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Koscher leben...
 
 

Wenn die Bäume Neujahr feiern :
Tu bi Schewat

Jahresanfänge

In unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionen gibt es verschiedene Arten die Zeit zu berechnen. Deshalb wird Neujahr zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert.
Hier sind nur einige Daten, an denen in einem Jahr, z.Bsp. 2001, Neujahrsfeste gefeiert wurden:

24.1. chinesisches Neujahr
24./25.1. vietnamesisches Neujahr
25.2. tibetisches Neujahr 2128
20.3. Beginn des neuen iranischen Jahres
21.3. Nouruz Iran, Afghanistan, Kurdistan
22.3. hinduistisches Neujahr
26.3. islamisches Neujahr 1422
13.4. thailändisches Neujahr
14.4. tamilisches, singhalesisches Neujahr
14.4. bengalisches Neujahr
6.6. buddhistisches Neujahr Wesak 2656
11.9. koptisches Neujahr
18.9. jüdisches Neujahr 5762

Aber selbst innerhalb eines Landes gibt es verschiedene Jahresanfänge. In Deutschland beginnt das bürgerliche Jahr am 1. Januar. Das Schuljahr beginnt nach den Sommerferien. Vielleicht haben deine Großeltern erzählt, dass bei ihnen das Schuljahr nach Ostern begann.
Das Studienjahr an Universitäten beginnt zwischen 1. Oktober und 1. November. Das landwirtschaftliche Jahr endete am 11. November. Das Arbeitsjahr für Knechte und Mägde, an dem sie ausbezahlt wurden, endete am 2. Februar.

Die jüdische Tradition kennt 4 Jahresanfänge:

1. Nissan (März / April)für das Königtum: An diesem Tag wurden Könige gekrönt und danach dann auch die Jahre der Herrschaft einzelner Könige gezählt.

1. Elul (August / September) für den Zehnten des Viehs

1. Tischri (September / Oktober) für das landwirtschaftliche Jahr und als Erinnerung an die Erschaffung der Welt

den 15. Schewat (Januar / Februar) für das Neujahrsfest der Bäume - Tu bi Schewat

 

 

Quelle der Abb.:
 "Zyklus nach der Heiligen Schrift"
v. Prof. Ernst Fuchs,
Sonderdruck Treufinanz Wien,
München, 1977, Platten a. Gold


Kalender

Awraham, Jizchak, J'akow

Was heißt Tu bi Schewat

"TU" steht für die Zahl 15. Im Hebräischen kann man jede Zahl mit Buchstaben schreiben. Aleph, der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets ist zugleich die Zahl 1. 15 würde man normalerweise aus 10 + 5 zusammensetzen. Wenn man das ausspricht, ergibt es den Anfang des G-ttesnamens (Tetragramm), den man in der jüdischen Tradition nicht ausspricht.
Deshalb weicht man auf 9 + 6 aus. Das sind die Buchstaben Tet (9) und Vav (6) gesprochen: Tu. Schewat ist der 11. Monat im jüdischen Kalender, Tu bi Schewat also der 15. Tag des Monats Schewat.

Warum feiert man ein Neujahrsfest der Bäume?

Als es noch den Tempel in Jerusalem gab, der 70 n.d.Z. zerstört wurde, wurde der zehnte Teil der Tiere, der Getreide- und der Obsternte für die Priesterschaft und die Armen abgegeben.
Wie aber soll man bei Obstbäumen regeln, zu welchem Jahr die Obsternte gehört?
Durch die klimatischen Bedingungen in Israel ist dafür der 15. Schewat ideal. Er fällt fast auf das Ende der Regenzeit, wenn der Saft in die Bäume hochsteigt und sich die Früchte zu formen beginnen. So bildet er eine natürliche Grenze zwischen dem Obst, das im vergangenen Jahr geerntet wurden und denen, die im folgenden Jahr geerntet werden. Früchte, deren Blütezeit nach dem 15. Schewat liegt, müssen dann für dieses Jahr verzehntet werden.

Wie wird Tu bi Schewat gefeiert?

In Israel ziehen die Kinder hinaus, um Bäume zu pflanzen. So tragen sie zum Aufbau des Landes bei. Juden, die außerhalb von Israel - in der Diaspora - leben, spenden Geld für die Anpflanzung von Bäumen in Israel. Außerdem ist es Brauch, an diesem Tag besonders Früchte zu essen, die in Israel wachsen; in manchen jüdischen Gemeinschaften 15 Früchte - wegen des 15. Schewat.

In den letzten Jahren wurde ein Brauch wiederbelebt, der im 16. Jahrhundert bei den Juden, die in Safed (Israel) lebten, entstanden ist: der Tu bi Schewat-Seder. Seder heißt wörtlich „Ordnung". Gemeint ist ein Zusammensein, bei dem man in einer bestimmten Reihenfolge Wein / Fruchtsäfte trinkt, Geschichten hört, bestimmte Früchte ißt, Lieder singt und zu dem auch bestimmte Segenssprüche gehören.

In den letzten Jahren wurde Tu bi Schwat mehr und mehr zum Anlaß genommen, um zu überlegen, wie wir zum Schutz unserer Lebensgrundlagen auf dieser Erde beitragen können. Tu bi Schwat ist damit auch eine Möglichkeit, Anliegen der ökologischen Bewegung aufzugreifen und sich Gedanken zu machen, wie man selbst und seine Gemeinschaft Umweltschutz praktizieren kann.

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