? Warum bedienten sie sich nur des
Schwertes und des Speeres? Das Volk Israel sagte folgendes: Dein Licht, die
Tora, ist in unseren Händen. Unser Licht, unsere Seele, ist in Deinen
Händen. Du hast die Tora unseren Händen anvertraut. Wenn wir Dein Licht
bewahren, wirst Du unseres bewahren. Wenn wir Dein Licht erretten, wirst Du
unseres erretten.
Die Feinde G'ttes hassen sowohl Dein als auch unser Licht. Sie wollen beide
auslöschen. Doch so lange eines das andere hütet, kann ihnen beiden nichts
geschehen. Der Heilige, gelobt sei Er, bleibt uns immer treu. Sein Schutz
verlässt uns nicht, und wäre es nur eine Stunde lang. Israel jedoch ist
zuweilen treulos und hütet G'ttes Licht nicht. In einer solchen Zeit ist es
den Feinden Israels möglich, ihm Schaden zuzufügen. Sie versuchen dann
Israels Licht auszulöschen. Manchmal ist es auch umgekehrt. Sie versuchen
G'ttes Licht auszulöschen, um damit auch Israels Licht auszulöschen.
Wenn gegen Israel Feinde auftreten, um sie physisch zu vernichten, so ist
dies ein Zeichen, dass sich die Schechina - die g'ttliche Anwesenheit - von
Israel entfernt und sich nach oben erhebt. Obwohl die Feinde dies nicht
sehen, spüren sie es. Sie kümmern sich dann nicht mehr um G'ttes
Anwesenheit, die sich ja sowieso entfernt hat. Doch dann machen sie Pläne,
um Israels Licht zum Erlöschen zu bringen. In solchen Zeiten ist es unsere
Aufgabe Kraft zu suchen und Reue zu zeigen. Durch das Gebet, durch die Tora
- G'ttes Licht - versuchen wir dann wieder G'ttes Anwesenheit in unsere Nähe
zu bringen. Wenn dann G'ttwieder Sein Licht über die Erde strahlen lässt,
dann haben unsere Feinde keine Herrschaft mehr über uns, und der Tag der
Erlösung ist uns sicher.
So kann man sagen: Nur mit dem Licht G'ttes können wir unser Licht erhalten,
und G'ttes Licht leuchtet nur mit unserem Licht.
Da die Art und Weise der Errettung von Chanukka und Purim so verschieden
ist, wird jedes Fest in anderer Form gefeiert. Die Chanukkatage sind für
festliche Mahlzeiten nicht geeignet, dies würde den Charakter des Festes
nicht widerspiegeln. Die Kriege jener Tage wurden geführt, um G'ttes Licht
wieder leuchten zu lassen. Die physische Rettung hat hier nur zweitrangige
Bedeutung. So können auch die Chanukkatage nicht Anlass zu Festmahlen und
rein körperlichen Vergnügungen sein. Es sind eher Tage des Lobpreisens als
Dank für die ständige Anwesenheit G'ttes.
Die Purimtage hingegen sind keine Tage des Lobpreisens, denn da ging es um
das Gebet zur Erhaltung unseres eigenen Lichtes, das nicht erlöschen sollte.
Darum wird Purim mit Festmahl und Freude gefeiert, um zu zeigen, dass wir
unser Ziel erreicht haben, und dass G'tt unsere physische Substanz aus der
Hand unserer Feinde errettet hat.
Der Dank für die Errettung von Körper und Seele kommt jedoch an beiden
Festtagen zum Ausdruck: Wir sagen am Chanukka und am Purim das Al
Hanissim-Gebet.
Sefer haTod'ah
Eljahu Kitow
MORASCHA - ZÜRICH
Das jüdische Jahr, Elijahu Kitov
Erläuterungen zu allen jüdischen Feiertagen, 4 Bände, 985 Seiten, nur im Set
erhältlich 120.-- |