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Hanukah: Geschichtlicher Hintergrund Teil III

Der Aufstand bis zur Eroberung von Jerusalem
und die Reinigung des Tempels

Zum ersten Zusammenstoß zwischen den Hasmonäern und den Königstruppen kam es, als diese die Einwohner von Mode'in zur Teilnahme an einem heidnischen Opferritual zwingen wollten. Mattatias, das Familienoberhaupt, wehrte sich mit aller Entschiedenheit dagegen:

"Mattatias aber antwortete und rief mit lauter Stimme: Wenn alle Völker, die sich im Bereiche der Herrschaft des Königs befinden, ihm gehorchen, indem ein jeder der Religion seiner Väter untreu wird, und sie sich nach seinen Geboten richten, so wollen doch ich und meine Söhne und meine Brüder in dem [von Gott] mit unseren Vätern geschlossenen Bunde wandeln. Gott bewahre uns davor, daß wir vom Gesetz und den Satzungen abtrünnig werden sollten" (I Makkabäer 2,19-21).

Einer der Juden, die dem königlichen Befehl Folge leisteten und sich dem Altar näherten, den man in Mode'in zur Opferfeier errichtet hatte, wurde von Mattatias erschlagen.

Nach diesem Zwischenfall konnten Mattatias und seine Söhne nicht länger in Mode'in bleiben. Sie zogen sich mit ihren Anhängern in die Berge zurück, wo viele Gleichgesinnte zu ihnen stießen. Bald war Mattatias der unumstrittene Anführer der gesamten Gemeinschaft der Hasidäer und traf mehrere wichtige Entscheidungen, die von allen Aufständischen akzeptiert wurden. Der wohl bedeutsamste Beschluß besagte, daß es den Juden gestattet sei, sogar am Sabbat die Waffen zu erheben, um einen Angriff abzuwehren. Zu Mattatias' Lebzeiten wagten es die Rebellen noch nicht, offen Krieg gegen die königlichen Truppen zu führen; sie begnügten sich mit Guerillaunternehmen. Mattatias war vor allem bestrebt, die Organisation der Rebellenhorden zu festigen, die Autorität der fremden Herrscher in den Dörfern und Landstädten zu untergraben und jene Juden auszuschalten, die mit den Syrern kollaborierten. Infolge dieser Aktivitäten verkleinerte sich das von den Seleukiden beherrschte Gebiet Judäas allmählich, und Jerusalem mit seiner Zitadelle und Garnison wurde mehr oder weniger von seinen Nachschubbasen und den anderen palästinischen Verwaltungszentren abgeschnitten.

Nach dem Tod des Mattatias ging die Leitung des Aufstandes auf seine Söhne über, unter denen Judas, der den Spitznamen "Makkabäer" erhielt, als großes militärisches Talent hervorragte. Unter seinem Befehl bedrohten die Aufständischen die Position der Seleukiden in Jerusalem so sehr, daß die Gegenseite sich zu hartem Durchgreifen entschloß, um die Hauptstadt Judäas zu retten. Apollonius, der Statthalter von Samaria, erhielt den Auftrag, die militärische Kraft der Juden zu brechen und die Verbindung zur Jerusalemer Garnison wiederherzustellen. Sein Versuch, von Norden her nach Jerusalem durchzustoßen, scheiterte kläglich; er selber fiel in einem Gefecht, das den Juden den ersten Sieg über die regulären Truppen des Antiochus bescherte. Ein anderer Seleukidengeneral mit Namen Seron unternahm daraufhin einen zweiten Versuch, aber die Juden brachten auch ihm auf den Hängen von Bet-Horon eine vernichtende Niederlage bei. Nach diesen beiden Erfolgen war klar, daß Judas über eine Streitmacht verfügte, die nicht zu unterschätzen war und die von einem Provinzfeldherrn nicht besiegt werden konnte. Ptolemäus, der Sohn des Dorymenes, Statthalter von Coele-Syrien und Phönizien und einer der konsequentesten Befürworter der antijüdischen Politik des Antiochus, entsandte ein starkes Heer unter dem Befehl seiner tüchtigen Offiziere Gorgias und Nikanor nach Judäa. Es sollte von Westen her, über Emmaus, nach Jerusalem vorstoßen. Ein Sieg der Seleukiden schien absolut gewiß, so gewiß, daß Sklavenhändler den Invasionstruppen auf dem Fuße folgten in der Hoffnung, jüdische Gefangene günstig einkaufen zu können. Das Judäerheer stand bei Mizpa im Norden Jerusalems. Das Bewußtsein, für eine heilige Sache zu kämpfen, das im Lager der Juden vorherrschte und durch die Erinnerung an alte Überlieferungen wie durch die gegenwärtige Gefahr gleichermaßen verstärkt wurde, spiegelt sich eindringlich im I. Makkabäerbuch:

"Sie versammelten sich und begaben sich nach Mizpa gegenüber Jerusalem, denn Mizpa hatte in früheren Zeiten Israel als Betort gedient. Und sie fasteten an jenem Tage und hüllten sich in Trauergewänder, [streuten] Asche auf ihre Häupter und zerrissen ihre Kleider . . . Auch brachten sie die priesterlichen Gewänder herbei und die Erstlinge und die Zehnten und ... die Nasiräer, deren (Weihe- Zeit um war. Und sie riefen laut zum Himmel und sprachen: Was sollen wir mit diesen anfangen und wohin sollen wir sie bringen, da doch dein Heiligtum zertreten und entweiht ward, und deine Priester in Trauer und Elend sind? Und siehe, die Heiden sind gegen uns versammelt, um uns zu vertilgen; du weißt, was sie gegen uns planen! Wie lcönnen wir vor ihnen standhalten, wenn nicht du uns hilfst? Alsdann trompeteten sie mit den Trompeten und schrieen mit lauter Stimme" (I Makkabäer 3,46 ff.).

In einem kühnen Marsch nach Südwesten rückten die Judäer gegen Emmaus vor, schlugen die Feinde in einem Überraschungsangriff und errangen einen ihrer größten Siege.

Nach diesem Sieg erkannte Lysias, der Statthalter des Antiochus im diesseits des Eufrats gelegenen Teil des Reiches, daß durch die sich immer mehr verschlechternde Lage in Palästina eine Gefahr für den Frieden im ganzen Reich heraufbeschworen wurde. Entschlossen, den Krieg gegen Judäa selbst in die Hand zu nehmen, bot Lysias ein riesiges Heer auf, mit dem er von Süden her gegen Judäa vorrücken wollte, durch das Gebiet der Idumäer, die den Juden feindlich gesinnt waren. In einer Schlacht bei Bet-Zur, an der Grenze zwischen Judäa und Idumäa, war das Kriegsglück den Juden abermals hold; der vierte und gefährlichste Versuch, den Aufstand niederzuschlagen, wurde wie die anderen abgewehrt.

Judas, der Makkabäer, der jetzt an der Spitze einer siegestrunkenen Armee stand, schickte sich an, nun auch Jerusalem zu erobern. Das militärische Potential des Königs war offensichtlich nicht in der Lage, die Revolte mit Waffengewalt zu ersticken. Judas Siege erregten inzwischen auch die Aufmerksamkeit der römischen Legaten, die damals Syrien besuchten, und diese boten ihre guten Dienste als Vermittler zwischen den Juden und dem Hof an. Sogar jene Juden, die während des Krieges der Seleukidendynastie die Treue gehalten hatten, darunter Menelaos, zeigten sich nunmehr kompromißbereit. Lysias blieb keine andere Wahl, als die Juden durch Zugeständnisse zu beschwichtigen. Auf sein Betreiben erging ein Dekret an die jüdische Gerusia, das allen Juden, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihre Heimat zurückkehrten, freies Geleit gewährte und ihnen die Freiheit der Religionsausübung versprach. Die Durchführung des Dekrets wurde allerdings dem Hohenpriester Menelaos, nicht dem Makkabäer Judas und seinen Leuten übertragen. Eine weitere versöhnliche Geste bestand darin, daß Ptolemäus, der Sohn des Dorymenes, als Statthalter abgesetzt und durch Ptolemäus Makron ersetzt wurde, der den Juden gegenüber eher zu Kompromissen bereit war.

Judas ließ sich durch diese Konzessionen nicht beeindrucken und beschloß, seine zeitweilige militärische Überlegenheit zu nutzen, um Jerusalem in seinen Besitz zu bringen. Das geschah im Monat Kislew (Dezember) des Jahres 164, kurz nachdem Antiochus im Osten gestorben war. Die Eroberung von Jerusalem bedeutete den endgültigen Sieg des Aufstands. Nur in der Akra leistete eine eingeschlossene feindliche Garnison noch Widerstand. Der Tempel wurde "gereinigt", der heidnische Kult abgeschafft und der Tempeldienst Priestern aus dem Lager der Hasmonäer anvertraut; Judas erhob keinen Anspruch auf das Amt des Hohenpriesters.

Zur Erinnerung an die Reinigung des Tempels wurde das jährlich wiederkehrende Fest Chanukah gestiftet.

Durch die Inbesitznahme Jerusalems und des Tempels hatten die Aufständischen Judäa praktisch vom Königreich abgetrennt, auch wenn dieser Tatbestand nicht formell proklamiert wurde. Nahezu alle Juden in Palästina schlossen sich jetzt den Anführern des Aufstandes an, und in den Monaten nach der Eroberung der Hauptstadt nahm die Zahl der Soldaten, die sich um den Makkabäer Judas scharten, beträchtlich zu.

Die Auseinandersetzungen mit der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas

Infolge des Krieges zwischen dem König und den Juden kam es in ganz Palästina zu Spannungen zwischen den heidnischen Bevölkerungsteilen und den unter ihnen lebenden Juden. Judas Siege erhöhten diese Spannungen noch und ließen alte Streitigkeiten wieder aufflammen. In der ersten Zeit nach der Reinigung des Tempels und dem Tod des Antiochus mußten Judas Soldaten oftmals ihren bedrängten Brüdern in entlegenen Gebieten Palästinas zu Hilfe kommen. Die seleukidischen Behörden stellten sich natürlich auf die Seite der Nichtjuden, ihrer treuen Bundesgenossen aus den Jahren der Unruhen; Ptolemäus Makron selbst mischte sich allerdings in diesen Konflikt nicht ein, sondern überließ die Initiative den lokalen Kommandeuren. In der Auseinandersetzung zwischen Juden und Nichtjuden trat die militärische Überlegenheit der Juden noch eindeutiger zutage, sie hatten mittlerweile alle Teile des Landes nahezu unter Kontrolle. Judas und seine Brüder marschierten in Baschan ein und kämpften in Idumäa und Westgaliläa. Sie konnten die feindlichen Festungen einnehmen und in den meisten Fällen den jeweiligen Kommandanten eine vernichtende Niederlage beibringen. Diese Siege leiteten eine neue Ära der jüdischen Expansion in ganz Palästina ein, doch in der Anfangsphase wurden abgelegenereGebiete von Judäa noch nicht annektiert. Zunächst kam es nur darauf an, von der Ausrottung bedrohte Juden zu retten und aus der Gefahrenzone zu evakuieren. Simeon, der Hasmonäer, evakuierte jüdische Gemeinschaften aus Westgaliläa und überführte sie aus der Umgebung von Akko und Tyrus nach Judäa, während die Juden von Baschan und Gilead dem von Judas geführten Feldzug in diese Gebiete ihre Rettung verdankten.


[HANUKAH]

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