Landshut in Niederbayern – war da nicht was mit einer gemischten Historie: Himmlisch im 15. Jahrhundert und bis heute ein Glück für den Tourismus der Stadt? Und tiefbraun gleich nach dem verlorenen Krieg von 1914/18, festgemacht an dem Namen Gregor Strasser. Der war einer der Wegbereiter Adolf Hitlers und auf dessen Befehl ermordet?! Ausgerechnet dieses Landshut, dass alle vier Jahre Menschenmassen aus aller Welt zum Historienspiel „Landshuter Hochzeit“ anlockt, hat sich ein Problem mit frechen Neo-Nazis eingebrockt. Dass engagierte Schüler eines Gymnasiums in der Stadt sich gegen die braunen Geister stemmen, ist aller Ehren wert. Dass aber Mitglieder des Stadtrates mit hanebüchenen Argumenten auf das von ihnen verschuldete Desaster reagierten, schockiert und alarmiert…
Von S. Michael Westerholz
Landshut, einst Bayerns Regierungshauptstadt, hat sein mittelalterliches Aussehen weitgehend bewahrt. Seine damalige Bedeutung und den damit verbundenen Reichtum hat es längst eingebüßt. Auch darum muss der Erfolg der Touristenattraktion „Landshuter Hochzeit“ gesichert werden. Die schweißt die Stadtbevölkerung zusammen, sichert wirtschaftlichen Erfolg. Und sie dient, weil es bei der Hochzeit eines bayerischen Herzogsohnes 1475 um eine königliche Braut aus Polen ging, der Verbesserung des deutsch-polnischen Verhältnisses: Denn auch Gäste aus Polen nehmen an den regelmäßigen Historien-Feierlichkeiten teil.
All der Glanz vergangener Zeiten verdeckt natürlich nicht das düstere Bild, in dessen Mittelpunkt Gregor Strasser und dessen tiefbraune Horden stehen. Der Landshuter Apotheker Strasser, * 1892, der schon seit 1919 in der sogenannten „völkischen Bewegung“, also antidemokratisch und antisemitisch aktiv war, steuerte von Landshut aus „braune“ Aktivitäten in Bayern. Der Mann mit der NSDAP-Mitgliedsnummer 9, Gründer und Chef von paramilitärischen Gruppierungen, saß seit 1924 im bayerischen Landtag im „Völkischen Block“, bald darauf auch im Deutschen Reichstag. Lange vor Hitler wurde er als Reichskanzler-Anwärter der NSDAP gehandelt. Doch Hitler siegte über seinen Konkurrenten. Strasser gab 1932 alle seine Parteiämter ab. Er wurde 1934, als Hitler nach einem angeblichen Putschversuch alle seine parteiinternen Gegner ermorden ließ, im Berliner GESTAPO-Gefängnis umgebracht.
Wie schon zu seiner aktiven Zeit in Niederbayern gibt es dort auch heute wieder massive Nazi-Übergriffe: Damals, als Hitler immer mehr Deutsche in seinen Bann zog, gab es zwar nur in wenigen Gemeinden Wahlergebnisse, die dem bayerischen und reichsdeutschen Durchschnitt vergleichbar waren. Niederbayern insgesamt lag unter dem Durchschnitt. Umso eifriger wirkten die Nazis in der Region – wie heute neuerlich: Am letzten Tag des Jahres 2011 prügelten zehn von ihnen in Neustadt an der Donau auf vier junge Menschen ein und dann auf einen Passanten, der schlichten wollte; am 24. Dezember dem im überwiegend katholischen Niederbayern überaus wichtigen „Heiligen Abend“, prügelten und traten Passauer Neo-Nazis einen vermeintlich „feindlichen“ Passanten zusammen. Der am Boden liegende Mann wurde als „linke Drecksau“ beschimpft, und wie zum Triumph skandierten die Nazis dann auch noch rechtsextreme Parolen.
Drei Wochen zuvor hatte es in Passau und Deggendorf rechtsextremistische Übergriffe gegeben – kein Wunder, sagt die Antifaschistische Aktion Passau, „wenngleich die Taten erschütternd sind, so sind sie angesichts des anhaltenden Erstarkens der rechtsextremen Szene in Niederbayern nicht verwunderlich. Neben den im Freien Netz Süd und Nationalem Bündnis Niederbayern organisierten Gruppen entstanden in den letzten Wochem und Monaten neue neonazistische Strukturen. So wurde zum Beispiel der Passauer Kreisverband der Republikaner reaktiviert. Außerdem sind seit Sommer 2011 mit den „Wehrtroopers“ in den Landkreisen Deggendorf, Rottal Inn und Mühldorf einige Dutzend bekennend nationalsozialistische Kader geschlossen aktiv. Auch der Bezirksverband und die Kreisverbände der niederbayerischen NPD sind verstärkt aktiv, in Kirchdorf, Landkreis Regen, ist in Kürze gar die Gründung eines NPD-Ortsverbandes um den Neonazi Ingo Gigl geplant.“
In die aufgeheizte Stimmung platzte ein dreister Vorstoß der „Braunen“ in Landshut. Vor allem Schülern, aber auch ein Gericht der unteren Stufe haben deren provozierendes Auftreten vorerst gestoppt – und die Landshuter Stadträte heftig blamiert. Passiert war, dass die NPD bei der Stadt Landshut beantragt hatte, ihr die Mensa eines städtischen Gymnasiums zu überlassen. Darin sollte die bayerische NPD-Jugend am 7. Januar 2012 einen Kongress abhalten. Vorsorglich hatten die Nazis weitere Miettermine bis in den April 2012 genannt, sofern die Mensa am 7. Januar besetzt sei.
Den Stadträten wurde es mulmig: „Da habt´s den Dreck im Schachterl“, schimpfte die CSU die Mehrheitsfraktionen. Denn die Nazis beriefen sich darauf, dass der Landshuter Stadtrat im Jahre 2011 den Grünen eine Parteiveranstaltung in der Mensa des Gymnasiums erlaubt hatte. Damals hatte die CSU dagegen gestimmt und gewarnt: „Ihr ruft Geister, die wir dann nicht mehr los werden!“ Schlimm war, dass der Stadtrat sich nun sorgte: Wir kommen aus der Sache nicht raus. Haben wir die Grünen reingelassen, können wir die NPD nicht fernhalten! Schlimmer war der Vorwurf der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Stadtrat , Sigi Hagl: Die CSU habe den NPD-Antrag verschuldet. Wenn die CSU nämlich über das Grüne-Treffen in der Schule geschwiegen hätte, wäre die NPD erst gar nicht aufmerksam geworden…
Dieses abenteuerliche Demokratie-Unverständnis einer jungen Politikerin wird noch zu weiteren Auseinandersetzungen führen. Doch die eigentliche Blamage wurde von jungen Menschen eindrucksvoll abgewendet: Jonas Peintner und Sukkur Kaun von der Schülermitverantwortung und der Anti-Rassismus-Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums sprachen von einer „hellen Aufregung unter den Schülern wegen des NPD-Antrages. Wir wollen Zeichen setzen gegen rechtes Gedankengut und ihm konsequent entgegentreten!“ Ihr Mitschüler Patrick Geltinger überreichte Landshuts Oberbürgermeister Hans Rampf Listen mit 4.000 Unterschriften gegen die Überlassung der Mensa. Weitere Landshuter Schulen, der Deutsche Gewerkschafts-Bund, der „Runde Tisch gegen Rechts“ und zahlreiche Politiker schlossen sich dem Widerstand an: Mehr als 3.500 Menschen gingen schließlich zu einer Demonstration auf die Straße, wie Landshut sie noch nie gesehen hatte: Bunt, mit einfallsreichen Plakat- und Fahnensprüchen und eindrucksvoll.
Am Rande der Demonstration wenige Tage vor dem Jahreswechsel informierte Schulleiter Peter Rennoth den Journalisten Walter Schöttl von der PASSAUER NEUE PRESSE: „Die Beherbergung und der Auftritt extremer Gruppierungen widersprechen zutiefst unserem Bildungsverständnis, dem erzieherischen Wirken an unserer Schule, sowie dem Wertekonsens unserer Schulgemeinschaft. Dies gilt vor allem auch vor dem Hintergrund, dass wir seit Jahren als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet sind.“ Und die Vorsitzende des Elternbeirats der Schule, Dr. Birgit Brunner bestätigte den meist jungen Demonstranten: „Das ist richtig, das ist wichtig und bewundernswert. Ihr habt Großes auf die Beine gestellt.“
War es der offene Widerstand der Landshuter Jugend? Waren es die grausigen Erkentnisse, dass die „braune“ Flut im schon einmal so mörderischen Deutschland wieder bedrohlich angeschwollen ist und niemand es wahrhaben wollte? Jedenfalls entschied das Verwaltungsgericht Regensburg gegen die NPD: Die Überlassung einer Schule an die NPD sei „mit einer Erziehung im Geiste der Demokratie und der Völkerversöhnung nicht vereinbar!“Ungewöhnlich deutlich sagten die Richter der untersten Instanz: „Bei der NPD handelt es sich um eine rechtsextemistische und verfassungsfeindliche Partei.“ Davon könne bei der Jugend der Grünen keine Rede sein, weshalb deren Tagung in der Schulmensa auch kein Präzedenzfall sei, wie das die NPD behaupte. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zum klaren Richterspruch: „Das ist Rückenwind für ein NPD-Verbot!“ Und Kultusminister Ludwig Spaenle, der persönlich an der Demonstration teilgenommen hatte, urteilt: „Rechtsextremisten und Verfassungsfeinde haben an unseren Schulen nichts zu suchen!“
Noch ist die Sache nicht ausgestanden: Die Neo-Nazis können noch Bayerns Verwaltungsgerichtshof anrufen. Und die Grünen in Landshut haben noch Defizite aufzuarbeiten. So dass eigentlich längst aus der Welt geschaffte, uralte Missverständnis, dass Warner vor Gefahren zu Schuldigen werden, wenn aus solchen Gefahren Unheil wird.
Quellen: PASSAUER NEUE PRESSE, 17. und 23. 12. 2011, Antifa Passau, 28. 12. 2011: Nazi-Übergriffe in Niederbayern; PNP, 02. 01. 2012
NACHTRAG:
Bayerns oberste Verwaltungsrichter haben das Regensburger Urteil vollinhaltlich bestätigt: Demzufolge muss die Stadt Landshut der NPD die Mensa des Gymnasiums nicht zur Verfügung stellen. Die Richter wiesen darauf hin, dass die Stadträte zwischenzeitlich beschlossen haben, keiner parteipolitischen Gruppierung mehr Landshuter schulische Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Damit sei das Gebot der Gleichbehandlung erfüllt. Gegen das Urteil des Verwaltungs-Gerichts-Hofes (VGH) Bayern gibt es kein Rechtsmittel.



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“Das Dritte Reich, jenes Dritte Reich, das heute als der Auslöser des schlimmsten Bruches der menschlichen Zivilisationsgeschichte überhaupt angesehen wird, entstand auf katholischem, bayerischen Boden, seine Spitzen waren katholisch, selbst der protestantisch getaufte Göring war (bayerisch-)katholisch sozialisiert worden.
Die oben von mir genannten Diktatoren anderer Länder und Kulturkreise gingen, in kleinerem Format zwar, aber ebenfalls unter hunderttausendfacher Missachtung von Menschenrechten als Verbrecher in die Geschichtsbücher ein, sie waren ebenso wie die deutschen NS-Verbrecher katholisch sozialisiert worden.
Also – warum nicht einmal darüber nachdenken und diskutieren, warum ausgerechnet katholische Länder so anfällig für autoritäre und tyrannische Herrscher sind? Anfälliger jedenfalls als protestantische Länder und solche der Ostkirche.
Warum nicht endlich die störenden und längst überlebten Tabus umstürzen und drüber reden, mfb, so wie C. Fried das oben tat?
Weil Ihnen keine stichhaltigen Argumente einfallen oder weil Sie selbst zu katholisch-befangen sind?
Geben Sie doch zu, Sie wollen mit üblem Polemisieren notwendige Diskussionen im Keim ersticken, wollen damit verhindern, dass das Ihnen lieb gewordene christlich zentrierte Weltbild ins Wanken gerät. Deshalb versuchen Sie es immer wieder mit Ihrer Dämlichmache. Leute wie Sie halten jeden Fortschritt auf.
mfb gibt sich die Blöße und nennt ausgerechnet Pater Rupert Mayer als Beispiel für einen katholischen und wohl (?) vorbildlichen Gutmenschen. Weiß mfb denn nicht, dass dieser Jesuit selbst als Judenhasser und übler Polemiker gegen Juden aufgetreten ist, bevor er bei seinen Glaubensgenossen zum (gefeierten und überschätzten) Märtyrer wurde?
Anscheinend nicht.”
ach Schlicke ..
es gibt genug Idioten, die langartmig aufzählen, dass bei den Vorkämpfern des Bolschewismus “die Juden” proportional in der Überzahl waren (Namenslisten gibt es da reichlich) ..
und es gibt genug Idioten, die langartmig aufzählen, dass im weltweit agierendem Finanzwesen “die Juden” proportional in der Überzahl waren (auch hier gibt es Nameslisten bis zum Erbrechen) ..
und auf gleichem Niveau kommst Du daher mit deinem angeblichen ’ursächlichem Zusammenhang’ zwischen Faschismus und Katholizismus.
Und deshalb – mit der gleichen Gewissheit, mit der ich versuche, jedem Idioten, der vom ”jüdischen Bolschewismus” und/oder dem “jüdischen Weltfinanzentum” oder – kurz gesagt – von der “jüdischen Weltverschwörung schwafeln, zu zu rufen, ”halt dein rassistisches Maul”, kann ich dir für dein rassistisches Geschwafel über den “katholischen Nazismus” nichts anders sagen.
Oki – im Gegensatz zu manchem Naziidioten glaub ich durchaus, dass dir ein Arzt helfen könnte.
Man kann auch lügen, Herr Z., wenn man selektiv zitiert:
“ Dass es in der vieltausendjährigen Zivilisationsgeschichte, die in Mesopotamien und Ä. begann, viele grausame “Brüche” gab, belegen Sie selbst mit dem Benennen des Armeniermordens. Warum das NS Morden dennoch etwas Singuläres hatte,,,weiterlesen, da steht ein Argument weiter unten. ” So habe ich es gesagt. Und nicht anders.
Aber es wird schon so sein, wie Sie sagen, weil Sie ja sonst auch immer Recht haben: Wir Deutsche – sofern wir keine Juden sind – sind per se blutgierig, marschieren gern in fremde Länder ein, unterjochen die dort Lebenden, sind genetische Antisemiten und am Liebsten ist uns der Völkermord. War so, ist so, wird so sein…und wenn die Bundeswehr dazu mal nicht in der Lage ist, kommt der Endsieg eben im Fussball.
…aber das Geld ist ja gut angelegt,
für´s Jenseits, für das Seelenheil und Konsorten.
Jesses nee…
…Elend!…
@C.Fried
Es ist keine gewagte These, das Dritte Reich als den schlimmsten Zivilisationsbruch der Menschheitsgeschichte zu bezeichnen, es ist vielmehr eine Einschätzung, die immer mehr Menschen teilen, die sich klar werden, was diese zwölf Jahre, 1933 bis 1945, tatsächlich bedeuteten.
Man überlege sich einmal, wann folgende ‘Sitten’ zuletzt in Europa ‘üblich’ waren:
Menschen werden mit Abzeichen (gelben Judensternen) gebrandmarkt, Menschen werden in Ghettos gesperrt, Menschen werden aufgrund ihrer ‘Rasse’ verfolgt, versklavt (etwa in Rüstungsfabriken), Menschen werden verbrannt.
Soetwas gab es zuletzt im Mittelalter.
Hinzu kommt, als einziges Zugeständnis an die moderne Zeit, die Ermordungsweise auf industrieller Basis – durch Gas.
Würde man die Zivilisationsgeschichte der Menschheit als eine lineare Kurve die nach oben strebt, abbilden, sicherlich unterbrochen durch kleinere Aufs und Abs, so stellt doch die Phase des deutschen Dritten Reiches einen maximalen Einbruch dar, einen bis dahin unerreichten Tiefpunkt.
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Eine Heranziehung der Armeniermorde zu Vergleichszwecken, wie Sie es oben versuchen, verbietet sich allein schon aus dem Grund, dass dadurch die allgemein anerkannte Einzigartigkeit deutscher Verbrechen in Frage gestellt würde.
Wenn wir die Armeniermorde in diesen Sachverhalt dennoch miteinbeziehen wollten, gäbe ich zu Bedenken – erstens ist das Osmanische Reich kein europäisches Land gewesen, Deutschland rühmte sich und rühmt sich doch immer noch, kulturell der Türkei weit überlegen zu sein, dann – rein massemäßig kommen die Morde der Türken nicht an die der Deutschen heran, in der Türkei gab (und gibt) es eine ganze Reihe von Minderheiten, Griechen, Kurden, Armenier, Assyrochaldäer, Araber, Tscherkessen, Juden, etc. – niemals jedoch gab es dort eine vergleichbare Hatz auf ideologischer Basis auf eine Minderheit wie das bei uns der Fall war.
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In Bezug auf Ihren Einwand Mesopotamien und Ägypten – wie Sie es auch drehen oder wenden, diese Völker kommen nicht ansatzweise an unsere sechs Millionen Ermordete in zwölf Jahren heran. Zudem war das damals noch am Anfang der linearen Kurve, als der Mensch eben noch nicht über soviel Weisheit und Erfahrung, Verständnis und Menschlichkeit (Renaissance, Aufklärung, Humanismus – Sensibilisierung) verfügte wie später.
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Sie haben mich falsch verstanden, wenn Sie schreiben, ich hielte den Katholizismus für die Ursache oder Hauptursache für das Aufkommen der NS-Ideologie.
Vielmehr bezeichne ich den Katholizismus (2000 Jahre Terror gegen Juden) und in geringerem Maße den Protestantismus (500 Jahre Terror gegen Juden) als die Vorbereiter und als die Enthemmer für die Untaten der Jahre 1933 bis 1945.
Nur durch die jahrhundertelange, tiefverinnerlichte Ausgrenzung der Minderheit durch eine allgemein anerkannte Institution mit moralisch-sittlichem Anspruch, eine Institution, die den Menschen noch bis Mitte des 20 Jh. wesentlich mehr bedeutete als uns heute, war am Ende auf breiter Basis eine derartige Gleichgültigkeit, Passivität, Indifferenz gegenüber dem Schicksal von jüdischen Mitmenschen herstellbar, um die Verbrechen der Nationalsozialisten begehen zu können.
@Sebastian
Sie haben vollkommen recht, die Protestanten dürfen nicht außen vor gelassen werden. Siehe hierzu auch meine beiden Luther-und-die-Juden-Artikel auf haGalil!
Sehr geehrter Herr Schlickewitz, einige Anmerkungen, z.T. auch Fragen, zu Ihrem soeben Gesagten: Ich verstehe jetzt besser, wie Sie Ihre Katholizismusthese meinen. Das mit der jahrhundertelangen Ausgrenzung des Judentums durch die Kirche, dann die Kirchen und ihre Stigmatisierung als die Christusmörder, ist sicherlich eine der Hauptursachen des Mordens in der NS-Zeit. Aber warum wurde daraus gerade in Deutschland eine Mordindustrie? Nicht in Polen, wo der Antisemitismus genauso virulent war, nicht in Spanien, in Italien, wo auch Faschisten regierten. Ich habe darauf keine Antwort.
Die Singularität von “Auschwitz” bestreite ich nicht und habe versucht, sie für mich in Worte zu fassen. nicht die Zahl kann es m.E. sein, auch nicht Hass und Progrom, es ist die Durchindustrialisierung des Mords. Hättes es statt der Juden “nur” z.B. Schwule getroffen, die Qualität wäre die Gleiche, trotz anderer Quantität. Evtl. können Sie das ähnlich sehen.
Das mit der ansteigenden Zivilisationskurve glaube ich nicht (mehr). Ich bin vielmehr durch Betrachtung der welt wie sie ist zu dem Schluss gekommen, dass der menschliche Zivilisationsfortschritt eine Wunschidee ist. Mehr wohl nicht. wir in 2012 sind nicht “weiter” oder gar “besser” als Rufus Quirinius im Jahre 50 v.Chr. in Rom. Er lief zum Circus Maximus, wir ergötzen uns am Dschungelcamp. Er lebte gut von der Arbeit der Sklaven, wir von der Kinderarbeit in BanglaDesh. Er verachtete Barbaren, wir urinieren auf Leichen. Er war dafür, dass sein senat die Legionen nach Nordafrika schickt, um Rom die Kornkammer zu sichern. Wir sind dafür, dass wir uns dort lybisches Öl sichern. Die aufsteigende Linie kann ich nicht sehen.
Man findet im Netz leicht vergleichende Gegenüberstellungen
(Katholischer Bevölkerungsanteil <> Wahlverhalten),
die Gegenteiliges aussagen.
Was soll man glauben?
Auf jeden Fall wäre die Katholische Kirche ein potenter Wiedergutmacher.
(noch,…—Kirchenschließungen schreiten progressiv voran, die Viecher der Jagd- und Weidegründe werden zunehmend durch eine etwas andere Species ersetzt, die Forderungen nach entsprechender Anerkennung des Islam, in Wahrheit die nach daraus sich ergebenden Geldströmen sind der Stand der Dinge)
Wenn mir jemand etwas angetan hat,
so kann ich ihm vergeben, oder nicht.
Mache ich dies abhängig von Geldzahlungen,
so bin ich ein Charakterschwein.
Dass ein solches Verhalten auf mich zurückfiele, betrachte(te) ich als Segen.
Dee Eintrag 15. Januar 23:16…
ergibt für sich keinen Sinn.
Er bezieht sich auf einen Eintrag (sinngemäß)
„Ich sehe die Katholische Kirche als Blutsauger. (neben vielen anderen)“
Ohne sie bliebe mehr Geld für die Vielzahl anderer Parasiten übrig, nicht?“
“Aber warum wurde daraus gerade in Deutschland eine Mordindustrie? Nicht in Polen, wo der Antisemitismus genauso virulent war, nicht in Spanien, in Italien, wo auch Faschisten regierten. Ich habe darauf keine Antwort. ”
Die Antwort liegt in der Geschichte und wer seine Geschichte nicht kennt, kennt auch seine Zukunft nicht.
Geschichte außerhalb Deutschlands ist Tacitus: Juden sind Feinde aller Menschen.Torquemada: Juden haben unreines Blut. Spanien 1492, Ende der Requonquista: Neben allen Muslimen werden gleich alle Juden mit vertrieben. Dreyfuss in Frankreich. Die Protokolle der Weisen von Zion 1903 in St.Petersburg und in den 20iger Jahren finanziert von Henry Ford über 500.000 Ex. in USA verkauft, Ghettoisierung und Progrome in Polen besonders im 18. Jhdt., Vertreibung der Juden aus dem Vatikan im 16. Jhdt usw.
Aber eine Deutsche Auffälligkeit gibt es. Luthers Schmähschrift “Von den Juden und ihren Lügen” aus den 1540ern nimmt neben dem sattsam bekannten Argument der Verstocktheit, Unbelehrbarkeit usw. auch die Sichtweise auf, Juden seien faul und würden nur vom Schachern und geldverleihen leben und das Volk aussaugen. Wieso Juden oft Geldverleih und Handel als Broterwerb betrieben, setze ich mal als bekannt voraus. Aber dass dieser Broterwerb negativ besetzt ist, ist bis heute in Deutschland ausgeprägter als in Nachbarländern. Das Image des Bankers ist niedrig in D., der Spruch “Ist der Handel noch so klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein.” ist verbreitet und setzt Handeln in Gegensatz zur Arbeit. Ein Warren Buffett wird in D. kein Volksheld. Kredit, Geld leihen ist anrüchig, Deutsche lieben sparen und bar zahlen und benutzen im Vergleich zu Amerikanern kaum Kreditkarten. Eventuell findet sich in diesem sagen wir Nationalcharakter eine Spur für den Antisemitismus der besonderen deutschen Art: Leute, die nicht von “richtiger” Arbeit leben, sind “schlechte Leute”.
Aber auch: Kaiser Wilhelm 2., war eng befreundet mit jüd. Kaufleuten wie Ballin oder Bankern wie Warburg, besuchte diese Familien gerne und oft auchprivat, Juden, zumindest einge gehörten im Kaiserreich zur ersten Gesellschaft, und 20 Jahre später werden sie zu Todgeweihten.
Geschichte der Juden in Deutschland
Verfolgungen und Entwicklung eines Sonderrechts
Dies änderte sich nach den Pogromen gegen jüdische Gemeinden, die während des Ersten Kreuzzug ab 1095 unter Papst Urban II. stattfanden
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Deutschland
Und das ist nur die deutsche Sichtweise
Die Juden waren hunderte Jahre teil der deutschen Kultur und doch wissen die meisten deutschen so wenig über die Juden und deren Zivilisationsbeitrag der deutschen Kultur.