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Die jüdische Nakba

Die Initiative von Vize-Außenminister Danny Ayalon, das Thema der jüdischen Flüchtlinge, die die arabischen Staaten verlassen mussten, ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, trifft erwartungsgemäß auf wütende arabische Reaktionen. Unter anderem werden Behauptungen laut, es handele sich bei den jüdischen Flüchtlingen um eine „Erfindung“…

Von Tzvi Gabai, Haaretz, 08.09.12

Der Grund für diese Reaktionen ist, dass dieses Thema bisher schlicht nicht existiert hat. Die israelischen Regierungen haben es ignoriert, die Medien haben es vernachlässigt. Der Grund für diese Vernachlässigung war die Sorge, man könnte damit palästinensischen Klagen Tür und Tor öffnen und dem Friedensprozess schaden. Daher hat man sich in der Welt daran gewöhnt, sich nur auf die „palästinensische Nakba“ zu beziehen, die der UNRWA zufolge 600.000 palästinensische Flüchtlinge zur Folge hatte.

Die arabischen Regierungen legen Wert darauf, die palästinensischen Flüchtlinge in ihrer traurigen Lage zu belassen, und ermöglichen es ihnen nicht, sich in den jeweiligen Staaten dauerhaft niederzulassen oder gar einbürgern zu lassen, denn die vorherrschende Ideologie besagt, dass eine Verbesserung der Lage der Flüchtlinge Israel nutzen würde. Die arabischen Führer haben immer wieder die gesamte Verantwortung für die Entstehung des palästinensischen Flüchtlingsproblems Israel zugewiesen. Und Israel seinerseits hat keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, sich von dieser Schuldzuweisung zu befreien, auch wenn die UN-Resolution 194 von 1948 ihm keinerlei Verantwortung für das Flüchtlingsproblem zuweist.

Ein weiterer von den Arabern erhobener Vorwurf besagt, dass die Juden nicht aus den arabischen Staaten hätten fliehen müssen, da sie dort friedlich und in Ruhe hätten leben können. Wer das sagt, sollte sich einmal näher mit der Geschichte des Konflikts befassen. Dann würde er entdecken, dass während der Debatten in der UNO 1947 über den Plan, der die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorsah – die Vertreter der arabischen Staaten (der Ägypter Heikal Pasha, der Iraker Fadal al-Jamali und Jamal Hussaini, der Führer der Delegation der palästinensischen Araber und andere) nicht nur verkündeten, die Teilungslinie werde „eine Linie aus Feuer und Blut“ sein, sondern auch erklärten, dass die Teilung Palästinas für die jüdischen Gemeinden der arabischen Länder eine Todesgefahr darstellen würde. Sofort nach der Annahme des Teilungsplans eröffneten die arabischen Armeen und arabische Banden in Palästina den Krieg gegen den jüdischen Yishuv, und gleichzeitig kam es zu Ausschreitungen gegen Juden in den arabischen Ländern.

Der Krieg der Araber brachte Tote, Zerstörungen und eine große menschliche Tragödie. 856.000 schutzlose Juden flohen um ihr Leben nach Israel und in andere Länder und ließen ihren Besitz und den ihrer Gemeinden zurück; und 650.000 Palästinenser verließen ihre Schießstände und ihre Häuser und gelangten in die arabischen Staaten. Es scheint also, als hätte sich zwischen dem Staat Israel und den arabischen Staaten ein Bevölkerungstausch ereignet, wie es ihn auch zwischen Indien und Pakistan gegeben hat. Doch die arabischen Länder unter Leitung der Arabischen Liga weigern sich, das anzuerkennen und eine humane Lösung für das Problem zu finden, das sie geschaffen haben.

Obwohl die humanitäre Dimension der Katastrophe der arabischen Juden größer war als das Ausmaß der arabischen Katastrophe, wird sie ignoriert. Zwar hat der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge die arabischen Juden 1957 als Flüchtlinge anerkannt, doch die UN-Vollversammlung hat nicht einen Beschluss zu ihren Gunsten verabschiedet. Im Gegensatz dazu hat sie mehr als 160 Beschlüsse und Erklärungen verabschiedet, die die palästinensischen Flüchtlinge unterstützen. Dieser einseitige Ansatz hat das Problem nicht gelöst und zu einer Verschärfung des israelisch-palästinensischen Konflikts geführt.

Es ist möglich, dass der Grund für das Ignorieren darin liegt, dass die arabischen Juden sich in Israel und anderen Staaten integriert haben – und ihre Lebensbedingungen in den Ma‘abarot (Übergangslagern für Einwanderer) verdrängt wurden. Die UN-Beschlüsse und die Milliarden Dollar, die die palästinensischen Flüchtlinge aus der internationalen Gemeinschaft erhalten haben, haben ihre Lage nicht verbessert; und sie leben weiterhin unter beschämenden Bedingungen.

Die Zeit ist gekommen, dass die arabischen Staaten die Realität anerkennen, die infolge ihres Krieges gegen Israel geschaffen wurde, und aufhören, sich selbst mit dem Märchen zu unterhalten, man könne das Rad der Geschichte zurück drehen. Sie sollten auch aufhören, das Lied vom „Recht auf Rückkehr“ der palästinensischen Flüchtlinge zu singen und nicht weiter vergebliche Illusionen in dieser Hinsicht zu nähren.

Im Rahmen einer Lösung für die Tragödie der Flüchtlinge im Nahen Osten – Palästinenser und Juden – muss Israel das ganze Bild präsentieren. Es muss eine gemeinsame Lösung der arabischen Staaten, Israels und der internationalen Gemeinschaft geben, die auf den Vorschlägen des US-amerikanischen Präsidenten Bill Clinton aus dem Jahr 2000 beruhen sollte, einen internationalen Fond für die Entschädigung palästinensischer und jüdischer Flüchtlinge zu schaffen.

Im Konflikt im Nahen Osten haben nicht nur Palästinenser gelitten, sondern auch Juden. Für einen echten Frieden im Nahen Osten muss beiden Seiten Gerechtigkeit widerfahren.

Der Autor ist ehemaliger Botschafter und stellvertretender Generaldirektor im Außenministerium.

Newsletter der Botschaft des Staates Israel

75 comments to Die jüdische Nakba

  • riciano

    ““Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt!” (sic!) – Jesus“

    Jens – meinen Sie wirklich, das der JUDE Jeshua solch einen Quatsch von sich gegeben haben könnte? …kann man nicht mal wirklich schmunzeln drüber – so doch all von ihm Überliefertes deutlichst klar stets immer einen tiefen Sinn zugrunde …Auslegungen der Jüdischen Schriften mit für damalig Mensch verständlichen Worten des gelebten Alltags dieser Zeit … könnt dat “Camel“ ein Fishertau, -seil, -faden sinnerfüllter gwesn sein? zumal FisherFangnetze, welche nach den Booten unverzichtbares Handwerkszeug der “Menschen“Fisher an Genezareth zur Ausübung deren Tätigkeit waren – mussten (kniffelig) repariert werden … “Reichtum“ vor Ort nicht sonderlich ausgeprägt …kei normal Mensch käme tatsächlich auf die Idee, Camels durch Nadeln versuchen schieben zu wolln – der “Jüngling“ hatte möglicherweise familiäre SorgeVerpflichtungen in Habe …vllt. Häusl …Geschäft …, konnt net weg???

    zum Thema: jegliche Versuche des Leugnen der Jüdischen Nakba aus deren einstiger Heimat in islamisch Reichen, Ländern, Gebieten …sind schlicht abenteuerlich – dies ist geschehene REALITÄT -leider – wirklich jeds Kind kann die “Beliebtheit” Nichtmuslimischgläubiger Menschen (UNgläubiger) in mehrheitlich islamisch geprägten Territorien dieser Erde sehen – sogar in old europe …Berlin, Köln & Co. …jedoch die “innigste” von Israelis … J U D E N GAAANZ besonders!

    • efem

      Ea gibt eine einleuchtende Erklärung: in vielen Stadtmauern gibt es allein für FußgängerInnen passierbare Durchgänge. In Jerusalem soll einer dieser Art existiert haben, der, auch, “Nadelöhr” genannt wurde.

    • Jens

      Ich meine, dass die überlieferte Figur Jesus das gesagt haben soll und dass zumindest die Christen daran glauben. Wobei ich davon ausgehe, dass die Überlieferung sicherlich auch von Idealisierungen und Wunschdenken beeinflusst wurde.

      Das tut aber den Aussagen keinen Abbruch, man könnte auch über die Lehren der Fabeln Äsops diskutieren und Aussagen der sprechenden Tiere analysieren.

      Ich denke, es ist so gemeint wie es geschrieben steht, vielleicht meinte man so ein Nadelöhr wie es efem sagt, klingt wie eine nachvollziehbare Metapher. Jesus soll ein Mann der Armen und Geknechteten gewesen sein, so sollte man davon ausgehen, dass seine Aussagen so getätigt wurden, damit sie auch von den einfachen Menschen verstanden werden, also keiner tieferen Interpretation bedürfen.

      Ich denke das genau so. Ein guter Mensch kann zwar auch reich werden, er wird seinen Reichtum aber so teilen, dass er arm stirbt, sonst wäre er ja kein guter Mensch, sondern ein Geizhals.

      Wobei ich hier Reichtum im Sinne gehorteter, imaginärer Sachwerte in Geldwerten meine (irgendwelche Zettelchen wo drauf steht ‘ich habe…du musst…mir geben!’ oder güldene Artefakte, mit denen man zwar prima zuschlagen, aber niemanden damit ernähren kann) und weniger die Gebrauchsgegenstände die man besitzt und selbst benutzt.

      Ich besitze keine Kaffeemaschine, nicht weil ich zu arm bin, sondern weil der Kaffee richtig aufgebrüht einfach besser schmeckt und ich immer wieder Komplimente dafür einheimse, ha! Andere kaufen teure Padmaschinen und trinken seltsame Blürre als Kaffee. Und wer ist reicher? Für mich liegt der Luxus im Genuss. :)

      Letztlich ist es nur ein Definitionsproblem. Reichtum ist sehr relativ, ich empfinde viele Reiche nicht als reich, es sind in meinen Augen arme Irre, die meinen das Sein wird durch die Habe bestimmt. So eine Denke erzeugt furchtbar reiche Lügner, Betrüger, Ausbeuter, Diebe und Hehler. Man hat dann zwar sehr viel Materie, aber muss sich menschlich auf die unterste Stufe der Erbärmlichkeit stellen. Da fühle ich mich als Bettler ja schon richtig erhaben.

      Ein Mafioso der seine Macht und Reichtum auf Gewalt, Erpressung, Bestechung und Diebstahl begründet, wird sich wohl auf dem Sterbebett nicht mehr als der Oberchef fühlen und voll von Arroganz und Eitelkeit seinen letzten Weg antreten können. Wie fühlt man sich da, wenn man genau weiß, die Beerdigung wird ein wahres Fest der Heuchelei und verlogenen Schleimerei, wie das ganzes Leben schon war? Wer den Selbstbetrug bis in den Tod mitnimmt, dem gnade Gott, mehr kann man dann nicht mehr dazu sagen.

      Reich an Misstrauen, reich an Verlustängsten und reich an Abgrenzungsmotiven (und Stacheldraht).

      Die Letzten werden die Ersten sein. – Soll auch Jesus gesagt haben. Klar, der Erzkapitalist denkt natürlich an seine Bilanz, wenn er “Tag der Abrechnung” hört. Er vergisst dabei, dass “seine” Bilanz ein Ergebnis der Mitwirkung sehr vieler Einzelpersonen (direkt Beteiligte und indirekt Betroffene) ist und DEREN Wohlergehen dem abstrakten Zahlenwerk erst einen ideellen Wert geben.

  • Karl Pfeifer

    Die unverschämten Lügen von Jane sind unglaublich.
    Alice Schwarzer schrieb über Entebbe und die Selektion der jüdischen Passagiere. Doch nicht nur sie. Dank meines Archivs konnte ich eine lange Erklärung der Revolutionären Zellen finden, die sich auch mit der Selektion in Entebbe auseinandersetzt.
    Hier aus meinem Archiv mit Quellenangabe, die alle überprüfen können.

    Alice Schwarzer
    Wir sind Kinder unserer Eltern
    “…In der Tat scheint mir auch die Selektion von Entebbe ein erschreckendes Beispiel für unreflektierten Antisemitismus unter linker Etikette. Damals selektierten unter anderem RAF-Leute die Passagiere des gekidnappten Flugzeuges nicht etwa nach israelischen Staatsbürgern und anderen, sondern nach Juden und Nicht-Juden. Meines Wissens ging danach kein öffentlicher Aufschrei durch die deutsche Linke. Die, die wie ich zusammengezuckt sind, haben geschwiegen. Wir hätten reden müssen… “
    Konkret 05/81, S. 46

    Revolutionäre Zellen; Wolfgang Pohrt
    »…sondern auch die schlimmsten Kräfte«
    Mitte Dezember letzten Jahres verschickten die Revolutionären Zellen (RZ) eine Erklärung, in der sie die Ermordung eines RZ-Mitglieds durch eine palästinensische Gruppe zum Anlaß einer selbstkritischen Reflexion der Geschichte nicht nur ihrer eigenen antiimperialistischen Praxis genommen haben. Unter der Überschrift »Gerd Albartus ist tot« setzen sie sich vor allem mit der Entführung eines Flugzeuges 1976 nach Entebbe, mit der dort unter Beteiligung zweier RZ-Mitglieder vorgenommenen Selektion jüdischer Passagiere, dem darin zum Ausdruck gekommenen Antisemitismus deutscher Linker und der nationalrevolutionären Borniertheit antiimperialistischer Gruppen in der BRD auseinander. KONKRET dokumentiert den vollständigen Text der Erklärung. Wolfgang Pohrt kommentiert sie
    “…Unser Wissen über die Gruppe wie über Gerds Verhältnis zu ihr ist begrenzt. Die Verbindungen gehen zurück auf einen Abschnitt unserer Geschichte, unter den wir aus politischen Gründen schon vor etlichen Jahren einen Schlußstrich gezogen hatten. Ob und inwieweit sich die Zusammenhänge in der Zwischenzeit auch dort geändert haben, überschauen wir nicht.
    Gemeint ist die Zeit nach der gescheiterten Gefangenenbefreiung Ende Juni 1976. Damals hatte ein vierköpfiges Kommando, dem neben zwei Palästinensern auch zwei Mitglieder der RZ, Brigitte Kuhlmann und Wilfried »Bonni« Böse, angehörten, einen Airbus der Air France in seine Gewalt gebracht und die Freilassung vonmehr als 50 GenossInnen gefordert, die zum überwiegenden Teil in israelischen und westdeutschen Knästen gefangengehalten wurden. An Bord der Maschine, die in Tel Aviv gestartet und auf dem Flug nach Paris in Athen zwischengelandet war, bevor sie von dort aus nach Entebbe umdirigiert wurde, befanden sich über 250 Passagiere, unter ihnen etwa 100 israelische Staatsbürger oder Juden anderer Nationalität. Nachdem die nicht-jüdischen Passagiere innerhalb weniger Tage freigelassen worden waren, verlängerte das Kommando sein Ultimatum, um weitere Verhandlungen zu ermöglichen. Diese Zeitspanne nutzte die israelische Regierung, um eine militärische Lösung vorzubereiten. In der Nacht zum 4. Juli 1976 überfiel eine Spezialeinheit den Flughafen von Entebbe und bereitete der Geiselnahme ein blutiges Ende. Das Kommando kam dabei ums Leben, von den Gefangenen, deren Freilassung gefordert worden war, kein einziger frei.
    Es hat Jahre gedauert, ehe wir diesen Rückschlag verkraftet hatten. Unter dem Eindruck des Verlustes der Freunde waren wir zunächst unfähig, die politische Dimension der Katastrophe zu ermessen, die Entebbe für uns bedeutete. Anstatt wahrzunehmen, was uns vorgehalten wurde, nämlich daß wir als Organisation an einer Operation teilhatten, in deren Verlauf israelische Staatsbürger und jüdische Passagiere anderer Nationalität ausgesondert und als Geisel genommen worden waren, beschäftigten wir uns vor allem mit dem militärischen Aspekt der Aktion und ihrer gewaltsamen Beendigung. Das Kalkül des Regimes sollte nicht aufgehen. Um zumindest die Option auf die Befreiung gefangener GenossInnen offenzuhalten, mußten wir handeln und durften uns nicht von den alarmierenden Nachrichten über den Ablauf der Geiselnahme und die Rolle unserer GenossInnen darin blockieren lassen. Die Meldung, es sei ausgesondert worden, hielten wir ebenso für ein Produkt psychologischer Kriegsführung wie die Behauptung, daß sich die deutschen Mitglieder des Kommandos dabei besonders hervorgetan hatten. Wir kannten Brigitte und Bonni als Antifaschisten, und wir wußten um ihre Motive, sich an der Aktion zu beteiligen. Unser Begriff von Solidarität verbot Kritik an den GenossInnen; eine Diskussion über Fehler wehrten wir ab, als ob Solidarität nicht prinzipiell das Risiko umfaßt, daß einzelne GenossInnen Fehler machen.
    Ähnlich vordergründig blieb die Diskussion, wo es um die Suche nach Gründen für das Scheitern der Aktion ging. Zu mehr als Manöverkritik waren wir nicht imstande. Wir beklagten, daß die ursprünglichen Planungen und Absprachen nicht eingehalten worden waren und daß der faktische Ablauf auf den Kopf gestellt hätte, was eigentlich vorgesehen war. Wir kritisierten, daß die Aktion, die aus unserer Sicht einzig und allein einen pragmatischen Zweck verfolgte, nämlich die sofortige Freilassung politischer Gefangener, im Verlauf ihrer Dauer mehr und mehr den Charakter einer Propagandaaktion angenommen hatte, die sich vor allem Idi Amin zunutze zu machen verstanden habe. Wir erhoben den Vorwurf, daß dem Kommando im Zuge der Operation die Befehlsgewalt entzogen worden war und die GenossInnen nach der Landung in Entebbe bloß noch die Weisungen zu befolgen hatten, die an anderer Stelle und fernab des Geschehens ausgegeben wurden. Wir fanden uns schließlich ab mit dem Verweis auf die besondere Dynamik militärischer Operationen, auch wenn unser Vertrauen in eine direkte internationale Zusammenarbeit als besondere Qualität eines praktischen Antiimperialismus an seine Grenzen gestoßen war.
    Daß die Grenzen dieser Zusammenarbeit nicht technischer oder taktischer, sondern politischer Art waren, sahen wir nicht, obwohl Stoßrichtung und Verlauf der Aktion eine deutliche Sprache sprachen. Das Kommando hatte Geiseln genommen, deren einzige Gemeinsamkeit darin bestand, daß sie Juden waren. Soziale Merkmale wie Herkunft oder Funktion, die Frage der gesellschaftlichen Stellung oder der persönlichen Verantwortung, also Kriterien, die wir eigentlich unserer Praxis zugrundelegten, spielten in diesem Fall keine Rolle. Die Selektion erfolgte entlang völkischer Linien. Daß die einzige Geisel, die die Flugzeugentführung nicht überlebte, ausgerechnet eine ehemalige KZ-Inhaftierte war, ging zwar nicht unmittelbar zu Lasten des Kommandos, lag aber nichtsdestoweniger in der Logik der Aktion. Was gut ein Jahr später, im Fall Mogadischu, selbst unter Linksradikalen eine Welle der Kritik auslösen sollte, nämlich daß eine willkürliche Gruppe deutscher Urlauber zur Verhandlungsmasse wurde, darüber setzten wir uns im Fall Entebbe hinweg, obwohl der Verlauf der Aktion die einfachsten Grundsätze revolutionärer Politik und Moral, die wir sonst für uns in Anspruch nahmen, auf den Kopf gestellt hatte. Die entsetzliche Drohung, daß jeder, der israelisches Grundgebiet betritt, wissen muß, welches Risiko er auf sich nimmt, und daß er dieses selbst zu verantworten habe, war blutiger Ernst geworden.
    Entebbe war kein Einzelfall, wohl aber der Kulminationspunkt einer Entwicklung, in deren Verlauf wir uns mehr und mehr von dem entfernt hatten, wofür wir mal angetreten waren. Vergessen waren die Sätze, die Ulrike Meinhof knapp zehn Jahre zuvor aus Anlaß des Sechs-Tage-Kriegs geschrieben hatte: »Es gibt für die europäische Linke keinen Grund, ihre Solidarität mit den Verfolgten aufzugeben, sie reicht in die Gegenwart hinein und schließt den Staat Israel mit ein.« Der schwarze September der Palästinenser, die israelischen Luftangriffe auf die Flüchtlingslager, das Massenelend in den besetzten Gebieten, das Regime des Schreckens, das die Besatzungsmacht dort ausübte, die Berichte aus den israelischen Gefängnissen waren uns Grund genug und zugleich Vorwand, unser Wissen über Auschwitz in den Hintergrund zu drängen. Wir machten uns die Losungen des palästinensischen Befreiungskampfs zu eigen und setzten uns darüber hinweg, daß unsere Geschichte eine vorbehaltlose Parteinahme ausschloß. Wir interpretierten den Konflikt mit den Kategorien eines an Vietnam geschulten Antiimperialismus, mit denen er nicht zu ermessen war. Wir sahen Israel nicht mehr aus der Perspektive des nazistischen Vernichtungsprogramms, sondern nur noch aus dem Blickwinkel seiner Siedlungsgeschichte: Israel galt uns als Agent und Vorposten des westlichen Imperialismus mitten in der arabischen Welt, nicht aber als Ort der Zuflucht für die Überlebenden und Davongekommenen, der eine Notwendigkeit ist, solange eine neuerliche Massenvernichtung als Möglichkeit von niemandem ausgeschlossen werden kann, solange also der Antisemitismus als historisches und soziales Faktum fortlebt. Die dramatische Tatsache, daß dieses Sicherheitsbedürfnis der Juden scheinbar nur gegen die Palästinenser zu realisieren ist, stürzte uns nicht in ein unlösbares Dilemma, wir nahmen sie vielmehr zum Anlaß, uns bedingungslos auf die Seite derer zu schlagen, die in unseren Augen die Schwächeren waren.
    Wo wir unter anderen Voraussetzungen auf der Unterscheidung zwischen oben und unten beharrten, sahen wir im Nahen Osten vor allem gute und schlechte Völker. Am Patriotismus der Palästinenser kritisierten wir allenfalls dessen Pathos, obwohl uns nicht zuletzt die Geschichte Israels ein warnendes Beispiel hätte sein müssen, daß die Verwirklichung der palästinensischen Maximalforderungen nicht das Ende von Ausbeutung und Unterdrückung, sondern lediglich deren Verewigung unter anderen Vorzeichen bedeuten würde. Leid und durchlebte Verfolgung bieten keinen Schutz davor, daß Menschen zu Ungeheuern werden, sobald sie sich als Staatsvolk zusammenballen. Wo zwei ethnische Gemeinschaften Ansprüche auf dasselbe Stück Land erheben, gibt es keine revolutionären Lösungen. So begreiflich die Schlußfolgerungen waren, die die Palästinenser aus ihren Erfahrungen der Vertreibung und Verfolgung gezogen hatten – wir konnten sie in der Konsequenz nicht teilen, ohne in einen unauflöslichen Widerspruch zu unserer Geschichte wie zu unserem politischen Selbstverständnis zu geraten. Die legitime und notwendige Kritik an der israelischen Besatzungspolitik sowie die selbstverständliche Solidarität mit dem Widerstand der Palästinenser waren umgeschlagen in die Bereitschaft, jüdische Passagiere gleich welcher Staatsangehörigkeit für den Terror und die Grausamkeiten des israelischen Regimes haftbar zu machen und damit sozialrevolutionäre Maßstäbe gegen die der Sippenhaft einzutauschen. Das Ausmaß an historischer Amnesie und an moralischer Desintegration, das in dieser Bereitschaft zum Ausdruck kommt, ist die schwerste Hypothek, mit der unsere Geschichte belastet ist.
    Es gibt eine Reihe von Gründen, die diese fatale Entwicklung erklären. Faktoren wie Mißtrauen und Zweifel uns selbst gegenüber, die wir aus dem reichen Norden kamen, oder Opportunismus angesichts der Möglichkeiten, die die Zusammenarbeit mit palästinensischen Organisationen bot, spielen dabei sicherlich ebenso eine Rolle wie der Handlungsdruck, unter dem wir aufgrund der Isolationsbedingungen in den westdeutschen Knästen standen, oder aber die Tatsache, daß wir mit unserem Begriff von Antizionismus nur Teil einer historischen Strömung waren, die fast alle Fraktionen der damaligen Linken erfaßt hatte. Aber so plausibel alle diese Gründe auch sein mögen – sie entschuldigen nicht, daß wir in dieser Zeit enorme Fehler gemacht haben, Fehler, die nicht hätten passieren dürfen.
    Wir können nicht für uns in Anspruch nehmen, daß wir all dies bereits damals, in den ersten Monaten nach Entebbe, so gesehen hätten. Statt in einer grundlegenden Debatte Logik, Ablauf und Resultat der Aktion einer schonungslosen Analyse zu unterziehen und daraus Schlußfolgerungen für unsere weitere Praxis zu ziehen, gaben wir uns mit halbherziger Kritik zufrieden. Die naheliegende Konsequenz, wieder an dem anzuknüpfen, wofür unsere Politik in der BRD stand, nämlich die Orientierung auf die sozialen und politischen Bewegungen im Lande, zogen nur einige.
    Dennoch ist auch richtig, daß die Erfahrung von Entebbe tiefe Spuren hinterlassen hat. Der markige Satz von der Karawane, die weiterzieht, während die Hunde bellen, war mehr Spruch als daß er unsere Realität beschrieb. Das Wissen um die Katastrophe wirkte wie ein permanent schwelender Treibsatz fort, der uns immer wieder selbstkritische Diskussionen abverlangte, in denen wir an der Wahrheit nicht vorbeikamen. Die mehr unterschwellige als offene Auseinandersetzung hatte nicht nur Brüche in persönlichen Freundschaften zur Folge, sie hat auch an den Fundamenten unseres politischen Konzepts gerührt. Selbst wenn wir nicht im einzelnen auseinanderhalten können, in welchen Punkten die Erfahrung eine ursächliche Rolle gespielt hat oder wo sie lediglich den Hintergrund zu völlig anderen Diskussionen und Entscheidungen abgab – daß sie zentrale Bedeutung in der Bestimmung jener Positionen hatte, die unsere Politik in den folgenden Jahren geprägt haben, steht außer Frage. So berechtigt es also ist, uns einen Mangel an Bewußtheit zum Vorwurf zu machen, so falsch wäre es, zu negieren, daß sich Entebbe – und sei es nur in Form des schleichenden Gifts einer Lebenslüge – dauerhaft in unserem politischen Selbstverständnis niedergeschlagen hat.
    Daß wir seitdem nichts mehr unternommen haben, was auf israelische Einrichtungen zielte, ist uns erst wesentlich später aufgefallen. Wo das Thema auf der Tagesordnung stand, haben wir nach westdeutschen Stellen gesucht, die von der Politik Israels profitierten. Die Behandlung palästinensischer Flüchtlinge durch die bundesdeutschen Asylbehörden verfolgten wir genauer als das Drama der Aufstandsbekämpfung in den besetzten Gebieten. Statt mißverständlicher Aktionen haben wir gar keine Aktionen gemacht, wenn wir Bedenken hatten, ob sie vielleicht antijüdisch waren oder zumindest so ausgelegt hätten werden können. Wir hatten allen Grund zur Zurückhaltung, wenn wir uns mit Motiv und politischem Gehalt des Antizionismus beschäftigten. Die Gewißheit, daß auch wir als Linke nicht gegen antisemitische Ressentiments gefeit sind, die notdürftig mit nationalrevolutionären Definitionen kaschiert werden, hat uns praktisch blockiert. Das Dilemma der politischen Abstinenz, das sich daraus ergab, schien einigen von uns eher dahingehend auflösbar, daß wir den Begriff der NS-Kontinuität und unser Leben in diesem Land zum Anlaß nahmen, nach den Spuren jüdischen Widerstands gegen die nationalsozialistische Neuordnung zu suchen und uns darauf zu beziehen, als daß wir zwecks Legitimation und Befriedigung des eigenen Handlungsbedarfs politisch fatale Analogien zogen, wie dies in manchen Dokumenten des linken Antizionismus geschieht.
    Eine weitere Konsequenz war der allmähliche Rückzug aus den internationalen Kontakten. Allmählich, weil es alte, auch emotionale Verbindungen gab und weil wir uns selbst schwertaten, mit jenen Begriffen und ideologischen Konstrukten zu brechen, die eine Aktion wie Entebbe überhaupt möglich gemacht hatten. In diesem Prozeß hat sich ein Politikverständnis artikuliert und geformt, das sich fundamental von dem der Gruppe unterschied, mit der wir bis dahin zusammengearbeitet hatten. Differenzen, die wir lange Zeit ignoriert oder der Unterschiedlichkeit von Bedingungen bzw. unserem Metropolenstatus zugeschrieben hatten, erwiesen sich nun als knallharte Widersprüche, für die sich kein gemeinsamer Nenner mehr fand. Der Anspruch, aus unterschiedlichen Positionen heraus solidarisch zu handeln, stieß an seine Grenzen….
    Daß wir jahrelang zu Entebbe geschwiegen haben, lag nur in der Logik des Arguments. Zugleich war dieses Schweigen jedoch auch das beredte Eingeständnis, daß wir uns in eine Sackgasse manövriert hatten: was wir auf internationaler Ebene machten, war nicht die antiimperialistische Dimension dessen, wofür wir in der BRD kämpften, sondern stand in krassem Gegensatz dazu. Wir mußten uns entscheiden. Wer unsere Praxis in den 80er Jahren verfolgt hat, weiß, wie diese Entscheidung ausgefallen ist.

    Revolutionäre Zellen Dez. 91 ”

    Konkret 02/92, S. 24

  • Jane

    “kei normal Mensch käme tatsächlich auf die Idee, Camels durch Nadeln versuchen schieben zu wolln ”

    Das ist ja die Crux des Gleichnisses – man kann kein Kamel durch ein Nadelöhr schieben.

    Zu der Entführung von Entebbe: es war eine der jüdisch-israelischen Geiseln, der ausdrücklich sagte,dass die Selektion nicht nach jüdisch/nicht-jüdisch erfolgte. Die Entführer hatten eine Forderung an die israelische Regierung und daher konnten sie nicht-israelische Geiseln nicht gebrauchen – Juden,die sie für Israelis hielten, ließen sie mit den anderen Passagieren gehen, als sich herausstellte, dass sie keine israelische Staatsbürger waren.

    Also regen Sie sich dann doch über Ilan Hartuv auf -ich zitiere ihn.

  • Jane

    Hier noch einmal zu Entebbe aus einem Artikel von Moshe Zimmermann:

    ” Als Beispiel für den Antisemitismus der deutschen Linken in der BRD wird u.a. das Folgende angeführt: „1976 entführte ein palästinensisch-deutsches Kommando ein Flugzeug nach Entebbe und selektierte die Passagiere in Juden und Nicht-Juden.“ Man liest „deutsches Kommando”, „Juden”, „Selektion” und erschaudert. Nun konnte man aber am 3. Juli 2011 in der israelischen Tageszeitung Haaretz lesen, dass Ilan Hartuv, eine der Geiseln an Bord der entführten Maschine und Sohn der von Idi Amins Schergen ermordeten Dora Bloch, dem „Mythos“, dass die „Terroristen Juden von Nicht-Juden in einer Weise getrennt haben, die an die von den Nazis an den Juden in den Vernichtungslagern vorgenommenen Selektionen gemahnen“, ein Ende setzen möchte: Es habe keine Selektion der Juden gegeben, „Entebbe war nicht Auschwitz“. Die Terroristen hätten anhand der Pässe die Israelis von den Nicht-Israelis getrennt; eine Selektion in Bezug auf Juden hätte es nicht gegeben. Die deutsche Terroristin Brigitte Kuhlmann habe sich zwar wie eine hysterisch brüllende „Nazifrau” aufgeführt. Anders aber ihr Terrorkollege Wilfried Böse: Als ihm einer der Entführten, die KZ-Nummer auf seinem Arm zeigend, sagte, es sei ein Fehler gewesen, seinen Kindern zu erzählen, es gebe ein anderes Deutschland, habe dieser – „erbleichend und zitternd“ – erwidert: „Sie irren sich. Ich habe in Westdeutschland Terroranschläge verübt, weil das herrschende Establishment Nazis und Reaktionäre in seinen Dienst aufgenommen hat. (…) Meine Freunde und ich befinden uns hier, um den Palästinensern zu helfen, weil sie der Underdog sind. Sie leiden.” Das hatte etwas mit den terroristischen Irrwegen jener Generation zu tun, die gegen den allzu wohlfühlig-wirtschaftswunderlichen Übergang vom NS-Grauen in die „Normalität“ der alten Bundesrepublik aufbegehrte; das verband sich mit einer aus Solidarität mit den Palästinensern allzu kurzschlüssig erwachsenen Israelfeindschaft; mit Antisemitismus per se hatte das sehr wenig, wenn überhaupt etwas, zu tun. ”

    https://linksunten.indymedia.org/node/48167

    Und weiterhin schreibt Zuckermann:

    Da ja der Antisemitismus in der ihr unterliegenden Begriffsbestimmung dem Antizionismus verschwistert wird, darf es erst gar nicht dazu kommen, dass der staatliche Träger des Zionismus – Israel – irgendetwas dazu beigetragen haben könnte, ihn kritikwürdig zu machen. Wenn man Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik in eins setzt, muss Israel als ein Unschuldslamm, mithin als naives Opfer einer a priori bestehenden und wirkenden Verschwörung erscheinen. In einem solchen Selbstverständnis hat sich der israelische Diskurs immer schon gesuhlt; darin hat sich die israelische Propaganda seit Jahrzehnten zu spezialisieren verstanden. Nun ist Israel aber mitnichten ein Unschuldslamm.

    …Worum man aber auf keinen Fall kommt, ist die unabweisbare Tatsache, dass Israel seit 1967 ein anderes Volk knechtet, ein brutales, oft gewalttätiges Regime fortwährender Okkuption betreibt, welches sich seit den 1970er Jahren zunehmend durch religiös-messianische Heilsverheißungen „legitimiert“. ”

    https://linksunten.indymedia.org/node/48167

  • Sebastian

    Die Äußerungen von Jane über die Selektion von Entebbe sind unglaublich. Gegen die Lügen von Jane, haben Sie Herr Pfeifer, die Wahrheit gestellt.

    Die Wahrheit kann man auch in dem obigen Beitrag: „Die jüdische Nakba“ nachlesen. Herr Gabai beschreibt, wie die arabischen und palästinensischen Eliten die palästinensischen Flüchtlinge in traurige Lager stecken und ihnen jede Möglichkeit vorenthalten, sich in den jeweiligen Heimatstaaten zu integrieren, um aus ihrem Leben etwas zu machen. Die palästinensischen Eliten von dem Hitlerfreund Amin al-Husseini über Arafat (der Husseini unseren großen Führer nannte) bis Abbas, der in seiner Doktorarbeit die Zahl von 6 Millionen auf unter einer Millionen herunter lügen wollte**, missbrauchen diese Menschen für ihren Hass gegen den Jüdischen Staat.

    Das Perfide dabei ist, wie große Teile meiner deutsch christlichen Community, von ganz rechts bis zur klassischen Linken, auf diesen Zug aufgesprungen sind. Wie sie mit Dankbarkeit den Nahostkonflikt in ihr Ressentiment aufsaugen Zusammenhänge verdrehen, lügen und sich für die Wahrheit, die Herr Gabai in seinem Beitrag darstellt, nicht im Geringsten interessieren und wie das alte „An allem sind die Juden Schuld“ aus den deutschen Mäulern wieder herausbricht.

    Die Wahrheit ist der größte Feind der Antisemiten. Götz Aly deckt die “Verdrängungsarbeit” der 68er, die in unsägliche Verlogenheit mündet, in seinem Buch „Unser Kampf 1968“ in sehr offener Weise auf.

    Auf Seite 166-167 schreibt er das Folgende:

    „Auch wer damals, wie zum Beispiel ich, niemals ein Fatah-Tuch trug oder an eine anti- israelischen Demonstration teilgenommen hat, las die Untergrundzeitung „Agit 883“ doch sehr gern und verdrängte wesentliche Teile des Gelesenen später. Bis zur Lektüre des aufklärenden Buchs von Wolfgang Kraushaar über die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus im Jahr 2005 hatte ich alle Details vergessen, selbst die Tatsache, dass es überhaupt einen solchen Bombenanschlag gegeben hat.

    Weiter schreibt Aly:

    Seine Texte (die von Dieter Kunzelmann) las ich 1969 bestimmt, hatte aber aus meinem Gedächtnis getilgt, wie er damals zum „Kampf gegen die heilige Kuh Israel“ aufrief, wie er die erste Nachkriegsgeneration immer wieder dazu aufforderte, zugunsten propalästinensischer Solidarität endlich den „Judenknacks“ zu überwinden.“

    Götz Aly ist ein kritisch- und selbstkritisch denkender Mensch, viele seiner 68er Kollegen sind es nicht.

    Auf Seite 167 seines Buches schreibt Aly, wie im Juni 1969 Theodor W. Adorno (in äußerster Depression) seinem Freund Herbert Marcuse berichtet, wie man in Frankfurt den Israelischen Botschafter niedergebrüllt hat. Aly zitiert Adorno mit den Worten, die er an Marcuse richtete:

    „Du müsstest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derer sehen, die, womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren.“

    Aly berichtet wie Ernst Fraenkel zur Judenfeindschaft in der Bundesrepublik bemerkt, wie erschütternd es sei,

    Zitat Ernst Fraenkel:

    „…..mit welcher Inbrunst die ahnungslosen Jünglinge und Jungfrauen ihre proarischen Sprüche herunterleiern.“

    Zitat Ende

    Die ganze Heuchelei deutscher Geschichtsfälschung*, die auch von den 68ern und der klassischen deutschen Linken betrieben wurde und wird, hat Götz Aly unter der Überschrift „Flucht vor der Nazi-Vergangenheit“ auf Seite 147 seine o.g. Buches mit Worten der Klarheit und Wahrheit dargestellt:

    Zitat:

    …..Nur ein Jahr später (1967) berichtete Konkret unter der teilweise in Runen gehaltenen Überschrift „SS in Vietnam“ von einer amerikanischen „Killertruppe, die den Sondereinheiten der SS in nichts nachstand“, wie es im redaktionellen Vorspann hieß. Die geschichtsblinden Redakteure sprachen von „amerikanischen SS-Männern“ und bewirkten damit eines: Weder sie noch ihre Leser mussten sich länger vergegenwärtigen, dass Himmlers Einsatztruppen im Sommer und Herbst 1941, also binnen weniger Monate, mehr als eine Millionen wehrloser Menschen, vorwiegend Juden, darunter Hunderttausende Kinder, erschossen hatten. Das Ressentiment gewann die Oberhand.

    Zitat Ende

    Auch die von Ihnen Herr Pfeifer angesprochenen Fakten, der Anschlag auf die jüdische Gemeinde in Berlin und auf das jüdische Elternheim in München, bei dem Überlebende des Holocaust ermordet wurden, müssen diese Leute einfach verdrängen, (und zwar im „besten“ psychiatrischen Sinne) um die narzisstischen Phantasien zumindest der moralischen Überlegenheit aufrecht erhalten zu können, nach dem sie den Sieg über die „Herrenrasse“ genauso wenig verwunden haben wie ihre Väter und Großväter.

    ___________________________________________________________

    *Bei einer Geschichtsfälschung wird vorsätzlich versucht, mit wissenschaftlich unlauteren Mitteln einen falschen Eindruck von historischen Ereignissen und ihrer Interpretation zu vermitteln (Wikipedia).

    ** Abbas promovierte über die Geschichte des Zionismus, der Titel seiner Dissertation lautet: Связи между сионизмом и нацизмом (1933–1945 гг.), zu deutsch Die Zusammenhänge zwischen Zionismus undNazismus 1933–1945. In dieser Arbeit sowie in einem arabischen Buch, das auf seiner Dissertation beruht, stellt Abbas laut dem Middle East Media Research Institute in Abrede, dass der Holocaust zum Tode von sechs Millionen Juden geführt hat, und spricht stattdessen von „möglicherweise weniger als einer Million“. Er stelle aber auch fest, dass selbst die Tötung eines einzelnen Juden ein inakzeptables Verbrechen darstellt (Wikipedia)

  • Karl Pfeifer

    Zuckermann als Kronzeuge veröffentlichte sein Buch im Wiener Pro-Media Verlag, der auch “Israel Shamir”s Buch “Blumen aus Galilea” publizierte, das von rechtsextremistischen Websites beworben wird. “Israel Shamir” ist ein guter Freund von Horst Mahler.
    Jane betreibt hier Apologie des Terrorismus. D.h. Sie rechtfertigt die Entführung von Flugzeugen und die Geiselnahme von Israelis. Wie schon dokumentiert, wurden auch nichtisraelische Juden selektiert, die Israel besucht hatten.

  • Karl Pfeifer

    Wolfgang Kraushaar schreibt u.a.: „Nach zwei Tagen des Abwartens wurde eine Selektion zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Geiseln vorgenommen. Während 47 Kinder, Frauen und Kranke freigelassen wurden, zwang man die 70 israelischen und die anderen 34 anderen jüdischen Passagiere dazu, ausnahmslos an Bord zu bleiben….
    Eine der jüdischen Geiseln, die 75-jährige Britin Dora Bloch, die vor der Befreiung wegen einer Verstopfung der Luftröhre in ein ugandisches Hospital gebracht werden musste, wurde ermordet in einem Wald bei Kampala aufgefunden.“
    Exklusive Solidarität, Metropol Verlag Berlin, S. 344

    Das sind Fakten. Da kann die antisemitische Lügnerin Jane noch tausend Mal ihre Mantra herunterbeten. Linke deutsche Terroristen haben im Auftrag ihrer palästinensischen Mittäter, 31 Jahre nach der deutschen Kapitulation zum ersten Mal wieder Juden selektiert.

    Ich denke, Jane sollte sich verziehen, zum Antisemiten Arendt, den sie hier als Kronzeugen nennt.

    Torsten Schulz schrieb über Janes Kronzeugen E. Arendt auf Lizas Welt:
    Was Arendt gar nicht leiden kann, sind Antisemitismusvorwürfe. Ein Dorn im Auge ist ihm deshalb der österreichische Journalist und Antifaschist Karl Pfeifer, für Arendt selbstredend ein bloß „selbst ernannter“, in diesem Fall aber: Journalist, denn woran sollte man den auch dingfest machen? „Aus rechtlicher Sicht“, schreibt Arendt, „kann sich jeder als Journalist bezeichnen“. Doch „welchen Beruf hat der ‚Pfeifer aus Wien’ eigentlich wirklich gelernt?“ Das scheint Arendt ganz besonders umzutreiben: nicht, was einer sagt, schreibt, tut oder wo er lebt, sondern was seine „wirkliche“ Eigenschaft und Bestimmung ist. Pfeifer handle nach dem Motto: „In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der ihn gemacht hat.“ Das Zitat hat sich Arendt so oder so ähnlich von einem anderen Karl geborgt, dem von Ossietzky nämlich, der aber in Wirklichkeit ein Carl war. Und belegen will er es ausgerechnet anhand eines Beispiels aus Österreich, wohin er auch gern den Machtbereich des Deutschen Presserats ausgedehnt sähe. Das sei aber nur am Rande bemerkt.

    „Pfeifer gehört zu einer besonderen talentierten Sorte von ‚Jägern’ einer ‚Jagdgesellschaft’ an [sic!], die mit allerhand Tricks aus Texten Andersdenkender ‚NS-Töne’ oder ‚Antisemitismus’ herausdestillieren oder mit Vorliebe hineininterpretieren, suggerieren können“, glaubt Arendt. „So haben sie auch in der Gegenwart einige Opfer hinterlassen.“ Mit „Opfern“ meint Arendt dabei tatsächlich Tote. Ein prominenteres Exemplar davon ist Jürgen Möllemann, der beim Fallschirmspringen ums Leben kam. Ein weniger prominentes, das er Karl Pfeifer anzuhängen versucht, heißt Werner Pfeifenberger. Pfeifenberger kam im Mai 2000 in den Bergen bei Salzburg zu Tode. Er hätte sich wenige Wochen später in Österreich wegen des Vorwurfs der NS-Wiederbetätigung vor Gericht verantworten müssen. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es in beiden Fällen nicht.

    Das hindert Verschwörungstheoretiker bekanntlich nicht daran, ihre eigenen Überlegungen anzustellen. Der eigentümliche Begriff der „Jagdgesellschaft“ wurde von der österreichischen Rechtsaußen-Postille Zur Zeit und ihrem Herausgeber, dem völkischen Europaabgeordneten Andreas Mölzer, geprägt. Erhard Arendt wird seine Gründe gehabt haben, an dieses Vokabular anzuknüpfen. Nicht in die Nazi-Ecke gestellt werden zu wollen, kann allerdings nicht dazu gehören. Unter der Schlagzeile „Tödlicher Tugendterror“ hatte Zur Zeit dem „jüdischen Journalisten“ Karl Pfeifer unterstellt, eine „Menschenhatz“ gegen Pfeifenberger eröffnet zu haben, „die in der Folge bis zum Tod des Gehetzten gehen sollte“. Gemeint war damit, dass Pfeifer in einem Aufsatz des Politikwissenschaftlers für eine Programmschrift der FPÖ „(Neo)-Nazi-Töne“ identifiziert – Arendt würde sagen: „herausdestilliert“ – hatte.

    Destillation ist bekanntlich ein Verfahren, untrennbar Vermischtes in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen. Aber anders als Arendt suggerieren möchte, hatte Karl Pfeifer seinerzeit überhaupt keinen besonderen Aufwand treiben müssen, die „Nazi-Töne“ des Professors sichtbar zu machen. Seine Rezension des Pfeifenberger-Beitrags zum „Jahrbuch für Politische Erneuerung“ der Freiheitlichen beschränkte sich ganz überwiegend auf Originalzitate, die Pfeifer mit der Bemerkung „Das ist Nazi-Diktion“ lediglich zur Kenntlichkeit entstellte. Wie zum Beispiel Pfeifenbergers Behauptung, die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gehe zurück auf einen „Kampf zwischen Deutschen und Juden, der vom politischen Sieger“ lediglich „auf staatlicher Ebene fortgeführt“, dann aber leider auf internationaler Ebene verloren worden sei. Der Gutachter im daraufhin von Pfeifenberger angestrengten Strafprozess arbeitete demgegenüber heraus, dass der Aufsatz „nicht zu übersehende Übereinstimmungen“ mit Alfred Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts“ aufweise und der Autor darüber hinaus Anleihen beim Parteiprogramm der NSDAP und den Nürnberger Rassegesetzen getätigt habe. Was die Frage aufwirft, ob Arendt denn wenigstens Hitler noch als Antisemiten gelten lassen würde.

    Dass Arendt sich mit seinem Eintreten für einen gerichtsnotorischen NS-Apologeten in irgendeiner Weise positiv von den übrigen Anhängern des „Jagdgesellschaft“-Konstrukts abgehoben hätte, lässt sich ebenfalls nicht behaupten. Das Gegenteil ist der Fall: Raunte das Nationale Infotelefon (NIT) seinerzeit noch von „namentlich Unbekannten mit großer Macht“, die in den Presseagenturen die Strippen zögen, sah Arendt „Schreibtischtäter“ am Werk. Und während weder das NIT noch die Junge Freiheit, weder Zur Zeit noch der Altnazi Otto Scrinzi in der Zeitschrift Aula so weit gingen, die offizielle Version eines Suizids Pfeifenbergers in Zweifel zu ziehen, ist für Arendt der Antisemit automatisch Opfer bis zum Beweis des Gegenteils: „Der Fall ‚Pfeifenberger’ und die Umstände seines Selbstmordes sind zwar rechtlich abgeschlossen, letztlich aber mangels ausreichender Beweise bis heute nicht endgültig aufgeklärt.“

    Genau wie bei Möllemann, versteht sich, der Arendt zufolge vom Zentralrat der Juden „politisch zum Abschuss freigegeben“ wurde. Inzwischen hat Arendt die entsprechende Passage auf seiner Seite durchgestrichen. Nicht etwa, weil nun endlich die geforderten Beweise aufgetaucht wären, wie man vermuten sollte, sondern „weil es wirklich kein gutes Beispiel für die Aktivitäten des Herrn Pfeifer ist“.

    http://lizaswelt.net/2009/07/20/selbstlaufer-selbstmordlegende/

    siehe auch: spiritofentebbe.wordpress.com/2009/07/13/der-potz-aus-dem-pott/

  • jim

    Als Politologe kann ich, wie schon oft, nicht folgen. Welche Antisemitismusdefinition erklärt diesen Satz? – iss so! wirds ja wohl nicht sein. Geht es um die Arendt?, die kannte ja wohl nur zwei Totalitarismusformen und erklärte diese als beendet?

    Ob dies aktuell ist?

    Bei Arendt liest sich das so, ente – Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, S 978:

    “Was moderne Menschen so leicht in die totalitären Bewegungen jagt und sie so gut vorbereitet für die totalitäre Herrschaft, ist die allenthalben zunehmende Verlassenheit. Es ist, als breche alles, was Menschen miteinander verbindet, in der Krise zusammen, so daß jeder von jedem verlassen und auf nichts mehr Verlaß ist. Das eieserne Band des Terrors, mit dem der totalitäre Herrschaftsapparat die von ihm organisierten Massen in eine entfesselte Bewegung reißt, erscheint so als letzter Halt und die “eiskalte Logik”, mit der totalitäre Gewalthaber ihre Anhänger auf das Ärgste vorbereiten, als das einzige, worauf wenigstens noch Verlaß ist. Vergleicht man diese Praxis der Tyrannis, so ist es, als sei das Mittel gefunden worden, die Wüste selbst in Bewegung zu setzen, den Sandsturm loszulassen, daß er sich auf alle Teile der bewohnten Erde legt.
    Die Bedingungen, unter denen wir uns heute im politischen Feld bewegen, stehen unter der Bedrohung dieser verwüstenden Sandstürme. Ihre Gefahr ist nicht, daß sie etwas Bleibendes errichten können. …
    … Dennoch ist organisierte Verlassenheit erheblich bedrohlicher als die unorganisierte Ohnmacht aller, über die der tyrannisch-willkürliche Wille eines einzelnen herrscht. Ihre Gefahr ist, daß sie die uns bekannte Welt, die überall an ein Ende geraten scheint, zu verwüsten droht, …”

  • jim

    Die Termini Linksextremismus und Linksradikalismus finden auf wissenschaftlicher Ebene nach wie vor synonym Verwendung, efem, so zB auch bei Arno Gruen, dessen Arbeiten zum Thema ich hier empfehle.

    Schau mal, efem, hier ein Fallbeispiel: Dieter Graumann in der Süddeutschen: Die Linke und die Juden: Zwischen Antizionismus und Antisemitismus

    Dazu eine Frage, die Herrschaften Annette Groth, Inge Höger und Norman Paech zum Beispiel – sind das jetzt Linke oder Linksradikale bzw. Linksextremisten? Und – was wie auch immer Kompromissloses unternehmen nun die konsequent anti-antisemitischen Linksradikalen gegen deren manifesten Antisemitismus?

    Mir ist dazu nämlich nichts bekannt.

  • jim

    Das ist der Augenöffner, bzw. könnte, sollte es eigentlich sein – Sebastian hat es, wieder einmal, auf den Punkt gebracht, danke:

    Götz Aly ist ein kritisch- und selbstkritisch denkender Mensch, viele seiner 68er Kollegen sind es nicht.

    Auf Seite 167 seines Buches schreibt Aly, wie im Juni 1969 Theodor W. Adorno (in äußerster Depression) seinem Freund Herbert Marcuse berichtet, wie man in Frankfurt den Israelischen Botschafter niedergebrüllt hat. Aly zitiert Adorno mit den Worten, die er an Marcuse richtete:

    „Du müsstest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derer sehen, die, womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren.“

  • Uri Degania

    Hi Sebastian,
    super, dass Du Dich so engagierst und die Diskussion bereicherst!
    Weiter so!
    Wenn wir zusammen diskutieren und quatschen würden würd ich ein paar Dinge etwas anders sehen, im Sinne anderer Akzente und Deutungen – aber das ist ja auch prima so.
    Wir brauchen Dich!
    Danke
    Uri

    • Sebastian

      Herzlichen Dank Uri, das freut mich!
      Was ich niemals verstehen kann ist, wie Leute meiner deutsch – christlichen Community es fertig bringen, von Deutschland aus, den Juden in Israel und anderswo, besserwisserische Ratschläge entgegen zu blöken, wie sie Ihre Verhältnisse regeln sollen. Solche Leute sitzen wie auf der VIP-Lounge eines Luxusliners, der in sicherem Abstand vor der Israelischen Küste schippert (im Gepäck die braune deutsche Vergangenheit), generieren sich gegenüber dem Jüdischen Staat und den Juden im eigenen Land als heilsbringende und unparteiische Vertreter von Moral und Menschenrechten, während es in Israel Raketen oder Selbstmordattentate hagelt. Anstatt sich darüber Gedanken zu machen, warum es für Juden in Deutschland wieder lebensgefährlich ist ihre Jüdische Identität zu offenbaren, schaffen die es nicht einmal den Mund zu halten, wenn die den Bericht von Jim G. Tobias lesen, wenn die solche Berichte überhaupt lesen:

      http://www.hagalil.com/archiv/2012/09/22/kortelisy/

      Das ist es, was mich unruhig macht.

      Hagalil ist eine wunderbare und sehr, sehr informative Internetplattform. Auch den Betreibern und allen Mitarbeitern von hagalil ein herzliches Dankeschön.

  • riciano

    “Das ist ja die CRUX??? des Gleichnisses – man kann kein Kamel durch ein Nadelöhr schieben.“

    …nicht besonders einleuchtend :-( allein Assoziationen Camel und Nadelöhr??? KEINE Crux …schlicht eine “christlich“ tradierte FEHLübersetzung aus der Jüdischen Umgangssprache des Jüdischen Nazareners an Beginn der Zeit – NIX weiter …

  • Zsóka C. Deborah Pathy

    Ja,
    es sind immer wieder Demagogen am Werk, obwohl es bekannt ist wie die Palästinenser von aller Welt unterstützt werden. Selbst Israel zahlt nahezu eine Milliarde US Dollar Haushaltshilfe an Palästina, liefert regelmäßig Wasser und Lebensmittel die bis zur Grenze gefahren werden.Diese Tatsachen blieben bislang unbekannt. Schade.Die Palästinenser hätten mit Fleiß schon längst eine blühende Landschaft in ihrer Wüste- in die seelische als wie auch in die geografraphische- erbauen können, wenn sie nur so viel Fleiß in eine solche Aufbauarbeit stecken würden wie sie in ihren Hasstiraden hinein opfern.
    Aber wo Hass mit Neid gepaart regiert, dort hat nichts humaneres Platz.
    Wir werden trotzdem immer hoffen und bleiben im Hause unseres Königs freie Menschen.
    Shalom!
    Zsóka C. Deborah Pathy

  • jim

    Wer Linksradikal und Linksextrem(istisch) als Synonyme benutzt, sollte sich was anderes ausdenken, das ihre/seine Begrifflichkeiten beschreibt.

    Was ich dazu geschrieben habe, efem, war eindeutig nicht das, was Du nun daraus machst, bin ich allerdings gewohnt, mittlerweile. Genau so, wie es müßig ist, auf eine konkrete Frage eine konkrete Antwort zu erwarten. Es ging da, wie ausgeführt, um ein sogenanntes Fallbeispiel, immer im Blick, Dein Oxymoron.

    Denke, mit Arendt zum totalitären Denken im Kontext zu Gruen mit “Der Fremde in uns”, meine Sicht der Dinge ausreichend dargelegt und begründet zu haben: es geht um Identifikation, also die Übernahme fremder Identität unter Verlust der eigenen, deren Ursachen und destruktive Auswirkungen versus einer möglichen Mindest-Autonomie.

    Abschließend darf ich noch den vielumstrittenen Peter Brückner zitieren, ein klassischer Außenseiter, kein Großmaul, kein Mitläufer sondern einer, der sich seine Fähigkeit zur Autonomie, zu autonomen Denken schwerst erarbeitet und gegen allergrößte Widrigkeiten verteidigt und erhalten hat, aus “Das Abseits als sicherer Ort”, S 88, die Fußnote:

    “Wie werden die ‘versunkenen Erfahrungen’ bewußt? Indem wir lernen, die Rätsel unserer Lebensgeschichte im Kontext der Geschichte unserer Gesellschaft zu lösen, und zwar im Detail, und indem wir der Reflexion vertrauen, solange sie Erfahrung und Objektivität fühlbar vermittelt. Das, vor allem, ist kritische Theorie.”

    Das war’s, efem.

  • Zsóka C. Deborah Pathy

    Es ist immer sehr interessant Antworten zu lesen die über einen intellektuellen Geist zeugen.Bildung ist eine jüdische Tradition.Die Autonomie ist allerdings nicht allein eine Territoriale Angelegenheit.Sie ist in uns.Diese Autonomie zeichnet unmittelbar Peter Weiss in: Die Ermittlung.Oratorium in 11 Gesängen.Die Zeugen haben einen hohen Maß an geistigen Autonomie gegenüber der Angeklagten wirklich turmhoch erwiesen auch dann, wenn die Häme der Nazischergen geradezu alle akademischen Grad die sie inne hatten, spottet. Ich danke für die so schöne Antwort!
    Mit Shalom, Zsóka C. Deborah

  • riciano

    for Jane

    gamta …kamilos …gamla …kamelos