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Israelisches Gas für die Türkei

Riesige Gasvorkommen im Mittelmeer vor der Küste Israels können die Energieversorgung des jüdischen Staates auf Jahrzehnte sichern und Israel in einen der größten Erdgas-Exporteure der Welt verwandeln. Gleichzeitig dient die Erschließung der Gasfelder Tamar (Dattel) und Leviatan (Walfisch) für innenpolitischen Zoff, für neue internationale Konflikte und im Fall der Türkei, für einen Hebel, die angespannten Beziehungen schleunigst beizulegen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 28. März 2013

Die britische BP hat die Konzession erhalten, Gasfelder vor der Küste von Gaza zu erschließen. Die Profite würden den Palästinensern zugute kommen. In den vergangenen Monaten führte Israel mit Zypern Gespräche über angrenzende Gasfelder und deren Ausbeute. Dies wiederum rief die Türkei auf den Plan. Die hält den Norden Zyperns besetzt und stellt eigene Ansprüche auf Seegebiete, die das griechische Zypern für sich beansprucht. Potentiellen Streit und Kriegsdrohungen gab es auch schon aus Libanon, weil die Seegrenzen zwischen Israel und Libanon niemals vertraglich abgesteckt worden sind.

Die vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama vermittelte „Entschuldigung“ Israels wegen der neun getöteten IHH Aktivisten auf der blockadebrechenden Mavi Marmara, diente politischen, militärischen und wirtschaftlichen Interessen aller Beteiligten, wie sich herausstellt.

Alon Liel, ein ehemaliger israelischer Botschafter in Ankara, verriet, dass schon „seit Monaten“ stille Verhandlungen zwischen Israel und der Türkei über den Bau einer Gas-Pipeline liefen. Zwei Wochen vor dem Obama-Besuch in Israel berichtete die Financial Times von Gesprächen zwischen dem amerikanischen Unternehmen Nobel Energy und der israelischen Delek Gruppe mit Partnern in der Türkei und in Jordanien. Nobel und Delek haben die Lizenz, Israels Gasfelder zu erschließen. Liel sagte dem Wallstreet Journal: „Zypern kollabiert wirtschaftlich. Israel hat verstanden, dass es seine Exportpläne nicht mit der Hilfe Zyperns umsetzen kann.”

Bisher hatten die israelischen Medien über eine Kooperation mit Zypern berichtet, ein Flüssiggas-Terminal zu errichten, zumal vor Obamas Besuch nicht zu erwarten war, dass es in absehbarer Zeit zu einer erneuten Annäherung mit der wirtschaftlich und geostrategisch viel wichtigeren Türkei kommen könnte. Plötzlich hat sich das Blatt gewendet. Die befürchtete Staatspleite Zyperns dürfte zur Annäherung zwischen Ankara und Jerusalem beigetragen haben.

Nach Angaben des Wallstreet Journal schätzt der israelische Energieexperte Amit Mor den möglichen Umsatz durch den Gas-Export auf jährlich 3 bis 4 Milliarden Dollar, bei aktuellen Preisen. Die Kosten für den Transport durch eine Pipeline in die Türkei machten nur ein Fünftel dessen aus, was Lieferungen via Zypern kosten würden. Unklar ist noch der Verlauf der künftigen Pipeline von Israel in die Türkei. Denn Israel befindet sich im Kriegszustand mit Libanon und die Türkei pflegt keine diplomatische Beziehungen mit Zypern.

Der amerikanische Erdöl-Experte Steve Levine behauptete beim Online-Dienst Quartz, dass die plötzliche Bereitschaft des türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan, sich mit der kurdischen PKK zu vertragen, auch mit potentiellen Erdgaslieferungen aus dem kurdisch-kontrollierten Nord-Irak in die Türkei zusammenhingen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

5 comments to Israelisches Gas für die Türkei

  • maxlrainer

    Auch ´ne Idee, “die [sowieso] angespannten Beziehungen schleunigst [gleich ganz] beizulegen” – läßt Freud grüßen?

  • efem

    Es stellt sich die Frage, ob es nicht klüger wäre, die Erschließungsgelder im Milliardenbereich zur Nutzung der überreichen Sonneneinstrahlung zu nutzen, anstatt Zeug, das die Erde klüglich entsorgt hat, zu fördern. Was dann dem Treibhauseffekt zu Gute kommt, mit der vorhersehbaren Folge abnehmender Niederschläge gerade – auch – am östlichen Mittelmeerufer. Aber die Erdgas- und Erdöllobby ist mächtig…

    “Die britische BP hat die Konzession erhalten”

    Soweit mir bekannt ist, handelt es sich um die britische BG.

    Sie brachte die ersten Explorationsbohrungen nieder in dem dem Gazastrip zurechenbaren Seedreieck: zur Festlegung werden senkrecht zum Küstenverlauf verlaufende Linien gezogen, wie z.B. bei dem zur BRD gehörenden Nordseesektor, dem sog. “Entenschnabel”, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Entenschnabel_(Nordsee) , letztlich muss das aber in Verhandlungen zwischen den betroffenen Mittelmeeranrainern bestimmt werden.

    Nachdem BG in Streit geriet mit der israelischen Regierung – mit der es zunächst zusammengearbeitet hatte – über den Verkauf des zu fördernden Gases, verlor Israel nach der Entdeckung der eigenen Tamar- und Leviathanfelder das Interesse an Gazas Gas, obwohl Scharon zunächst ganz wild darauf war und es der Hamas auf gar keinen Fall gönnen wollte.

    Allerdings reicht eins von Gazas Reservoiren nach Norden rel. weit in israelisches Gebiet, was, falls BG im Gazaischen Bereich fördern möchte, nicht unproblematisch werden dürfte, denn dem Gas sind Grenzen schnuppe, und wenn es im Gaza-Bereich gefördert wird, strömt es aus dem israelischen Sektor nach (ähnlich dürfte es zwischen Libanon und Israel laufen: Sogar Hisbollah hat schon angefangen, herumzukrakeelen über bisher noch ungelegte Eier).

    Jedenfalls ist das Gas vor Gaza und angrenzend vor Israel (Mari-B) Dank seiner rel. geringen Tiefe (um 250 m bei Mari-B, woraus seit 9 Jahren gefördert wird, und um 600 Meter) ungleich leichter zu gewinnen als bei den neuerlich entdeckten Vorkommen vor Israel, die in Teufen von ca. 1.500 Metern, was gerade noch angeht, und um die 5.000 und 7.000 Metern liegen. Aus 5 oder gar 7 km Tiefe zu fördern ist, um es vorsichtig auszudrücken, ein sehr kühnes – und teures! – Unterfangen. Das Wissen um das Vorkommen bei 7.000 Metern beruht bisher nicht auf einer Bohrung – die wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten abgebrochen werden musste – bis dorthin, sondern auf diversen, bestimmten Anzeichen.

    Man muss bei sowas ja mit erheblichen Drücken und Temperaturen fertig werden, und geht was schief wie bei der Deep Water Horizon, steigen die Reparaturkosten, falls überhaupt was zu retten ist, ins Astronomische (was dem Förder-Konsortium den Garaus machen dürfte, also Vorsicht beim Aktienkauf :- ) ), zumal es sich nicht nur um Erdgas, sondern ebenfalls gemutetes Erdöl in erheblicher Menge handelt. Halten wir feste die Daumen, dass alles gut geht – wenn denn schon die Sonnenenergie (die noch 500 Millionen Jahre lang gleichbleibend und kostenlos geliefert wird) fast ungenutzt bleiben wird.

    • ente

      @ efem:”Es stellt sich die Frage, ob es nicht klüger wäre, die Erschließungsgelder im Milliardenbereich zur Nutzung der überreichen Sonneneinstrahlung zu nutzen, anstatt Zeug, das die Erde klüglich entsorgt hat, zu fördern. Was dann dem Treibhauseffekt zu Gute kommt, mit der vorhersehbaren Folge abnehmender Niederschläge gerade – auch – am östlichen Mittelmeerufer. Aber die Erdgas- und Erdöllobby ist mächtig…”

      So ist es. Statt wie die Norweger, die einfach Ihre Wasserkraft zu nutzen und kein Gas verkaufen, statt wie Saudi Arabien, die einfach die Sonne zu nutzen und kein Öl verkaufen, sollten die endlich auch mal darauf verzichten Ihre Naturschätze auszubeuten. Sonst ist das Ländle auch noch für den Klimawandel allein zuständig, meint der Verbrennungsmotor Exporteur.

    • efem

      “das Ländle auch noch für den Klimawandel allein zuständig”

      Hab ich nicht gesagt! Das war den “Weisen von Zion” Dank Unwissens doch noch gar kein Thema, wenn du etwa die meinst :- ((( … Aber zuständig in trauter Gemeinsamkeit mit der deutschen Gas- und Ölförderung, mit Ägypten, Libyen, Syrien, zukünftig den Palis und der Hisbollah sorry Libanon, jetzt dem erwähnten Norwegen, dem wenig geliebten Iran plus der ganzen Golf-Clique, China nicht zu vergessen, unseren und Nordamerikas Frackingspezies und überhaupt weltweit. Heute stehen wir noch vor dem Abgrund, morgen sind wir einen Schritt weiter.

      Und die Sonne strahlt derweil unverdrossen, verbrennt dafür jede Sekunde nicht eine Milliarde, sondern nur 700 Millionen Tonnen Wasserstoff (sog. Sparflamme), wobei von der dabei entstehenden Strahlung schätzungsweise gerade Mal ein Milliardstel bei uns ankommt (kein Wunder, dass der Winter nicht weichen will) und – sie mopst sich. Was sonst.

      Übrigens, kam soeben in den Nachrichten, hat Deutschland voriges Jahr viermal(!) mehr Strom exportiert als in den Vorjahren. Trotz AKW-Abschaltung, aber wegen seiner Windparks und Solaranlagen. Wobei auch die Windkraft mittelbar durch die Sonnenenergie bewirkt ist…

  • Peter Schulz

    “Die britische BP hat die Konzession erhalten, Gasfelder vor der Küste von Gaza zu erschließen. Die Profite würden den Palästinensern zugute kommen.”
    Was heißt das? Fließen die Gewinne über Israel, das ganz nach Lust und Laune die Gelder immer mal wieder sperrt, und die Höhe des Anteils daran, den es davon haben will, freihändig selbst festlegt, so wie bei den Zollgeldern der Westbank Palästinas?

    Warum sollte sich die Türkei von einem Land anhängig machen, das, wie z.B. gegenüber dem Libanon, zeigt, wie es mit Nachbarn umzuspringen pflegt, von dem vorhersehbar ist, dass es, sobald es sich davon etwas verspricht, vertragsbrüchig werden wird? Da hat es andere Bezugsquellen.