Kategorien

Werbung

haGalil Shop

Film & Video


Watch videos at Vodpod and more of my videos

Termine, Veranstaltungen

Biden in Jerusalem und Ramallah

Die Verhandlungen sind die letzte Chance, einen Frieden zu erreichen. Das sagte der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat, „fast mit Tränen in den Augen“, wie israelische Medien berichteten. US Vizepräsident Joe Biden reiste in den Nahen Osten, um den feststeckenden Karren der Friedensverhandlungen wieder flott zu machen, verursachte aber zunächst einmal mit einer Totalsperrung der Autobahn vom Flughafen zur Heiligen Stadt einen kompletten Stillstand des Straßenverkehrs…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 8. März 2010

US Präsident Barack Obama hatte vor einem Jahr in Kairo mit einer Rede einen gewagten Vorstoß in Richtung Versöhnung mit Islam und muslimischen Ländern gemacht. Er forderte einen Stopp der israelischen Siedlungspolitik und erwartete im Gegenzug „Gesten“ von den arabischen Staaten gegenüber Israel. Das Vorhaben scheiterte jämmerlich, wie die Amerikaner inzwischen eingestehen müssen. Die arabischen Gesten wurden rundweg ausgeschlagen. Israels Premier Benjamin Netanjahu bekannte sich zwar zu einer „Zwei-Staaten-Lösung“ verknüpfte die aber an so viele Bedingungen und Entmilitarisierungen, dass kein Palästinenser das akzeptieren konnte. Ein auf zehn Monate befristeter Baustopp in den „Siedlungen“, wird nicht nur von den Siedlern selber täglich unterhöhlt, wie das fleißig die linksgerichtete Zeitung Haaretz und die „Frieden Jetzt“ Bewegung dokumentieren, mit der offenkundigen Absicht, die rechtsgerichtete israelische Regierung innenpolitisch unglaubwürdig zu machen. Ohnehin hatte Netanjahu sich geweigert, den Baustopp auch auf das von Israel 1967 erweiterte und annektierte Jerusalem anzuwenden. Hinzu kommt die Ankündigung, in der Großsiedlung Beitar Illit 112 Wohnungen hinzuzufügen. Die Palästinenser bezeichneten das als „Provokation“ und drohten, deshalb ihre Zustimmung zu indirekten Verhandlungen wieder zurückzunehmen. Nach Ansicht des amerikanischen State Departement sei das Projekt kein Verstoß gegen den Baustopp in Siedlungen. Eine Anfrage beim Sprecher des Verteidigungsministers Ehud Barak ergab, dass der Bau dieser Wohnungen längst unter der vorigen Regierung Olmerts genehmigt worden war. Barak genehmigte „ausnahmsweise“ eine Fortsetzung des Bau, weil durch das unfertige Bauprojekt sonst Abrutschgefahr für andere Häuser an einem steilen Abhang drohe.

Um die palästinensische Seite steht es nicht viel besser. Die Spaltung zwischen Hamas und Fatah, zwischen Gazastreifen und Westjordanland konnte bisher nicht überwunden werden. Im Januar endete die Kadenz des Präsidenten Mahmoud Abbas und des ohnehin nicht funktionsfähigen Parlaments. Neuwahlen sind nicht einmal in Sicht. Genau genommen gibt es keinen gemäß der eigenen Verfassung legitimierten Gesprächspartner in Ramallah, mit dem verhandelt, geschweige denn ein Vertrag unterzeichnet werden könnte, der dann für alle Palästinenser gilt, also auch für die islamistischen Meuterer der Hamas in Gaza.

Präsident Abbas verweigert seit dem Weggang des wegen Korruption zurückgetretenen israelischen Premiers Ehud Olmert und der Amtsübernahme von Netanjahu eine Fortsetzung der „Friedensgespräche“ mit Israel. Während Olmert unbescholten in den umstrittenen Siedlungen bauen konnte, soviel er wollte, forderte Abbas von Netanjahu Bedingungen, darunter einen völligen Baustopp. Für Abbas gibt es keinen triftigen Grund, sich auf Verhandlungen mit Israel einzulassen. Denn israelische Konzession müsste er dann mit palästinensischen Zugeständnissen teuer bezahlen. Vielmehr kann er sich genüsslich zurücklehnen, da die Amerikaner, die EU und andere Staaten das Verhandlungsergebnis vorweggenommen haben: Die künftige Grenze soll die alte Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Jordanien sein. Die Siedlungen sind allesamt illegal. Jerusalem wird geteilt. Zuletzt hat der EU Gerichtshof das mit einem Urteil festgemacht, in dem er bestimmte, dass alle von Israelis produzierten Waren jenseits jener Grünen Linie nicht als „made in Israel“ unverzollt in die EU exportiert werden dürften.

Präsident Clintons Friedensvorschlag vom 23. Dezember 2000, mitsamt einem Verbleib der großen Siedlungsblöcke bei Israel, ist längst vergessen. Warum sollte sich Abbas Verhandlungen aussetzen, wenn Andere sich anbieten, an seiner Stelle mit Israel zu verhandeln und mit „internationalem Druck“ abzuringen?

Obgleich es zahllose direkte Kontakte gibt, Ramallah bis heute an das Ortsnetz von Jerusalem angeschlossen ist und die Kooperation zwischen palästinensischen und israelischen Sicherheitskräften heute sogar besser funktioniert als vor Ausbruch der Intifada, des blutigen palästinensischen Aufstandes im Jahr 2000, entwickeln die Amerikaner und Europäer nach über einem Jahr politischer Untätigkeit plötzlich ein Gefühl der Dringlichkeit, im Handumdrehen, die Probleme des Nahen Ostens „lösen“ zu müssen. Die von Abbas gewünschten „indirekten Gespräche“ werden mit Sicherheit scheitern. Wenn die aber laut Erekat „die letzte Chance“ sind, fragt sich, was danach kommt.

Die Probleme werden sich ebenso wenig in Luft auflösen wie die Palästinenser, die Israelis und der Konflikt zwischen ihnen. Es wird also einen neuen Anlauf geben, wie schon dutzende Male in den vergangenen hundert Jahren. Die Menschheitsgeschichte kennt keine „letzte Chance für einen Frieden“, auch wenn es zwischendurch wieder zu einem Krieg kommen sollte.

Related posts:

  1. Vor Verhandlungen: Abbas fordert Baustopp, auch in Ost-Jerusalem
    Wenn sich Israel zu einem kompletten Siedlungsbaustopp für sechs Monate bereiterklärt, Aktivitäten in Ostjerusalem eingeschlossen, könnten Verhandlungen über...
  2. One Love: Eine Umarmung für Jerusalem
    Hunderte Menschen haben sich zum dritten „Umarmungstag für Jerusalem“ zusammengefunden, der am Sonntag in Jerusalem stattfand. Sie bildeten...
  3. Ein Weckruf aus Jerusalem
    Israels jüngste Ankündigung, 1.600 neue Wohnungen in Ost-Jerusalem zu bauen, war nicht nur ein Schlag ins Gesicht des...
  4. Jerusalem Foundation – Bürgermeister-Reise nach Jerusalem
    Die Jerusalem Foundation, 1966 gegründet vom damaligen Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek, bietet in diesem Jahr erstmals in ihrer...

43 comments to Biden in Jerusalem und Ramallah

  • Jacob P.

    >>> Die Palästinenser als Volk ohne Lobby

    Sorry, dass ich jetzt lauthals lachen muss…

    >>> Das gesamte Palästinensergebiet ist ohne Unterstützung von außen nicht lebensfähig.

    Für ein Volk ohne Lobby, das zudem von außen nicht lebensfähig ist, halten sich die armen Palis aber verdammt lange…

    Die Wahrheit ist: Die Palis werden von UN und EU seit Jahrzehnten so massiv alimentiert, dass sich Arbeiten für sie gar nicht mehr lohnt. Da kommt man dann schon mal auf dumme Gedanken…

    >>> Die Schaffung sofortigen Friedens ohne Vorbedingungen auf beiden Seiten.

    Wirklich erstaunlich wie viele Experten es für den Nahen Osten in Europa (und insb. in Deutschland) gibt. Da tummelt sich an den Stammtischen und in den Internet-Blogs ein Experte neben dem anderen. Und jeder weiß ganz genau was zu tun wäre, damit endlich der Frieden kommt. Lauter Ideen, auf die anscheinend kein Israeli oder Palästinenser bis heute gekommen ist

    Seltsam nur, dass diese Experten von niemandem in Nahost ernstgenommen werden. Warum wohl?

  • Jacob P.

    @willow
    Danke vielmals für den Link. Besonders interessant finde ich folgende Aussage:

    — Die Menschen im Gazastreifen, stellen die israelisch-arabischen Journalisten Faiz Abbas und Mohammed Awwad fest, “vermissen [!] die Israelis, da die Israelis barmherziger [!] sind als die palästinensischen Waffenträger, die nicht einmal wissen, warum sie einander bekämpfen und töten. Das ist wie organisiertes Verbrechen.” —

    Huch! Palästinenser die Juden vermissen…?

  • Schula

    Antisemitische Hetze der Hamas

    Inmitten der wachsenden Spannungen in Jerusalem schürt die Hamas Hass mit antisemitischer Hetze. So äußerte sich der hochrangige Hamas-Führer Mahmoud al-Zahar in Bezug auf die Wiedereröffnung der Hurva-Synagoge im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt wie folgt:

    „Ihr, die ihr Hurva eröffnet, steuert auf euer Verderben zu. Wo immer ihr gewesen seid, hat man euch in eure Vernichtung geschickt. Ihr habt eure Propheten getötet und ermordet und habt stets mit Wucher und Zerstörung gehandelt.“

    „Ihr seid zur Zerstörung bestimmt. Ihr habt einen Pakt mit dem Teufel und der Zerstörung selbst geschlossen – so wie mit eurer Synagoge.“

    (Yedioth Ahronot, 15.03.10)

    Unterdes bemüht sich die Hamas weiter, die gegenwärtigen Unruhen von Palästinensern in Ostjerusalem unter dem Motto „Tag des Zorns“ weiter anzuheizen. Der Parlamentssprecher der Terrororganisation, Dr. Ahmed Bahar, rief gar zu Terroranschlägen im Zentrum Israels auf.

    (Yedioth Ahronot, 16.03.10)