Chanukka bedeutet Einweihung. Diese
Einweihung bezieht sich auf die Neueinweihung des zweiten Tempels in
Jerusalem nach der Überwindung der syrischen Herrscher durch Jehuda Maccabi.
Wir zünden jeden Tag ein neues Licht als Erinnerung an das Wunder, welches
damals geschah: Reines Öl, das nur für einen Tag gereicht hätte, brannte
acht Tage lang.
Bedeutsam ist Chanukka für uns aber vor
allem auf spiritueller Ebene: wir feiern dieses Fest nicht als Erinnerung an
einen militärischen Sieg, sondern wir feiern das Wunder einer kleinen Gruppe von
Menschen, die ihre Identität gegenüber einer Übermacht bewahren konnte. Seit
über zweitausend Jahren ist dies unser Anliegen: als Minderheit leben zu können,
kämpfend um die Bewahrung unserer eigenen Identität.
Vielleicht schreibt uns deswegen die
Tradition vor, jeden Tag ein zusätzliches Licht zu zünden: haben wir uns einmal
für das Judentum entschieden, müssen wir diesen Weg immer weiter gehen. Jeden
Tag kann Neues entdeckt werden; am Anfang kommt uns alles dunkel vor, aber
langsam kommt das Licht, wird blendend, schön und ermutigend. Ist das ein
Wunder? Vielleicht.
Ich möchte an dieser Stelle Theodor Herzl
zitieren: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“. Er meinte mit diesem Satz 1898
den jüdischen Staat - genau fünfzig Jahre später wurde er dann gegründet. Ein
Wunder? Vielleicht - aber Menschen haben dieses Wunder verwirklicht. Das
Judentum hat über zweitausend Jahre überlebt, trotz Verfolgung, Assimilation und
Massenmord. Ein Wunder? Ja - weil sich Juden jedes Jahr neu für ihre Ideale
entschieden haben. Jeder Tag ein Schritt. Möge sich unsere Gemeinde in diesem
Jahr weiterhin ihren jüdischen Idealen widmen, der Widmung an ein jüdisches
Leben in all seiner Vielfalt.
Aus dem
Rundbrief zu
Dezember 2000 der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Schalom