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Koscher leben...
 
 

Unsere Weisen lehrten:
"Man versorge die Armen aus den Völkern mitsamt den Armen Israels, und man besuche die Kranken derer aus den Völkern mitsamt den Kranken Israels, und man begrabe die Toten derer aus den Völkern mitsamt den Toten Israels
- um des Friedens willen".
TB - Gittin 61

Artikel zum Thema 'Awodah sarah' - 4.Teil

Man versorge die Armen aus den Völkern
mitsamt den Armen Israels:
Die Halakhah und die
Wege des Friedens

Die weiteren Paragraphen des Kapitels 167 (siehe Teil 3) im Kizur Schulkhan Arukh beziehen sich nun explizit auf die 'Heiden aus den sieben Völkern' (die einst in Erez Jisrael wohnten). Ihr bestialischer Götzenkult, mit Menschenopfern und weiteren Greueltaten, hat die Propheten in besonderer Weise entsetzt und dementsprechend wird vor engem Umgang mit diesen in ganz besonderer Weise gewarnt (Siehe auch Teil 1).

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Existenz eines so ausführlichen Regelwerks zum Umgang mit Angehörigen der sieben Völker nicht nur auf Abgrenzung, sondern auch auf Kontakt mit diesen Völkern schließen lässt. Die im Buch Jehoshua geschilderte Ausrottung dieser Völker hat demzufolge niemals stattgefunden - und sollte wohl auch nie stattfinden, denn die Torah - und damit auch besagtes Regelwerk - bestanden ja schon vor Erschaffung der Welt. G'tt wusste also schon damals, dass dieses Volk (Israel) eine solche Tat nicht ausführen wird*. Der Vollstreckung einer solchen Massnahme standen wohl Israels charakteristische Eigenschaften 'Bescheidenheit, Mitleid und stetes Mühen jedem Wesen gerecht zu werden' entgegen. Es sind diese drei Eigenschaften (ZaBaR / Zdakah - Bajshanuth - Rahamim) um deren willen G'tt ewig am Bund mit Israel festhalten wird.

§11: "Einem Heiden von den sieben Völkern, den man nicht kennt, darf man kein Geschenk geben, weil es heißt (Deut. 7,2): erweise ihnen keine Gunst; und das deuten wir: gib ihnen kein Geschenk. Wenn man ihn aber kennt, ist es kein Geschenk; denn auch er wird ihm dafür Gutes erweisen oder hat ihm schon erwiesen; dann ist es wie ein Verkauf".

Hierzu einige Gedanken, bzw. Fragen, die sich beim Lesen dieses Abschnitts stellen könnten: Warum sollten wir einem Menschen der sich an kultischen Menschenopfern beteiligt, ein Geschenk machen? Würden wir uns von einem solchen Menschen nicht instinktiv abwenden? Wieso sollten wir überhaupt einem Menschen, den wir nicht kennen ein Geschenk machen?
Nehmen wir erst einmal an, dass wir einen solchen Menschen näher kennen (G'tt behüte) und ihm, da im sozialen Kontakt durchaus üblich, ein Geschenk machen, z.B. bei einem Besuch, dann ist es (nach §11) legitim und wird als ein 'Geschäft' ausgelegt, da wir beim Gegenbesuch ja ebenfalls mit einem 'Mitbringsel' rechnen können.
Es wäre aber auch denkbar, dass wir einem solchen Menschen eine Gunst erweisen, obwohl wir ihn nicht kennen. Beispielsweise dann, wenn er als Bettler auf der Strasse sitzt. Den Bettler fragen wir ja nicht, wer er ist und weshalb er bettelt. Wir geben ihm. Man könnte hier von einer Übertretung des §11 sprechen - hiesse es nicht im §13 ausdrücklich 'Man darf ihre Armen nähren'...

Im §12 steht: "Man darf nicht ihr Lob aussprechen, man darf nicht einmal sagen: 'wie schön ist dieser Heide von Gestalt'. Umsoweniger darf man das Lob seiner Werke aussprechen oder ein Wort von seinen Worten rühmen. Dies alles fällt unter den Passus 'erweise ihnen keine Gunst, gib ihnen kein Lob!'
Wenn man aber mit seinem Lob beabsichtigt, den Heiligen, gelobt sei Er, zu preisen, der ein so schönes Geschöpf erschaffen, dann ist es erlaubt
".

Alle genannten Verhaltensregeln sollen verhindern, dass wir den Heiden in seiner 'Anbetung des Moloch' bestärken, denn es besteht die Gefahr, dass er jede Gunst, die wir ihm erweisen, als Lohn seines primitiv-bestialischen Kults auffassen wird. Trotzdem: Israel lebt in dieser Welt und ist dieser Welt in sozialer Verantwortung zugewandt. Bei aller Bedeutung G'ttes dürfen wir niemals die Bedeutung des Menschen herabsetzen.

Deshalb legt §13 fest: "Man darf ihre Armen ernähren, ihre Kranken besuchen, ihre Toten begraben und beklagen und um des Friedens Willen ihre Trauernden trösten".

In §14 finden wir eine Bestätigung für die im ersten Teil dieser Serie vorgebrachten Ausführungen. Die Auseinandersetzung mit dem Götzendienst ist weniger eine ideologisch-theologische als vielmehr eine moralische - bei der auch der Sicherheitsaspekt nicht zu kurz kommt.

Es heisst: "Ein Israelit sei nicht allein mit einem Heiden der sieben Völker, weil sie im Verdacht stehen, daß sie Blut vergießen" (siehe Jore Dea 153).

Und im selben Sinne folgt §15: "Eine Heidin säuge nicht ein jüdisches Kind in ihrem Hause, selbst, wenn andere dabei stehen; aber im Haus des Israeliten darf sie es säugen, wenn andere dabei stehen oder aus- und eingehen, man lasse es aber nicht allein bei ihr bei Nacht".

In den Kapiteln 168ff folgen Regelungen zum Bilderverbot und zu weiteren heidnischen Gebräuchen, die wir nicht nachahmen sollen.

z.B.: Zu Ex. 20,23: "Machet euch keine silbernen Götter neben mir" sagen ChaSaL, unsere Weisen - ihr Angedenken zum Segen, dass wir keine Figuren gleich denen im himmlischen oder gleich denen im irdischen Heiligtum nachbilden sollen, da es heisst: "Machet nicht gleich dem Ebenbild meiner Diener, die vor Mir dienen". Das bedeutet, es ist verboten, Ebenbilder der vier Antlitze am himmlischen Thron, der Seraphim, Ophanim und der Engel des Dienstes nachzubilden...
Einige Gedanken zum Bilderverbot finden sich in einem älteren Beitrag.

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Ethik und Monotheismus:
Tikun Olam - die Errettung der Welt

dg / haGalil onLine 16-01-2000
[Übersicht]

Um eine angeblich feindliche Position des Judentums in Bezug auf die Angehörigen anderer Völker (Gojim) zu belegen wird zum Beispiel gerne ein Zitat aus Jewamoth 61a herangezogen. Die dort zitierte Stelle bezieht sich jedoch nicht auf eine Statusbestimmung von Juden / Nichtjuden, sondern versucht - unter Bezugnahme auf einen Vers des Propheten Jecheskel, eine Erleichterung für die Priesterschaft herzuleiten.
Diese Erleichterung (im Reiseverkehr) war historisch dringend notwendig geworden, da durch die Vertreibung und das Exil ein Reisen auch in Ländern notwendig wurde, von deren Geschichte und Geographie nur geringe Kenntnisse vorlagen.

Ausgangspunkt der Diskussion in Jewamoth 61a ist die Tatsache, dass sich Kohanim (Priester) beim Passieren von Grabesstätten oder Orten an denen Erschlagene lagen rituell verunreinigen können. Eine solche Verunreinigung muss vermieden werden, erfolgte sie trotzdem, sind langwierige Reinigungsrituale vorgeschrieben.
Im Lande Israel wo man derartige Stellen mit Markierungen kennzeichnen konnte, war dies durchaus praktikabel. In Ländern in denen entsprechende Markierungen oder Kenntnisse nicht gegeben waren, wäre es fast unmöglich gewesen sich zu bewegen. Um nun eine Erleichterung für die Kohanim durchzusetzen, beruft sich einer der argumentierenden Gelehrten auf eine Stelle an der es heisst: "Sind nicht die Völker (die Nichtjuden) wie die Schafe ohne Hüter" (da sie ja nicht die Lehre unseres Lehrers Moshe besitzen). Schafe sind Tiere, sie wissen nicht wo rechts oder links.

Wenn wir die in der vorliegenden Diskussion eingebrachte Meinung bzw. Argumentation (die Bezug nimmt auf eine Aussage von Rabbi Sh. b. Johaj) nun ausweiten auf die Grabstätten oder Orte historischer Schlachten, auf Lokalitäten also an denen davon auszugehen ist, dass hier, G'tt behüte, Erschlagene liegen, so folgt, dass auch ein Kohen diese Orte passieren kann. Eine Reise im Exil wäre ohne diese Erleichterung praktisch unmöglich geworden, nicht nur für die Kohanim, sondern für das gesamte Volk, da die Kohanim ja nicht gesondert, sondern als Teil des Gesamten in's Exil und im Exil zogen. Die zitierte Stelle hat also keinerlei Bedeutung in Bezug auf das praktische Verhalten von Juden gegenüber Nichtjuden, sondern leitet lediglich eine praktische Erleichterung im damals zwingend notwendigen "Reiseverkehr" ab.

Stellen in denen das Verhalten von Juden gegenüber Nichtjuden festgelegt werden finden sich in anderen Zusammenhängen. Dort heisst es dann: "Begrabe die Toten der Völker mit den Toten Israels, tröste die Hinterbliebenen wie die Hinterbliebenen Israels, sorge für die Waise des Nichtjuden wie für die Waise Israels". Oder beim Propheten Mischa: "Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht alle ein G'tt erschaffen?".

*) Weshalb die Anweisung zur Tat trotzdem erlassen wurde, ist ein weiteres umfangreiches Thema, das an dieser Stelle nicht erörtert werden kann.


Die hier ausgeführte Betrachtungsweise erhebt keinen Anspruch auf allgemeine oder gar ausschliessliche Gültigkeit. Eine umfassende und allen Aspekten der Thematik gerecht werdende Erörterung ist hier weder möglich, noch wurde sie versucht. Dies alles mag selbstverständlich sein, in Anbetracht der feindseligen Atmosphäre in einigen Diskussionsgruppen ist es trotzdem erwähnenswert.



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