hagalil.com
Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!

Newsletter abonnieren
Koscher leben...
 
 

Hanukah: Geschichtlicher Hintergrund Teil I:
Antiochus will seinen Anspruch auf Jerusalem
für die Zukunft sichern

Er verpflanzt eine ausländische Kolonie auf die Akra, die Zitadelle. Den Ausländern schlossen sich die extremistischen Hellenisten aus der Gefolgschaft des Menelaos an. Noch waren keine Dekrete gegen die jüdische Religion erlassen worden, aber durch die bloße Tatsache, daß nunmehr Nichtjuden und extreme Hellenisten - die sich von den ersteren kaum unterschieden - die Hauptstadt Judäas beherrschten, verlor diese ihre Eigenart als heilige Stadt der Juden und verwandelte sie in eine heidnische Stadt, in der der Götzenkult blühte. Die fremden Siedler hatten ihre Götter mitgebracht, und Menelaos' Hellenisten unternahmen nichts dagegen. Für viele Juden war diese Lage unerträglich. Abgestoßen von dem immer stärkeren Vordringen der fremden Kulte in Jerusalem, verließen sie die Stadt und suchten Zuflucht in den Wüstengebieten im Osten und Südosten oder in den Dörfern und Landstädten im Norden und Nordwesten.

Religiöse Verfolgung

Im Jahre 167 (Jahresangaben vor Allg. Zeitrechnung) tat Antiochus einen entscheidenden Schritt: Er untersagte die Ausübung der jüdischen Religion in Judäa - und später auch in anderen Bezirken - und drohte jedem Juden die Todesstrafe an, der seine Kinder beschneiden oder den Sabbat halten würde. Die Behörden zwangen die jüdische Bevölkerung sogar, an heidnischen Riten teilzunehmen und verbotene Speisen, insbesondere Schweinefleisch, zu essen; der Tempel wurde geschändet und dem olympischen Zeus geweiht.

Der Polytheismus gilt im allgemeinen als von Natur aus tolerant, und es ist erwiesen, daß Antiochus in anderen Ländern seines Reiches auf jeglichen religiösen Zwang verzichtete. Die Priester Babyloniens und anderer Völker behielten ihren traditionellen religiösen Lebensstil bei und dienten weiterhin ihren Göttern. Antiochus selber hatte eine besondere Vorliebe für den Kult des olympischen Zeus, wie die Münzen beweisen, die er schlagen ließ; es besteht jedoch kein Grund zu der Annahme, daß diese Vorliebe ihn bewogen hätte, andere Kultformen herabzusetzen - mit Ausnahme der jüdischen Religion, die er erbarmungslos verfolgte.

Offensichtlich brachten die langwährenden Spannungen in Judäa den König zu der Erkenntnis, daß die jüdische Religion mit ihrem militanten Monotheismus hinter dem halsstarrigen Widerstand steckte, mit dem die Juden allen Neuerungen begegneten, welche er in ihrem Land einführen wollte, und daß dieser Widerstand die Sicherheit an der Südgrenze seines Reiches gefährdete. Außerdem ist es durchaus denkbar, daß er gegen die jüdische Religion, die seinem ganzen Weltbild widersprach, persönlich eine starke Abneigung empfand. Jedenfalls böte diese Kombination von Machtpolitik und privatem Abscheu vor dem jüdischen Monotheismus eine Erklärung für seine neue Politik. Im übrigen war Antiochus von Hause aus ein aggressiver und wagemutiger Mann, der vor unkonventionellen Mitteln oder ungewöhnlichen Methoden nicht zurückschreckte.

Die Realisierung der von ihm beschlossenen politischen Maßnahmen schien gesichert, da er sich auf die Mitwirkung der extremen Hellenisten unter unter den Juden und insbesondere auf deren Anführer Menelaos voll und ganz verlassen konnte. Doch augenscheinlich erkannte er nicht, wie dünn der hellenistische Firnis war, denn die bereitwillige Kooperation dieser Gruppe verleitete ihn zur Annahme, die gesamte jüdische Oberschicht werde ihn gegen die seiner Herrschaft feindlich gesonnenen Elemente unterstützen, deren Anhänger sich aus den unteren Klassen rekrutierten. In Wahrheit hatten Menelaos und seine Gefolgsleute jedoch keine echte Basis im jüdischen Volk. Die Hellenisten hatten durch Antiochus' neue Politik nichts zu verlieren, weil sie sich dem jüdischen Glauben innerlich nicht mehr verbunden fühlten, und sich sogar von der überwiegenden Zahl der Priester trennten, hatten sie sich selber aus dem Gewebe der jüdischen Gesellschaftsstruktur herausgelöst. Diese Gruppe folgte Antiochus, bis sie durch die Gewalt der Ereignisse weggefegt wurde. Nach der Hasmonäerrevolte blieb von ihr keine Spur im jüdischen Volk.

Die Dekrete des Antiochus und die Empörung, die sie bei den treuen Anhängern des Judentums hervorriefen, führten in der Geschichte zu einer Wendung. Entgegen den Erwartungen des Königs stand die große Mehrheit des jüdischen Volkes fest zu ihrer religiösen Überzeugung, und Menschen aller Gesellschaftsschichten waren bereit, ihr Leben für Ihren angestammten Glauben dahinzugeben. Die aufrichtige und kompromißlose religiöse Haltung der jüdischen Massen war tief verwurzelt. Schon in früheren Zeiten hatten die Juden bewiesen, daß sie nicht zögerten, ihr Leben zu opfern, wenn die Religion es von ihnen forderte, doch jetzt, zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte, wurde die Welt Zeuge eines Massenmartyriums. Die Taten der Märtyrer und der Frommen in jener Zeit sollten der religiösen Verfolgung sollten für Juden und Nichtjuden aller Zeiten beispielhaft bleiben.

Wie so oft in der Zukunft ging mit dem Martyrium eine gesteigerte eschatologische Sehnsucht einher. Es wuchs der Glaube, daß eine Zeit der göttlichen Vergeltung angebrochen sei, in der das Reich des Bösen zusammenbrechen werde, und daß sich damit die Prophetie vom "Ende der Tage" erfüllen müsse. Angesichts des Versuchs der gewaltsamen Hellenisierung entwickelte sich bei den Gläubigen ein neues und verstärktes Treueverhältnis zur Religion Israels.

Zum II.Teil


[HANUKAH]

Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth
Zur Startseite: haGalil onLine



Fragen an die Rebbezin...
Jüdische Weisheit
haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2014... © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved
ehem. IDPS, Kirjath haJowel