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Tu
bi Schewat:
Ein Seder für Kinder
nach einer Idee von Rabbinerin A.
Scheinermann
Wir sind zusammengekommen um das
neue Jahr der Bäume - Tu bi Schewat zu feiern. Tu bi Schewat gibt es schon
lange, denn Jüdinnen und Juden haben immer Achtung vor Bäumen gehabt und
waren dankbar für die Früchte, den Schatten und auch den Schutz, den die
Bäume geben.
Der Brauch einen Tu bi Schewat-Seder
zu feiern, geht zurück auf die Kabbalisten, eine Gruppe, die im 16.
Jahrhundert in Israel lebte. Wie sie, so kommen auch wir zusammen um zu
essen, zu singen und uns über die Bäume und das was sie uns geben und
bedeuten zu freuen.
BA-RUCH A-TA A-DO-NAI
E-LO-HE-NU ME-LECH HA-O-LAM SHE-HE-CHE-JA-NU WE-KI-I--MA-NU WE-HI-GI-JA-NU
LAS-MAN HA-SEH.
Gepriesen bist Du, G’tt König des
Universums, der uns am Leben erhalten hat, ...
Die vier Fragen für Tu Bi Schewat
- Bei anderen Neujahrsfeiern werden Menschen oder Ereignisse ins Gedächtnis
gerufen und gefeiert. Warum dieses Neujahrsfest der Bäume um die Bäume zu
ehren?
- An anderen Tagen essen wir alle möglichen Obstsorten. Warum essen wir an
Tu bi Schewat gerade die Früchte, die in Israel wachsen?
- Hier und in vielen Teilen der Welt ist es noch Winter. Warum machen wir
uns gerade jetzt Gedanken über die Bäume und das Pflanzen?
- Bäume haben Samen oder Kerne um sich zu vermehren. Warum feiern wir die
Bäume indem wir neue Samen pflanzen?
Der erste Becher:
Apfelsaft
Mit unserem ersten Becher Saft denken
wir an den Apfelbaum. Er wächst hier, wo wir leben. Er erinnert uns an die
jüdische Gemeinde oder Gruppe, zu der wir hier gehören und zeigt uns, wie
wichtig es ist, miteinander als Juden und Jüdinnen zu feiern und zu lernen.
Wir leben in kleinen und größeren Gemeinden und Gemeinschaften in der ganzen
Welt, nehmen am Schicksal der anderen Anteil und feiern zusammen.
Wie wichtig es ist, füreinander
Verantwortung zu übernehmen, das zeigt uns die Geschichte von cHoni, einem
Mann, der vor langer Zeit gelebt hat. Eines Tages sah er einen alten Mann,
der einen
Johannisbrotbaum pflanzte. Honi sagte zu ihm: "Bist du närrisch?
Denkst du denn, daß du in deinem Leben etwas von diesem Baum haben wirst,
den du heute pflanzt. Wirst du jemals etwas von seinen Früchten essen? Er
wird noch viele Jahre brauchen bis er Früchte hervorbringt".
Der alte Mann antwortete: "Ich habe Bäume in der Welt vorgefunden als ich
geboren wurde. Meine Großeltern haben sie für mich gepflanzt. Und jetzt
pflanze ich Bäume für meine Enkelkinder".
Honi setzte sich in den Schatten eines Baumes ganz in der Nähe und nickte
ein. Er wachte nach 70 Jahren auf. Als er aufschaute, da war er ganz
überrascht, denn er sah dort, wo der alte Mann einen Samen gepflanzt hatte,
einen hohen Johannisbrotbaum, der Früchte trug. Ein älterer Mann sammelte
die Früchte ein. Honi fragte: Bist du der alte Mann, der den Baum gepflanzt
hat?
Nein, antwortete der Mann. Das war mein Großvater. Er hat ihn für mich
gepflanzt.
So lernte Honi, wie wichtig es ist, für die zukünftigen Generationen zu
pflanzen.
| Unsere Torah nennen
wir auch "Ez chajim" Baum des Lebens. Juden und Jüdinnen überall auf der
Welt pflanzen Samen für die zukünftigen Generationen, wenn sie
Traditionen weitergeben und die Kinder von den Eltern lernen - und
umgekehrt - so wie wir es heute hier miteinander tun.
Zusammen teilen wir und freuen uns am süßen Geschmack der Früchte, die
hier und anderswo wachsen: Äpfel, Birnen, Walnüsse und Weintrauben. Möge
jede jüdische Gemeinschaft so wie ein Baum sein und ihren Mitgliedern
Nahrung geben und für sie ein Zuhause sein.
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(wir sprechen den Segensspruch
für die Früchte und essen dann Äpfel, Walnußkerne und Trauben)


BA-RUCH A-TA A-DO-NAI, E-LO-HE-NU
ME-LECH HA-O-LAM,
BO-RE P-RI HA-ETZ.
Lied:
(ra-hören)
HI-NNE MAH TOV U-MA NA-JIM
SHE-WET A-CHIM GAM JA-CHAD
Wie lieblich ist es
wenn Brüder einträchtig zusammen sind
(Bnai
Jeshurun)
Der zweite Becher:
Orangensaft
An Tu bi Schewat ist es ein alter
Brauch, daß man Früchte ißt, die in Israel wachsen, wie Feigen, Datteln,
Pfirsiche, Mangos, Granatäpfel und Orangen. Wir essen einige dieser Früchte
und trinken süßen Orangensaft.

Das Land Israel ist das Geburtsland
des jüdischen Volkes. Vor mehr als 3000 Jahren hat Gott einen
Bund mit
Abraham geschlossen und versprochen, aus ihm ein großes Volk zu
machen und seinen Nachkommen das Land Israel zu geben. Israel ist immer ganz
wichtig für Juden gewesen, egal wann und wo sie gelebt haben.
| Nach der
Zerstörung des 2. Tempels im Jahr 70 unserer Zeitrechnung lebten Juden
dort unter anderer Herrschaft. Seit dem
14.Mai 1948 gibt es den Staat Israel und viele Juden sind in den
letzten Jahrzehnten gekommen um in Erez Israel zu leben. Juden in Erez
Israel, in anderen Ländern und hier sind alle ein Volk. |
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An Tu bi Schewat erinnern wir uns an
den Eukalyptusbaum. Die ersten Pioniere kamen vor über 100 Jahren ins Land
und legten Sümpfe trocken. Dabei halfen ihnen die Eukalyptusbäume, denn
diese saugen große Mengen an Flüssigkeit auf. So gelang es den Pionieren
(chaluzim) durch das Pflanzen von Eukalyptusbäumen sumpfige Gebiete
trockenzulegen.
Beim Pflanzen der Bäume sangen die
Chaluzim dieses bekannte Lied:

AR-ZA A-LI-NU, AR-ZA A-LI-NU, AR-ZA
A-LI-NU (2mal)
K'WAR CHA-RASCH-NU V'GAM SA-RA-NU (2mal)
A-WAL OD LO KA-ZAR-NU (2mal)
Wenn wir jetzt die Früchte, die in
Israel wachsen, essen und den Orangensaft trinken, dann wollen wir daran
denken, wie wichtig Israel für uns ist und welche Verbindung zum Land Israel
und zum Volk wir haben.

(wir sprechen den Segensspruch
für die Früchte und essen dann von den Feigen, Datteln, Pfirsiche, Mangos,
Granatäpfel, Feigen und Orangen)


BA-RUCH A-TA A-DO-NAI, E-LO-HE-NU
ME-LECH HA-O-LAM,
BO-RE P-RI HA-ETZ.

Der dritte Becher:
Ananassaft
Hier bei uns ist es noch Winter. Aber
in Israel und an anderen Orten in der Welt endet die Regenzeit und man
beginnt zu pflanzen.
Unser dritter Saft und die Früchte,
die wir jetzt genießen kommen aus aller Welt:
Bananen, Kokosnußstücke, Oliven, Aprikosen, Ananas. Einige teilen wir heute
miteinander. Sie erinnern uns an unsere Verantwortung als Juden für Juden in
aller Welt. Wir sind die
Hüter unserer Brüder und Schwestern.
Öl - aus Oliven gepreßt - wurde
benutzt um den Ner Tamid, das ewige Licht, im Tempel von Jerusalem am
Brennen zu halten. Es symbolisiert das Licht des jüdischen Lebens, das in
allen jüdischen Gemeinden rund um die Welt am Leben gehalten wird.
Zusammen wollen wir nun einige dieser Früchte verspeisen.


BA-RUCH A-TA A-DO-NAI, E-LO-HE-NU
ME-LECH HA-O-LAM,
BO-RE P-RI HA-ETZ.
Es ist ein Brauch bei Juden auf aller
Welt, daß sie an Tu bi Schewat Geld sammeln, damit in Israel Bäume gepflanzt
werden können und damit der Aufbau des Landes unterstützt wird. Wir geben
jetzt eine Zedaka-Büchse herum, um
dafür Geld zu sammeln.
Der vierte Becher:
Wein oder roter Traubensaft
Unser vierter Becher wird mit rotem
Traubensaft oder Wein, der Frucht des Weinstocks gefüllt. Am Anfang dieses
Seders haben wir die Geschichte von Choni gehört, der gelernt hat, wie
wichtig es ist, für die Zukunft zu pflanzen. Nun wollen wir mit einer Vision
von der Zukunft enden.
Unser Volk hat immer von dem Tag
geträumt, an dem man vergessen haben wird, was Hass bedeutet; von dem Tag,
an dem niemand mehr hungrig sein wird oder heimat- und obdachlos; dem Tag,
an dem einer für den anderen sorgen wird und wir alle zusammen in Frieden
leben werden. Unsere Weisen haben es das "messianische Zeitalter" genannt.
Rabbi Jochanan ben Zakkai lehrte:
Ebensowichtig wie das messianische Zeitalter ist es, einen Baum zu pflanzen.
Und wenn dir während du den Baum pflanzt, jemand erzählt, daß der Messias
gekommen ist, dann pflanze erst den Baum fertig ein, bevor Du hingehst um
den Messias zu begrüßen. Bäume versorgen uns mit Nahrung und spenden
Schatten. Mit ihrem Holz können wir Häuser bauen und ausstatten, und es gibt
uns Wärme. Die Bäume tragen auf ihre Weise zum messianischen Zeitalter bei.
Wir tragen dazu bei, daß die Welt zu
einem besseren Ort wird, wenn wir die besten Menschen werden, die wir sein
können. Ein Tzaddik, ein Gerechter, wird oft mit einer Palme verglichen. Sie
wächst hoch und ist stark und stolz.
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Die berühmten Palmen von Taba (in Ägypten, gleich hinter der Grenze bei
Ejlath). Hier fanden auch die letzten großen Friedensgespräche zwischen
Barak und Arafat statt.

Ein israelischer Junge
und ein palästinensischer
Flüchtlingshelfer mit
einer Taube |

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Warum werden Gerechte mit
Dattelpalmen verglichen? Warum nicht mit Feigen- oder Granatäpfel- oder
Olivenbäumen?
So wie die Dattelpalme in salzigem
Boden wachsen kann - wie etwa um das Tote Meer herum - und doch süße Früchte
hervorbringt, so ist es mit den Gerechten: Eine schwierige Situation stellt
für sie eine Herausforderung da, aus der sie etwas Positives machen.

Palmen am Toten Meer (Jam haMelach,
Salzmeer)
Es gibt ein Lied aus der Bibel, in
dem der Gerechte mit der Palme und mit einer Zeder verglichen wird. Wir
wollen es miteinander singen.
Der Gerechte sproßt wie eine Palme
der Gerechte wächst wie die Zeder auf dem Libanon.
TZA-DIK KA-TA-MAR JI-FRACH
JI-FRACH TZA-DIK KA-TA-MAR JI-FRACH
KE EREZ BE-LWA-NON JIS-GE
KE EREZ BE-LWA-NON JIS-GE JIS-GE
Die Zeder ist ein hochgewachsener
Baum, der stark und stolz ist. Die Außenseite des Tempels wurde mit
Zedernholz belegt.
Rabbi Elazar ben Azarja sagte: Einer,
dessen Weisheit seine guten Taten übersteigt, ist wie ein Baum mit vielen
Zweigen aber wenig Wurzeln: Der Wind kommt, verfängt sich in den Zweigen und
der Baum stürzt um. Aber derjenige, dessen gute Taten mehr sind als seine
Weisheit, der ist wie ein Baum mit einigen Zweigen, aber vielen Wurzeln.
Selbst wenn der Wind kommt und auf ihn einbläst, dann kann er nicht
entwurzelt werden. Möge unser Lernen zu guten Taten führen, die die Welt zu
einem besseren Ort machen.
Wir essen jetzt keine Früchte,
sondern wir werden Samen für die Zukunft säen wie Choni das tat. Wir
pflanzen Petersiliensamen in Blumentöpfe und bewässern sie. Wir hoffen, daß
wir die Petersilie zu Pessach
ernten können.
An Pessach erinnern wir uns daran,
wie Gott unsere Vorfahren aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Wenn wir
die Tür für den Propheten Elijah öffnen werden, der - wie es unsere
Tradition sagt - Bote des messianischen Zeitalters ein wird und die Erlösung
der ganzen Welt ankündigen wird.
Wein ist unser Symbol für Freude. Wir
freuen uns über die Erde und die Früchte, die sie hervorbringt. Wir freuen
uns über unsere Familie und Freunde, über die, mit denen wir diesen Tu bi
Schewat-Seder haben. Wir freuen uns über die Vision von einer Welt, in der
Frieden herrschen wird und besonders über den Traum von einem messianischen
Zeitalter und beten darum, dass sich diese Träume bald erfüllen werden.
BA-RUCH A-TA A-DO-NAI, E-LO-HE-NU
ME-LECH HA-O-LAM,
BO-RE P-RI HA-GA-FEN.
Gelobt bist Du, Gott, Herrscher des Universums der die Frucht des Weinstocks
geschaffen hat.
In jedem Samen ist das Versprechen
eines neuen Lebens. Mögen wir - in unserem Leben viele Samen pflanzen:
Pflanzen der Weisheit, der Freundschaft, des Friedens und der Liebe.
LE-SHA-NA TO-VA U-VE-RA-CHA P'RI
U-TE-NU-VA!
Möge das neue Jahr fruchtbar und gesegnet sein!
Man kann diesen Tu bi Schewat-Seder
gerne ausdrucken und zum privaten Gebrauch verwenden. Bitte die
Quellenangabe nicht vergessen: hagalil.com.
Iris Noah
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