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Empfehlungen:
Kinderbücher zum Nationalsozialismus

 

Für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren finde ich folgende Bücher gut und habe damit selber Erfahrungen in der Kinderarbeit gemacht und gebe sie bei Lehrerfortbildungen als Empfehlung weiter: (nur Vinke und Ross sind erst für ältere ab ca. 14).

Kommentierte Literaturliste - Kinder- und Jugendbücher über die Zeit des Nationalsozialismus

Gesamtdarstellungen:

  • Hess, Robert: Die Geschichte der Juden , Ravensburg 1988, (Ravensburger Reihe)
    Gesamtdarstellung von Abraham bis zur Gründung des Staates Israel, beschränkt sich nicht auf die Zeit des Holocaust; Vorteil: Juden werden nicht nur aus der Opferperspektive wahrgenommen.

Lebensgeschichten:

  • Almagor, Gila: Aviahs Sommer, Alibaba Verlag, 1989
    (autobiographischer Jugendroman: Aviah ist die in Israel geborene Tochter einer Frau, die als Partisanin in Polen überlebte und unter dem Trauma so leidet, daß sie immer wieder in psychiatriche Kliniken muß, das Kind Aviah kommt dann in ein Heim; sehr deutlich kommt in dem Buch das Unverständnis der Israelis den Holocaust-Überlebenden und ihren Kindern gegenüber heraus; das Buch wurde verfilmt; in der Rolle der Mutter: Gila Almagor; trotz mehrerer Filmpreise kann der Film nur in Mainz ausgeliehen werden; meiner Meinung nach das beste Buch zum Thema Holocaust und zweite Generation).
  • dies.: Auf dem Hügel unter dem Maulbeerbaum, Alibaba Verlag 1995;
    in einem Kinderdorf der 50iger Jahre in Israel leben Kinder mit unterschiedlichen Hintergrund, viele überlebten in Osteuropa den Holocaust, einige hoffen immer noch darauf, von ihren Eltern wiedergefunden zu werden; geschildert werden die Schwierigkeiten dieser Kinder mit den Erlebnissen umzugehen; stark autobiographische Züge
  • Dreesen, Jaak: Am anderen Ufer des Flusses, München 1995, Erika Klopp Verlag, 88 Seiten;
    (Das erste Jugendbuch, das die Perspektive Enkel der Überlebenden thematisiert, die 12jährige Miriam hat massive psychosomatische Beschwerden. Eine Heilung ist für sie erst möglich als die Großmutter ihre Lagererfahrungen nicht mehr verschweigt und das Ungreifbare greifbarer wird. Nachteil: 22,80 DM sind etwas happig für diese Großdruckausgabe;)
  • Erben, Eva: Mich hat man vergessen; Weinheim 1996, Beltz-Verlag, 90 Seiten
    Die Verfasserin wächst in Prag auf und wird als 11jährige erst nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert; die besondere Stärke des Buches liegt in der Darstellung, wie schwer nach dem Krieg für die Jugendliche die Rückkehr in ein "normales" Leben ist; sie wandert 1949 nach Israel aus; geeignet ab 12
  • Kerr,Judith: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl, Ravensburger, 1997
    (Judith Kerr, Tochter des bekannten Berliner Theaterkritikers Alfred Kerr, gelang mit ihrer Familie die Emigration nach England, der Band ist der erste einer Trilogie)
  • dies.: Warten bis der Frieden kommt, Ravensburger 1997
    dies.: Eine Art Familientreffen, Ravensburger 1987
    Koehn, Ilse: Mischling zweiten Grades, rororo; (autobiographisch; spielt großenteils in Berlin-Lübars; teilweise makaber: das Verhältnis der "arischen" und der jüdischen Großmutter)
  • Kunik Petra: Der geschenkte Großvater; Frankfurt/Main 1994, Verlag Brandes u. Apsel,
    Was heißt es als jüdisches Kind in den fünfziger Jahren in der BRD aufzuwachsen? ‘Auch jüdische Feiertage werden geschildert.
  • Michels, Tilde: Freundschaft für immer und ewig?, dtv junior
    (Freundschaft zwischen Susi und Ester, zwei zehnjährigen Mädchen; Ort: Frankfurt/Main, )
  • Kok, Bert: Eine gute Adresse - Zuflucht für verfolgte Kinder, Rowohlt 1989, rororo, 189 Seiten; (schildert, wie eine niederländische Widerstandsgruppe junger Erwachsener Kindern beim Untertauchen hilft)
  • Leitner , Isabella: Isabella, Fragmente ihrer Erinnerung an Auschwitz, Ravensburg 1993, Otto-Maier-Verlag, 125 Seiten;
    Isabella Leitner wird 1944 als Jugendliche von Ungarn nach Auschwitz deportiert, sofort nach ihrer Auswanderung nach Amerika 1945 schreibt sie nieder, was sie erlebt hat, doch niemand glaubt ihr; sie baut sich ein "normales" Leben auf und schweigt 30 Jahre;

  • Richter, Hans Peter: Damals war es Friedrich, München 1975; 120 Seiten;  dtv pocket, Klassensätze erhältlich; (die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem jüdischen Jungen Friedrich und dem Ich-Erzähler. Das Buch umfaßt den Zeitraum von 1929 bis 1943, im Anhang werden politische Zusammenhänge und jüdische Bräuche erklärt, außerdem Zeittafel; die zunehmende Ausgrenzung im Alltag wird deutlich)
  • ders.: Wir waren dabei - Jugendjahre im Dritten Reich Würzburg 1992, Arena-Verlag
    (erzählt aus der Perspektive der Mitläufer)
  • Pelgrom, Els: Die Kinder vom Achten Wald, dtv pocket, eine Niederländische Bauernfamilie versteckt aus christlichen Motiven Juden;
  • Ross, Carlo: ... Aber Steine reden nicht, München 1993, dtv Junior, 203 Seiten;
    (1938 zieht der jüdische Junge David mit seiner Mutter in eine Armeleutestraße, die enge Nachbarschaft von Christen, Juden Sozialdemokraten, Kommunisten, Nazis und Mitläufern in Hagen wird deutlich; es ist ein autobiographisches Buch; mehrere Literaturpreise)
  • ders.: Im Vorhof der Hölle, München 1994, dtv. Pocket;
    (1942 wird der 14jährige David Rosen nach Theresienstadt deportiert; das Buch schließt an den Band "Steine reden nicht" an;  der Autor lebt in Regensburg und kann zu Lesungen eingeladen werden)
  • Schönfeldt, Sybil Grafin: Sonderappell 1945 - ein Mädchen berichtet; dtv pocket; anschaulich wird das Miteinander in der Hitler-Jugend und der für Jugendliche damit verbundene Reiz, geschildert aber auch die Desillusionierung
  • Seiffert, Dietrich: Einer war Kisselbach, Hamburg 1980, Rowohlt Verlag (rororo), (Kisselbach kommt als Zehnjähriger auf die Nationalpolitische Erziehungsanstalt der Nazis, er ist einer von denen, die Hitler blind vertrauten; autobiographischer Roman)
  • Vinke Hermann: Das kurze Leben der Sophie Scholl, Ravensburger
    Vos, Ida: Tanzen auf der Brücke von Avignon, Frankfurt 1989, Sauerländer
    (autobiograph. Jugendroman von Rosa aus Amsterdam über die Zeit der Ausgrenzung und das Leben als Untergetauchte)
  • dies:  Wer nicht weg ist, wird gesehn; Frankfurt 1991, Sauerländer
    dies.:Anna gibt es noch, Frankfurt 1992, Sauerländer, das Kind Anna hat jahrelang versteckt auf einem Dachboden gelebt; nach der Befreiung ist sie wieder mit ihren Eltern zusammen, die ein KZ überlebt haben; doch die Sprachlosigkeit ist nur schwer zu überwinden;
  • dies: Schwarze Schwäne - weiße Schwäne
    eine jüdische Familie vor der Nazizeit bis zu den Vorbereitungen für das Untertauchen
  • Witzenbacher, Kurt: Kaddisch für Ruth - Erinnerungen an meine jüdische Freundin, Quell Verlag, 1996, Stuttgart, 151 S;
    (Der Autor erzählt von seiner Kinderfreundschaft und deren langfristigen weitreichenden Auswirkungen auf sein Leben; auch jüdische Fest- und Feiertagstraditionen werden sehr detailliert und anschaulich beschrieben).

Zusammengestellt von Iris Noah

 


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