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'Awodah sarah' - 5. und letzter Teil
Ethik und Monotheismus:
Tikun Olam - Die Errettung der
Welt
Nicht alle Menschen
aus den Völkern (Gojim) sind per se Götzendiener und nicht jede Lehre
ausserhalb des Judentums ist Götzendienst. Das Judentum ging niemals davon
aus, dass ein Mensch um 'errettet oder erlöst' zu werden jüdisch sein müsse.
In Tosefta Sanhedrin 13-2 lesen wir: "Die Gerechten aus den Nationen der
Welt haben Anteil an der kommenden Welt". Die Gelehrten des Talmud brachten
den gerechten Nichtjuden allerhöchste Ehrerbietung entgegen und aus der
Überlieferung sind uns manche dieser Nichtjuden als moralisches Vorbild
erhalten. Aus diesen und weiteren Beispielen (zB auch aus der Halakhah zu
Schabath und Pikuach Nefesh) ergibt sich, dass die abfällige Verwendung des
Ausdrucks Goj* (Nichtjude) gegen die Weisung verstösst.
Die heute übliche
Auslegung dieses Ausdrucks als schimpflich, entstammt der
christlich-antijudaistischen Polemik des Mittelalters. Die Kirche
bemühte sich stets das Judentum als den Gojim feindlich gesonnen
darzustellen. Ansichten wie die des Rabbi Mosheh Ben J'akow de Coucy
(13./14.Jhdt.), der sagte die Kränkung eines Nichtjuden wiegt doppelt so
schwer wie die Kränkung eines Juden, da hier zur Kränkung die Entweihung
des g'ttlichen Namens kommt, wurden unterdrückt. Stattdessen füllten
kirchliche Schreiber ganze Bibliotheken mit angeblich rabbinischen
Zitaten, welche die jüdische Verachtung gegen die nichtjüdische Umwelt
belegen sollten.
In diesem Zusammenhang ist für uns
die Frage, wie die Weisen die Lehren der uns umgebenden Völker
beurteilen, von Bedeutung. In der Beurteilung des Christentums stellt
sich die Frage, inwieweit eine Lehre, die g'ttliche Eigenschaften einem
ganz spezifischen menschlichen Wesen zuschreibt, nicht Götzendienst sei.
Etliche jüdische Denker äußerten sich dahingehend, dass die
Trinitätslehre eines Vaters, eines Sohnes und eines Geistes
heidnisch-götzenhafte Züge trage.
Rabenu Tam
(der grosse J'akow Ben Meir, 1100-1171 allg.Z.), vertrat den Standpunkt -
und die Mehrheit der Gelehrten stimmt ihm zu, dass die Christen zwar von
einer 'Trinität' sprechen, damit aber keine drei eigenständige
Gottheiten mit unterschiedlichen Willensbekundungen meinen, sondern
verschiedene Aspekte des einen einzigen G'ttes. Ein solcher Glaube ist
für Juden zwar nicht akzeptabel, als Götzendienerei bezeichnen die
meisten der Weisen dies allerdings nicht.
Auch die Ansicht des
Rabbi Moshe Ben Maimon zeigt in dieser Frage gewisse
Widersprüchlichkeiten. Einerseits vertritt er (als einziger in dieser
Deutlichkeit) die Ansicht Christentum sei Götzendienst, andererseits
rechnet er es den Christen hoch an, dass sie den TaNaKh als 'Heilige
Schrift' achten. Im Islam hingegen erkennt der RaMBaM reinen
Monotheismus. Hier verurteilt er jedoch die Behauptung der Muslimin, die
jüdische Schrift sei gefälscht.
Aus diesem Grunde erliess er eine Weisung die das Studium der Schrift mit
Christen erlaubt (..."da sie anerkennen, dass die in unseren Händen
befindliche Torah die Lehre des Moshe vom Sinaj ist"), während er das
Studium der Schrift mit Muslimin verbietet (..."da sie gegen uns den
Vorwurf der Fälschung der Schrift erheben").
Wie dem auch sei, als Juden sollte
es nicht unser Anliegen sein andere Religionen zu beurteilen oder
herabzusetzen. Egal wieviel wir wissen, wir wissen vom Judentum zuwenig
- und wenn wir studieren, sollte es zuallererst die Lehre Israels sein
in die wir uns vertiefen. Stets sollen wir wissen, dass unser Verhalten
die Gegenwart G'ttes in der Welt bezeugen soll. In den Mishneh Torah des
RaMBaM heisst es (Schabath 2-3), wenn ein Kranker am Schabath Hilfe
braucht, so tue alles was notwendig ist ihm zu helfen. Fahre ihn, trage
ihn, bekoche ihn. Es ist gut dies zu tun, selbst dann, wenn auch ein
Nichtjude (der nicht an die Schabathgebote gebunden ist) es tun könnte.
Tu es, denn du bezeugst damit den Sinn der Torah: Mitgefühl und liebende
Freundlichkeit und den Frieden in dieser Welt.
Jeder Mensch ist erschaffen nach
G'ttes Plan. Die Beleidigung eines Menschen ist eine Beleidigung G'ttes.
Der Zorn öffnet die Schleusen des Bösen (Nachmanides),
der Fluch gegen einen Menschen ist ein Aufstand gegen G'tt. Menschliches
Handeln soll die Richtlinie unseres Handelns sein und nicht fanatischer
Dogmatismus und hysterische Abgrenzung. In allem Streben nach der Nähe
G'ttes dürfen wir nicht vergessen, dass G'tt von uns nicht nur rituelle
Pflichterfüllung, sondern genauso ethische Pflichterfüllung fordert. Der
geehrte New Yorker Rabbiner Haskel Lookstein formulierte es einmal so:
"Wir brauchen heute mehr Menschlichkeit und weniger religiösen Eifer".
Dass die Lehre von uns
'Menschlichkeit' - auch im Umgang mit Götzendienern verlangt, was auch
immer wir darunter verstehen mögen, dass wir also jedem Menschen
gegenüber zu respektvollem Ton, zur Achtung seiner menschlichen Würde
und zur Befriedigung seiner menschlicher Bedürfnisse verpflichtet sind,
zeigt die Halakhah - auch im Zusammenhang mit dem schwierigen Thema
'Awodah sarah'.
*) Das hebr. Wort Goj bedeutet
nichts anderes als Volk, die Mehrzahl, also Völker, heißt Gojim. Der
Ausdruck ist wertfrei, auch Israel ist ein Volk, z.B. heißt es an einer
Stelle: "Israel, Goj gadol", dh. "Israel, ein großes Volk".
Zitat Bereschith (1M, 18.18)
..."wie soll ich vor Awraham verbergen, mein Tun, wird doch Awraham ein
großes und starkes mächtiges Volk werden und alle Völker der Erde
gesegnet durch ihn"...
Kizur Schulchan Arukh:
>> Zu den Quellen
Awodah sarah
Der fremde Dienst:
[Übersicht]
david gall / haGalil
onLine 18-01-2000 |