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Das Hakenkreuz in der Geige

Der israelische Geigenmacher Amnon Weinstein sammelt und restauriert Geigen aus der Zeit des Holocaust. Vor einiger Zeit erhielt er aus den USA eine Paketlieferung mit einer Violine, wie er eigentlich viele in seiner Werkstatt hat. Als er jedoch diese Geige auseinander nimmt, findet er im Inneren die Inschrift „Heil Hitler“ sowie ein mit Gewalt eingeritztes Hakenkreuz. Ebenfalls fanden sich Initialen sowie das Jahr 1936 darunter…

Amnon Weinstein sagt, er brauchte einige Tage, um sich von dem Schreck zu erholen. „Ich habe viele Dinge in Geigen geschrieben gefunden, aber noch niemals so etwas. Menschen schreiben üblicherweise ihr Hochzeitsdatum oder das Geburtsdatum ihrer Kinder in die Geigen. Aber ich habe noch nie einen solchen Hass in einer Geige gefunden.“

Ein Graphologe, der die Inschrift untersuchte, sagte, dass sie mit grober Kraft angebracht worden sein muss. Weinstein: „Diese Geige werde ich niemals reparieren. Sie wird ein Beleg für den Hass der Deutschen auf die Juden und ihre Kultur bleiben.“

Weinstein wurde 1939 in Tel Aviv geboren und ist in zweiter Generation Geigenbauer. In den letzten 20 Jahren widmete er sich der Suche nach und der Restaurierung von Geigen aus der Zeit des Holocaust. Seine Violinen, die zumeist von Juden gespielt wurden, die im Holocaust ermordet wurden, werden in Konzerten im Andenken an die ursprünglichen Besitzer gespielt – er nennt die Konzertreihe „Violinen der Hoffnung“.

In der Türkei traten die „Violinen der Hoffnung“ als erstes auf, inzwischen auch in Jerusalem, Paris, London, Madrid, der Schweiz und den USA. Nächste Woche wird Weinstein zu einem Konzert nach Monaco reisen, wo acht Geigen aus dem Holocaust zum Einsatz kommen. Eine von ihnen trägt den Namen „Drancy Violine“, benannt nach dem Sammel- und Durchgangslager, aus dem französische Juden in den Tod geschickt wurden. Ihr Besitzer warf an einem Bahnhof die Geige aus dem Fenster in die Arme eines Wartenden und rief ihm zu, er möge auf die Geige aufpassen, denn an dem Ort wo er hingebracht würde, habe die Geige keine Zukunft.

Voller Aufregung berichtet Weinstein in seiner Werkstatt von den vielen verschiedenen Geigen – jene, die vor langer Zeit von Europa mit Immigranten nach Palästina kamen, jene, die in Ghettos gespielt wurden, jene, die in Wäldern und in Konzentrationslagern zurückgeblieben sind und all jene, deren Geschichten nicht rekonstruiert werden können.
„Auf diese Weise dienen die Violinen als Erinnerung an all die anonymen Geiger, die ermordet wurden, an all die Klezmer-Spieler, die eine außergewöhnliche jüdische Kultur schufen sowie an die zigtausende von Geigen, die von den Nazis von den Juden konfisziert wurden“, so Weinstein. „Die Möglichkeit, diese Geigen zu restaurieren, sie in Konzerten zu spielen und Menschen damit zu rühren, ist ein Erfolg. Es ist der größte Beweis, dass es unmöglich war, die wundervolle Kultur des jüdischen Volkes und ihre Liebe zur Musik zu zerstören.“

Haaretz, 08.04.13, Newsletter der Botschaft des Staates Israel

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