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Zentralrat der Juden warnt: Der Antisemitismus globalisiert sich

Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat vor einem sich weltweit ausbreitenden Antisemitismus gewarnt. “Der Antisemitismus globalisiert sich zunehmend und ist heute ein weltweites Problem, dem man auf jüdischer Seite auch weltweit begegnen muss. Es reicht nicht aus, wenn nationale Organisationen sich gegen die unterschiedlichen Formen des Antisemitismus und die Delegitimierung Israels zur Wehr setzen. Wie der Antisemitismus sich global organisiert, so müssen sich auch die Juden weltweit international abstimmen. Der Jüdische Weltkongress ist hier eine bewährte Klammer” so Kramer im Gespräch mit dem epd (Evangelischer Pressedienst), der ihn zum 75-jährigen Bestehens des World Jewish Congress interviewte…

Die 1936 in Genf als Reaktion auf die Nazi-Diktatur gegründete Organisation setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem für Wiedergutmachungszahlungen an Holocaust-Opfer und die internationale Vertretung jüdischer Interessen ein. Der Jüdische Weltkongress mit Hauptsitz in New York vertritt heute jüdische Gemeinschaften und Organisationen aus 92 Ländern.

Die Rolle des Verbandes im Kampf gegen den weltweiten Antisemitismus sei hervorragend, so Kramer, zudem habe sich der Jüdische Weltkongress
besonders im Bereich des interreligiösen Dialogs hervorgetan und eine Vielzahl von Brücken zu Muslimen und Christen gebaut.

Kramer betonte, dass durch den gegenwärtigen Präsidenten, Ronald Lauder, wichtige Impulse für das Engagement junger Juden und eine Demokratisierung des Verbandes erfolgt seien. Die Akzeptanz des Weltkongresses in den nationalen Mitgliedsverbänden und sein weltweites
politisches Gewicht hätten durch Lauder und seine umsichtige Führung in den letzten Jahren deutlich zugenommen, hob Kramer hervor. Nationale
und lokale Projekte hätten hierbei Vertrauen geschaffen, sagte der Generalsekretär.

45 comments to Zentralrat der Juden warnt: Der Antisemitismus globalisiert sich

  • Rika Chaval

    Ja, und wie! Recht so, Ente, man kommt ja gar nicht mehr nach mit dem Empörtsein, wenn’s um Israel geht.

    Also, mal ganz allgemein gesprochen, nech.

    • Erdwespe

      Ich jedenfalls bin in diesem Falle nicht empört über Israel,bzw. um genau zu sein über israelische Politik, sondern über diesen ubiquitären Antisemitismusvorwurf bei jeder Gelegenheit, der sozial ächten soll, ohne die Argumente zu betrachten und auf ihre Stichhaltigkeit zu untersuchen.
      Im übrigen, wie erklären Sie sich die Begeisterung über diese Demonstrationen der jungen und alten Leute in Israel, wenn doch alle Antisemiten sind?
      Ich kann nur sagen, mir sind Rechtsextreme immer widerlich, egal, ob deutsch, jüdisch, israelisch, arabisch, türkisch, norwegisch, amerikanisch, russisch oder sonstwelcher Nationalität. 
      Und meiner Ansicht nach erweist sich wirkliche Freundschaft u.a. darin, den Freund auf  auch ihn selbst schädigende Fehler hinzuweisen und nicht in unkritischer Nibelungentreue.
       

    • Rika Chaval

      @Erdwespe welcher “ubiquitäre Antisemitismusvorwurf”?
      In dem Artikel geht es um den Kampf gegen Antisemitismus. Wollen Sie bestreiten, dass das ein reales Problem ist? Vielleicht kommen Sie mal auf den Boden der Tatsachen zurück.
      Warum dieses Bemühen, dem Thema auszuweichen: Dass es auch Fälle gibt, in denen dieser Vorwurf zu Unrecht erhoben wird, ist mir bekannt. Ich bedauere das, weil dadurch die Schwere dieses hatecrimes in der öffentlichen Wahrnehmung verflacht, ebenso wie der übermäßige Gebrauch von Nazi-Vergleichen zur Sinnentleerung dessen führt, was Nazis und Naziverbrechen wirklich sind.

      Ich kann weder nachvollziehen noch akzeptieren, dass jeder Hinweis auf vorhandenen Antisemitismus zunächst mit einer Arie gekontert wird, die auf die Behauptung hinaus läuft, “Antisemitismus” sei letztlich doch nur eine Propagandalüge oder sonstige fiese Machenschaft aus dem Arsenal des erzbösen Zionismus.
      Anders herum wird ein Schuh daraus. Der normale Antisemitismus hat nichts bis wenig mit Israel zu tun.
      Zumeist fühlen die Leute sich einfach ertappt, die so argumentieren und die Schuld für ihre unbewältigten Hassgefühle auf Israel schieben.
         

  • Baruch Zion

    wer aus deutschland die finanzielle Einflussnahme von Lobbyisten in Israel Kritisiert bewegt sich auf ganz dünnem Eis.

     

  • Baruch Zion

    Familie aus den USA verklagen PA wegen Terror

    Eine Familie in den USA hat einen Zivilprozess gegen die arabische Autonomiebehörde (PA) erwirkt.
    Das Berufungsgericht in Washington gab dem Antrag am Sonntag statt.
    Konkret geht es um einen Bombenanschlag mit drei Todesopfern.
    Mark Parsons, Auftragnehmer des Auswärtigen Amts der USA, sowie zwei Wachmänner waren im Oktober 2003 von einer Bombe am Straßenrand getötet worden. Die drei Männer waren mit einem Konvoi des Auswärtigen Amts unterwegs im Gazastreifen. Neun Jahre später kann Parsons Familie nun die PA verklagen. Das berichtet die Tageszeitung “Jediot Aharonot”.
    Die Familie des Ermordeten hatte kritisiert, dass palästinensische Sicherheitskräfte Informationen über den herannahenden Konvoi an Terroristen weitergegeben und die Bombe willkürlich missachtet hätten. Mit der Bewilligung eines Zivilprozesses hob das Berufungsgericht das Urteil einer Vorinstanz auf, welche zugunsten der PA entschieden hatte.

  • Esther

    @ Rika Chaval
    “Trotzdem kann es doch sein, dass er zu einer Demokratisierung des Jüdischen Weltkongress und einer erhöhten Akzeptanz bei jungen Leuten beigetragen hat, und es kann sein, dass sich deswegen eine internationale Kooperation auch beim Kampf gegen den Antisemitismus im Rahmen dieser Organisation anbietet.
    Das ist das Thema, sorry, quod est deliberandum.”


    Stimmt nicht ganz ;-)
    …denn es macht sicherlich einen Unterschied, ob ein mehr rechts- oder linksorientierter Präsident des WJC eine Definition von “Antisemitismus” oder “Delegitimierung Israels” abgibt. Kurz gesagt: Jemand, der selber (zumindest indirekt, wie von Jane behauptet) die Siedlerbewegung finanziert, wird wohl eher geneigt sein, eine Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik als “Delegitimierung Israels” zu bezeichnen und dies möglichst weit oben auf die Agenda des WJC zu setzen. Hintergrundinformationen zur Person Lauders sind da keine “Themaverfehlung”.
     
    P.S.: Wenn Sie sich mit Jane zusammentun wollen, um die FDP zu kritisieren, rennen Sie bei ihr vermutlich offene Türen ein… aber das hat dann, ehrlich gesagt, noch weniger mit dem Thema zu tun.
     

  • Rika Chaval

    Ihr PS verstehe ich nicht, FDP?
    Ich persoenlich verurteile uebrigens die Siedlungspolitik Israels und wuesste nicht, was daran antisemitisch sein sollte. In meinen Augen ist die Siedlungspolitik anti-israelisch.

  • Baruch Zion

    wenn ein 13 jähriger Junge in Berlin geschlagen wird weil er ein Kippa trägt hat das nichts mit Siedlungen zu tun oder Lauder.

    Wenn ein Jude in Kreuzberg in der nähe vom Jüdischen Museum verprügelt worden ist weil er eine Kippa trug, dann hat das nichts mit Siedlungen zu tun oder Lauder.

    Wenn ein Jude in Holland erstochen wurde weil er eine Kippa trug dann hat das nichts mit Siedlungen zu tun oder Lauder.

    Seit den 50 iger Jahren  müssen vor den Synagogen in deutschland Poizei zum Schutz stehen, das hat nichts mit Siedlungen zu tun oder Lauder.

    Vandalismus im Anne Frank-Zentrum
    Am 5. Februar 2010 wurden im Anne Frank-Zentrum in Berlin-Mitte antisemitische Schmierereien entdeckt. Im Treppenhaus war neben einem Hakenkreuz auch die Aufschrift „Jude“ angebracht worden.

    Antisemitische Karikatur sorgt für Kontroverse
    Eine seit Januar 2010 auf der Kölner Domplatte ausgestellte israelkritische Karikatur des Künstlers Walter Herrmann sorgt weiterhin für Kontroversen. Wie am 28. Februar 2010 bekannt wurde, entschied die Kölner Staatsanwaltschaft nun die Klagen wegen Volksverhetzung vorerst fallen zu lassen. Die Karikatur zeigt “eine durch den Davidstern als Jude[n] ausgewiesene Figur”, die “einen palästinensischen Jungen mit Messer und Gabel zerteilt und dazu ein Glas Blut trinkt”. Kritiker sehen darin eindeutige Bezüge zu “antisemitischen Ritualmordlegenden des Mittelalters” sowie zur Propaganda im Nationalsozialismus.

    Israel-Flaggen verboten
    Aktivisten des pro-israelischen “Bündnis gegen Antisemitismus” wurde vom Ordnungsamt Kassel untersagt, im Rahmen eines Infostandes am 20. März 2010 die israelische Flagge zu zeigen. Als Begründung wurde angeführt, dass man “auf Passanten, die sich von der Flagge gestört fühlen könnten, Rücksicht nehmen” müsse. Im Januar 2009 war es bereits zu Übergriffen auf einen ähnlichen Stand gekommen.

    Das alles passiert nur in deutschland und das ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt.

    Das was für einige hier so toll ist was Jane macht, Sie hällt eine Lupe auf eine Sache um vom eigentlichen Thema abzulenken.  
    Denn es gibt einen deutschen latenten Antisemitismus der nichts mit Israel zu tun hat sondern einfach nur eine Abneigung gegen Juden in teilen der deutschen Bevölkerung.

    Wer in deutschland sich als Jude zu erkennen gibt, mit Kippa geht, ernte böse Blicke, Kopfschütteln, persönliche angriffe und Beleidigungen besonders von Älteren deutschen.

    Der Antisemitismus in deutschland wird vererbt an die nächste Generation mit oder ohne Siedlungen das spielt keine Rolle. Wenn es nicht die Siedlungen sind dann ist es etwas anderes was den Goijm an den Juden stört.

    Wer Antisemitisch sein will wie Jane der braucht dazu keine Siedlungen oder Lauder.

  • Rika Chaval

    In dem Artikel, der im übrigen ja kaum ein Artikel, sondern nur eine knappe Pressenotiz über ein unveröffentlichtes Interview mit Stefan Kramer ist, geht es vor allem darum, dass der Antisemitismus auch ein international vernetztes Problem darstellt, und wie man ihn bekämpfen kann. Stattdessen wird hier diskutiert nach dem Motto: Antisemitismus, gibt’s das wirklich ? Selber schuld.

    Wer uns weismachen will, dass Lauder oder auch die israelische Politik z.B. für die Verbreitung der “Protokolle” und seiner zahlreichen Ableger und gedanklicher Versatzstücke in Publikationen und vielen Köpfen irgendwie kausal sind, liegt schlicht daneben. Der Antisemitismus braucht keine Realitätszufuhr. Er ernährt sich aus sich selbst heraus, lebt von Luftgespinsten und Hass. 

  • ronit

    @Esther: Wie und warum Sie hier die Siedlungspolitik reinbringen bleibt mir auch ziemlich schleierhaft… Wie Rika (der ich hier nur zustimmen kann) schon sagte: Die politische Verortung Lauders (ob sie einem nun sympathisch ist oder nicht) heißt nicht, dass er nicht innerhalb des WJC Arbeit leistet, die im Kampf gegen Antisemitismus fruchtbar ist. Ihre Unterstellung einer Instrumentalisierung ist meiner Ansicht nach unhaltbar. Deshalb leider doch: Thema verfehlt!

  • jim

     
     
    Die politische Verortung Lauders (ob sie einem nun sympathisch ist oder nicht) heißt nicht, dass er nicht innerhalb des WJC Arbeit leistet, die im Kampf gegen Antisemitismus fruchtbar ist. Ihre Unterstellung einer Instrumentalisierung ist meiner Ansicht nach unhaltbar.
     
    Nicht nur das, denn wenn hier jemand Lauder sagt, so muss er auch Wiesel sagen, Eli Wiesel. Und wenn jemand verblödeter Weise versucht hier Steinberg zu legalisieren, so muss er auch, konsequenter Weise, Finkelstein in Stellung bringen.
     
    Damit ist, glaube zumindest ich, alles gesagt. Insbesondere als eindeutig, kontextuell ein Volltreffer, dieses  gilt: Zumeist fühlen die Leute sich einfach ertappt, die so argumentieren und die Schuld für ihre unbewältigten Hassgefühle auf Israel schieben.



  • Esther

    @ Rika und Ronit
    Ich wüßte auch nicht, was an der Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik antisemitisch sein sollte… Überspitzt formuliert, müßte ich also antworten: Fragen wir doch Herrn Kramer! Als erstes würde ich ihn fragen, warum selbst in dieser kurzen Pressenotiz wieder das Begriffspaar “Antisemitismus” und “Delegitimierung Israels” in einem Atemzug genannt wird, als handle es sich um zwei gleichrangige oder eng miteinander verbundene, nur im Doppelpack denkbare Probleme.
     
    Das eigentliche Problem ist der Antisemitismus, ist – wie Baruch Zion richtig beschrieben hat – wenn z. B. ein Jude mit Kippa auf der Straße Angst vor Übergriffen oder Ausgrenzung haben muß… und das hat nichts mit israelischer Politik oder Herrn Lauder zu tun. Insofern nehme ich an, daß sich Ihre Bemerkung, Rika “Stattdessen wird hier diskutiert nach dem Motto: Antisemitismus, gibt’s das wirklich ? Selber schuld.”, nicht auf mich bezieht.
     
    Die Existenz einer gleich “weltweiten Delegitimierungskampagne gegen Israel” ist m.E. jedoch eine Erfindung rechtsgerichteter “Israelfreunde” zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Um eines klarzustellen: Natürlich gibt es auch eine antisemitisch motivierte Negierung des Existenzrechts Israels, die nicht mit “Israelkritik” verwechselt werden sollte. Aber ebenso gibt es, z.Zt. jedenfalls, eine israelische Politik, die systematisch den Unterschied zwischen Existenz- und Expansionsrecht zu verwischen versucht und den Protest dagegen als Antisemitismus bzw. Antizionismus diskreditieren möchte.
     
    Um nicht ganz im luftleeren Raum zu diskutieren, ein Beispiel: das Gesetz, das Boykottaufrufe mit Schadensersatzforderungen bedroht und dabei Produkte aus Israel und den besetzten Gebieten in einen Topf wirft. Abgesehen von der Tendenz zur Kriminalisierung mißliebiger politischer Meinungsäußerungen zielt es darauf ab, gerade den differenzierten Protest zu erschweren bzw. unmöglich zu machen. Es geht also um die (von Lauder unterstützte?) Ausdehnung bzw. Überdehnung des Deligitimierungsbegriffs – insbesondere, wenn Delegitimierung als Ausdruck von Antisemitismus verstanden werden soll.
     
    Die Frage muß also erlaubt sein, ob Lauder mit dem Antisemitismusbegriff ähnlich “großzügig” umgeht. Beim “Kampf gegen Antisemitismus” stellt sich ja nicht nur die Frage nach der inneren Organisation des WJC, sondern auch nach der Definition von “Antisemitismus” (inkl. der damit verbundenen Prioritätensetzung, wofür die politische Verortung Lauders nicht irrelevant ist). Glauben Sie, daß Sie und Lauder das Gleiche darunter verstehen und hielten Sie es für bedeutungslos, wenn das nicht der Fall wäre? Kann man Effizienzaspekte o.ä. isoliert herausgreifen, wenn es darum geht, wie geeignet Lauder für diesen Posten ist?
     
    @ jim
    (Die) Juden sind nicht schuld am Antisemitismus.