Hommage an Bruno Bettelheim (1903-1990)

Ich lernte Bruno Bettelheim in jenen Jahren kennen, als sich sein Leben dem Ende zuneigte. Vieles trennte und Vieles verband uns. Wenn ich auch nicht seine Muttersprache mit ihm teilte und teilen konnte, ebenso wie seine klassische Erziehung an der Universität in Wien, sein Alter, seine einzigartige geschichtlichen Erfahrungen, den Holocaust, seine Emigration in die USA und seine einzigartige Arbeit mit schwer gestörten Kindern, so teilte ich mit ihm einen tiefempfundenen Antifaschismus, das Bekenntnis zur Laienanalyse, die Begeisterung für psychoanalytische Hermeneutik, die Anteilnahme an zeitgenössischer Geschichte und das Interesse, bohrende Fragen zu stellen…

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Bruno Bettelheims Mütter und Kinder des Kibbutz

Die Gemeinschafts- oder Kollektiverziehung schon im Vorschulalter hat durchaus niedrige historische Hintergünde. Sie entstand als Notmaßnahme zur Bewahrung von Kindern, die unbehütet und unversorgt waren, weil ihre Eltern und älteren Geschwister Geld verdienen mußten. „Infant school“ nannte man die entsprechende Institution im England des späten 18. und Kinderbewahranstalt im Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts…

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Die Einsamkeit der Überlebenden

Bruno Bettelheim überlebte die Konzentrationslager, wurde zu einem der phantasievollsten und einfühlsamsten amerikanischen Kindertherapeuten und schrieb bedeutende Bücher. Er lebte ein in jeder Hinsicht an Erfahrungen und Erfolgen reiches Leben. Doch vor einigen Monaten, im Alter von 86 Jahren, zog sich Bruno Bettelheim in einem Altersheim in Maryland eine Plastiktüte über den Kopf und machte seinem Leben ein Ende…

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Der „Spiegel“ und sein Märchen vom bösen Juden Bruno Bettelheim

Unmittelbar nach dem Freitod des jüdischen Psychoanalytikers Bruno Bettelheim am 13. März 1990 wurde posthum massive Kritik an diesem geäußert. Zu Lebzeiten war diese Kritik nicht zu hören gewesen. Ein amerikanischer Journalist, dessen Bruder etwa 40 Jahre zuvor Patient in der Orthogenic School gewesen war, publizierte 1997 in den USA eine wütende Polemik gegen Bettelheim. Danach versandete die Diskussion. Das Buch wurde von keinem deutschen Verlag übersetzt. Der Spiegel, in den Jahrzehnte zuvor ein begeisterter „Fan“ von Bettelheims Schriften, publizierte sogleich eine von fachlichen Kenntnissen gereinigte Polemik des deutschen Journalisten Johannes Salzwedel, die, wenn man sich freundlich auszudrücken geneigt ist, nicht frei von antisemitischen Begrifflichkeiten, Klischees und Ressentiments gegenüber jüdischen Überlebenden der Shoah war. Man könnten auch sagen: Seine Polemik war (um mit Heiner Otto von der TRIBÜNE zu sprechen) einzig und allein ein vulgäres antisemitisches Zerrbild. Der Journalist Salzwedel, gesegnet mit der Gnade der späten Geburt, schrieb im Spiegel von „zähen KZ-Überlebenden“, „jüdischen Überlebenskünstlern“, „geltungssüchtigen Patriarchen“, „zwanghaften Hochstablern“, „KZ-Kapos“ und „sadistischen Machtspielern“. Selten, so will mir scheinen, haben sich antisemitische Affekte derart skrupellos öffentlich im Spiegel in Szene gesetzt…

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Bruno Bettelheim und das Überleben im Konzentrationslager (1994)

Es gibt eine große Anzahl von Büchern, die von Opfern der Konzentrationslager geschrieben wurden. Bruno Bettelheim gehört zu ihren Autoren. Er ist dadurch ausgezeichnet, dass er der erste war, der psychoanalytische Aussagen über das Verhalten im Konzentrationslager gemacht hat. Er kam zu dem allgemeinen Schluss, dass Identifikation mit dem Angreifer einer der wichtigsten Abwehrmechanismen und damit die Voraussetzung des Überlebens war…

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