Von Thomas Schmidinger
Aus: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Jahrbuch 2008, Wien u. a. 2008, S. 103–139
Inferiorität statt Weltherrschaft
Damit ist auch ein klarer Unterschied zwischen der traditionellen religiösen Sicht des Islam und des Christentums auf Jüdinnen und Juden erkennbar. Während das Christentum Juden mit dem Mythos vom „Gottesmord“ als Bedrohung und potentiell allmächtig wahrnahm, bildeten sie für den Islam eine unter mehreren inferioren Gruppen. Die Beschimpfung von Juden als „Affen und Schweine“[01] durch Muslime zeigt eine völlig andere Beurteilung als die von Christen als „Gottesmörder“ und „Hostienschänder“ gezeichneten Juden, die angeblich Ritualmorde an christlichen Kindern vollführen würden. Die Herabwürdigung als „Affen und Schweine“ entspricht eher den rassistischen Ressentiments als den antisemitischen Zuschreibungen, die Juden eben nicht als minderwertig, sondern als besonders schlau, durchtrieben, reich und als (potentielle) Weltherrscher darstellen.
Anders als die letztlich jüdische Sekte des Christentums war der Islam nicht gezwungen, sich ständig vom Judentum abzugrenzen. Zwar beruft sich auch der Islam auf viele jüdische und christliche Traditionen, entstand jedoch inmitten einer – aus islamischer Sicht – heidnischen Bevölkerung, in der nur wenige monotheistische Vorläufer, die so genannten Hanifen, existierten, die ohne direkte Bezugnahme auf Juden- oder Christentum den „Götzendienst“ der Araber ablehnten. Muhammad war nach islamischer Lehre der letzte einer Reihe von Gott gesandter Propheten, zu denen auch Moses und Jesus gehörten und der den ursprünglichen abrahamitischen Monotheismus wiedererrichtete. Juden und Christen konnten als verwirrte ältere Geschwister betrachtet werden, die vom rechten Weg abgekommen sind. Die Vorstellung des Gottesmordes war diesem Monotheismus allein schon deshalb fremd, da er Jesus eben nicht als Gott, sondern als Propheten anerkannte.
Auch die Freudsche These, dass Antisemitismus seine tiefste unbewusste Wurzel in einem Kastrationskomplex der unbeschnittenen Christen habe, der von den beschnittenen Juden ausgelöst werde[02]), kann für die ebenfalls beschnittenen Muslime nicht geltend gemacht werden.
Insgesamt entsteht ein sehr uneinheitliches Bild von der konkreten Lebenssituation von Jüdinnen und Juden unter islamischer Herrschaft. Zwar blieb grundsätzlich die Dhimma als theoretisches Konzept Leitfaden der Behandlung, allerdings kam es in unterschiedlichen Phasen der islamischen Geschichte regional einerseits zu Aufweichungen der Vorschriften und zu Besserstellungen der Dhimmis, aber auch zu lokalen Verfolgungen. In Teilen der iranischen Schia wurden Nichtmuslime zudem als Quelle der rituellen Verunreinigung gesehen, was vermutlich auf vorislamische zarathustrische Einflüsse zurückgeht. Eine Vorstellung einer jüdischen Allmacht oder die in Europa beliebten Ritualmordlegenden hatten jedoch in der islamischen Welt schlicht keinerlei theologische Begründung.
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- Diese Beschimpfungen haben ihren Ursprung in Sure 2:65, 5:60 und 7:166 des Quran, sind jedoch nicht unbedingt auf alle Juden gemünzt, sondern auf jene, die gesetzesbrüchig geworden sind. Allerdings wurde und wird diese Beschimpfung von Islamisten und anderen judenfeindlichen Muslimen gegen Juden generell verwendet. [↩]
- In einer Fußnote in „Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben“ äußert sich Sigmund Freud folgendermaßen zum Zusammenhang von Kastrationskomplex und Antisemitismus: „Der Kastrationskomplex ist die tiefste unbewußte Wurzel des Antisemitismus, denn schon in der Kinderstube hört der Knabe, daß dem Juden etwas am Penis – er meint, ein Stück des Penis – abgeschnitten werde, und dies gibt ihm das Recht, den Juden zu verachten.“ (Sigmund Freud, Gesammelte Werke Bd. VII, Frankfurt/M. 1999, S. 271 [↩]
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@Simcha – ‘ich brauche dazu keine fremden quellen wie sie, sondern weiß es direkt’
Schön – das wäre ja noch ein Grund mehr zu erzählen.
@Jane
Nachdem Sie uns wieder eingedeckt haben mit Ihren Worten und Sätzen, mit Ihren sehr persönlichen Aussagen und Meinungen, mit Ihrem Dafürhalten und Ihren Mahnungen, möchte ich gerne Eines von Ihnen wissen:
Was motiviert Sie, Jane?
Sie geben offen zu, dass Sie über die eigene (deutsche) Geschichte zu wenig wissen, aber Sie fühlen sich berechtigt und in der Lage, Israel und der Welt gute Ratschläge zu erteilen, Kritik zu üben und Sie hegen den Anspruch sich zu einer Art moralischer Instanz zu erheben.
Was ist der Impetus dahinter?
Welche persönlichen Bezüge hat der Mensch Jane zum Judentum, zu Israel, zum Geschehen im Nahen Osten?
Haben Sie je Auschwitz besucht? Waren Sie schon einmal in Israel? Haben/hatten Sie israelische oder jüdische Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn? Spielen christliche Beweggründe bei Ihnen eine große Rolle?
Oder gab es in Ihrer Familie eine oder zwei Generationen vor Ihnen solche Bezüge?
Waren etwa Ihr Vater, Großvater, Onkel etc. bei der Wehrmacht, bei der SS oder gehörten sie dem T4-Komplex an?
Verzeihen Sie meine möglicherweise als unangenehm empfundenen Fragen, aber, wenn sich ein Mensch (wie Sie) derart Mühe, Arbeit, Aufwand für eine Sache macht, dann muss ihn doch, nach allem menschlichen Ermessen, irgendetwas sehr Starkes dazu motivieren. Und so ist es doch nur natürlich, dass Ihre Leser darüber gerne Bescheid wüssten.
‘Sie geben offen zu, dass Sie über die eigene (deutsche) Geschichte zu wenig wissen’
Unsinn – bzgl. der Vertreibung der Ostdeutschen bin ich freilich nicht gerade ein Experte und nicht mehr und nicht weniger habe ich gesagt. Über Nazi-Deutschland im Allgemeinen bin ich durchaus ganz gut informiert.
‘aber Sie fühlen sich berechtigt und in der Lage, Israel und der Welt gute Ratschläge zu erteilen, Kritik zu üben und Sie hegen den Anspruch sich zu einer Art moralischer Instanz zu erheben ‘
Ist es nicht das, was hier mehr oder weniger alle tun?
Meine persönlichen Bezüge – ich habe verwandschaftliche Bezüge nach Israel, ein guten Freund, der in der West-Bank groß wurde, eine Halbjüdin in meiner Familie, einige Freunde die einen jüdischen Elternteil haben und darüberhinaus mehrere europäische Nationen in der Familie, deutsche Großeltern, die man wohl eindeutig als Mitläufer in NaziDeutschland klassifizieren sollte und ein anderes Großelternpaar, das jüdische Freunde hatte und unvoreingenommen Juden gegenüber war – soweit möglicherweise der große Rundumschlag, der hier für viele nur schwer nachzuvollziehen ist.
Meine Gesinnung ist aber auch keine andere, als die jüdischer Dissidenten, die sich dringend deultichere Kritik wünschen und denen fühle ich mich verwand im Geiste, genauso wie es solche in muslimischen Ländern oder sonstwo gibt – dafür gibt es keine nationalen, religiösen oder andere rassistische Demarkationslinien.
Darüberhinaus finde ich die angebliche Unlösbarkeit des Nah-Ost-Konflikts absurd und falsch und frage mich wieviele Generationen noch geboren und sterben werden, ohne dass es hierbei zu einem Ende kommt. In meinen Augen knickt der Holocaust die Optik allzu sehr und es sollte möglich sein die israelische Politik angemessen (und das ist in meinen Augen durchaus scharf) zu kritisieren, ohne deshalb den Holocaust zu relativieren, was überhaupt nicht meine Absicht ist und was ich auch nicht tue, auch wenn einem dass dann in einem nur scheinbar logischen Schluss dauernd unterstellt wird.
Ich finde das westliche Projekt im großen und ganzen vergleichsweise gut, aber fürchte, dass wir unsere Chance durch unsere doppelten Standards und auch durch Doppelzüngigkeit möglicherweise verspielen werden – das finde ich sehr schade.
Ach noch was – was ist denn ein T4- Komplex?
Christliche Bezüge – ich mag Jesus, aber aus der Kirche bin ich ausgetreten. Die Grenzen die die Religion zwischen den Menschen zieht sind mir suspekt, ganz egal welche.
“was ist denn ein T4- Komplex”
ich denke sie sind gut informiert? googeln sie mal: tiergartenstraße 4 in berlin während der nazizeit.
“Halbjüdin”
sie entlarven sich immer mehr.
@Robert Schlickewitz
@simcha
Ist es nicht auffallend, dass besonders viele von den aktiven Antisemiten große Mengen an “jüdischen Freunden” vorweisen können?
Dadurch sollen ihre Gehirnabsonderungen den kaschrut-Zertifikat bekommen.
“halbjüdin” klingt gut. So ein Nazisprach. Aber Fünfachteljude wäre natürlich viel lüstiger. Ich kenne einen dreiviertel Buddhisten. Ich kann daher ohne weiteres mich als Buddhismusexperte bezeichnen und die Vorgänge im Thailand zu kritisieren. Und weil ich einen Halbmoslem zu meinem Bekanntenkreis zähle, bin ich fähig das Handeln von PA in Rammalah besonders kritisch zu beurteilen. Tue ich das aber nicht. Ich bin nämlich weder bescheuert noch bekloppt.
T4:
http://www.klick-nach-rechts.de/ticker/2004/02/t4.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/t4.html
http://www.euthanasie.net/
http://www.lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/Filter/Aktion-T4/385
http://www.deathcamps.org/euthanasia/T4intro_d.html
Reinhard D.
ja, es ist auffällig. ich stelle mir vor, in ihrer familie gäbe es “halb”kirgisen, was da wohl los wäre.
die ohne hemmungen verwendete nazidefinition “halbjüdin” hat aber letztendlich alles klar gemacht. “ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.”