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Judentum und Israel
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Micha Brumlik:
"Kein Weg als Deutscher und Jude"

Eine bundesrepublikanische Erfahrung

Daß einer schon mit knapp fünfzig seine Memoiren schreibt, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Micha Brumlik, Professor für Erziehungswissenschaften in Heidelberg, Publizist und Mitglied der Frankfurter Jüdischen Gruppe, hatte aber anderes im Sinn als eitle Selbstbespiegelung. In seiner "bundesrepublikanischen Erfahrung" kann man nämlich den Weg derjenigen verfolgen, deren Eltern sich nach Exil oder Konzentrationslager entschlossen hatten, ins Nachkriegsdeutschland, nach Frankfurt, zurückzukehren. Einem Deutschland, wo man auf Schritt und Tritt alten Nazis begegnete und obendrein mit dem Unverständnis jener Überlebenden konfrontiert war, für die ein Leben im Land der Mörder völlig undenkbar war.

Von diesen Jugenderfahrungen berichtet Micha Brumlik, von seiner zionistischen Jugendgruppe, dem einjährigen Aufenthalt in einem israelischen Kibbuz und der Rückkehr nach Deutschland. Ein Leben voller unerwarteter Wendungen und Brüche. "Gleichwohl, Du hast recht: Fremde sind wir, und es ist gut, sich das hin und wieder ins Gedächtnis zu rufen", schrieb er einmal nach antisemitischen Ausfällen von Kommilitonen an eine Freundin. "Eine Heimat im emphatischen Sinne werden wir wohl nimmer finden, wozu auch, bestenfalls Orte, an denen es sich besser oder schlechter lebt."

Gerade in den achziger Jahren und während des zweiten Golfkrieges wurden die Grenzen und Widersprüche eines jüdischen Lebens in Deutschland offensichtlich. Einserseits galt Brumliks uneingeschränkte Sympathie dem Staat Israel, obwohl er die Politik den Palästinensern gegenüber ablehnte; andererseits wurde er in politischen Gruppierungen, denen er sich verbunden fühlte, für ebendiese Politik verantwortlich gemacht. Brumlik läßt die Kulminationspunkte bundesrepublikanischer Wirklichkeit noch einmal Revue passieren: Das gemeinsame Auftreten des deutschen Bundeskanzlers und des amerikanischen Präsidenten auf dem SS-Heldenfriedhof in Bitburg; die Verhinderung der Aufführung des umstrittenen Fassbinder-Stückes "Der Müll, die Stadt und der Tod" durch die Frankfurter Jüdische Gemeinde; die Besetzung des Börneplatzes, um den Bau der neuen Frankfurter Stadtwerke auf dem ehemaligen jüdischen Ghetto zu verhindern; und schließlich den zweiten Golfkrieg, als die Grünen sich fast spalteten über die Frage, ob Israel Waffen zur Verteidigung haben dürfe oder nicht. Diese öffentlichen Diskussionen haben einmal mehr deutlich gemacht, wie hartnäckig sich antisemitische Stereotypen bis heute gehalten haben.

Kein Weg als Deutscher und Jude
Ullstein 2000, Euro 7,95

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nach einem Artikel aus der ZEIT
Nr. 43-96 von Elke Schubert

 

 

 


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