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Zentralrat Deutscher Sinti und Roma alarmiert:
Jeden Monat ein Angriff auf eine KZ-Gedenkstätte

Aus einer Dokumentation, die der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Bundesinnenminister Otto Schily vorlegte, geht hervor, dass es seit der Wiedereinigung 1990 fast 120 rechtsextremistische Übergriffe auf KZ-Gedenkstätten gab.

Dies bedeutet, dass seit zehn Jahren jeden Monat eine KZ-Gedenkstätte angegriffen wird. Die Tendenz ist steigend. Allein im ehemaligen KZ Buchenwald gab es von Januar 1998 bis Sommer 2000 bereits 40 Vorfälle. Der Bundesinnenminister betonte, dass sich in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck verfestigen dürfe, dass Nazis (er sprach von extremistischen Kräften) in Deutschland ein neues Umfeld fänden.

In Bezug auf rechtsextremistische Straftaten bleiben die Statistiken insgesamt alarmierend: Im Jahr 2000 gab es deutlich mehr rechtsextreme Straftaten als im Jahr 1999. Bundesweit stieg die Anzahl der fremdenfeindlichen, rechtsextremen und antisemitischen Delikte nach Schätzung der Sicherheitsbehörden von 10.037 auf 14.000. Allein in NRW stieg die Zahl um das Doppelte auf 1450 an. 

Mag sein, dass die Gewalt von Rechts mehr in den Focus der Öffentlichkeit geraten ist. Denn gleichzeitig mit der wachsenden Aufmerksamkeit seit Sommer 2000, vermehrten sich auch die Straftaten. Das bedeutet: Wir stehen in Deutschland erst am Anfang einer nachhaltigen Bekämpfung rechter Umtriebe und nazistischer Gewalt. Appelle an Zivilcourage, Demonstrationen und Verbote reichen längst nicht aus.

Besonders stark angestiegen sind antisemitisch motivierte Straftaten und Propagandadelikte. Es wird immer dringender die Möglichkeiten der bestehenden Gesetze gegen diese Verbrechen auszuschöpfen. Gleichzeitig sind Projekte dauerhaft zu unterstützen, die Jugendliche und Erwachsene nachhaltig in die Lage versetzen Klischees, Vorurteile und Propaganda, die oft mit Halbwahrheiten argumentiert, als solche zu entlarven. Jeder kann und muss (!) dem sich einschleichenden rechten Gedankengut Paroli bieten.

Pädagogische Arbeit in und mit NS-Gedenkstätten:
Erinnern heißt wachsam bleiben
Tipps, Infos, Konzepte

Ein Buch v. Uwe Neirich
189 S., 16 x 23 cm, Pb. / ISBN 3-86072-459-2
Best.-Nr. 2459 / 29,85 DM/sFr/218,- öS

Die Orte des Verbrechens sind zu Orten des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit dem millionenfachen Mord geworden. Diese Auseinandersetzung kann schwierig und schmerzhaft sein. An die Erkenntnis, dass die Mörder keine vom Himmel gefallenen Monster waren, sondern "ganz normale" Menschen, schließt sich oft die Frage an: "Was hätte ich getan? Hätte ich auch zum Täter werden können?" 

Viele Schüler und Schülerinnen reagieren mit Abwehr oder aber sie genießen das Ganze wie einen Horrorfilm. Die pädagogische Arbeit der Gedenkstätten bietet Perspektiven und Hilfen an: Fassungslose Trauer und ohnmächtige Wut verwandeln sich in tatkräftige Arbeit und dem offenen Leugnen der Massenmorde werden handfeste Fakten entgegengestellt.

Ein einleitender Beitrag stellt Möglichkeiten und Ziele der pädagogischen Gedenkstättenarbeit vor. Arbeitsmaterialien zum "3. Reich" helfen den Jugendlichen bei der Vorbereitung. Zweiter Schwerpunkt des Wegweisers ist die Hilfe bei der Vorbereitung eines Aufenthalts in einer der Gedenkstätten: Ausführliche Steckbriefe informieren über Adressen und Telefonnummern, Anfahrtswege, Übernachtungsmöglichkeiten und Bezuschussungen sowie über Möglichkeiten für die Programmplanung und spezielle Angebote der Gedenkstätten.

Schulunterricht zum Thema
Nationalsozialismus

Die Zeitung der GEW Baden-Württemberg "Unterrichtspraxis" schreibt: "...Wie kann man heutigen Schülergenerationen geschichtliches Wissen über den Nationalsozialismus, den Alltag im Dritten Reich und die Barbarei jener Zeit vermitteln, ohne mit dem "pädagogischen Zeigefinger" arbeiten zu wollen? 

Eine Möglichkeit ist der Besuch einer Gedenkstätte. Wer als Lehrer oder Lehrerin eine Exkursion zu einer Gedenkstätte plant, steht vor einer Vielzahl von Fragen: Welche Gedenkstätte macht welche pädagogischen Angebote? Wie muss die inhaltliche Vorbereitung aussehen und was kann die Nachbereitung leisten? Das erst kürzlich erschienene Buch von Uwe Neirich: Erinnern heißt wachsam bleiben. Pädagogische Arbeit in und mit NS-Gedenkstätten. (Mülheim an der Ruhr 2000, 189 S., DM 28,-) enthält eine Menge praktische Tipps zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Gedenkstättenfahrten.

Dieser Wegweiser zu den wichtigsten Gedenkstätten in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern bietet sofort einsetzbare Materialien und einen Überblick über die Möglichkeiten der Gedenkstättenpädagogik. Im ersten Teil des Buches wird die Entstehung der KZ-Gedenkstätten beschrieben und der mühselige Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Bundesrepublik...

Der zweite Teil erörtert die schwierige Frage, wie man eigentlich pädagogisch mit der Geschichte des NS-Regimes und des Völkermordes umgehen kann... Insgesamt bietet Uwe Neirich elf Methoden an, die eine fruchtbare pädagogische Auseinandersetzung ermöglichen: Gedenksteine - Rituelles Denken, Rundgänge in verschiedenen Varianten, biografische Ansätze bis hin zu kreativen Möglichkeiten (Bildbetrachtung, Schreibwerkstatt zum Thema)...

Der dritte Teil beschreibt die wichtigsten NS-Gedenkstätten in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern sowie andere pädagogische Einrichtungen, die sich um die Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus und des Völkermordes bemühen....

Das Buch schließt mit den wichtigsten überregionalen Adressen, einem Sachregister und Literaturempfehlungen. Da die Aktualität solcher Daten recht kurz ist, bietet der Verlag an der Ruhr diverse Aktualisierungen auf einer Extra-Seite seiner Homepage an, die unter www.verlagruhr.de zu finden ist. Zu hoffen bleibt, dass die beiden Bücher (es wurde auch das Buch "In Auschwitz wurde niemand vergast" rezensiert) viele Leser und Lerserinnen finden und zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit der Geschichte führen..."

Textbeispiele:Erinnern heißt wachsam bleiben
Pädagogische Arbeit in und mit NS-Gedenkstätten

Gedenkstätten in Polen
Auschwitz

Staatliches Museum Auschwitz
Panstwowe Muzeum Oswiecim-Brzezinka

Ul. Wiezniow Oswiecimia 20
PL 32-603 Oswiecim

Tel.: 0048-033/8432022
Fax: 0048-033/8431934

E-Mail: muzeum@auschwitz-muzeum.oswiecim.pl 
www.auschwitz-muzeum.oswiecim.pl

Anreise

Bahn: über Kattowice oder Krakow zu erreichen,

Übernachtungsmöglichkeiten

siehe IJBS

Pädagogische Angebote

Führungen, Dauerausstellung, Film: Die Befreiung von Auschwitz, Aufnahmen der Roten Armee von der Befreiung des Lagers am 27.1.1945. Dauer: 20 Min im Kinosaal, ausführliche Fassung (60Min.) in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz (IJBS) zu sehen, weitere Angebote siehe IJBS

Geschichte des Ortes

Das Konzentrationslager Auschwitz, das aus einem ganzen Komplex von Lagern bestand, war ein Vernichtungslager. Hier wurden Menschen massenhaft in den Gaskammern ermordet. In der Vorstadt der Ortschaft Oswiecim wurde auf Himmlers Befehl am 27.4.1940 das Lager angelegt und bestand bis zur Befreiung durch die Rote Arme am 27.1.1945.

Am 20.5.1940 liefert die SS hier die ersten 30 Häftlinge ein, die als Funktionshäftlinge im Lager tätig waren. Am 14.6.1940 traf in Auschwitz der erste Transport polnischer politischer Häftlinge ein. Später kamen Häftlinge aus fast allen europäischen Ländern nach Auschwitz (Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Rumänien, Russland, Tschechien, Ungarn u.a.).

Das Lager wurde ständig ausgebaut. Es entstand das Lager in Brzezinka-Birkenau, in der offiziellen Lagersprache KL AU II genannt, dann das Lager Monowice (für die I.G. Farbenindustrie Buna), KL AU III genannt, sowie viele Nebenlager in der Umgebung. Nach Auschwitz wurden in den Jahren 1940–1944 Millionen von Menschen deportiert, davon bleiben nur wenige zehntausend am Leben.

Ab Frühling 1942 wurden die Juden aus dem von den Nazis besetzten Europa nach Auschwitz verschickt, wo sie unmittelbar in die Gaskammern getrieben wurden, d.h. in besonders zu diesem Zweck erbaute Vernichtungslager. Nur ein geringer Prozentsatz junger Menschen aus diesen Transporten wurde in das Lager geleitet, der Rest sofort ermordet.

Ihre mitgebrachten Habseligkeiten, ja selbst die Haare der Frauen und Goldzähne bildeten den Gegenstand des Raubes. Die Zahl der Ermordeten lässt sich schwer feststellen. Die Leichen wurden in Krematorien und in offenen Gruben verbannt.

Gedenkstätte heute

Im ehemaligen Stammlager Auschwitz I befinden sich in den ehemaligen Häftlingsbauten Ausstellungen über die Themen Vernichtung, Beweise des Verbrechens, das Leben der Häftlinge sowie über die Lebensverhältnisse der Häftlinge. Zudem sind der Block 11, der so genannte Todesblock, sowie die Gaskammer und das Krematorium zugänglich. In den Sommermonaten ist die Gedenkstätte überfüllt, es herrscht eine touristische Atmosphäre. In Auschwitz-Birkenau (ca. 3 km entfernt vom Stammlager) sind von den ehemals 300 Baracken noch 45 rekonstruierte Stein- und 16 rekonstruierte Holzbaracken zu besichtigen. In Auschwitz-Birkenau befanden sich auch die Massenvernichtungsanlagen (Selektionsrampe, Gaskammern und Krematorium). In Birkenau gibt es keine Ausstellung. Auschwitz III (Monowitz) liegt weiter außerhalb, es sind nur noch vereinzelte Spuren zu sehen. Ein Besuch dort weist auf die enge Verbindung zur Wirtschaft, in diesem Fall zwischen dem IG-Farben Konzern und dem Konzentrationslager, hin.

Gedenkstätten in Polen
Literatur

Birenbaum, Halina: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
München 1994.

Klüger, Ruth: Weiter leben. Eine Jugend.
München 1995.

Langbein, Hermann: Menschen in Auschwitz.
Wien 1995.

Levi, Primo: Ist das ein Mensch? 
München 1995.

Wiesel, Elie: Die Nacht zu begraben. Elischa.
Frankfurt a.M. 1994.

Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höß. Hg. von Martin Broszat. München 1993.

Bei weitergehendem Interesse: Annotierte Bibliographie der deutschsprachigen Auschwitzliteratur. Hg. Werner Renz, Frankfurt/M. 1994, siehe Fritz Bauer Institut!

Internationale Jugendbegegnungsstätte Auschwitz
(IJBS)

Eine intensive deutschsprachige kompetente Betreuung und Übernachtungsmöglichkeiten bietet die von Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste betriebene Internationale Jugendbegegnungsstätte in der Nähe der Gedenkstätte an.

Internationale Jugendbegegnungsstätte Auschwitz,
ul. Legionów 11, PL-32-600 Oswiecim,
Tel. 0048/33-8432107, Fax 0048/33-8432477

E-Mail: mdsmijbs@oswiecim.petex.bielsko.pl 
http://www.mdsm.pl/de

Pädagogische Angebote der IJBS

Zeitungs-, Foto-, Theaterworkshops, Jugendaustauschprogramme, thematische Schwerpunktseminare (Medizin, Sinti und Roma); LehrerInnenfortbildungsseminare (Jahresprogramm anfordern!), deutsch-polnische Begegnungen. Vermittlung von Führungen in der Gedenkstätte Auschwitz, Beratung und Begleitung von Gruppen, Besuch der Kunstausstellung, Erhaltungsarbeiten in der Gedenkstätte, Vermittlung von Gesprächen mit MitarbeiterInnen der Gedenkstätte Auschwitz über Spezialthemen, Vermittlung von Rundgängen durch die Stadt Oswiecim, Ausflüge nach Krakau, Projektarbeit.

Ausstattung des Hauses: Mehrzweckraum, 4 Seminarräume, Bibliothek, Videothek; thematische Arbeitsordner; 

Übernachtungsmöglichkeiten: 20 Doppelzimmer, 5 Dreibettzimmer, 12 Vierbettzimmer;

Preise: (1998): 28 DM/Übernachtung. Frühstück: 5 DM; Mittagessen: 10 DM. Abendbrot: 6 DM.

Wenigstens 1 Jahr im voraus reservieren! Zusätzlich gibt es einen kleinen Campingplatz hinter dem Haus!

Vorbereitungsmaterialien

Arbeitshilfen für Gedenkstättenfahrten nach Auschwitz/Oswiecim sind zu beziehen über die IJBS!

 

 

Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz
Gedenkstätte Osthofen 

Die Gedenkstätte hat die Öffnungszeiten an Feiertagen geändert: Die genauen Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9-12 und 13-17 Uhr; Mi 9-12; Wochenende 13-17 Uhr; Feiertage auf Anfrage.

Einen detaillierteren Anfahrtsplan können wir nun auch bieten:

Anreise mit der Bahn: Nahverkehrszüge der Kursbuchstrecke 660 Mannheim-Mainz. Am Bahnhof Osthofen in nördlicher Richtung, Fahrtrichtung Mainz 3 min. Fußweg zur Gedenkstätte, die sich links hinter dem Bahnübergang befindet.

Anreise mit dem Auto/Bus: An der Abfahrt "Gundersheim-Westhofen/Osthofen" der BAB 61 (Speyer-Köln) über Westhofen nach Osthofen. Von hier aus Wegweiserbeschilderung (türkisfarbene Schilder) zur Gedenkstätte folgen. 20 PKW- und 2 Busparkplätze stehen vor der Gedenkstätte zur Verfügung.

Darüber hinaus hat die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz uns weitere Informationen zum Lager Osthofen und eine aktualisierte Literatur-Liste zur Verfügung gestellt:

Zur Geschichte des Ortes:
Einen Tag nach den letzten halbwegs freien Wahlen zum neuen Reichstag errichteten örtliche Nationalsozialisten am 6. März in den Gebäuden einer seit 1927 leer stehenden Papierfabrik in Osthofen/Kreis Worms ein "wildes" Konzentrationslager. In diese, beschönigend auch Schutzhaft- oder Umerziehungslager benannten Lager sperrten die neuen Machthaber ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner aus den Reihen der Arbeiterparteien und der Gewerkschaften, ab Sommer 1933 aber auch Juden, Oppositionelle aus den Reihen der Kirche und andere missliebige Personen. Die Verhaftungen erfolgten aufgrund der "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat" (Reichstagsbrandverordnung) vom 28. Februar 1933, mit der wesentliche Grundrechte aus der Zeit der Weimarer Republik außer Kraft gesetzt worden waren. Gegen die willkürlichen Verhaftungen gab es keinerlei Möglichkeiten einer juristischen Überprüfung und kein Beschwerderecht.

Dr. Werner Best, seit 6. März 1933 Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen, wandelte am 1. Mai 1933 mit Hilfe einer Durchführungsverordnung zur "Reichstagsbrandverordnung" das vormals "wilde" Lager Osthofen in ein staatliches Konzentrationslager für den ganzen Volksstaat Hessen um, zu dem zu dieser Zeit die Provinzen Oberhessen, Rheinhessen und Starkenburg gehörten. Heute gehört Rheinhessen zum 1947 neu geschaffenen Bundesland Rheinland-Pfalz.

Die ersten nach Osthofen verschleppten Männer mussten die Nächte auf dem kalten, lediglich mit etwas Stroh bedeckten Betonboden in der ungeheizten Fabrikhalle verbringen. Später dienten zweistöckige Holzpritschen mit Strohsäcken und dünnen Decken zum Schlafen. Verpflegung und die hygienischen Verhältnisse waren äußerst primitiv. Für den Vollzug des "verschärften Arrests" diente vorübergehend eine nahe gelegene leer stehende Holzmühle und später das Amtsgerichtsgefängnis in Osthofen. Die Haftdauer betrug in der Regel ca. vier Wochen, es sind aber auch Fälle von einer Dauer bis zu einem Jahr bekannt. Im Juli 1934 wurde das Lager wieder geschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten mindestens 3000 politische Gegner, Oppositionelle oder aus sonstigen Gründen von den Nationalsozialisten verfolgte Personen erste unliebsame Bekanntschaft mit einem KZ gemacht.

Die in Mainz geborene Schriftstellerin Anna Seghers setzte dem Konzentrationslager Osthofen mit ihrem im Pariser Exil geschriebenen und 1944 veröffentlichten Roman "Das siebte Kreuz" ein literarisches Denkmal. Im Handlungsgeschehen trägt das Lager den Namen "Westhofen" und steht - in literarisch gewollter Veränderung der realen Geschichte Osthofens - als Symbol für Misshandlung und Ermordung in Konzentrationslagern schlechthin. Im realen Konzentrationslager Osthofen ist kein Mensch ermordet worden, gleichwohl gehörten Demütigungen, Misshandlungen und Entwürdigungen zum Lageralltag der eingesperrten Menschen.

Gedenkstätte heute
In den Achtzigerjahren erinnerten vor allem die Lagergemeinschaft ehemaliger KZ-Häftlinge und der 1986 gegründete Förderverein Osthofen e.V. an das Lager. Die Gebäude und das Gelände des ehemaligen KZ Osthofen wurden 1989 unter Denkmalschutz gestellt und 1991 vom Land Rheinland-Pfalz angekauft. Seit 1995 wird die landeseigene Gedenkstätte schrittweise ausgebaut mit dem Ziel, ein NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz zu errichten. Zuständig für die Gedenkstätte ist die Landeszentrale für politische Bildung, welche 1996 die Dauerausstellung "Rheinland-Pfalz: Die Zeit des Nationalsozialismus in unserem Land" eröffnete. Neben der Ausstellung bieten Rundgänge durch die Gedenkstätte, Informationssteine im Gelände sowie künstlerische Arbeiten , die sich mit der NS-Zeit auseinandersetzen, Möglichkeiten zum Gedenken und zur historisch-politischen Bildungsarbeit.
(Text: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz)

Literatur:
Das Konzentrationslager Osthofen 1933/34. Von Susanne Urban-Fahr und Angelika Arenz-Morch. Hrsg.: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Mainz 1999.

Rheinland-Pfalz: Die Zeit des Nationalsozialismus in unserem Land. Hrsg.: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, 3. Aufl. Mainz 1999.

(Beide Hefte sind in der Gedenkstätte oder bei der Landeszentrale kostenlos erhältlich. Zur Bearbeitung schriftlicher Bestellungen ist die Zusendung eines ausgefüllten Adressaufklebers notwendig.)

Beispielseite als PDF

Inhaltsverzeichnis als PDF

 

  • «Unter Hitler konnte man sicher über die Straße gehen»
  • «Zyklon B war lediglich ein Entlausungsmittel»
  • «Die Wehrmacht war nicht am Holocaust beteiligt»
  • «Der Überfall auf die Sowjetunion war ein reiner Präventivschlag»
  • «Die Ermordung behinderter Menschen ist ein reines Greuelmärchen»
  • «Die Einsatzgruppen waren keine Erschießungskommandos sondern eine normale Ordnungspolizei»
  • «Die KZs waren Erziehungs- und Straflager, in denen keine Gaskammern existierten».

Die Holocaust-Leugner lügen, verbreiten Halbwahrheiten, biegen sich die Fakten zurecht, ganz wie sie es brauchen. Aber sie tun das sehr geschickt und sind oftmals durch Schulungen gut vorbereitet. Selbst wenn man den Holocaust-Leugnern kein Wort glaubt, ist man doch oft hilflos, was man ihnen entgegnen soll. Reine Polemik und echte Empörung machen es den Neonazis zu leicht. Die geschichtliche Wahrheit ist immer die besten Waffe. 

Es ist längst amtlich:
David Irving ist ein Lügner und Rassist

Was man bisher lediglich seinen Schriften entnehmen konnte, hat das oberste Gericht Großbritanniens vor kurzem als legitim anerkannt: Der selbst ernannte Historiker darf straffrei als „Rassist, Antisemit und Holocaust-Leugner“ bezeichnet werden. 

Damit verlor Irving einen Prozess gegen die us-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt und deren Verlag Penguin Books, den er selbst angestrengt hatte. Lipstadt hatte Irving Geschichtsfälschung vorgeworfen. Irving stellt den Holocaust in Frage und behauptet unter anderem, die Gaskammern in Auschwitz seien nach dem Krieg von Polen gebaut worden. Die Nationalsozialisten hätten zwar Juden getötet, jedoch sei die Vernichtung nicht systematisch erfolgt. „Auf dem Rücksitz von Edward Kennedys Auto in Chappaquiddick sind mehr Frauen umgekommen als in den Gaskammern von Auschwitz.“ Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bezeichnet er als "Disneyland für Touristen".

Erschienen seine frühen Bücher z. B. noch als Vorabdruck im "Spiegel", hat Irving heute Einreiseverbot in Kanada, Australien, Deutschland und Italien. Gerne spricht er vor rechtsextremen Vereinen wie dem Ku-Klux-Klan, der deutschen DVU oder der französischen Front National. Aktive Rassisten wie David Irving oder Fred Leuchter, der mit Hilfe von Bodenanalysen nachweisen will, dass die Gaskammern nie in Betrieb waren, machen deshalb besonderen Eindruck, weil sie vorgaukeln mit wissenschaftlich fundierte Methoden zu arbeiten. Sie sind zwar nur eine winzig kleine "intellektuelle" Vorhut, ihr Einfluss aber auf die rechtsradikale Bewegung und auf Jugendliche, die Argumente für ihre Vorurteile suchen, ist nicht zu unterschätzen – umso mehr ein Grund, sich sachlich mit dem Völkermord und mit den Thesen der Holocaust-Leugner auseinander zu setzen.

"In Auschwitz wurde niemand vergast"
60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt

Dieses Buch ist nicht nur eine Argumentationshilfe, sondern gleichzeitig auch ein thematisch geordnetes Geschichtsbuch. Markus Tiedemann, ein junger Hamburger Historiker mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus, veranlasste seine persönliche Erfahrung, auf revisionistische Äußerungen nicht sofort angemessen reagieren zu können, sowie die überraschend weit verbreitete Unwissenheit von Jugendlichen über die NS-Zeit, zur Herausgabe dieses Buches. Er zitiert 60 rechtsradikale Lügen, die alle kurz kommentiert und durch unzweifelhafte historische Quellen widerlegt werden.

"Hitler wusste nichts von der Judenvernichtung", "Alle Dokumente über die Judenvernichtung sind nachträglich gefälscht", "Die deutsche Wehrmacht war anständig und nicht an Morden beteiligt". Wenn "Lüge" das einzige Argument gegen diese Behauptungen bleibt, hat man in der Klasse oder der Diskussionsgruppe schon verloren und die geschulten Agitatoren von Rechts haben wieder ein Stück Terrain erobert. Um weiterhin solche pädagogischen und politischen Niederlagen zu vermeiden, sind in diesem Buch die gebräuchlichsten Lügen der rechten Geschichtsrevisionisten gesammelt, analysiert und widerlegt. Alle benutzten Quellen und weiterführende Literatur sind sorgfältig zusammengestellt, sodass Weiterfragen und Weiterforschen ausdrücklich erwünscht ist.

Markus Tiedemann
Ab 13 J., 184 S., 16x23 cm, Pb.
ISBN 3-86072-275-1
Best.-Nr. 2275
25,- DM/sFr/183,- öS

Inhaltsverzeichnis (PDF)
Beispielseiten (PDF)

Die Zeit, 2.5.1997

"… ein ungewöhnlich wichtiges Buch, das jeder Lehrer zur Hand haben sollte.

Marion Gräfin Dönhoff

Süddeutsche Zeitung, 01.10.1997

"... was dieses Buch von anderen Jugendsachbüchern zum Thema unterscheidet,
ist vor allem eine kluge Didaktik, die auf prosaische Breite verzichtet. Außerdem sind Texte, Bilder und Grafiken bemerkenswert lesefreundlich gestaltet.
Die Widerlegung von Aussagen wie "Die Wehrmacht war nicht am Holocaust beteiligt" oder "Unter Hitler konnte man noch sicher über die Straße gehen", erfolgt jeweils einzeln und wird mit zahlreichen zeitgeschichtlichen Dokumenten untermauert."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.1.1997

"Ist es überhaupt möglich, Stereotypen und eingefleischten Vorurteilsbildern mit Argumenten irgendwelcher Art zu begegnen? … Ein Antisemit hört nicht plötzlich auf, ein Antisemit zu sein, wenn man es von ihm fordert. Mit seinem Vorurteil ist er ja bestens zufrieden. Weder, so lehren uns die Fachleute, wünscht er davon befreit zu werden, noch ist er Aufklärungsbemühungen zugänglich.
Was bleibt also? Kann man überhaupt etwas tun? Wahrscheinlich ist und bleibt nach wie vor der einzige Weg, wie das Markus Tiedemann in seinem vorliegenden Buch versucht, sich als Pädagoge der Vernunft und der Aufklärung zu verschreiben"

Julius H. Schops, Professor für
Neuere Geschichte und Direktor des
Moses-Mendelssohn-Zentrums an der
Universität Potsdam, Experte für
deutsch-jüdische Beziehungen

I. Zur Person Hitlers ... 11

  • Lüge Nr. 1 »Hitler wußte nichts vom Holocaust.« 
  • Lüge Nr. 2 »Hitler wollte Frieden.« 
  • Lüge Nr. 3 »Hitler wußte nichts von den Euthanasieprogrammen.« 
  • Lüge Nr. 4 »Hitler war ein genialer Politiker.« 
  • Lüge Nr. 5 »Hitler liebte das deutsche Volk.« 
  • Lüge Nr. 6 »Hitler war ein kleiner Mann, der sich von ganz unten hochgearbeitet hat.« 
  • Lüge Nr. 7 »Hitler war ein gewissenhafter Soldat.« 
  • Lüge Nr. 8 »Hitler war ein Freund der Jugend.« 
  • Lüge Nr. 9 »Hitler mochte Kinder.« 
  • Lüge Nr. 10 »Hitler war ein begabter und vorausschauender Ökonom, was die verschwindende Arbeitslosigkeit und der Bau der Autobahnen belegen.« 
  • Lüge Nr. 11 »Unter Hitler konnte man noch sicher über die Straße gehen.« 
  • Lüge Nr. 12 »Hitlers Leiche wurde nie gefunden. Wahrscheinlich entkam er über Spanien nach Argentinien.«

II. NSDAP und Staat

  • Lüge Nr. 13 »Die NSDAP war eine Partei modernen Typs.«
  • Lüge Nr. 14 »Deutschland unter den Nationalsozialisten war ein moderner, kulturell, wirtschaftlich und wissenschaftlich fortschrittlicher Staat.«

III. Wehrmacht

  • Lüge Nr. 15 »Die deutsche Wehrmacht erfüllte ihre Aufgabe der Verteidigung von Volk und Vaterland, ohne jedoch Schuld an Hitlers Krieg zu haben.«
  • Lüge Nr. 16 »Die deutsche Wehrmacht führte einen ehrenvollen Kampf und ist klar von den durch Partei und SS begangenen Verbrechen zu trennen.«
  • Lüge Nr. 17 »Die Wehrmacht war nicht am Holocaust beteiligt.«

IV. Kriegsgegner

zum Thema: UdSSR

  • Lüge Nr. 18 »Massenmorde wie z.B. an polnischen Offizieren in Katyn wurden den Deutschen in die Schuhe geschoben, obwohl sie von russischen Einsatz-Kommandos verübt wurden.«
  • Lüge Nr. 19 »Die sowjetischen Gulags weisen keinerlei Unterschiede zu den deutschen KZs auf und belegen somit, daß die deutschen Verbrechen nicht einmalig waren.«
  • Lüge Nr. 20 »Niemand behandelte seine Kriegsgefangenen schlechter als die Sowjets. Deutsche Kriegsgefangenenlager waren dagegen um ein Vielfaches besser.«
  • Lüge Nr. 21 »Der Fall „Barbarossa" stellt keinen Überfall auf die Sowjetunion dar, sondern war ein reiner Präventivkrieg. Hitler schützte das deutsche Volk auf diese Weise vor einem längst von Stalin geplanten Überfall.«

zum Thema: Westliche Alliierte

  • Lüge Nr. 22 »Die Engländer sind die Erfinder der KZs.«
  • Lüge Nr. 23 »Die westlichen Alliierten, allen voran Churchill, wollten mit Hitler zusammenarbeiten, um die Landgewinne der Roten Armee und damit die Ausbreitung des Kommunismus einzudämmen.«
  • Lüge Nr. 24 »Die Gegner Hitlers waren ebenso große Antisemiten wie Hitler selbst. Dies beweist u.a. das antisemitische Vorgehen insbesondere der baltischen Bevölkerung.«
  • Lüge Nr. 25 »Die westlichen Alliierten wußten um den Holocaust. Sie unternahmen nichts. Sie bejahten das deutsche Vorgehen.«

V. Euthanasie

  • Lüge Nr. 26 »Die massenhafte Ermordung behinderter Menschen ist ein reines Greuelmärchen.«
  • Lüge Nr. 27 »Ja, es hat die Tötung von Behinderten gegeben, aber diese hatte einen rein humanitären Charakter.«

VI. Holocaust

Konzentrationslager

  • Lüge Nr. 28 »Die Quellenlage zu den KZs ist derart schlecht, daß man wirklich exakte Aussagen über die Lager nicht mehr machen kann.«
  • Lüge Nr. 29 »Die KZs waren reine Erziehungs- und Straflager, in denen keine Gaskammern existierten.«
  • Lüge Nr. 30 »In den KZs, in denen es keine Gaskammern gab, wurde auch nicht gemordet.«
  • Lüge Nr. 31 »Die Zahlen der Ermordeten sind übertrieben hoch.«
  • Lüge Nr. 32 »Die Wörter „Vergasung" oder „Gaskammer" sind in keinem Schriftstück des Dritten Reiches nachzuweisen.«
  • Lüge Nr. 33 »Da niemand eine Vergasung überlebte, gibt es auch keine beweiskräftigen Zeugenaussagen.«
  • Lüge Nr. 34 »Das angeblich für die Vergasung genutzte Zyklon B war lediglich ein Entlausungsmittel.«
  • Lüge Nr. 35 »Ja, es gab Gaskammern, aber sie wurden nie benutzt.«
  • Lüge Nr. 36 »Es gab keine Vergasung in Kraftwagen oder mit Dieselabgasen.«
  • Lüge Nr. 37 »Die angeblichen medizinischen Versuche an Menschen in den KZs sind reine Greuelmärchen.«
  • Holocaust außerhalb von KZs
  • Lüge Nr. 38 »Die sogenannten Einsatzgruppen stellten eine normale Ordnungspolizei dar und dienten höchstens zur Partisanenbekämpfung.«
  • Lüge Nr. 39 »Es gab keine Massenerschießungen. Es gibt keine Beweise dafür, denn Täter hätten niemals ausgesagt und Überlebende konnte es nicht geben.«

VII. Erfundenes Beweismaterial

  • Lüge Nr. 40 »Das Rote Kreuz ließ nach Kriegsende verlauten, daß „nur" 300.000 Opfer rassischer und politischer Verfolgung zu beklagen seien.«
  • Lüge Nr. 41 »Wußten Sie, daß die sicher beklagenswerten Verluste des jüdischen Volkes – laut UNO, die keinen Grund hat, irgendein Volk besonders in Schutz zu nehmen – zweihunderttausend betragen haben?«
  • Lüge Nr. 42 »Wußten Sie, daß eine alliierte, militärpolizeiliche Untersuchungskommission am 1. Oktober 1948 feststellte, daß in einer ganzen Reihe von KZs keine Hinrichtungen durch Giftgas stattgefunden haben?«
  • Lüge Nr. 43 »Es existieren geheime Akten in den Händen der Briten und Amerikaner, die die Unschuld Hitlers und die wahre Zahl der Opfer belegen.«
  • Lüge Nr. 44 »„Geheime Dokumente" in Moskau beweisen alles, was die Geschichtsfälscher gerade beweisen wollen.«
  • Lüge Nr. 45 »Alle Dokumente, die den Holocaust belegen, sind gefälscht. Filme wurden gestellt und Fotos manipuliert. Sämtliche Täteraussagen wurden erzwungen.«

VIII. Professioneller Revisionismus

  • Lüge Nr. 46 »Der Leuchter-, bzw. Remer-Report stellen fachlich kompetente und wissenschaftlich einwandfreie Gutachten dar.«
  • Lüge Nr. 47 »Schon die Bauart der Gaskammern von Auschwitz entspricht nicht dem Stand der Technik, der damals schon möglich war (siehe USA), ergo handelt es sich auch um keine Tötungsanlagen.«
  • Lüge Nr. 48 »Es gab keine Vergasungen in Auschwitz, denn die Gaskammern von Auschwitz waren nicht beheizbar. Zyklon B zerfällt aber erst bei 26 Grad Celsius in einen gasförmigen Aggregatzustand.«.
  • Lüge Nr. 49 »Es gab keine Vergasungen in Auschwitz, denn eine Probe aus der Wandverkleidung der Gaskammern enthielt nur noch geringe Mengen von Blausäure (Zyklon B). Bei einer massiven Nutzung der Gaskammern müßten die Rückstände aber um ein Vielfaches höher sein.«
  • Lüge Nr. 50 »Die Massenvergasungen können gar nicht in dem Umfang stattgefunden haben, weil in die Gaskammer im Höchstfall 93 Menschen paßten.«
  • Lüge Nr. 51 »Das heimlich von einem Häftling aufgenommene Foto, welches eine Leichenverbrennung in Auschwitz dokumentiert, ist eine Fälschung. Das Gelände des KZ Auschwitz ist viel zu sumpfig, als daß dort ein Scheiterhaufen hätte entfacht werden können.«

IX. Deutsche Bevölkerung

1. Argumentationslinie: »Das Volk wurde zum Gehorsam gezwungen.«

  • Lüge Nr. 52 »Am Ende der Weimarer Republik hatte man nur noch die Wahl zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus.«
  • Lüge Nr. 53 »Bei 6 Millionen Arbeitslosen ist es nur natürlich, wenn ein Volk zu einer radikalen Partei tendiert.«
  • Lüge Nr. 54 »Die NSDAP hat in Deutschland die öffentliche Ordnung wieder hergestellt. Zuvor hat der Terror der Straße jedes Zusammenleben unmöglich gemacht.«
  • Lüge Nr. 55 »Die deutsche Bevölkerung wußte nicht, auf wen sie sich da einläßt. Sie konnte nicht wissen, daß Hitler den Krieg, die Diktatur und die Vernichtung der Juden wollte.«
  • Lüge Nr. 56 »Sicher gab es auch Negatives, aber das deutsche Volk stand während der NS-Herrschaft in einer noch nie dagewesen Volksgemeinschaft und Solidarität zusammen.«
  • Lüge Nr. 57 »Nach der Machtergreifung war es zu spät. Der totale Überwachungsstaat machte jeden Protest unmöglich.«

2. Argumentationslinie: »Das Volk war unwissendes und getäuschtes Opfer.«

  • Lüge Nr. 58 »Die deutsche Bevölkerung wußte nichts vom Euthanasieprogramm.«
  • Lüge Nr. 59 »Die deutsche Bevölkerung wußte nichts vom Holocaust.«
  • Lüge Nr. 60 »Die deutsche Bevölkerung wußte nichts von der grausamen Kriegführung der Nationalsozialisten.«

Anmerkungen . 170

Literaturvorschläge.... 177

Internet-Adressen 182

Bildnachweise ..... 183

Ralf-Erik Posselt
Klaus Schuhmacher
Projekthandbuch: Gewalt und Rassismus

 

Projekthandbuch: Gewalt und Rassismus

22.50 DM/164.00 öS/22.50 sFr
Altersstufen: 12 - 17
352 S., 15,3x22 cm , Pb.
ISBN: 3-86072-104-6
Best.-Nr. 2104

Das Buch setzt der Gewalt eine aktive, lebendige Lebensweise entgegen. Es setzt Fakten gegen Vorurteile, klopft Politikern auf die Finger und ermutigt, die Verhältnisse mit- und umzugestalten. Und es zeigt Alternativen auf: Multikulturelles Lernen, Zivilcourage, Umgehen mit Entfremdung, Zukunfts- und Ideenwerkstatt.

Klassen: 6 - 11
Erscheinungsjahr: 1993
Schulfächer: Politik & Sozialkunde
Schulformen: Jugendarbeit Sek I

gegen Gewalt und jetzt gegen Rechtsradikalismus zu Felde gezogen. Mehr oder weniger spät (wenn überhaupt) sind Politik und Verwaltung gefolgt.
Die Krux solcher Kampagnen ist jedoch, dass sie immer zu spät kommen, wenn das Problem, das angegangen werden soll, bereits epidemische Ausmaße angenommen und tief im Leben der Jugendlichen verankert ist. Dabei handelt es sich immer nur um Krisenmaßnahmen, um den "Rettungswagen" an Stelle der Impfung, die die Krankheit schon im Vorfeld verhindert hätte.
Statt solcher Kampagnen brauchen wir Programme zur Prävention, die unseren Kindern die Fähigkeiten beibringen, die sie zur gemeinsamen Lebensbewältigung benötigen. Nur so hat eine menschenfreundliche Demokratie eine Chance.

Wilfried Stascheit (Text z.T. nach Daniel Goleman)
Literatur-Karteien zum Thema
(alle Sekundarstufe)
Literatur-Kartei:
"Anne Frank Tagebuch"
Literatur-Kartei:
"Damals war
es Friedrich"
Literatur-Kartei:
"Biedermann und
die Brandstifter"
Literatur-Kartei:
"Die Welle"
Prävention
Konflikte aushalten - Streiten lernen
Soziales Lernen
in der Grundschule
(Grundschule)       
Kinder lernen
zusammen streiten
und gemeinsam
Arbeiten
(Grundschule)
Hauen ist doof
(Grundschule)
Der wütende Willi
Bilderbuch

Der wütende Willi
Arbeitsmappe
(beides Grundschule)
Projekt:
Soziales Lernen
(Sekundarstufe)
Konflikte
selber lösen
(Sekundarstufe)
Kinder stark machen
Selbstvertrauen und
soziale Kompetenz
(Sekundarstufe)
Miteinander
klarkommen
(Sekundarstufe)
Klotzen Mädchen!
(Sekundarstufe       
Müssen Jungen
aggressiv sein?
(GS/Sek)

Schule gegen Rechts

Unmittelbare Auseinandersetzung
Aktuelle Arbeit
Projekthandbuch:
Gewalt und Rassismus
(Sekundarstufe)
Multikulti:
Konflikte konstruktiv
(Sekundarstufe)
"Scheiß Deutscher!" "Kanake!" - solche Töne im Zuge der immer weiter fortschreitenden Globalisierung? Aber multikulturelle Gesellschaft ist eben nicht nur Anpassung und Einebnung auf eine Norm. Und auch der politische Flüchtling kann ein übler Macho sein. Die Klagen von Mädchen und Frauen über Anmache durch Cliquen junger Ausländer sind nicht rassistisch, sondern real. Wie auch fremdenfeindliche Übergriffe häufiger passieren, als wir in der Zeitung lesen. Gibt es eine Methode, mit der man Konflikte lösen und gleichzeitig die kulturellen Unterschiede akzeptieren kann? Aber funktioniert Mediation auch mit Menschen, die unterschiedliche kulturelle Voraussetzungen haben? Gibt es Wege aus Ghettoisierung und abgeschotteten kulturellen In-Groups, die sich gegenseitig anfeinden? Alles, was hier vorgestellt ist, wurde auch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen erprobt. Rollenspiele stellen Konfliktsituationen dar und decken den Kern der Verständigungsschwierigkeiten auf. Entdecken Sie Strukturen, brechen Sie sie auf und finden Sie einen Weg zum besseren Miteinander. Unterschiedliche Beispiele und Methoden geben Ihnen Anregungen, auch bei scheinbar aussichtslosen "Konflikten" nicht zu verzweifeln. Wagen Sie es - es funktioniert! So eignet sich dieses Buch sowohl für die Schule als auch für die Arbeit in Jugendgruppen und mit Erwachsenen.

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Inhaltsverzeichnis als PDF

 

Das Buch setzt der Gewalt eine aktive, lebendige Lebensweise entgegen. Es setzt Fakten gegen Vorurteile, klopft Politikern auf die Finger und ermutigt, die Verhältnisse mit- und umzugestalten. Und es zeigt Alternativen auf: Multikulturelles Lernen, Zivilcourage, Umgehen mit Entfremdung, Zukunfts- und Ideenwerkstatt.

Blickpunkt Schule 1/2000

"'Scheiß Deutscher!', 'Polacke!', 'Arab!', 'Zigeunerpack!' - wie passen solche Töne zu immer weiter fortschreitender Globalisierung? Aber das Zusammenleben verschiedener Kulturen ist keine Schmusegeschichte - Konflikte gehören zum Alltag. Solange man noch zusammen daran arbeiten kann, ist alles in Ordnung. Ein erfolgreiches Verfahren zur Streitschlichtung ist die Mediation, die seit mehreren Jahren erfolgreich in der Praxis eingesetzt wird. Ein erprobtes Mittel in Schulen, bei Rechtsstreitigkeiten oder auch Scheidungen. Bei interkulturellen Konflikten beruht vermeintliche "Anmache" oft auf einer unterschiedlichen kulturellen Sozialisation. Diese kulturellen Unterschiede akzeptieren zu lernen aber auch gleichzeitig die daraus entstehenden Konflikte zu lösen, ist die scheinbar unmögliche Leistung, die die Mediationsmethode verspricht. Die in diesem Buch vorgestellten Konfliktszenarien wurden mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen erprobt. Da geht es z. B. um eine deutsche und türkische Fußballmannschaft in Berlin, die bei ihrem nächsten Meisterschaftsspiel nicht nur auf dem Rasen gegeneinander kämpfen wollen; um X, der partout nicht das Weihnachtsfest im Land seines Ehepartners Y verbringen will; um die fiktive Insel Klopstokia, auf der zwei unterschiedliche Volksgruppen leben, die sich gegenseitig mit ihren Vorurteilen und ihrem Misstrauen das (Zusammen-) Leben schwer machen. In Rollenspielen werden die Konfliktsituationen dargestellt und der Kern der Verständigungsschwierigkeiten aufgedeckt, damit beide Parteien sich als Gewinner fühlen können. Nett sein kann jeder - richtiges Streiten will gelernt sein."

Wer Courage hat,
soll es zeigen

Grundlegende Gedanken zum Rassisumus
Wenn du selber bedroht oder angegriffen wirst
Richtiges Verhalten in Bedrohungssituationen
Was du tun kannst
Rassismus in der Öffentlichkeit bekämpfen
Kontakt
SOS Rassismus-NRW

 

Wer Courage hat, soll es zeigen!
Was ich, du und wir im Alltag gegen Gewalt und Rassismus tun können
Gewalt und rassistische Übergriffe finden tagtäglich in der Schule, am Arbeitsplatz, auf der Straße, in der Bahn, in der Kneipe usw. statt. Viele Menschen reagieren verunsichert und schauen oder hören einfach weg. Sie merken kaum, dass sie damit selbst ein Klima von Gewalt fördern und verstärken.
Im Umgang mit Gewalt und Rassismus liegen heute viele positive Erfahrungen vor, die zeigen können, wie Gewalttäter/innen und Rassist/innen in die Schranken verwiesen werden können. Sie zeigen, was du und ich tun können, damit Gewalt und Rassismus erst gar nicht entsteht.

Weil Gewalttäter/innen und Rassist/innen es überhaupt nicht mögen, wenn sie und ihre Taten und Sprüche in die Öffentlichkeit gebracht werden, macht es Sinn, sie öffentlich zur Rede zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. Oft versuchen sie uns lachend, mit ihren blöden Sprüchen und erniedrigenden Witzen, auf ihre Seite zu ziehen; meistens vertrauen sie darauf, dass ihnen keiner widerspricht oder wir ihnen keinen Widerstand entgegensetzten.
Einige grundsätzliche Gedanken:
Verwende keine Abwehrwaffen oder -geräte. Alle bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass die damit von dir ausgehenden Signale die Wut und die Gewalt der Angreifer/innen verstärken oder sogar scheinbar legitimieren. Außerdem wirst du nie sicher sein können, dass sich deine Waffe nicht plötzlich gegen dich selber richtet. Als Alternative gibt es Signalgeräte wie z.B. Trillerpfeifen oder kleine Alarmgeräte: Damit kannst du Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit herstellen und Täter/innen für eine erste Schrecksekunde stoppen. Auch einfache (billige) Photoapparate (mit Blitzlicht) haben aus sicherer Entfernung eine erhebliche Störwirkung. Gewalttäter/innen schrecken oft von ihrem Vorhaben zurück, wenn sie Angst haben müssen, wiedererkannt zu werden.
Es gibt keine richtigen Rezepte, Tips oder Verhaltensregeln. Jede Situation ist zuerst einmal abhängig von dir selber und deinen Fähigkeiten. Von daher empfehlen wir dir die Teilnahme an einem Gewalt- oder Rassismus- Deeskalationstraining*. Dort lernst du deine Möglichkeiten und Fähigkeiten (dir selber oder anderen zu helfen) zu entwickeln, sie selbstsicher und wirkungsvoller einzusetzen.
Was du tun kannst:
In der Öffentlichkeit
Mach den Mund auf, wenn du Zeuge von rassistischen Beschimpfungen und erniedrigenden Witzen wirst. Widerspreche laut und deutlich. Laß nicht zu, dass im Gespräch über Ausländer/innen oder Flüchtlinge eine verhetzende Sprache gebraucht wird. Weise darauf hin, dass niemand ohne Not seine Heimat verlässt und die Fluchtursachen sehr vielfältig sind.

Laßt Leute aus Zuwandererfamilien und Flüchtlinge zu Wort kommen und schafft Gelegenheiten, in denen Deutsche und solche Leute sich begegnen und verständigen können.

Wende dich mit Leserbriefen in der Zeitung gegen rassistische Aktionen und diskriminierende Berichterstattungen. Setz dich in solchen Briefen für ein Zusammenleben der Bevölkerung ein.

Fordere die Abgeordneten deines Wahlkreises auf, sich eindeutig gegen Gewalt und Rassismus zu wenden. Politiker/innen haben Vorbildfunktion. Frage sie nach ihrer Haltung zu diesem Problem!

Wende dich an die Medien, wenn diese eine Sprache oder Bilder verwenden, die Diskriminierung fördern, erzeugen oder billigen.

Nimm die Ängste und Probleme, die Menschen in deiner Nähe mit "Ausländer/innen" haben, ernst und respektiere sie. Greife die Ängste und Probleme auf und versuche, sie mit Sachargumenten zu entkräften. Jemand, der Angst, Bedenken oder Probleme hat, ist noch lange kein Rassist.

Stelle Strafanzeige bei der Polizei, wenn du mitbekommst, dass in deiner Umgebung rechtsextremistische Lieder, Computerspiele, Zeitschriften, Propaganda usw. kursieren. Informiere über deine Beobachtungen die verantwortlichen Parteien und Politiker/innen in deiner Stadt und frage nach, was sie unternehmen werden.
Bei Schlägereien:
Wenn Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sich schlagen, schlage Alarm, mach Krach, stell Öffentlichkeit (aus sicherer Entfernung) her. Mach andere auf die Schlägerei aufmerksam und schick sie los, um Hilfe oder die Polizei zu holen.

Gewalttäter/innen haben Angst wiedererkannt und zur Rechenschaft gezogen zu werden. Also sprich sie direkt an (wenn Du einen Namen gehört hast) oder benenne deutliche Wiedererkennungsmerkmale: "Du mit der Stirnglatze, wir kennen dich, -hör auf ... wir haben schon die Polizei angerufen ..."
Viele Kinder und Jugendlichen behaupten, zur Rede gestellt, "alles wäre nur ein Spaß" gewesen. Sie werden schnell nachdenklich, wenn du die vorausgegangene "Gewalt" beim Namen nennen kannst: "Dann lass mal deinen Arm sehen, den roten Fleck (die blutende Lippe, das blaue Auge, die zerrissene Hose usw.), nennst du das einen Spaß? Ich nenne das Körperverletzung ... (und schon bist du in der Offensive).
In der Bahn, im Bus
In der Bahn, im Bus usw. wird jemand angegriffen, erniedrigt, verletzt. Die Mitfahrenden sind schockiert oder eingeschüchtert, sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Folgendes kannst du tun:

Du kannst den/die Fahrer/in auffordern, die Polizei zu rufen. Er/sie ist verpflichtet, dies zu tun. Sonst kann er/sie wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden.

Wenn du nicht direkt zum/zur Fahrer/in gelangen kannst, kannst du diejenigen, die vorne sitzen, laut anschreien: "Der Fahrer soll die Polizei informieren."

Du kannst andere Mitfahrende auffordern, mit dir laut zu pfeifen und zu rufen. "Hört auf, hört auf!" Anfangs machen dabei wenige, dann i. d. R. immer mehr mit. Jetzt wird die Situation für Gewalttäter/innen riskant, weil sie unüberschaubar und unberechenbar ist. Sie scheuen das Risiko und versuchen wahrscheinlich sich vom Ort des Geschehens zu entfernen.

Je nach Sachlage und Situation kannst du auch den/die Fahrer/in auffordern, die Türen abzusperren, so dass sich die Täter/innen nicht entfernen können, bis die Polizei ankommt.

Es ist wichtig, möglichst viele Mitfahrende direkt anzusprechen und in die Verantwortung zu nehmen - um so stärker ist die Wirkung gegenüber den Angreifer/innen!
In der Kneipe:
Du bekommst mit, wie einige über die andere herziehen, sie beleidigen oder angreifen. Oder sie fangen an, rassistische Sprüche und Witze abzulassen. Wenn jemand versucht, die Leute zur Vernunft zu bringen, zeigen sie möglicherweise mit einem zackig gebrüllten "Heil Hitler", wer in dieser Kneipe das Sagen hat. Möglicherweise werden sie sogar gewalttätig und fangen an, "ausländisch" aussehende Gäste anzupöbeln.

Hol dir Hilfe! Bitte andere Gäste, gleichzeitig mit mehreren aufzustehen. Stellt euch, wenn ihr eine deutliche Mehrheit seit, zwischen oder um die Randalierer und fordert sie gemeinsam auf, aufzuhören.

Du kannst zum/r Wirt/in (oder zu Gästen mit Handy (Tel.110)) gehen und ihn/sie bitten, die Polizei anzurufen. Der/die Wirt/in hat die Pflicht, Straftaten in seinem Lokal zu verhindern. Wenn er/sie dieses Verhalten seiner Gäste duldet, kann ihn/sie das die Lizenz kosten.

Du kannst die Polizei selber anrufen und vor der Gaststätte auf sie warten. Da kannst du in Ruhe erklären, was passiert ist.
In der Fußgängerzone:
Laß dich in rassistischen oder gewalttätigen Situationen nicht provozieren! Gewalt entsteht oft, weil ein Wort das andere gibt.

Duze die Angreifer/in nicht. Andere Passanten könnten leicht einen rein privaten Konflikt vermuten.

Übernimm die "Regie", sprich andere Anwesende direkt und persönlich an: "Hallo, sie da im grünen Mantel, bitte helfen die mir, rufen sie sofort die Polizei!" Wenn diese/r Passant/in darauf reagiert, dann ist meist der Knoten geplatzt und der sogenannte Schneeballeffekt tritt ein. Jetzt kannst Du auch andere Passant/innen aktivieren. Für die Randalierer/innen wird jetzt die Situation schwierig. Sie sind überrascht, denn bisher war ihre Erfahrung, dass die Menschen gleichgültig oder verschüchtert reagieren.

Wichtig: Eine Anzeige bildet erfahrungsgemäß den besten Schutz vor erneuten rassistischen Gewalttaten, da die Täter/innen durch polizeiliche Ermittlungen und Gerichtsverfahren erhebliche Unannehmlichkeiten zu befürchten haben. Gewalttäter/innen müssen wissen, dass sie für ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Polizei ist rund um die Uhr da: am schnellsten über den Notruf 110.
In deiner Stadt oder Gemeinde:
Trete dafür ein, dass das Thema "Verständigung mit Minderheiten" in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Schule, Kultur, Theater, Museen und Konzerte eingebunden und berücksichtigt wird.

Frage die Vereine (am besten schriftlich), wie viele Leute aus Zuwandererfamilien und Flüchtlinge bei ihnen Mitglied sind.

Versuche bei öffentlichen Veranstaltungen, Personen aus der Wirtschaft, Gewerkschaft, Kultur, Wissenschaft, Kirche, Initiativen, Stadt und Politik an einen "Runden Tisch" zu bekommen.

Organisiere Veranstaltungen, insbesondere zum Tag des Flüchtlings (Freitag, letzte Septemberwoche), Tag der Menschenrechte (10.12) oder zum Internationalen Antirassismustag (21.3.).
In der Nachbarschaft:
Sorge alleine oder mit anderen dafür, dass rassistische Parolen an Brücken, Mauern usw. beseitigt (oder verändert) werden. (So kann z.B. aus "Ausländer raus" leicht "Deutsche und Ausländer raus zum 1. Mai" o.ä. werden).

Frage schriftlich bei der Polizei an, was sie gegen rassistische Parolen unternimmt.

Eröffne Leuten aus Zuwandererfamilien und Flüchtlingen Treffpunkte (z.B. im kirchlichen Gemeindehaus, im Kulturzentrum, im Sport-Cafe usw.).

Unterstütze die Selbstorganisationen von Flüchtlingen und von Leuten aus Zuwandererfamilien.
Im Kindergarten und in der Schule:
Frage Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, wie sie sich für Verständigung einsetzen und was sie gegen Gewalt und Rassismus unternehmen. Gleiches gilt für Elternbeiräte, Klassenpflegschaften, Schulkonferenzen und SV‘en. Meistens macht es Sinn, die Anfrage schriftlich zu stellen und später nachzuhaken.

Überprüft eure Beteiligung an dem Projekt "Schule Ohne Rassismus".

Fragt nach (und gebt Hinweise), ob Gewalt- und Rassismus- Deeskalationstrainings durchgeführt und angeboten werden.
Im Betrieb und bei der Arbeit:
Diskutiere mit deinen Kolleg/innen, ob sie dir bei deinen Vorhaben zur Verständigung helfen können und warum du das (was du machst) tust.

Nutzt eure Betriebszeitung, um über das Leben und die Geschichte von Leuten aus Zuwanderfamilien und Flüchtlingen zu berichten. Unterstützt Solidaritätsaktionen und berichtet darüber.
In der Religion:
Feiert all eure Feste mit Angehörigen anderer Religionen und ladet sie dazu ein. Laßt euch selber zu Festtagen anderer Religionen einladen, betone dabei das Gemeinsame und den Respekt vor dem anderen.

Bitte den Vorstand deiner Kirche oder Religionsgemeinschaft, den anderen Gemeinschaften zu deren Festen einen Brief mit Gratulation zu schreiben; mach es mit Deiner Gruppe selber.

Nehmt Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien mit in Eure Ferienprojekte und Gruppen. Bietet ihnen Raum für Freizeit und ehrenamtliches Engagement.
Wenn du selber bedroht oder angegriffen wirst:
Vorbereiten!
Bereite dich auf mögliche Bedrohungssituationen seelisch vor: Spiel Situationen für dich allein und im Gespräch mit anderen durch. Werde dir grundsätzlich klar darüber, zu welchem persönlichen Risiko du bereit bist. Es ist besser, sofort die Polizei zu alarmieren und Hilfe herbeizuholen als sich nicht für oder gegen das Eingreifen entscheiden zu können und gar nichts zu tun.
Ruhig bleiben!
Panik und Hektik vermeiden und möglichst keine hastigen Bewegungen machen, die reflexartige Reaktionen herausfordern könnten. Wenn ich "in mir ruhe", bin ich kreativer in meinen Handlungen und wirke meist auch auf andere Beteiligte beruhigend!
Aktiv werden!
Wichtig ist, sich von der Angst nicht lähmen zu lassen. Eine Kleinigkeit zu tun ist besser, als über große Heldentaten nachzudenken. Wenn du Zeuge/in von Gewalt bist: Zeig, daß du bereit bist, gemäß deinen Möglichkeiten einzugreifen. Ein einziger Schritt, ein kurzes Ansprechen, jede Aktion verändert die Situation und kann andere dazu anregen, ihrerseits einzugreifen.
Geh aus der dir zugewiesenen Opferrolle!
Wenn du angegriffen wirst: Flehe nicht und verhalte dich nicht unterwürfig. Sei dir über deine Prioritäten im klaren und zeige deutlich, was du willst. Ergreif die Initiative, um die Situation in deinem Sinne zu prägen: Schreib dein eigenes Drehbuch!
Halte den Kontakt zum/r Angreifer/in!
Stelle Blickkontakt her und versuche, Kommunikation herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten.
Reden und zuhören!
Teile das Offensichtliche mit, sprich ruhig, laut und deutlich. Hör zu, was dein/e Gegner/in bzw. Angreifer/in sagt. Aus seinen/ihren Antworten kannst du deine nächsten Schritte ableiten.
Nicht drohen oder beleidigen!
Mach keine geringschätzigen Äußerungen über den/die Angreifer/in. Versuche nicht, ihn/sie einzuschüchtern, ihm/ihr zu drohen oder Angst zu machen. Kritisier das Verhalten, aber werte ihn/sie persönlich nicht ab (Klar in der Sprache – mäßigend im Ton).
Hole dir Hilfe!
Sprich nicht eine anonyme Masse an, sondern einzelne Personen. Dies gilt sowohl für Opfer als auch für Zuschauer/innen. Sie sind bereit zu helfen, wenn jemand anderes den ersten Schritt macht oder sie persönlich angesprochen werden.
Tu das Unerwartete!
Fall aus der Rolle, sei kreativ und nutz den Überraschungseffekt zu deinem Vorteil aus.
Vermeide möglichst jeden Körperkontakt!
Wenn du jemandem zu Hilfe kommst, vermeide es möglichst, den/die Angreifer/in anzufassen, es sei denn, ihr seid in der Überzahl, so daß ihr jemanden beruhigend festhalten könnt. Körperkontakt ist in der Regel eine Grenzüberschreitung, die zu weiterer Gewalt führen kann. Wenn nötig, nimm lieber direkten Kontakt zum Opfer auf.
Aktives gewaltfreies Verhalten ist erlernbar.
Indem wir uns unsere Ängste und Handlungsgrenzen bewußt machen, erfahren wir gleichzeitig auch mehr über den Bereich, der zwischen diesen Grenzen liegt. Oft unterschätzen wir die Vielfalt unserer Möglichkeiten. In Rollenspielen und konkreten Übungen zum Umfang mit direkter Gewalt können wir neue kreative Antworten auf Konfliktsituationen entdecken. Gewalt- und Rassismus- Deeskalationstrainings* bieten uns die Chance, bisher ungewohntes Verhalten auszuprobieren, einzuüben und auf seine Wirkungen hin zu überprüfen.
*Eskalation ist die stufenweise Steigerung und Verschärfung vorhandener Mittel (z.B. Gewalt), um ein Ziel zu erreichen. Dieser Begriff wird häufig im militärischen und politischen Bereich verwendet, wenn es um Gewalt geht.
Deeskalation bezeichnet exakt das Gegenteil.

Deeskalations - Trainings bietet an: SOS-Rassismus-NRW. Dort kann ein ausführliches Info und ein Trainer/innen-Verzeichnis bestellt werden.
Shirin Pargas + Sabine Schlüter
Dieser Text der SOS-Rassismus NRW ist frei kopierbar. Weitere Informationen unter www.sos-rassismus-nrw.de oder:

Villigster Deeskalationsteam Gewalt und Rassismus
c/o Amt für Jugendarbeit in der EKvW
Haus Villigst, 58239 Schwerte
Tel.:02304/755190, Fax: 02304/755248
g.kirchhoff@aej-haus-villigst.de
"Wir haben es nicht nur mit Menschen zu tun, die wir bilden oder verändern können, sondern auch mit solchen, bei denen die Würfel bereits gefallen sind, vielfach solchen, für deren besondere Persönlichkeitsstruktur es charakteristisch ist, dass sie in einem gewissen Sinne verhärtet, nicht eigentlich der Erfahrung offen sind, nicht flexibel, kurz: unansprechbar.

Diesen Menschen gegenüber, die im Prinzip lieber auf Autorität ansprechen, und die sich in ihrem Autoritätsglauben auch nur schwer erschüttern lassen, darf auf Autorität nicht verzichtet werden.

Wo sie sich ernsthaft vorwagen bei antisemitischen Manifestationen, müssen die wirklich zur Verfügung stehenden Machtmittel ohne Sentimentalität angewendet werden, gar nicht aus Strafbedürfnis oder um sich an diesen Menschen zu rächen, sondern um ihnen zu zeigen, dass das Einzige, was ihnen wirklich imponiert, nämlich wirklich gesellschaftliche Autorität, einstweilen dann noch gegen sie steht...

Ich fürchte, durch Maßnahmen einer noch so weit gespannten Erziehung wird es sich kaum verhindern lassen, dass Schreibtischmörder nachwachsen. Aber dass es Menschen gibt, die unten, eben als Knechte das tun, wodurch sie ihre eigene Knechtschaft verewigen und sich selbst entwürdigen...., dagegen läßt sich doch durch Erziehung und Aufklärung ein Weniges unternehmen."

Theodor.-W. Adorno (aus: Erziehung nach Auschwitz)

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