[ALLES
ZU CHANUKAH]
Wie Juden leben
Glaube - Alltag - Feste
von Rabbiner Israel Meir
Lau, übersetzt von Miriam Magall,
~ 35,-€
Der aschkenasische Oberrabbiner
Israels, Khwod haRaw Meir Lau, stellt in diesem Buch dar, was Juden
glauben, worin ihr Judentum zum Ausdruck kommt und wozu es sie
verpflichtet. Er beschreibt, wie das Judentum praktisch gelebt wird,
wie der jüdische Glaube das alltägliche Leben in der Familie und
Synagoge bestimmt, auf welchen Ideen und Ansichten er beruht.
Das Buch verfolgt den Tages- und Jahresablauf des gläubigen Juden, der
die Gebote des jüdischen Lebens befolgt, vom Morgen bis zum Abend,
vom Monat Tischri bis zum Monat Elul, in den Augenblicken der Freude
und bei traurigen Anlässen wie Tod und Beerdigung.
Das Chanukkafest dauert acht Tage:
Vom 25. Kislew bis zum 2.
Tewet
Von Rabbi Israel Meir Lau
Das Chanukkafest dauert acht Tage:
vom 25. Kislew bis zum 2. (oder 3.) Tewet. Dieses Fest wurde von Juda
Makkabi und seinen Brüdern eingeführt, um an die Reinigung des Tempels
von den griechischen und hellenisierenden Götzenanbetern und die
Erneuerung des Gottesdienstes zu erinnern.
Das hat der Rambam so beschrieben:
»Zur Zeit des Zweiten Tempels legten die griechischen Herrscher Israel
viele schwere Lasten auf, verboten das Ausüben ihrer Religion, so dass
es seine Gebote und Verbote nicht mehr befolgen konnte. Sie griffen nach
seinem Geld und seinen Töchtern, und sie drangen in den Tempel ein und
verunreinigten das Reine. Und Israel ging es unter ihnen sehr schlecht.
Ihr Druck war schwer zu ertragen, bis sich Gott seiner erbarmte und es
erlöste; als die Hasmonäer sie überwanden und sie töteten und Israel aus
ihrer Hand erlösten . . . sie schlugen sie vernichtend. Das geschah am
25. Kislew; und sie betraten den Tempel und fanden lediglich ein
Fläschchen mit Öl, das genau für einen einzigen Tag reichte. Und doch
brannte dieses Öl acht Tage lang, bis sie erneut Oliven zerstampft und
reines Öl aus ihnen gewonnen hatten. Und aus diesem Grund ordneten die
Weisen zur damaligen Zeit ein achttägiges Freudenfest an, das am 25.
Kislew beginnt. Es soll ein Fest der Freude und des Lobs sein, an dem
jede Nacht brennende Lichter in die Hauseingänge gestellt werden, die an
das Wunder erinnern und von ihm zeugen sollen. Diese Tage werden als
Chanukka bezeichnet. An ihnen ist jede Trauer untersagt, genau wie zum
Purimfest«. (Rambam, Chanukka 3,1 ff.)
Allem Anschein nach hatte Antiochus in
seinem griechisch-hellenistischen Reich Erfolg, und auch unter den Juden
gewann seine Politik Anhänger. Sie waren der hellenistischen Kultur und
ihren Götzen gegenüber aufgeschlossen und wurden »Hellenisten«. Diese
Menschen stammten ausgerechnet aus den höheren Schichten des Volkes.
Aber die geistige Vernichtung und Assimilierung war bei weitem nicht
vollkommen. Hätten sie sich erfolgreich durchgesetzt, dann hätte sich
auch Antiochus' Parole verwirklicht: »Wir wollen sie ausrotten als Volk,
an den Namen Israel soll niemand mehr denken«. (Psalm 83,5) Es besteht
kein Zweifel daran, dass das Schicksal Israels dann das gleiche gewesen
wäre wie das der Ammoniter, Moabiter, Philister und Aramäer und der
Einwohner von Tyrus und Sidon: großartige Völker und mächtige Reiche,
die von der Bühne der Geschichte und aus dem Weltgeschehen völlig
verschwunden sind.
Aber wie sich erweist, wiederholt sich
die jüdische Geschichte: Wie schon nach der Zeit Josuas, des Sohnes
Nuns, als die Richter kamen, um Israel vor seinen Feinden zu retten,
trat auch zur Zeit der Hellenisierung ein Retter auf: Der Herr schickte
den Priester Mattatias, den Sohn Jonatans, aus dem Dorf
Modi'in und kleidete ihn mit dem
Gewand eines Führers und eines Kämpfers. Mattatias versammelte seine
fünf Söhne um sich, die Hasmonäer, und eine Gruppe von Kämpfern, und
unter der Parole: »Wer für den Herrn ist, her zu mir!« (Exodus 32,26)
begann das Wunder ihres Aufstands gegen die griechischen Herren und ihre
Götzenkultur. Ohne jede Waffenlager und Munition, ohne eine besondere
Ausbildung, ohne Ausrüstung und Verbündete (weder im In- noch im
Ausland) gelang es Mattatias und seinen Söhnen - Jonatan, Simon, Juda,
Eleasar und Johannes, eine Generation von Hasmonäern, von »Makkabäern«
zu schaffen, die furchtlos in den Krieg gegen das griechische Königreich
zog. Woher stammen diese Namen: »Hasmonäer« und »Makkabäer«?
Dafür gibt es viele Erklärungen. Unter
anderem ist Hasmon ein Titel für eine hochgestellte Persönlichkeit, die
sich durch ihr Talent als Menschenführer auszeichnet; von hier wurde
»Hasmonäer« hergeleitet. »Makkabäer« ist dagegen die Bezeichnung für
jene, die im Namen des Herrn kämpfen, die den Vers »Mi kamocha ba'elim
Adonai!«, »Wer ist wie du unter den Göttern; o Herr?« (Exodus 15,11; was
die - hebräischen - Initialen Makkabi ergibt) auf ihr Banner geschrieben
hatten.
Eines der großartigsten Wunder in der
Geschichte des Volkes Israel ist das Wunder des Sieges der Makkabäer -
wie im Gebet »Über die Wunder« erklärt, das wir bei der Amida und beim
Segensspruch über Speisen während der Festtage sprechen (sein Text wurde
von den Geonim festgelegt): »Und du mit deinem großen Erbarmen . . .
hast ihr Urteil gefällt, hast sie gerächt, hast Feinde den Schwachen
ausgeliefert, die vielen in die Hand der wenigen, die Unreinen in die
Hand der Reinen, die Bösen in die Hand der Gerechten, die Götzenanbeter
in die Hand jener, die deine Tora studieren.«
Der Kampf gegen die Griechen fand auf
einer ideologischen und geistigen Ebene statt. Es handelte sich nicht um
einen physischen Kampf; sein Ziel war nicht etwa eine Eroberung, die
Annexion von Gebieten, die Erweiterung eines Königreiches - angestrebt
wurde vielmehr eine volle Autonomie, um ein jüdisches Leben führen zu
können und sich von dem Zwang einer Fremdherrschaft zu befreien.
Die erste Schlacht des Krieges endete
am 25. Kislew. Diesem Datum verdankt das Fest auch seinen Namen:
»Chanukah«; die hebräischen Buchstaben der zweiten Silbe haben auch den
Zahlenwert 25, als die Kämpfenden eine erste Erholungspause in ihrem
Krieg gegen den Feind einlegen konnten. An jenem Tag betraten die
Hasmonäer den Tempel in Jerusalem, um ihn von allem Unreinen zu säubern,
den Gottesdienst wiederherzustellen und dem Vorherigen wieder die Krone
aufzusetzen - als Zeichen der jüdischen Souveränität, die damit erneuert
wurde. Eines der Symbole, die diese Souveränität zum Ausdruck brachten,
war der Altar. Und dazu heißt es im 1. Buch der Makkabäer 4,52-59: »Am
Fünfundzwanzigsten des neunten Monats - das ist der Monat Kislew - (im
Jahr 148) standen sie früh h am Morgen auf und brachten auf dem neuen
Brandopferaltar, den sie errichtet hatten, Opfer dar, so wie sie das
Gesetz vorschreibt. Zur gleichen Zeit und am selben Tag, an dem ihn die
fremden Völker entweiht hatten, wurde er neu geweiht, unter Liedern,
Zither- und Harfenspiel und dem Klang der Zimbeln. Das ganze Volk warf
sich nieder auf das Gesicht, sie beteten an und priesen den Himmel, der
ihnen Erfolg geschenkt hatte. Acht Tage lang feierten sie die
Altarweihe, brachten mit Freuden Brandopfer dar und schlachteten Heils-
und Dankopfer. Sie schmückten die Vorderseite des Tempels mit Kränzen
und kleinen Schilden aus Gold; sie erneuerten die Tore und auch die
Nebengebäude, die sie wieder mit Türen versahen. Im Volk herrschte sehr
große Freude; denn die Schande, die ihnen die fremden Völker zugefügt
hatten, war beseitigt. Judas fasste mit seinen Brüdern und mit der
ganzen Gemeinde Israels den Beschluss, Jahr für Jahr zur selben Zeit mit
festlichem Jubel die Tage der Altarweihe zu begehen, und zwar acht Tage
lang, vom fünfundzwanzigsten Kislew an.«
Das 2. Buch der Makkabäer erklärt
dagegen: Die acht Feiertage wurden zur Erinnerung an das Ereignis
eingeführt, weil auch Salomo sich bei der Einweihung seines Tempels so
verhalten hatte. »Sie feierten acht Tage lang ein fröhliches Fest nach
Art des Laubhüttenfestes« (2. Makkabäer 10,6), mit dicken Baumzweigen,
Zitrus- und Palmenzweigen in den Händen, »und brachten dem Loblieder
dar, der den Weg zur Reinigung des Ortes bereitet hatte, der sein
Eigentum ist«. (2. Makkabäer 10,7)
Heute gedenken wir des Chanukkafestes mit dem Anzünden von Lichtern, dem
Hallel und dem Gebet »Über die Wunder«.
Die Reihenfolge, in der die Kerzen angezündet
werden
Wie viel Kerzen werden zum
Chanukkafest angezündet? Der Babylonische Talmud berichtet von unterschiedlichen
Bräuchen im Land Israel: Das Gebot der Chanukkakerze bedeutet ein Licht je
Haushalt; die ganz Strengen sagen dagegen: Ein Licht für jedes Familienmitglied.
Die noch Strengeren aus der Schule Schammais sagten: Am ersten Tag werden acht
Lichter angezündet, jeden Tag darauf wird ein Licht weniger angezündet. Die aus
der Schule Hillels sagten: Am ersten Tag wird ein Licht und jeden Tag darauf ein
weiteres Licht angezündet.
Heute zünden wir die Lichter in
Übereinstimmung mit der Schule Hillels an, d. h. am ersten Abend ein
Licht und an jedem weiteren Abend ein Licht mehr, so dass am achten
Abend insgesamt acht Lichter angezündet werden. Zu diesem Zweck
verwenden wir einen Chanukkaleuchter mit acht Flammen, die ganz Strengen
verwenden einen Chanukkaleuchter für jedes Familienmitglied. Die Kerzen
werden angezündet, sobald am Himmel die ersten Sterne zu sehen sind; d.
h: sofort nach dem Abendgebet. Solange die Lichter brennen; ruh jede
Arbeit. Die ganz Flinken zünden die Lichter bereits bei Sonnenuntergang
an, ohne auf die ersten Sterne zu warten. Die Lichter müssen mindesten;
eine halbe Stunde lang brennen. Der Chanukkaleuchter muss so aufgestellt
werden, dass er ins Auge fällt, denn hinter diesem Gebot steht ja die
Absicht das Wunder zu bezeugen und das Wissen darüber zu verbreiten,
damit so viele wie möglich von ihm erfahren. Die dabei verwendeten
Lichter dürfen keinem anderen Zweck dienen.
Bei vielen steht der Chanukkaleuchter
im Hauseingang, genauer: links vor ihm, der Mesusa gegenüber, die ja
rechts angebracht ist. Am besten ist e! selbstverständlich, das Licht
mit Olivenöl wie zum ersten Mal zur Zeit der Makkabäer anzuzünden; aber
im Grunde genommen eignet sich auch jede andere Lichtquelle dazu: Kerzen
aus Wachs oder Öl, nicht unbedingt Oliven öl, solange es koscher ist.
Die Lichter im Chanukkaleuchter werden
mit einem weiteren Licht, dem sogenannten Schamasch, Diener, angezündet,
und zwar nicht nur, weil es verboten ist, ein Licht mit dem anderen
anzuzünden, sondern auch, weil diese Lichter zu keinem anderen Zweck
verwendet werden dürfen: Man darf sie nur betrachten.
Am ersten Tag wird das Licht rechts
vom Anzündenden angezündet. Dabei sagt er drei Segenssprüche: -
»Gelobt seiest du,
Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote
und uns befohlen, das Chanukkalicht anzuzünden.« -
»Gelobt seiest du,
Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du Wunder erwiesen unseren Vätern in
jenen Tagen zu dieser Zeit.« -
»Gelobt seiest du,
Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns hast Leben und Erhaltung
gegeben und uns hast diese Zeit erleben lassen.«
Nach dem ersten Tag werden
nur die beiden ersten Segenssprüche gesagt. Haben wir am ersten Tag vergessen,
die Lichter anzuzünden oder wurden wir daran aus irgendeinem Grunde gehindert,
sagen wir am zweiten Tag alle drei Segenssprüche. An den Tagen darauf kommt
jeweils links von dem ersten Licht eine weiteres hinzu, angezündet wird das neu
dazugekommene Licht dann als erstes, d. h.: Die Lichter werden von rechts nach
links aufgestellt und von links nach rechts angezündet.
Beim Anzünden sagen wir: »Diese
Lichter zünden wir an ob der Wunder, Siege und allmächtigen Taten,
welche du für unsere Väter vollbracht« usw. Anschließend singen wir das
Lied: »Zuflucht, meiner Hilfe Hort«. Dieses Lied besitzt die Form eines
Akrostichons und weist als Initialen die Buchstaben für den Namen
Mordechai auf; so hieß der Verfasser des Liedes, der im 13. Jahrhundert
allgemeiner Zeitrechnung lebte. In diesem Lied werden eine Reihe von
Ereignissen aus Israels Geschichte aufgezählt, in denen es vernichtet
werden sollte, aber immer wieder gerettet wurde. (Der letzte Vers, in
dem von der Vernichtung der Feinde, d. h: Nichtjuden, die Rede ist,
wurde in einigen Gemeinden in Deutschland ausgelassen. Dieser Vers bezog
sich allem Anschein nach auf Friedrich Barbarossa, der den dritten
Kreuzzug organisierte, und dieser Hinweis war für die dortigen Juden
gefährlich. Wie dem auch sei, in diesem Vers wird auch um die volle
Erlösung gebetet.)
Am Freitagabend werden die Lichter für
Chanukka vor den Sabbatlichtern angezündet, und wir müssen für eine
größere Ölmenge als sonst oder größere Lichter als sonst Sorge tragen,
damit die Lichter noch eine halbe Stunde brennen, nachdem die ersten
Sterne zu sehen sind.
Am Sabbatausgang unterscheidet sich
die Reihenfolge des Anzündens in der Synagoge (auch dort werden täglich
Chanukkalichter angezündet, um allen von dem Wunder mitzuteilen) von der
zu Hause: In der Synagoge werden erst die Lichter angezündet, dann
findet die Hawdala über einem Glas Wein statt. Zu Hause findet erst die
Hawdala statt, und sofort anschließend werden die Chanukkalichter
angezündet.
Konnte man die Lichter nicht sofort
mit den ersten Sternen anzünden, darf es so lange nachgeholt werden, wie
die anderen Familienmitglieder wach sind - denn dann haben sie teil an
der Bekanntmachung des Wunders. Sind sie nicht mehr wach; werden die
Lichter auch angezündet, dann aber ohne einen Segensspruch. Ist der Mann
aus dem Haus, muss die Frau die Lichter anzünden. Es sollte noch
hinzugefügt werden, dass die Frauen sich ausruhen, solange die Lichter
brennen.
Das »ganze Hallel« und die Lesung aus der Tora
An jedem der acht Feiertage
des Chanukkafestes wird das »ganze Hallel« nach der Amida des Morgengebets
gelesen; vor- und hinterher werden Segenssprüche gesagt. Jedes Mal wenn die
Amida gesprochen und das Tisch gebet über die Speisen nach der Festmahlzeit
gesagt wird, weisen wir mit dem Gebet »Über die Wunder« auf die Bedeutung des
Festes hin.
An jedem der acht Feiertage wird aus
der Tora vorgelesen, und zwar werden dafür drei Personen aufgerufen. Die
Lesung steht in Numeri. Zwölf Fürsten aus den Stämmen führten den
Gottesdienst im Stiftzelt ein sowie den Opferdienst dafür, und an jedem
der acht Feiertage wird die Liste über die freiwillige Arbeit jedes
Fürsten vorgelesen.
Am achten Tag wird der Abschnitt »Am
achten Tag« (Numerus 7,54) bis zum Ende des ganzen Kapitels vorgelesen.
Hinzu kommen die ersten Abschnitte aus Numeri, Kapitel 8, das das
Anzünden der Lichter in dem Leuchter des Stiftzeltes durch den Priester
Aaron beschreibt: Die Hasmonäer waren die direkten Nachkommen des
Priesters Aaron, und schon allein die
Beschreibung ihrer Taten - der Taten
seiner Nachkommen, der Makkabäer, die den Altar rein machten, ihn
einweihten und erneut seinen Leuchter anzündeten - vervollständigt den
historischen Kreis, der mit der Einweihung des Stiftzeltes und dem
Anzünden des Leuchters in der Wüste begann.
Fällt das Chanukkafest auf einen
Sabbat, werden zwei Torarollen aus dem Toraschrank gehoben (und drei,
wenn dieser Sabbat auf den Neumond des Monats Tewet fällt). Aus der
ersten Rolle lesen sieben Aufgerufene den Wochenabschnitt und aus der
zweiten den Maftir, den besonderen Abschnitt für das Chanukkafest.
An diesem Sabbat wird nicht die
übliche Haftara der Woche vorgelesen. Und selbst wenn der Chanukkasabbat
auf einen Neumond fällt, wird nicht die Haftara für den Neumondsabbat
vorgelesen, sondern eine besondere Haftara für den Chanukkasabbat aus
dem Buch Sacharja. Auch hier gilt in bezug auf die Bekanntmachung des
Chanukkawunders: »Wenn etwas häufig getan wird und etwas anderes weniger
häufig, hat das Häufige den Vorzug«, wobei das Gewohnte vorgezogen wird,
weil es leichter vergessen wird, um das Wunder nachdrücklicher
eindringen zu lassen und das Wissen darüber weiter zu verbreiten. Fällt
der erste Feiertag des Chanukkafestes auf den Sabbat, fällt auch der
letzte Tag auf ihn. Der achte Tag wird als »Das ist Chanukka« bezeichnet
- nach den Worten; mit denen die Toralesung an diesem Tag beginnt.
Auch für den zweiten Chanukkasabbat
gibt es eine besondere Haftara: Sie stammt aus dem 1. Buch der Könige
und beschreibt die Errichtung des Tempels zur Zeit des Königs Salomo.
Chanukka-Geld
Neben den Geboten für das
Chanukkafest hat sich auch ein ganz besonderes Brauchtum entwickelt, das dem
Fest eine ganz besondere Stimmung verleiht. Dazu gehört unter anderem das Essen
von Pfannkuchen oder Kartoffelpuffern. Dafür gibt es keine einzige Vorschrift,
die Ursache für diesen Brauch finden wir darin, dass beide an das Fläschchen Öl
erinnern (denn beide werden in Öl gebacken). Um auch die Kinder in die festliche
Chanukkastimmung einzubeziehen, erhalten sie das sogenannte »Chanukka-Geld«, und
sie werden eine Stunde früher als sonst vom Torastudium befreit. Außerdem gibt
es für die Kinder besondere Spiele zum Chanukkafest. Eines davon ist ein
Kreiselspiel, auf dem die Buchstaben »Nun«, »Gimmel«, »Heh« und »Pe«
aufgezeichnet sind, die die Initialen für den - hebräischen - Satz sind: »Nes
gadol haja po«, d. h., hier hat sich ein großes Wunder ereignet; im Ausland wird
das »Pe« für »hier« durch ein »Schin« für »dort« ersetzt.
Während des Chanukkafestes ist die
Arbeit nicht untersagt, und viele nutzen die Gelegenheit, um ins Grüne
zu fahren, wie zum Beispiel dorthin, wo sich die historischen Ereignisse
abgespielt haben, wie in Modi'in, oder sie besuchen Verwandte, die
außerhalb der Heimatstadt wohnen.
Wie
Juden leben
Glaube - Alltag - Feste
von Rabbiner Israel Meir
Lau, übersetzt von Miriam Magall,
~ 35,-€
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