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Koscher leben...
 
 

Sprüche der Väter Perk II 9-17
Pirkej Awoth Perek B' 9-17

Pirkej Awoth Perek B' 9.

Rabbi Jochanan, Sohn Sakajs, empfing von Hillel und Schammai.
Er pflegte zu sagen: 'Hast du viel Tora gelernt, so tue dir darauf nichts zugute; denn dazu wurdest du gebildet'.

Pirkej Awoth Perek B' 10.

Fünf Schüler hatte Rabbi Jochanan, Sohn Sakkais, es sind: Rabbi Elieser, Sohn Horkenos‘; Rabbi Jehoschua, Sohn Chananjas; Rabbi Jossi, der Kohen; Rabbi Schimon, Sohn Netanels und Rabbi Elasar, Sohn Arachs.

Pirkej Awoth Perek B' 11.

Er pflegte ihre Vorzüge aufzuzählen: Rabbi Elieser, Sohn Horkenos‘ ist eine gekalkte Zisterne, die keinen Tropfen verliert. Rabbi Jehoschua, Sohn Chananjas: Heil, die ihn geboren! Rabbi Jossi, der Kohen, ist ein Frommer (Chassid); Rabbi Schimon, Sohn Netanels, ist sündenscheu; Rabbi Elasar, Sohn Arachs, ist wie ein stets stärker fliessender Quell.

Pirkej Awoth Perek B' 12.

Er pflegte zu sagen: Wenn alle Weisen Jisraels in einer Waagschale wären und Elieser Sohn Horkenos‘ in der andern, würde er sie alle aufwiegen. Abba Scha‘ul sagt in seinem Namen: Wenn alle Weisen Jisraels in einer Waagschale wären und Elieser Sohn Horkenos‘ mit ihnen, Elasar Sohn Arachs aber in der andern, würde er sie alle aufwiegen.

Anmerkungen des Raw Samson Rafael Hirsch zu P.Awoth B12
Oft ist das sittliche Verhalten eines Minderbegabten (der nur ein bescheiden Grad an Wissen erlangt hat), weit größer, als das eines Hochbegabten (der sich ein hohes Grad des Wissens angeeignet hat). Das bescheidene Wissen des Wenigbegabten verdankt er seiner ausserordentlichen Anstrengung und Hingebung, während dem andern das Lernen infolge seiner günstigen Begabung ausserordentlich leicht geworden, und er den Grad seines glänzenden Wissens in erster Linie seinen Bildungsanlagen verdankt. Er hat nur das Verdienst, die Anlagen, die ihm sein Schöpfer gegeben, nicht vernachlässigt und sie ihrer Bestimmung gemäss gebraucht zu haben, ein Verdienst, welches der Minderbegabte mit seinem bescheidenen Wissen mit ihm teilt.

Im Mund eines Rabbi Jochanan ben Sakkai, der, selbst ein Muster des umfassendsten Wissens, eine sehr grosse Schülerzahl hatte und ganz eigentlich unmittelbar nach dem Zusammenbruch des jüdischen Staatslebens der Träger und Forterhalter der Lehre war, war dieser Ausspruch doppelt bedeutsam. Er mahnte die Tüchtigsten seiner Schüler zur Bescheidenheit und zum pflichtgetreuen Gebrauch ihrer Anlagen und ermutigte die Minderbegabten zum unverzagten Fortschritt.

Die hier nach ihren besonderen Eigentümlichkeiten geschilderten fünf waren die Ausgezeichneten unter seinen Schülern. Der Nachruf Aschrej Joladeto auf seine Mutter bezeichnet Rabbi Jehoschua als einen Mann von sittlicher und geistiger Vollendung. Wenn hinsichtlich des Ruhms des Rabbi Elieser Sohn Horkenos‘ und des Rabbi Elasar Sohn Arachs die Uberlieferung geteilt zu sein scheint, wem die Palme gebührt, so dürfte dieses Schwanken nur scheinbar sein und jedem für ein bestimmtes, gleich wichtiges Feld der Wissenschaftslehre mit gleicher Berechtigung die Palme zuzuerkennen sein. Rabbi Elieser Sohn Horkenos‘, für das zuverlässig treue und vollständige Bewahren des überlieferten Schatzes der Wissenschaft, Rabbi Elasar Sohn Arachs, wenn es sich um die reichhaltige Folgerung und vielseitige Anwendung der Gesetzeslehre zur Gestaltung der menschlichen Verhältnisse nach dem geoffenbarten göttlichen Willen handelt.

Die allerdings zunächst im sittlichen Gebiet sich bewährenden Charaktere (sündenscheu und fromm) dürften gleichwohl auch ihre Geltung für das Gebiet der Wissenschaftslehre haben.
Der Jere Chet wird sich gewissenhaft vor allem davor hüten, ja nichts Irrtümliches zur Geltung zu bringen, ihn wird die Eitelkeit nicht verführen, irgend etwas als neu entdeckte Wahrheit zu lehren, an deren Richtigkeit er selbst im Innern noch zweifelt, er wird keine irrige Meinung aufrechthalten, weil er sie einmal geäussert, sobald er sie als Irrtum oder auch nur als zweifelhaft eingesehen, er wird nie hartnäckig auf seiner Ansicht bestehen und sich gern belehren lassen.
Vollends der Chasid wird auch im Gebiet der Wissenschaft die vollendete Selbstlosigkeit bewahren. Ihm wird nur die Erkenntnis und das Lehren des Wahren und Guten am Herzen liegen, gleichgültig, ob ihm oder einem andern daraus der Ruhm der Entdeckung erwächst, ja er wird gern auf die Ansicht eines andern eingehen, wird sie prüfen, wird sie verbessern, wird sie mit Gründen und Beweisen zu stützen suchen, wird sie endlich adoptieren, wenn sie ihm die bessere erscheint, wie wir dies unzählige Male in den Verhandlungen des Talmuds finden.

Pirkej Awoth Perek B' 13.


Er sagte zu ihnen: Geht einmal hin und sehet, welches ist der gute Weg, an dem sich der Mensch festhalten soll.

Rabbi Elieser sagt: ein gutes Auge.
Rabbi Jehoschua sagt: ein guter Genosse.
Rabbi Jossi sagt: ein guter Nachbar.
Rabbi Schimon sagt: der die Folgen bedenkt.
Rabbi Elasar sagt: ein gutes Herz.

Er sagte ihnen: Mir leuchten Rabbi Elasar Sohn Arachs Worte mehr ein als eure Worte, denn in seinen Worten sind eure Worte mit enthalten.

Anmerkungen des Raw Samson Rafael Hirsch zu P.Awoth B13.
Geht einmal hinaus in den Kreis des wirklichen Lebens und suchet einen "Weg", eine Richtung, ein leitendes Prinzip, an dem man unter allen Umständen sich festhalten könne, um auf dem Weg zum Guten zu bleiben.

"Ajin towah" (das "Gute Auge"), bezeichnet diejenige Gemütsart, die alle Mitmenschen und ihre Angelegenheiten, alles, was sie erstreben, erringen und besitzen, mit freundlicher, wohlwollender Gesinnung anschaut. Ein "gutes Auge" freut sich über das Gedeihen des Nächsten, wünscht allen Menschen alles Gute und kennt keinen Neid, keine Missgunst, keine Scheel- und Eifersucht. Eine solche Gemütsart schützt gewiss davor, dem Wohl und dem Gedeihen des Nächsten irgendwie hindernd in den Weg zu treten und lässt mit freudiger Bereitwilligkeit alles leisten, was das Wohl und Gedeihen des Nächsten irgendwie zu fördern imstande ist.

Dass "Chawer tow", ein Genosse, der nur das Gute will, und mehr vielleicht noch, weil die Nähe einen häufigeren Umgang gcstattet, "Schakhen tow", Nachbar, der nur das Gute will, uns, wenn wir uns ihnen anschliessen, einen mächtigen Schutz vor Verirrung und eine mächtige Stütze und Förderung zu allem Guten zu gewähren imstande sind, ist an sich selbst klar.

"HaRoeh et haNolad", der Sehende des Kommenden, wer also bei allem, was er tut, die Folgen bedenkt, wird sich gewiss keines gedankenlosen Leichtsinns schuldig machen. Ihn wird nie der Reiz des Augenblicks verführen, wie auch das Bittere einer Gegenwart nie vom Guten zurückschrecken. Er sieht die bitteren Folgen eines vorübergehenden süssen Genusses, er gedenkt des seligen Bewusstseins, das mit jeder opferfreudigen Hingebung an das Gute und für das Gute erkauft wird, und bleibt stark im Kampf mit dem Schlechten, und stark in Vollbringung des Guten.

"Lew tow" ist mehr, ist unendlich mehr als das, was man gewöhnlich mit dem Ausdruck "ein gutes Herz" bezeichnet, worunter man zunächst die Herzensgüte versteht, die gern wohltut, gefällig ist und so leicht keine Bitte abschlägt. Lew ist ein jüdischer Begriff, der Grundquell alles Empfindens, alles Wollens, alles Bestrebens, aller geistigen und sittlichen Regung und Bewegung, auch des Gedankens und der Gesinnung, somit die Wurzel und der Ausgang alles Wollens und Vollbringens. Ist daher das "Herz" "gut", nur für das Gute empfänglich, nur auf das Gute gerichtet, so steht der ganze Mensch unter der Herrschaft des Guten, kann nichts Böses wollen, ist zu allem Guten bereit.
Lew tow umfasst in Wahrheit alle Wege und Mittel zum Guten.

Pirkej Awoth Perek B' 14.

Er sagte zu ihnen: Geht einmal hin und sehet, welches ist der schlechte Weg, von dem sich der Mensch fernhalten soll.

Rabbi Elieser sagt: ein böses Auge.
Rabbi Jehoschua sagt: ein schlechter Genosse.
Rabbi Jossi sagt: ein schlechter Nachbar.
Rabbi Schimon sagt: der borgt und nicht bezahlt, einerlei, ob einer von G'tt borgt oder von Menschen borgt; denn es ist gesagt: ein Gesetzloser macht immer Schulden und zahlt nie, ein Gerechter aber ist ein Gewährer und Geber (Ps. 37, 21).
Rabbi Elasar sagt: ein schlechtes Herz.

Darauf sagte er zu ihnen: Mir leuchten Rabbi Elasar Sohn Arachs Worte mehr ein als eure Worte, denn in seinen Worten sind eure Worte mit enthalten.

Anmerkungen des Raw Samson Rafael Hirsch zu P.Awoth B14.
Die entgegengesetzte Gemütsart "Ajin ra'ah", ein böses Auge, die nicht nur keine Freude hat an dem Wohlergehen der Menschen, die es betrübt, wenn es andern gut geht, und die sich beglückt fühlt durch den Schaden, den Jammer, den Schmerz und das Elend der Mitmenschen, und so auch "Chawer r'a", "Schakhen r'a", "Lew r'a" sind nicht nur unserer sittlichen Reinheit so gefahrbringend, dass wir sie uns nicht zu eigen machen, uns ihnen nicht anschliessen dürfen, sondern: "Jitrahek mimenah", fern haben wir uns von ihnen zu halten, haben alles zu meiden, was den Charakter unseres "Auges" und unseres Herzens trüben und uns schlechtem Genossen und schlechtem Nachbar näher bringen könnte.

"haLoveh veejno meschalem", der Gegensatz zum gedankenvollen Lebensernst, der bei jedem Schritt der Folgen bedacht ist, wird "Loveh veejno meschalem", gedankenloser Leichtsinn bezeichnet, der nicht bedenkt, welche ungeheure "Schuld" jedes Pflichtversäumnis und jede Pflichtwidrigkeit auf uns lädt. Alles, was wir von der Welt empfangen - und zu jedem Atemzug steuert ja das ganze Weltall eine unnennbare Summe von Spenden, ist uns nur ein geliehenes Gut, um damit diejenigen Zwecke zu verwirklichen und diejenigen Ziele anzustreben, womit nach dem von G'tt geoffenbarten Willen von uns Wohl und Freude Seiner Welt gefördert und vermehrt werden soll (Tikun Olam). Keiner ist für sich da, und je mehr jemandem verliehen worden, um so grösser ist seine Verpflichtung, um so grösser die Summe der Leistungen, die von ihm erwartet werden. Wer daher gedankenlos in die Welt hineinlebt, von keinem Gesetz, von keiner Pflicht weiss, nur sich, seinen Neigungen und Wünschen lebt und sie auf Kosten seiner Mitwelt befriedigt, ohne an die von ihm erwartete Gegenleistung, für die ihn G'tt geschaffen hat, zu denken, der häuft mit jedem Atemzug eine Schuld auf sich, die immer grösser, immer drückender wird, je länger er lebt und je mehr er geniesst, und geht als grösster G'ttes- und Weltschuldner einem Lebensbankrott entgegen, dessen Verantwortung zu Boden drückt. Der dem "Roeh et haNolad" entgegengesetzte gedankenlose Leichtsinn lässt sich nicht treffender als "Loveh veejno meschalem" ausdrücken.
Zadik chonen venoten, der Gerechte, der seiner Pflicht, und nur seiner Pflicht lebt, nur G'tt und Seiner Welt "gerecht" werden will, je bescheidener seine Glücksstellung ist, je weniger er an Gütern und Freuden aus der Welt empfangen und empfängt, um so mehr bleibt ihm die Welt schuldig und als anspruchsreichster Weltgläubiger scheidet er meist aus der Welt.

Pirkej Awoth Perek B' 15.

Sie sagten drei Dinge.
Rabbi Elieser sagt: Es sei dir die Ehre deines Nächsten so teuer wie die deinige, und sei nicht leicht geneigt zu zürnen und bessere dich einen Tag vor deinem Tode. Wärme dich an dem Feuerschein der Weisen, nimm dich aber mit ihrer Kohle in acht, dass du dich nicht verbrennst; denn der über ihre Verletzung schwebende Bann ist Fuchsesgebiss und Skorpionenstich und Basiliskenzischen, und alle ihre Worte sind wie Feuerkohlen.

Anmerkungen des Raw Samson Rafael Hirsch zu P.Awoth B15.
Es sei dir deines Nächsten Ehre so teuer wie die eigene; darum gerate nicht leicht in Zorn, dass du nicht in Heftigkeit der Ehre deines Nächsten zu nahe tretest; und statt über die Handlungsweise des Nächsten zu zürnen, denke vielmehr an deine eigenen Fehler und arbeite unaufhörlich an deiner Besserung.
Kehre einen Tag vor deinem Tod zurück, d.h. denke jeden Tag, es könnte dein letzter sein, und bessere dich heute, da du nicht weisst, ob du morgen noch lebst.
Nichts wird dich aber so zur steten Besserung führen, als wenn du dich mit den Lehren und dem Beispiel der Weisen vertraut machst und ihre Vorschriften befolgst. Nicht nur Licht, sondern auch Wärme gewährt ihr Wort und gibt dir freudige Kraft und Leben zu allem Guten.
Und nimm dich in acht mit ihrer ,,Kohle"! Du könntest manches, was sie gesprochen und geordnet, als veraltet und ausgebrannt betrachten, aus welchem bereits das ehemalige Feuer gewichen, und wagst es nun respektwidrig in die Hand zu nehmen und nach deiner Willkür damit zu spielen. Nimm dich in acht! Kein Wort und keine Anordnung der Weisen veraltet und verliert die Feuerkraft. Was dir dunkel scheint, birgt ewige Glut, und jede Hand verbrennt sich, die sich leichtsinnig daran vergreift. Die Kraft des Bannes, der über die Worte und Anordnungen der Weisen schwebt, wird häufig durch einen Biss oder Stich ausgedrückt, der den Mutwilligen trifft. Sie werden nie Kohlen, sie bleiben immer Feuerkohlen.

Pirkej Awoth Perek B' 16.

Rabbi Jehoschua sagt:
Böses Auge, böse Leidenschaft und Menschenhass bringen den Menschen aus der Welt.

Anmerkungen des Raw Samson Rafael Hirsch zu P.Awoth B16.
Jedes dieser drei Dinge reicht für sich allein hin, einen Menschen, der sonst fähig gewesen, eine Stelle in der Welt pflichtgemäss auszufüllen, um diese Lebensstellung zu bringen; ein böses Auge, das seines Lebens nicht froh wird, wenn es das Gedeihen anderer sieht, eine sinnliche Leidenschaft, die der Mensch zur Herrschaft über sich hat kommen lassen, Menschenhass, der die Menschen verachtet, nur das ihnen anhaftende Böse kennt und das Gute gänzlich übersieht, von dem trotzdem wohl keiner völlig leer ausgeht.

Es ist ein schöner Ausdruck, mit welchem die Weisen die Menschen allgemein bezeichnen, wenn sie deren Liebe empfehlen und vor Gehässigkeiten gegen sie warnen. "haB'rioth" nennen sie dieselben, G'ttesgeschöpfe, und umfassen mit diesem Ausdruck ausnahmslos alle Menschen, indem damit zugleich das Motiv hervorgehoben ist, aus welchem die Forderung allgemeiner Menschenliebe fliesst.
Wir haben in jedem, wer er auch sei und wie er auch sei, das Geschöpf G'ttes zu achten und um unseres gemeinschaftlichen Schöpfers willen keinem unsere Liebe zu versagen.

Pirkej Awoth Perek B' 17.

Rabbi Jossi sagt: es sei das Vermögen deines Nächsten dir so teuer wie das deinige; bestimme dich selbst, Tora zu lernen, denn sie ist dir keine Erbschaft; und alles, was du tust, geschehe, um G'tt zu ehren.

Anmerkungen des Raw Samson Rafael Hirsch zu P.Awoth B17.
Drei Lehren, die geeignet sind, unserem Verhalten zum Nebenmenschen, zur Tora, und unserem ganzen übrigen Leben die Richtung auf das Wahre und Gute zu geben und zu sichern.

Wie wir auf die Erhaltung und Vermehrung des eigenen Vermögens Bedacht nehmen, so soll auch der Vermögensstand des Nächsten nicht nur von uns nicht beneidet werden, nicht nur uns nicht gleichgültig sein, wir sollen uns freuen, wenn es dem Nächsten gut geht, sollen nicht müssig bleiben, wo wir ihn vor Schaden bewahren können, und uns freuen, wenn wir imstande sind, ihm einen Vorteil zuzuwenden.

Wenn wir auch das Glück haben, von Eltern und in einer Umgebung geboren und erzogen zu sein, unter deren Einfluss Kenntnis der Torah und ein ihrer Anforderung gemässes Leben uns nicht fremd geblieben, so sollen wir doch nicht vergessen, dass - von welcher unendlichen Wichtigkeit dieses Aneignen der Tora in Wissen und Leben aus Lehre und Beispiel des Elternhauses auch ist - diese uns überkommene Erbschaft der Tora doch nicht unsere Aufgabe für dieselbe erschöpft. Wir dürfen uns wohl mit dem etwa von Eltern ererbten Vermögen begnügen und brauchen, wenn auch auf dessen Erhaltung, doch auf dessen Vermehrung durch eigenen Erwerb nicht bedacht zu sein. Allein bei dem, was uns aus Elternerziehung und Leitung von Torawissen überkommen ist, dürfen wir nimmer stehenbleiben. Wir haben die lebenslängliche Aufgabe, im Gebiet der nimmer zu erschöpfenden Torawissenschaft fortzuschreiten, und je reicher der Grundstock der Toraerkenntnis ist, den wir so glücklich waren aus dem Elternhaus in das eigene selbständige Leben mit hinüberzunehmen, um so höher wächst uns die Pflicht, auf diesem Grund weiter zu bauen und mit eigener Anstrebung und Dahingebung unserer ganzen Geisteskraft unseren Anteil an dem ewigen Geistesschatz der Tora zu mehren.

Selbstverständlich - ja um so mehr, liegt darin aber auch die Mahnung für jenen, der nicht so glücklich war, viel oder auch nur etwas von Thorahkenntnis aus Elternhänden empfangen zu haben: ""hatken azmekha lilmod Thorah" - sich selbst in Erziehung, Anleitung und Bestimmung zum Lernen der Tora zu nehmen. Thorah ist der ganz allgemeine geistige Nationalschatz, an welchem jeder Jude nach seinen Fähigkeiten Anteil zu nehmen berufen und verpflichtet ist, und wer dazu in der Kindheit angeleitet zu werden nicht so glücklich war, der hat als Jüngling und Mann das Versäumte selbst nachzuholen, "Sch'ejnah Jeruschah lekha", denn wir sind mit unserer Bestimmung für die Tora nicht lediglich auf die Erbschaft aus dem Vaterhaus angewiesen.

"VeKhal Ma'asejkha jih'ju l'Schem Schamajim" - alles, was wir tun, soll leSchem Schamajim geschehen. Nicht nur verliert selbst das Gute, das wir tun, einen grossen Teil seines Wertes, wenn wir es nicht lediglich aus reinem; G'tt zugewandten Pflichtgefühl ausüben, wenn uns dabei irgend ein anderes Interesse, eine Rücksicht auf Vorteil, Ehre usw. leitet, sondern selbst unser ganz gewöhnliches Leben, auch das zunächst auf Selbsterhaltung und Pflege unseres körperlich sinnlichen Wesens und Seins gerichtete, kann und soll durch die dabei uns leitende Pflichtabsicht über gemein Sinnliches und Selbstsüchtiges in den Kreis sittlicher Vollbringungen gehoben und G'tt dienenden Pflichterfüllungen zugewandt werden; damit werden alle unsere Lebenswege dem pflichtgemässen Reinen und Guten erhalten bleiben. In Mischlej 3, 6 heißt es: "In allen deinen Wegen sei dein Sinn auf G'tt gerichtet, der wird deine Pfade zum Rechten lenken".

..."Gewährungsvoll und erbarmungsvoll ist Er, langmütig und reich an Liebe und Seinen Sinn ändernd über verhängtes Unglück"
..."Halte dich nicht als dir selbst überlassen schuldig".

Quelle:

Rabb. Samson Raphael Hirsch: Sprüche der Väter - Pirke Awot, Morascha 1994
Die Gesetze jüdischer Ethik, von einem Meister in's Deutsche übersetzt und erklärt. Hebräischer Text mit Übersetzung und Erklärung in deutscher Sprache, 125 Seiten 19.-
(SFr) / Basel Aw 5754.

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