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tergit.jpg (12397 Byte)Die Berliner Journalistin Gabriele Tergit, Autorin des legendären Romans ''Käsebier erobert den Kurfürstendamm'', flüchtete 1933 über Prag nach Palästina. Wie bei vielen anderen Emigranten war auch ihre Ankunft in Haifa geprägt von Trauer über das Verlorene, von Skepsis und von Angst...
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Schnellzug nach Haifa:
Frau Doktor

Gabriele Tergit

Sie hatte große Karriere gemacht, bearbeitete ein interessantes Gebiet, der Tag war erfüllt mit Fachliteratur und lebendigem Kontakt mit Menschen, mit Vorträgen, Denkschriften, sie war Mitglied von Fachverbänden, von Instituten, von Klubs, von Gesellschaften. Sie war die Doktor So und So.
Sie war Zionistin. Wollte sich bekennen, überall und immer, war auch dort aktiv, reiste nach Palästina längst vor 1933.
»Für einen Vortrag«, hieß es in der zionistischen Ortsgruppe, »gelang es uns, Fräulein Dr. X. zu gewinnen, die uns aus Palästina erzählen wird.« Sie war sehr entzückt, sie war eine Touristin, war gut aufgenommen worden, es war ein großes, begeisterndes Experiment.

Sie hatte Kollegen, Kolleginnen, stand gut mit ihnen, stand schlecht mit ihnen, Aufstieg winkte, Gehaltserhöhung. Brennend war das Interesse an Tagesfragen, an Entwicklungen. Sie ergriff das Wort. Sie nahm Partei.

Plötzlich war alles aus. Stellung vorbei. Gut. Aber auch alles andere nicht mehr. Nicht Fachverband, nicht Institut, nicht Klub, nicht Gesellschaft, nicht Vortrag, nicht Denkschrift. Was blieb? Sie sah sich um: Palästina. Nichts anderes konnte für sie in Frage kommen als Palästina. Aber als sie das Schiff bestieg, Europa hinter sich, war ihr, als müßte sie schreien immerzu schreien. Sie lief in ihre Kabine. Sie weinte. Ihr Leben zerschnitten, eine klaffende Wunde. Alles schrecklich, das Schiff, die Menschen, ihre Unterhaltungen, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin erschien ihr als der schönste Bau der Welt, und die Spree war ihr lieber als das Mittelmeer. Überall lagen hebräische Lehrbücher. Gut, eine neue Sprache lernen, warum nicht, aber umdenken, neudenken, nein. Zu tief war ihr Wort für Wort wert, zu genau kannte sie jede Nuance, zu tief war ihr jedes Wort ins Gehirn gedrungen, sie wußte, was es im 17. Jahrhundert bedeutet hatte, was im 18., was im 19., was im 20. Jahrhundert. Sie verkroch sich. Sie wollte gebeten sein, wollte geholt sein. Niemand holte sie, niemand bat sie. Niemand kannte ihre Leistungen, niemand ihr Können.

Ein junger Mann aus Polen sagte zu ihr: »Nun, viel Glück, daß Sie hier sind. Sind Sie auch so froh?« Sie konnte nicht antworten. Es erschien ihr zu taktlos. Warum sagte er nicht: Du arme, hast alles verloren, hoffentlich gelingt es Dir, ein bißchen Fuß zu fassen?

»Sie sind Juristin?" sagte ein zionistischer Führer zu ihr. »Gottseidank, in fünfzig Jahren wird es keine jüdischen Juristen mehr geben. Das Problem hätten wir glücklich gelöst.« »Komisch«, sagte sie, »daß immer die Leute das finden, die selbst akademische Positionen haben.« »Unverschämtheit«, sagte der Herr, stand auf und ging.

Wann je im Leben hatte man sie in eine solche Rolle gedrängt? Neben ihr stand ein junger Dachs. Zwanzig Jahre jünger als sie: »Sprechen Sie schon Iwrit?« »Ich lerne es.«
»Das ist aber auch die Hauptsache, wir können drüben nämlich keine Leute brauchen, die sich nicht einzupassen vermögen.«

Was sollte sie sagen? Sollte sie sagen: Flegel?

Sie ging nicht mehr an Deck, blieb in der Kabine. Einmal nach dem Essen ging sie an ein paar Leuten vorbei, die sagten: »Wenn ich die Chaluzim Horra tanzen sehe, dann geht mir das Herz auf. Wir drüben können das alles entbehren, Liebermann und Herrn Reinhardt und den ganzen Klimbim, dieses ganze Assimilationsjudentum. Mein Weg als Deutscher und Jude, eine Schande...«

Sie war eine ältere und nicht einmal schöne Person. Sie preßte ihr Gesicht an die Scheibe des Zuges Kairo - Haifa, und sie dachte: »Und Birken gibt es auch nicht hier.«

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Sehenswertes:
Die Bahai Gärten in Haifa

Hier befindet sich der Schrein des Bab, in dem der Begründer der Religion, der "Bab" (arabisch für Pforte), begraben ist. Er kündigte 1844 im persischen Schiras die baldige Wiederkehr des Messias an und konnte viele Tausend Anhänger um sich scharen...

Fotos und Postkarten:
Grüße aus Haifa
Blick über die Bucht...

Am Karmel hinter Haifa:

Die kleine Schweiz
Für das Verteilen von Orts- und Straßennamen war nachweislich jedwede Phantasieanwendung unstatthaft. "Die kleine Schweiz" findet man nicht nur auf dem Karmel hinter Haifa, sie gibt es auch neben Tiberias, oberhalb des Kineret...

haGalil:
"Haifa ist anders"
In der israelischen Großstadt Haifa bemüht man sich erfolgreich um ein friedliches Zusammenleben von Arabern und Juden. Die Hafenstadt, in der weder Moses, Jesus oder Mohammed je waren, in der aber der Garten der Bahai zur Pilgerstätte geworden ist...


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