Licht bringen:
Die Judith des Nissim
Ben-J'akow
Geschichten von der schönen Jehudith, die ihr Volk rettet, indem sie den
schlafenden Anführer der Belagerer enthauptet, wird nur in der griechischen
und lateinischen, nicht aber in der hebräischen Bibel, überliefert.
In Hebräisch sind kurze und lange Judit-Geschichten zu finden, die aber alle
aus nachbiblischer Zeit stammen. Wir bringen hier ein Beispiel einer kurzen
hebräischen Geschichte, die an die Judith-Geschichte
erinnert. Sie findet sich bei Nissim Ben-J'akow Ibn Schahin (ca. 990 -
1062), einem bedeutenden rabbinischen Gelehrten, der in Kairowan,
Nordafrika, lebte.
Aus:
Hebräische Judit-Geschichten:
Gefährdete Braut
und schöne Witwe, von
Dagmar Börner-Klein.
Es geschah, dass ein König mit 40.000 Helden (1) gegen Jerusalem kam
und es viele Tage bedrängte. Und die Israeliten wurden eingeengt in Drangsal
und Enge (2), und sie waren in großer Not (3).
Es gab aber in Jerusalem eine junge Frau von den Töchtern der Propheten. Und
als sie sah, dass die Zerknirschung groß und die Bedrängnis stark war, nahm
sie ihr Herz in die Hand (4) und ging mit ihrer Dienerin hinaus und gelangte
bis zum Stadttor.
Und sie sprach zu den Wächtern: „öffnet die Tore [, damit ich hinausgehen
kann]. Vielleicht wirkt JHWH mit mir [ein Wunder,] wie alle seine Wunder und
seine Gunsterweise, so dass ich diesen Ungläubigen töten kann, und [dann]
wird er Israel durch meine Hand erretten." »
Sie aber sprachen zu ihr: „Wir öffnen nicht, da wir fürchten, dass du
vielleicht einen von den Reitern des Königs [so] liebst, dass du dich mit
ihm zu verheiraten [gedenkst], oder vielleicht sind [es] Heimtücken gegen
diese Stadt, damit sie eingenommen werden kann."
Sie sagte zu ihnen: „Gott behüte! Vielmehr vertraue ich auf die
Barmherzigkeit des Himmels, dass man mir gegen diesen Feind hilft." Und sie
schwor es ihnen bei JHWH, dem Gott Israels. Da öffneten sie die Tore und sie
ging mit ihrer Dienerin hinaus.
Und sie ging bis zum Lager des Königs und trat vor ihn. Die junge Frau aber
war überaus schön. Und als der König sie sah, fand sie Gunst in seinen
Augen, (5) ja, sie fand Gunst und Gnade vor ihm. (6)
- Nach 2 Mak 8,9 zählte Nikanors Heer 20.000 Mann;
V, B, C Jdt 2,15
und Jdt 7,2: 120.000 und
12.000.
Vgl. Dtn 28,53; Jer 19,9.
Vgl. Neh 9,37.
Wörtlich: Setzte sie ihre Seele auf ihre Handfläche. Vgl. 1 Sa 19,5.
Vgl. Est 5,2.
Vgl. Est 2,17.n. Die hebräischen Judit-Geschichten

Da fragte der König sie: „Wer bist du, meine Tochter? Woher bist du
gekommen und wohin willst du gehen?"
Und sie antwortete ihm: „Ich bin eine von den Töchtern der Propheten, und
ich hörte von meinem Vater, dass du die Stadt belagern und sie erobern
wirst. Da bin ich gekommen, um für mein Leben zu bitten (1) und um das Leben
meines Vaterhauses zu retten, wenn du die Stadt einnimmst."
Da sagte der König zu ihr: „Ich werde nach deinen Worten handeln. Und ich
will dich mir zur Frau nehmen."
Sie sagte zu ihm: „Mein Herr König, hier bin ich wie eine deiner
Dienerinnen, tue, wie es in deinen Augen gut ist.(2) Aber, mein Herr König,
ich lasse dich wissen, dass ich unrein bin, und [erst] zum Abend für ein
Tauchbad geeignet bin. Befiehl daher deinen Dienern: Wenn sie am Abend zwei
Frauen sehen, die zur Quelle gehen, sollen sie uns nicht anrühren und weder
im Guten noch im Bösen mit uns sprechen.(3) Ich aber werde gehen, um ein
Tauchbad zu nehmen, und ich werde zu dir zurückkehren." Da befahl der König,
so zu verfahren.
Der König freute sich sehr über die junge Frau und die gute Botschaft, und
er versammelte alle seine Fürsten und seine Diener und bereitete für sie ein
Trinkgelage. Und er trank vom Wein und wurde betrunken(4), er legte sich
nieder und schlief ein.
Da ging ein jeder zu seinem Zelt (5), niemand außer der jungen Frau und
deren Dienerin blieb beim König.
Da richtete die junge Frau ihr Herz zum Himmel. Und sie stand auf, zog das
Schwert, schlug das Haupt des Königs ab (6) und legte sein Haupt in ihr
Obergewand.
- Vgl.Est7,7.
- Vgl. 1 Sa 14,40; 2 Kg 10,5.
- Vgl. Gn 31,24.29.
- Vgl. Est 2,18.
- Vgl. 2 Sa 20,1.
- Vgl. 1 Sa 17,51.

Und die beiden gingen und durchquerten das Lager, und niemand sprach sie
an, bis sie das Tor von Jerusalem erreicht hatten.
Und sie rief die Wächter und sprach zu ihnen: „Öffnet das Tor, denn der
Heilige, gepriesen sei er, half mir, sodass ich den Feind erschlagen
konnte." Sie aber glaubten ihren Worten nicht.
Der König aber hatte einen Fürsten unter seinen Fürsten, der dem König zu
sagen pflegte: „Wende dich ab von diesem Volk, befeinde sie nicht und
befehde sie nicht, 1 denn
ihr Gott liebt sie und wird sie nicht in deine Hände überliefern. Siehe, was
er denen getan hat, [die] vor dir Könige und Fürsten waren, was ihr Ende
war."
Und er hatte dem König Vorwürfe gemacht, bis der König zornig geworden
war und befohlen hatte, ihn zu binden und ihn lebendig beim Stadttor
aufzuhängen. 2
Und als die junge Frau sah, dass sie ihren Worten nicht glaubten, sagte sie:
„Wenn ihr mir nicht glaubt, siehe, der Fürst, der beim Tor hängt, wird das
Haupt des Königs erkennen."
Da glaubten sie ihren Worten und öffneten das Tor. Und sie zeigte das Haupt
dem aufgehängten Fürsten. Und er erkannte es und sprach: „Gepriesen sei
JHWH, der ihn in eure Hand überliefert 3
und euch aus seiner Hand errettet hat. 4"
Und die Sache wurde in der Stadt gehört, sodass sich alle jungen Männer
Israels und die Helden versammelten. Sie nahmen ihre Schwerter in ihre Hand,
zogen hinaus bis zum Lager und riefen mit lauter Stimme:
- Vgl. Dtn 2,19.
- Siehe Dtn 21,22-23 und zur Strafe des „ans Holz Hängens": J. Maier,
Die Tempelrolle vom Toten Meer und das „Neue Jerusalem", 3. Aufl.,
München, Basel 1997, 275-280. M. Hengel, Crucifixion, Philadelphia 1977.
T.C.G. Thornton, Tree, Gibbets and Crosses. JThSt 23 (1972), 130-131.
- Vgl. 2 Sa 18,28.
- Vgl. 1 Sa 12,11.

"Höre Israel, JHWH ist unser Gott, JHWH ist einzig!"
1
Und [als] die Männer des Königs sie erblickten,
gingen sie zum Zelt des Königs und sahen, dass ihr Held tot war.
2
Da ließen sie ihre Zelte und ihre Pferde und ihr Heer im Stich und flohen.3
Die Israeliten aber verfolgten sie bis nach Antiochia.
Und sie kehrten in Frieden zurück, und sie erbeuteten von ihnen eine sehr
große Beute.
Und die Ältesten Israels und ihre Weisen versammelten sich, um [zum] Haus
JHWHs zu gehen. Und sie lobten und priesen JHWH, der ihnen Ruhe von ihren
Feinden gegeben hatte 4, der sie
in der Zeit ihrer Not errettet 5
und sein Wort für sie bestätigt hatte: Ich gedenke meines Bundes mit
Jakob. (Lv 26,42).
Er in seiner Barmherzigkeit tue an uns Zeichen und Wunder, wie er sie
für unsere Väter tat.
- Dta 6,4, Anfang des jüdischen Hauptgebetes bestehend ans Dtn 6,4-9,
- Dtn 11,13-21 und Nu 15,37-41.
- Vgl. 1 Sa 17,51.
- Vgl. 2 Kg 7,7.
- Vgl. Dta 12,10; Jos 23,1.
- Vgl. Jer 14,8.

Hebräische Judit-Geschichten:
Gefährdete Braut und schöne Witwe
Die Geschichte von Judit, die ihr Volk vor einem aussichtslosen
Krieg rettet, indem sie den schlafenden Feldherrn enthauptet, wird in der
griechischen und lateinischen Bibel überliefert, nicht aber in der
hebräischen Bibel...
Für Mädchen und für die Mütter von Töchtern:
Heldinnen
Ein besonders grausamens Gesetz der syrisch-griechischen
Besatzung forderte, dass jüdische Bräute eine Nacht mit einem syrischen
Statthalter verbringen mussten...
Ein vergessener Midrasch zu Chanukka:
Was ist mit Channa?
Der Befreiungskampf der Makkabäer, der die Neuweihe des
Tempels erst ermöglichte, wird in seiner Bedeutung eher heruntergespielt.
Die Makkabäerbücher, die davon berichten, sind nicht Teil des Tenach
geworden...
Chanukka-Heldinnen
Für
Mädchen und Mütter von Töchtern
Im Chanukkaspiel meiner Schulzeit war ich der Drejdl. Das
Kostüm war aus einer Kühlschrankverpackung hergestellt und ich musste
ziemlich viel herumkreiseln. Diese Verkleidung schien passend für ein
Mädchen zu sein...
Siebzig Zeugen:
Die
Makkabäerbücher
Entstanden sind sie ca. 100 v.allg.Z.. Als Verfasser sind unschwer
national-religiöse Kreise erkennbar. Ursprünglich auf hebräisch verfasst,
blieben nur die
griechischen
Übersetzungen. Die geschilderten Ereignisse sind Grundlage
des Festes der
Chanukath haMisbeach, der Altarweihe. Die Ausrufung
des Festes wird in
1 Makk 4, 52-59
geschildert.
Das
zweite Buch der Makkabäer ist
keine Fortsetzung des ersten Buches dar... |