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WUPJ: Kann ein deutsches Gericht die religiöse Beschneidung verbieten?

Die World Union for Progressive Judaism, die 1,8 Millionen Juden in 45 Ländern und 1.200 Gemeinden auf sechs Kontinenten weltweit vertritt, drückt ihr Entsetzen und ihre Empörung über die jüngste Entscheidung eines deutschen Gerichts aus, die die Praxis der Beschneidung aus religiösen Gründen gesetzlich verbietet…

Stellungnahme der World Union for Progressive Judaism

Seit der Herrschaft des assyrisch-griechischen Königs Antiochius Epiphanes um 165 v.d.Z. haben zahlreiche Regierungen den Bann über die Beschneidung ausgesprochen im Versuch, die jüdische Religionspraxis auszulöschen oder zu delegitimieren. Der Umstand, daß nicht einmal 70 Jahre nach dem Holocaust Deutschland sich in diese unheilige Allianz einreiht, ist schlicht erschreckend.

Die Vorstellung, daß Eltern nicht das Recht dazu haben, ihre Kinder in die heiligen Riten ihrer jeweiligen Religionen einzuführen, ist ein Affront gegenüber der Freiheit des Menschen. Dies umso mehr, wenn eine religiöse Praxis dem Kind nachweislich signifikante gesundheitliche Vorteile verschafft.

Die Gesundheit, der sich viele Millionen beschnittener Juden seit jeher erfreuen, macht das gerichtliche Argument absurd, wonach die Beschneidung irreparable körperliche Schäden anrichtet. Noch dazu ist es medizinisch klar erwiesen, dass die Beschneidung signifikante gesundheitliche Vorteile mit sich bringt: niedrigere HIV-Raten, geringere Risiken für Infektionen des Urinaltrakts, geringeres Aufkommen von Genitalkrebs, und weit niedrigere Raten an Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, deren Sexualpartner beschnitten worden sind.

Seit 4000 Jahren ist die männliche Beschneidung ein wesentlicher Bestandteil unseres Bundes mit dem Ewigen. Wir bitten die Gerichte und die Regierung Deutschlands eindringlich, diese Entscheidung zügig wieder rückgängig zu machen und damit die fundamentale Bedrohung, die sie für die Grundfesten unserer religiösen Überzeugungen darstellt.

Rabbi Stephen Lewis Fuchs, Präsident
Michael Grabiner, Präsidium
Leslie Bergman, Präsident European Union for Progressive Judaism (EUPJ)
Dr. Philip Bliss, Vorsitzender des Rechtsausschusses
Sonja Guentner, Vorsitzende der Union Progressiver Juden in Deutschland

Literaturhinweis: Mein Bund, den ihr bewahren sollt

Ist Beschneidung Körperverletzung? Die Ärztin und Rabbinerin Antje Yael Deuse lbeschreibt in ihrem Buch “Mein Bund, den ihr bewahren sollt” halachische und medizinische Grundlagen ebenso wie die historische Entwicklung von der Entstehung der Brit Mila bis in unsere Zeit. Ein Plädoyer für die Bedeutung des Beschneidungszeichens vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen. Antje Yael Deusel, Dr. med., geb. 1960, ist Oberärztin (Klinik für Urologie und Kinderurologie) sowie Lehrbeauftragte für Judaistik an der Universität Bamberg. 2000 erwarb sie die Qualifikation als “Mohelet” (rituelle Beschneiderin) in London. Seit 2011 ist sie Rabbinerin der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg.

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59 comments to WUPJ: Kann ein deutsches Gericht die religiöse Beschneidung verbieten?

  • @ solresol
    1. Juli 2012 – ט״ז בתמוז תשע״ב at 19:05 · Reply

    Hallo
    Die Zeit geht weiter. Wir, West-Europäer, fangen den 3. JT unserer Zeitrechnung an.
    Die Körperverstümmelung (an Kindern) ist in der Charta der Menschenrechte Europa’s verboten. Und? Ist es schlimm? Können Juden nicht in ihrer Zeit leben?
    Wir wünschen uns sehr ein friedliches Leben miteinander.
    Kann das Judentum den wirklich sehr kleinen Schritt nicht machen, die Männer erst wenn sie 14 werden, zu beschneiden, wenn sie damit voll einverstanden sind?”

    Die Voraussetzung für Evolution – Entwicklung ist im auch die Kommunikation. wenn in einem Land wie Menschen unterschiedlicher Kulturen, Traditionen und Religionen miteinander zusammenleben wollen dann geht dies nicht das EIN Land sich über die Kultur, Religion und Tradition Anderer hinwegsetzt. Veränderung – das friedliche Zusammenleben funktioniert nur wenn Kommunkation auf verschiedenen Ebenen stattfindet.

    Die eine Ebene ist die auf der Basis der Ebene des eigenen Hintergrundes der Menschen – Gäste. D.h. Juden die in Deutschland leben kommunizieren – diskutieren Sachverhalte innerhalb ihrer Gemeinschaft, Familie. Die zweite Ebene ist die Kommunikation der Menschen des Landes der Gastgeber. Auch hier muß kommuniziert und diskutiert werden. Eine weitere Ebene ist der Austausch der Gedanken unter allen Menschen die in einem Land wohen, zusammen leben.

    Wir sprechen von unterschiedlichen Sichtweisen und Grenzen, wir sprechen über gegenseitige Toleranz und Respekt, gegenseitiges akzeptieren des/der Andersdenkenden im Rahmen der Achtung der persönlichen Freiheit das Anderen.

    Über ein Gerichtsurteil, über ein Gesetz, über Sanktionen geht dies mit Sicherheit nicht.

    Im übrigen sind wir alle Gäste eines Gastgebers auf dieser Erde. Schon daher finde ich es immer wieder erstaunlich wie schwer es wir unser Zusammenleben immer wieder machen . . .

  • sahra

    Natürlich ist das für Religionen die das Praktizieren schlecht aber was machen wir mit den “Hindu Heiligen”die Menschenfleisch essen?Müssen wir das hier auch erlauben?

    Oder die Religionen die ihre Toten von Tieren fressen lassen,was ist damit?

    Religionsfreiheit meint die Freiheit sich zu einer Religion zu bekennen,nicht mehr.

    Eine Richterin erlaubte ja einem Muslim seine Frau zu schlagen da das ja in seiner Religion elraubt wäre-war das eine gute Entscheidung für einen Demokratischen Staat?

    Ohne Religionen würde es weniger Streit geben-das zeigt der Fall mal wieder eindeutig.

  • Medibibi

    alivenkickn schrob:
    Kann das Judentum den wirklich sehr kleinen Schritt nicht machen, die Männer erst wenn sie 14 werden, zu beschneiden, wenn sie damit voll einverstanden sind?”

    Nein! Keine Brith Mila, Keine Bar Mitzva, Kein Aufruf zur Thora, kein Jude!
    Verbietet auch Impfungen, Ohrstechen, Piercings, alles Beispiele für Körperverletzung! Seid konsequent!

  • Jakobo

    “alivenkickn schrob:
    Kann das Judentum den wirklich sehr kleinen Schritt nicht machen”

    glaubst du wirklcih dass du beurteilen kannst ob es ein kleiner oder ein grosser schritt ist?

    J

  • Yael

    “@Jens, ich finde überhaupt, dass sich da Frauen bei diesem Thema etwas mehr zurückhalten sollten

    Da picken sich immer Leute den gerade passenden Vers raus, wenn er in die eigene Richtung passt.
    Na der Prämisse müsste ja @Yael auch für die Hinrichtung von jüdischen Schwulen eintreten, auch ein Thoragebot !”

    @Galim, ich kann nur hier antworten, weil der Thread geschlossen wurde. Auf Ihren Chauvimist will ich nur kurz antworten, da ich Sie meist ignoriere, da mir Ihr Unwissenheit ä bissle zu peinlich ist:

    Ich finde sowieso, dass sich Menschen, die vom Tanach und vom Judentum soviel Ahnung haben, wie das eigentlich nur völlige Ignoranten haben, zurückhalten sollten.
    Übrigens lernen Sie mal was über das Sanhedrin, dann werden sich Ihre Schwachsinnsunterstellungen von alleine in nichts auflösen.
    PS: Seit wann ist das Halten von Sklaven ein Gebot? :D

    Ab sofort: לבטל!

  • Zeller53

    @Yael gerade Frauen werden durch die Beschneidung vor Gebärmutterkrebs geschützt, warum sollten die sich zurückhalten, sie sollten aufstehen!
    @Medibibi Beschneidung am 8 Tag so wie es in der Thora steht ist am allerbesten weil da die Blutgerinnung am höchsten ist. G-tt machte nur sinnvolle Regeln.

  • Zeller53

    Bin mehr als entsetzt über dieses Kölner Naziurteil, das ja zur Kölner Klagemauer voll passt.Genauso bin ich entsetzt über das Schächtungsverbot. Ich möchte doch kein Blut essen und jeder Arzt weiß das das dem Tier am wenigsten wehtut.Genauso weiß jeder Arzt das Beschneidung gut ist für die Gesundheit deswegen wurde ja der Arzt nicht mit angeklagt . Er hätte sonst die Wahrheit gesagt zu seiner Verteidigung, und das wollte der Kölner Richter vermeiden. Also ich denk es ist nicht Unwissenheit sondern ein Krieg gegen die Nachkommen Abrahams!Wenn JUden und MUslime hier nicht mehr leben können, will ich auch abhauen

    Mir ist das wichtig geworden
    Genesis 12 Vers 3 als der Ewige mit Abraham sprach
    3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

    Habe vor das Bundesverfassungsgericht anzuschreiben möglichst per Post. Sie brauchen zentnerweise Empörungsbriefe gegen das Beschneidungsurteil. Ich rate jedem, der will das zu tun.

    Irgendwann kommt alles auf den eigenen Kopf zurück, was man gegen Israel tut sagt und wünscht. Und zwar von G-tt selber wenn das Gericht kommt.

  • A.S. vom Bodensee

    Wäre vielleicht einmal günstig würde man den religiösen oder besser gesagt den pseudoreligiösen Eifer mal außen vor lassen. Bei der Beschneidung geht es tatsächlich um einen tiefgreifenden Einschnitt im Leben der nicht mehr korrigiert werden kann. Und hier sieht das Grundgesetz der BRD nun einmal Gottlob klar vor, dass das persönliche Recht des Kindes auf Unversehrtheit der Person höher einzustufen ist als das Recht der Eltern auf religiöses Brauchtum. Was nun die Taufe von Kleinkindern anbelangt sollte eigentlich klar sein, dass hier kein nachhaltiger Schaden entsteht. Bei jedem Bad bekommt der Zögling wohl mehr Wasser über den Kopf gegossen als bei einer Taufer an die er sich eh nie erinnern wird.

    A.S. vom Bodensee

    • ronit

      … Beschneidung lässt sowohl auf chirurgischen als auch auf nicht-chirurgischen Weg rückgängig machen, also bitte erst medizinische Möglichkeiten nachschlagen, bevor man Dinge behauptet. Des Weiteren wäre mir keine Religion bekannt, falls das mit nicht mehr zu korrigieren meinen sollten, die beschnittenen Männern den Beitritt verweigert. Also was genau sollte nicht mehr rückgängig zu machen sein?

      Das Argument mit dem “nicht erinnern” ist hinfällig. Kein beschnittener Mann, dem ich bislang begegnet bin, kann sich an seine Brit Milah im Säuglingsalter erinnern (auch habe ich noch keine Berichte über Traumata gehört, aber das ist persönliche Erfahrung). Die Bezugnahme auf die Kindestaufe hat sehr wohl einen Grund: Wenn Religionszugehörigkeit von Eltern entschieden wird, greift das sehr wohl.

      Überhaupt, wenn man sich einige Kommentare hier so durchliest frage ich mich: Woher die Obsession von Nicht-Beschnittenen mit Beschneidung?

      Aber einige der Kommentare machen vor allem eines deutlich: Was man von den Lippenbekenntnissen, man wolle ja ein muslimisches und jüdisches Leben in Deutschland zu halten hat: nicht besonders viel eben. Beschneidung wird zum kulturell “Anderen” konstruiert, das eben “nicht hierher gehört” (Zitat eines Foristen von SPON).

    • Yael

      Und hier sieht das Grundgesetz der BRD nun einmal Gottlob klar vor, dass das persönliche Recht des Kindes auf Unversehrtheit der Person höher einzustufen ist als das Recht der Eltern auf religiöses Brauchtum

      Nein, das ist eben nicht richtig!

      “Beschneidungsverbot verstößt gegen das Grundgesetz

      Das Kölner Urteil zur religiös motivierten Beschneidung verstößt gegen das Verfassungsgebot von der “Freiheit des Glaubens”. So hat es das Bundesverfassungsgericht schon einmal gesehen.”

      http://www.welt.de/kultur/article107289612/Beschneidungsverbot-verstoesst-gegen-das-Grundgesetz.html

    • Jens

      Ich kann berichten, dass ich bei meinen Tauchgängen in die Tiefen meiner Seele, allerlei Unverarbeitetes entdeckte, da waren viele kleine Sachen, die ich kaum noch bewusst erinnern konnte, die aber trotzdem noch da waren. Und obwohl ich eine ziemlich behütete Kindheit hatte, fand ich genug was mir zu schaffen machte.

      Und ganz besonders erlösend fand ich dann, als ich endlich mal ganz unten war und dann den reinen Schmerz der Geburt nochmal nachempfinden konnte. Da wurde mir klar, schon die Geburt selbst ist ein fürchterliches Trauma (tut dem Kind genau so weh wie der Mutter) und die Grundlage für Angst vor Schmerz und der Welt. Seither geht es mir innerlich irgendwie besser, aber seitdem empfinde ich unsere Welt auch als ziemlich finster und frage mich ob wir nicht schon in der Hölle sitzen.

      Die Seele fragt dauernd nach solchen unbeantworteten, unverstanden Erlebnissen, die für immer in ihr wie ein Fußabdruck gespeichert bleiben. Die geben den Antrieb, das formt die unbewusste Persönlichkeit, das lässt die Seele rastlos werden. Außerdem verursachen solche Erlebnisse Karma. Und aus diesem Grund lehne ich jedweden unnötigen Schmerz, besonders für Babys und Kleinkinder absolut ab.

      Das Kind hat sich gerade erst von der Geburt erholt, hat seine ersten positiven Gefühle in der Welt, spürt Wärme und Geborgenheit und dann das. Wie kann man so blind und verbohrt sein?

      Diese quälenden Fragen bestehen nur aus einem Wort: Warum?

      Einfach nur ernüchternd, wie wenig die Seelenklempner der sog. Weltreligionen eigentlich davon wissen. Ziemlich hohl, wie ich finde. Na ja, davon steht ja im “Buch der Bücher” auch nicht viel drin.

  • C.Fried

    Zunächst: es ist ein Ureteil eines Landgerichtes in Köln, nicht des BVG in Karlsruhe. Also nicht zu hoch hängen. Dann: Dennoch ein schlechtes Urteil: Eltern bestimmen ständig über ihre Kinder, wann es zum Friseur soll, zum Kinderarzt, welche Impfungen, Taufe, KiTa, Schuhe, Klavier lernen, Beschneidung….Fragt sich nur: Bestimmen sie zum Wohl oder Schaden des Kindes. Ein Kind in eine Religion einzugliedern ist icht gegen das Kindeswohl. Ein männl. Kind dafür von einem Arzt beschneiden zu lassen fügt ihm weder Schaden noch Stigma zu, auch macht es dem Kind eine Abwendung von der Elternreligion nicht unmöglich und legt somit lebenslang nur fest, beschnitten zu sein, mehr nicht. Keine Zeugungsfähigkeit, kein Gang in Sauna oder zum FKK Strand wird damit unmöglich. Ein dummes Urteil von Richtern, die zu oft beim Toscanaitaliener sitzen und dort die Welt bei Lasagne mit Valpolicella für 30,- Euro pro Nase verbessern. Hach-was sind wir liberal und modern und aufgeklärt…Beschneidung, Blut, Kind, Igitttigitt.

  • A.S. vom Bodensee

    Freilich kann eine Genitalverstümmelung, und nichts anderes stellt die Beschneidung dar, nicht rückgängig gemacht werden. Zum Anderen ist die Beschneidung kein Kriterium wenn es um die Zugehörigkeit zum Judentum geht. Jude (im Säuglingsalter) ist, wer von einer jüdischen Frau geboren wird. Die Beschneidung spielt da keine Rolle.

    Und darum behindern die Karlsruher Richter auch niemanden in seiner Religionsausübung. Ohnehin fällt mir auf, dass die meisten die hier aufbegehren offenbar gar keine Juden sind. Und weshalb sich die Muslime aufregen ist reine Provokation. Auch im Islam ist die Beschneidung nicht zwingend erforderlich.

    Und weiteres wollen wir festhalten, dass in einem säkularen Staat auch entsprechend säkulare Gesetze für alle gleichermaßen gelten.

    Und wem das nicht passt dem stehen ja andere Länder offen.