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Hanukah: Geschichtlicher Hintergrund Teil II

Die Bedeutung des Hasmonäeraufstands

In ganz Judäa und Südsamaria, in den Gruppen, die seit der Umgestaltung der Jerusalemer Regierung in den Wüstengebieten aktiv geworden waren, und in der jüdischen Landbevölkerung von Nordjudäa und der Lydda-Ebene, entstand eine mächtige Bewegung des Widerstands gegen die syrische Obrigkeit. Schon nach kurzer Zeit wurde aus dieser Bewegung eine schlagkräftige Streitmacht, angeführt von den Hasmonäern, einer Priesterfamilie aus Mode'in in der Gegend von Lydda, an deren Spitze ein Priester namens Mattatias stand. Die Hasmonäerfamilie, die zur "Wache" von Jojarib gehörte, genoß in jüdischen Kreisen hohes Ansehen und war für die Massen Vorbild und Ansporn. In den folgenden 130 Jahren sollte diese Familie einen wichtigen Platz in der Geschichte des Judentums einnehmen.

Glaubenstreue Juden hatten schon des öfteren schwere Prüfungen durchgestanden, zum Beispiel während der Prophetenverfolgungen unter Ahab und Isebel oder unter König Manasse, als ihnen fremdländische Kulte aufgezwungen wurden (vgl. Zweiter Teil von Chaim Tadmor). Doch war das Judentum wohl nie zuvor in einer solchen Gefahr vollständiger Ausrottung wie während der systematischen, mitleidlosen Verfolgung, die Antiochus Epiphanes durch seine Dekrete angeordnet hatte. In jenen Jahren lebte die große Mehrheit des Volkes unter seleukidischer Herrschaft, in Palästina genauso wie anderswo. Zwar gab es auch Juden außerhalb des Seleukidenreiches - in Ägypten, in Kyrene, in Kleinasien und in Teilen des Orients, die damals nicht Antiochus unterstanden -, aber es ist zu bezweifeln, ob diese Gemeinschaften materiell und spirituell stark genug gewesen wären, die Nation lebendig zu erhalten oder zu erneuern, falls das palästinische Zentrum zerstört worden wäre oder seine Identität verloren hätte. Der Fortbestand des jüdischen Volkes, der solche Auswirkungen auf die Weltgeschichte hatte, wurde sichergestellt durch den Kampf der Hasmonäer und die Standfestigkeit der judäischen Bevölkerung im vierten Jahrzehnt des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts.

Die Gründe für den Erfolg des Aufstands

ln militärischer und politischer Hinsicht wurde der Ausgang des Konflikts durch eine Reihe von inneren und äußeren Faktoren bestimmt. Der wichtigste war wohl die unerschütterliche Treue der jüdischen Massen zu ihrer Religion. Die Ideale, die sich in den Jahrhunderten vor der Verfolgung in Jerusalem und Judäa entwickelt hatten, waren tief in die Masse des Volkes eingedrungen. Die Thora war für Zehntausende von judäischen Bauern zu einem Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden und galt als eine wesentliche Grundlage ihres Daseins. Dieser Geist erfüllte die Aufständischen mit so viel Begeisterung und Vertrauen, daß sie sich in Zeiten der Bedrängnis nicht entmutigen ließen.

Im Gegensatz zu jener Minderheit in der herrschenden Klasse - den Anhängern des Menelaos und den Tobijaden -, die Antiochus bis zum bitteren Ende folgte, stellten die gemäßigten Hellenisten im kritischenAugenblick ihre Macht und Begabung den Führern der Revolte zur Verfügung; sie halfen mit, den Krieg zu entscheiden, und nutzten ihren Einfluß bei der Anknüpfung von Kontakten zum Ausland.

Die Truppen, die den Hasmonäern in ihrem Krieg gegen die Seleukiden zu Gebote standen, waren vergleichsweise zahlreich. Judäa und die anderen jüdischen Gebiete waren dicht besiedelt, und im Ernstfall gaben die Landbewohner hervorragende Soldaten ab. Sofern es gelang, die Auseinandersetzung auf Palästina zu beschränken, zweifelte niemand daran, daß die Juden die Oberhand behalten würden. Eine Gefahr für Judäa ging nur von den gut ausgebildeten regulären Streitkräften des Seleukidenreiches aus. Hätten die Seleukiden ihre gesamte Militärmacht an der judäischen Front einsetzen können, wären sie durchaus in der Lage gewesen, den Aufstand niederzuschlagen. Denn selbst nach dem Rückzug aus Ägypten im Jahre 168 unter römischem Druck blieb die Armee des Antiochus die stärkste militärische Kraft im Osten, die es mit jeder Macht des Mittelmeerraumes, mit Ausnahme der Römischen Republik, hätte aufnehmen können. Sie verfügte über mehr als 70 000 Mann und umfaßte Infanterieeinheiten, die in der Taktik der mazedonischen Phalanx geschult waren, Kavallerie, Elefanten, Streitwagen und Hilfskontingente verschiedener Herkunft. Aber die damalige politische und militärische Lage erlaubte es den Seleukiden nicht, diese gewaltige Streitmacht an die judäische Front zu verlegen; denn während ein Teil der königlichen Armee unter verschiedenen Generälen in Judäa kämpfte, waren andere Truppen unter dem Kommando des Königs mit Feldzügen und Verteidigungsmaßnahmen in den östlichen Satrapien des Reiches beschäftigt. Dennoch war die militärische Situation Judäas prekär, denn selbst die diesseits des Eufrats stehenden Streitkräfte des Antiochus waren zahlenmäßig stärker und besser ausgebildet als die Krieger, die sich um die Fahne der Hasmonäer scharten.

Es war ein Glück für die Juden, daß das Haus des Seleukus in sich selbst uneins war. Nach dem Tod des Antiochus Epiphanes brachen immer wieder Nachfolgestreitigkeiten aus. Durch diese Auseinandersetzungen, die zu offenem Krieg zwischen den verschiedenen Thronprätendenten ausarteten, war die Armee gespalten und bot sich den Feinden des Seleukidenreiches eine Gelegenheit, in Ausnutzung der Situation die einzelnen Parteien gegeneinander auszuspielen.

Schließlich verdankten die Juden ihren Sieg in nicht unerheblichem Maße der Tatsache, daß sie in ihrem Widerstand gegen die Seleukiden von ausländischen Mächten unterstützt wurden. Vor allem Rom war interessiert daran, die hellenistische Führungsmacht zu schwächen. Schon vor dem Tod des Makkabäers Judas schloß der römische Senat einen formellen Vertrag mit den Juden, der später noch mehrmals verlängert wurde. Die praktische Bedeutung dieses Bündnisses ist schwer abzuschätzen, doch ohne Zweifel trug es dazu bei, die internationale Position Judäas zu festigen. Die Ptolemäer in Ägypten, die Erzfeinde des seleukidischen Syriens, freuten sich gleichfalls über die Erfolge der Juden. Selbst die Nabatäer verbündeten sich in den ersten Jahren des Aufstands mit den Juden und unterstützten deren militärische Operationen jenseits des Jordans.

In Judas, Jonatan und Simeon, den Söhnen des Hasmonäers Mattatias, besaßen die Aufständischen Anführer von überragendem Mut, militärischem Talent und organisatorischem Geschick, Staatsmänner, die es verstanden, die jeweiligen Kräfteverhältnisse vorteilhaft auszunutzen, und die zugleich den Massen Loyalität und Bewunderung einzuflößen vermochten. Im Laufe der Zeit lernten sie auch die damals moderne Taktik und Strategie erfolgreich anzuwenden. Unter Jonatan und Simeon bewiesen die jüdischen Truppen, daß sie nicht nur im judäischen Bergland kämpfen, sondern auch im Flachland, fern von ihren Standorten, die königlichen Armeen schlagen konnten. Auf ihren Kriegszügen stießen sie weit über die Grenzen Palästinas vor, bis Damaskus und sogar bis Antiocheia, der Hauptstadt des Königreiches.

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