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Editorial

Im November 1995 wandten wir uns erstmals an unsere Leser. An Juden und alle, die sich für das Judentum interessieren. Seither versuchen wir darzustellen, dass das Judentum bzw. jüdisches Leben aus ganz verschiedenen Kontexten heraus betrachtet werden kann. Für manche steht der religiöse Aspekt im Vordergrund, andere sehen vor allem die kulturelle Beziehung. Weitere Ansatzpunkte gehen von der Geschichte aus. Die Verbundenheit mit dem Staat Israel ist ein zentrales Moment. Zu diesen und vielen weiteren Möglichkeiten ‚jüdischer Empfindung‘ kommen die von außen aufgezwungenen Vorurteile, Klischees und Befangenheiten.

Kreative Vielfalt gegen einfältige Intoleranz

Im Judentum finden sich zu den angesprochenen Facetten und Ausgangspunkten ganz unterschiedliche Erfahrungen, Empfindungen und Antworten. Die Lehre, das Judentum, bietet eine Vielfalt von Möglichkeiten die Dinge zu betrachten, und wir möchten auch Sie einladen, zu sehen, zu hören und zu lernen, Ihre Meinung weiterzubilden, mitzuteilen und in Frage stellen zu lassen.

Judentum heißt auch Lernen

Lernen im Sinne von Aufnehmen. Lernen mit dem Verstand und mit dem Herzen. Lernen zu Erkennen, dass G’tt uns mit dieser Welt ein großartiges Geschenk gemacht hat. Ein Geschenk, das wir lieben lernen müssen, damit wir unsere Verantwortung für diese Welt und all ihre Vielfalt, für uns und all jene, die nach uns kommen werden, wahrnehmen können.

Beginnen Sie hier einen Ausflug

Schauen Sie, wohin Ihr Herz Sie führt. Unsere Wegweiser bringen Sie nach Israel, zu Zentren jüdischer Religiosität in Europa, in Amerika, auf der ganzen Welt. Sie werden Spuren finden vom Glanz des ‚Goldenen Zeitalters der Toleranz‘ im Spanien des frühen Mittelalters. Sie werden Widersprüche entdecken, in der bloßen Tatsache jüdischer Existenz – in Deutschland.

Das jüdische Leben in Deutschland spielt sich in der Hauptsache im privaten Bereich, oder aber in abgeschirmten und abgesicherten Gemeindehäusern ab. Von Unbefangenheit kann keine Rede sein. Die Angst ist da und oft auch berechtigt. Ausmaß und Folgen der Furcht liegen noch immer und zu oft im Unbewussten. Wir werden niemals vergessen – und wir müssen davon reden. Nicht um irgendjemandem ein schlechtes Gewissen zu bereiten, nicht um irgendjemandem Vorwürfe zu machen, sondern weil es unser Inneres bewegt. Weniger um der Vergangenheit, sondern um der Gegenwart und der Zukunft willen.

Was wird unseren Kindern bleiben? Werden wir ihnen unsere Offenheit schenken, damit sie fragen können? Welche Antworten werden wir auf ihr Fragen geben? Wird ihnen ein Anatevka-Folklore Klub, ein Israel Fan-Club, ein in dogmatischer Pflichterfüllung erstarrter Ritus genügen?

Die Lehre ist eine Freude. Es ist ein ewiger Dialog zwischen G’tt und der Welt. Ein Weg zur Welt und zu den Menschen. Sie kann einen Weg weisen zum Glück und zum Frieden. Zentrale Werte des Judentums sind die Liebe, die Freiheit und die Heiligkeit des Lebens. Die Lebendigkeit ist ein Wert an sich – sie gedeiht in der Freiheit – und die Freiheit aller Menschen ist eine Forderung, die aus der Liebe zu allen unseren Nächsten folgt. Alles in allem ist es nicht schwer – es ist leicht:

“…es ist nicht verborgen und es ist Dir nicht fern.
Es ist nicht im Himmel, dass Du sagen muesstest, wer faehrt fuer uns in den Himmel hinauf und holt es uns und macht es uns kund, dass wir es tun.
Und es ist nicht jenseits des Meeres, dass Du sagen muesstest, wer faehrt fuer uns nach Jenseits des Meeres hin und holt es uns und macht es uns kund, dass wir es tun,
sondern sehr nahe ist Dir die Sache – in Deinem Munde und in Deinem Herzen es zu tun“

(haDewarim 30.11ff – V. Buch Moses)