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- Rena Kornreich Gelissen
Renas Versprechen
Ich berühre die Narbe an meinem linken Unterarm, gleich unterhalb des
Ellbogens. Ich habe mir die Tätowierung chirurgisch entfernen lassen. Es gab
viele Menschen, die nicht Bescheid wußten, und so viele Fragen:"Was ist das
für eine Nummer?'' ''Ist das Ihre Adresse?'' ''Ist das Ihre Telefonnummer?''
Was sollte ich sagen - "Das war drei Jahre und einundvierzig Tage lang
mein Name"?
Eines Tages bot mir ein freundlicher Arzt an, sie mir zu entfernen. ''Das
ist kein Akt der Wohltätigkeit'', versichert er mir. ''Es ist das mindeste,
was ich als amerikanischer Jude tun kann. Sie waren dort, ich nicht.''
So entschloß ich mich, die Fragen aus meinem Arm herausschneiden zu
lassen, nicht aus meinem Kopf - die können nie entfernt werden. Das Stück
Haut, das der Doktor mir wegoperiert hat, ruht in einem Glas Formaldehyd,
worin das Fleisch sich zu einem schaurigen Grün verfärbt hat. Die
Tätowierung dürfte inzwischen verblaßt sein, ich habe es nicht überprüft.
Ich brauche keine Gedächtnisstützen. Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, was
ich war.
Ich war im ersten Judentransport nach Auschwitz. Ich war Nummer 1716.
Rena Gelissen, Januar 1994

Rena Kornreich Gelissen:
Renas Versprechen
Zwei Schwestern überleben Auschwitz
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