Von Thomas Schmidinger
Aus: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Jahrbuch 2008, Wien u. a. 2008, S. 103–139
Die Schutzbefohlenen
Juden, Christen, Mandäer oder Zaraostrier im Iran, die als Dhimmis anerkannt wurden, waren damit Untertanen des islamischen Staates, hatten im Gegenzug für den „Schutz“ des Staates und eine gewisse innere Autonomie jedoch einen minderen Status gegenüber den muslimischen Untertanen zu akzeptieren und mit der Kopfsteuer „Gizja“ eine Sondersteuer zu entrichten, die in dieser Form nur von den Dhimmis eingehoben wurde.
Der islamische Staat garantierte dafür die Religionsfreiheit der verschiedenen christlichen und jüdischen Sekten, wobei diese Religionsfreiheit nicht den Religionswechsel bzw. die Missionierung von Muslimen einschloss, sondern lediglich die Duldung der bestehenden religiösen Gruppen. Die rasche Expansion des Islam als politisches System ist nur dadurch erklärbar, dass zumindest Teile der Bevölkerung in den eroberten Gebieten des Nahen Ostens, Ägyptens, Nordafrikas und des Iran die neuen Herrscher unterstützten und die islamische Herrschaft auch von Christen und Juden als erträglicher empfunden wurde als die Herrschaft des Byzantinischen Reiches bzw. des persischen Sassanidenreiches. Die Angehörigen der altorientalischen Kirchen waren zuvor als Ketzer betrachtet worden, die jüdischen Gemeinschaften hatten seit der Christianisierung unter immer wiederkehrenden Verfolgungen als „Christusmörder“ zu leiden. So knüpften viele Jüdinnen und Juden an die „islamisch-arabischen Eroberungen sogar messianische Hoffnungen und arbeiteten mit den Invasoren zusammen“.[01] Doch auch den meisten ChristInnen schien die islamische Herrschaft wesentlich erträglicher als die der orthodoxen Reichskirche, die jene dissidenten christlichen Strömungen, denen die Mehrheit der nahöstlichen ChristInnen angehörte, massiv verfolgt hatte.
Die altorientalischen christlichen Kirchen und das orientalische Judentum, aber auch dessen in Mesopotamien entstandene Abspaltung der Karäer, blühten unter islamischer Herrschaft wieder auf. Obwohl die Angehörigen nichtislamischer Buchreligionen von staatlichen Machtpositionen ausgeschlossen waren, konnten sie als Berater von Herrschern, als Wissenschaftler, Ärzte oder Händler in hohe gesellschaftliche Positionen aufsteigen. Grundsätzlich galt dabei der gleiche Dhimmi-Status für alle Angehörigen der Buchreligionen, die als inferior betrachtet wurden. Eine Reihe von Maßnahmen sollte diese Inferiorität festschreiben. Manche Maßnahmen erinnerten dabei an solche gegenüber Sklaven, die neben den Frauen und Dhimmis die dritte niederrangigere Gruppe gegenüber den freien muslimischen Männern darstellten. So war es Dhimmis etwa nicht gestattet, Waffen zu tragen – was in einer Gesellschaft, in der fast alle Männer bewaffnet sind, in unruhigen Zeiten durchaus auch handfeste Nachteile haben konnte. Dazu kamen fallweise spezielle Kleidungsvorschriften, die den Dhimmi vom Muslim unterscheidbar machen sollten. Kirchen und Synagogen blieben zwar erhalten, ihr Neubau wurde jedoch fast völlig verunmöglicht und war an strenge architektonische Vorschriften gebunden, die die Bauten der Dhimmis gegenüber den Moscheen der Muslime herabsetzen sollten. All diese Maßnahmen, die sich im Detail historisch und regional voneinander unterschieden, hatten das Ziel, die soziale Unterordnung der Dhimmis aufrechtzuerhalten, „sie zu versinnbildlichen und dadurch gleichzeitig die Überlegenheit der Muslime hervorzuheben. Die Symbole dieses unterlegenen Status waren manchmal wichtiger als die Realität und sicherlich – für den Wohlhabenden, der damit trotz seines Reichtums an gesellschaftliche Grenzen stieß, zumindest – lästiger.“[02]
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- John Bunzl, Juden im Orient, Jüdische Gemeinschaften in der islamischen Welt und orientalische Juden in Israel, Wien 1989, S. 14. [↩]
- Lewis, Die Juden in der islamischen Welt, S. 42. [↩]
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@Simcha – ‘ich brauche dazu keine fremden quellen wie sie, sondern weiß es direkt’
Schön – das wäre ja noch ein Grund mehr zu erzählen.
@Jane
Nachdem Sie uns wieder eingedeckt haben mit Ihren Worten und Sätzen, mit Ihren sehr persönlichen Aussagen und Meinungen, mit Ihrem Dafürhalten und Ihren Mahnungen, möchte ich gerne Eines von Ihnen wissen:
Was motiviert Sie, Jane?
Sie geben offen zu, dass Sie über die eigene (deutsche) Geschichte zu wenig wissen, aber Sie fühlen sich berechtigt und in der Lage, Israel und der Welt gute Ratschläge zu erteilen, Kritik zu üben und Sie hegen den Anspruch sich zu einer Art moralischer Instanz zu erheben.
Was ist der Impetus dahinter?
Welche persönlichen Bezüge hat der Mensch Jane zum Judentum, zu Israel, zum Geschehen im Nahen Osten?
Haben Sie je Auschwitz besucht? Waren Sie schon einmal in Israel? Haben/hatten Sie israelische oder jüdische Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn? Spielen christliche Beweggründe bei Ihnen eine große Rolle?
Oder gab es in Ihrer Familie eine oder zwei Generationen vor Ihnen solche Bezüge?
Waren etwa Ihr Vater, Großvater, Onkel etc. bei der Wehrmacht, bei der SS oder gehörten sie dem T4-Komplex an?
Verzeihen Sie meine möglicherweise als unangenehm empfundenen Fragen, aber, wenn sich ein Mensch (wie Sie) derart Mühe, Arbeit, Aufwand für eine Sache macht, dann muss ihn doch, nach allem menschlichen Ermessen, irgendetwas sehr Starkes dazu motivieren. Und so ist es doch nur natürlich, dass Ihre Leser darüber gerne Bescheid wüssten.
‘Sie geben offen zu, dass Sie über die eigene (deutsche) Geschichte zu wenig wissen’
Unsinn – bzgl. der Vertreibung der Ostdeutschen bin ich freilich nicht gerade ein Experte und nicht mehr und nicht weniger habe ich gesagt. Über Nazi-Deutschland im Allgemeinen bin ich durchaus ganz gut informiert.
‘aber Sie fühlen sich berechtigt und in der Lage, Israel und der Welt gute Ratschläge zu erteilen, Kritik zu üben und Sie hegen den Anspruch sich zu einer Art moralischer Instanz zu erheben ‘
Ist es nicht das, was hier mehr oder weniger alle tun?
Meine persönlichen Bezüge – ich habe verwandschaftliche Bezüge nach Israel, ein guten Freund, der in der West-Bank groß wurde, eine Halbjüdin in meiner Familie, einige Freunde die einen jüdischen Elternteil haben und darüberhinaus mehrere europäische Nationen in der Familie, deutsche Großeltern, die man wohl eindeutig als Mitläufer in NaziDeutschland klassifizieren sollte und ein anderes Großelternpaar, das jüdische Freunde hatte und unvoreingenommen Juden gegenüber war – soweit möglicherweise der große Rundumschlag, der hier für viele nur schwer nachzuvollziehen ist.
Meine Gesinnung ist aber auch keine andere, als die jüdischer Dissidenten, die sich dringend deultichere Kritik wünschen und denen fühle ich mich verwand im Geiste, genauso wie es solche in muslimischen Ländern oder sonstwo gibt – dafür gibt es keine nationalen, religiösen oder andere rassistische Demarkationslinien.
Darüberhinaus finde ich die angebliche Unlösbarkeit des Nah-Ost-Konflikts absurd und falsch und frage mich wieviele Generationen noch geboren und sterben werden, ohne dass es hierbei zu einem Ende kommt. In meinen Augen knickt der Holocaust die Optik allzu sehr und es sollte möglich sein die israelische Politik angemessen (und das ist in meinen Augen durchaus scharf) zu kritisieren, ohne deshalb den Holocaust zu relativieren, was überhaupt nicht meine Absicht ist und was ich auch nicht tue, auch wenn einem dass dann in einem nur scheinbar logischen Schluss dauernd unterstellt wird.
Ich finde das westliche Projekt im großen und ganzen vergleichsweise gut, aber fürchte, dass wir unsere Chance durch unsere doppelten Standards und auch durch Doppelzüngigkeit möglicherweise verspielen werden – das finde ich sehr schade.
Ach noch was – was ist denn ein T4- Komplex?
Christliche Bezüge – ich mag Jesus, aber aus der Kirche bin ich ausgetreten. Die Grenzen die die Religion zwischen den Menschen zieht sind mir suspekt, ganz egal welche.
“was ist denn ein T4- Komplex”
ich denke sie sind gut informiert? googeln sie mal: tiergartenstraße 4 in berlin während der nazizeit.
“Halbjüdin”
sie entlarven sich immer mehr.
@Robert Schlickewitz
@simcha
Ist es nicht auffallend, dass besonders viele von den aktiven Antisemiten große Mengen an “jüdischen Freunden” vorweisen können?
Dadurch sollen ihre Gehirnabsonderungen den kaschrut-Zertifikat bekommen.
“halbjüdin” klingt gut. So ein Nazisprach. Aber Fünfachteljude wäre natürlich viel lüstiger. Ich kenne einen dreiviertel Buddhisten. Ich kann daher ohne weiteres mich als Buddhismusexperte bezeichnen und die Vorgänge im Thailand zu kritisieren. Und weil ich einen Halbmoslem zu meinem Bekanntenkreis zähle, bin ich fähig das Handeln von PA in Rammalah besonders kritisch zu beurteilen. Tue ich das aber nicht. Ich bin nämlich weder bescheuert noch bekloppt.
T4:
http://www.klick-nach-rechts.de/ticker/2004/02/t4.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/t4.html
http://www.euthanasie.net/
http://www.lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/Filter/Aktion-T4/385
http://www.deathcamps.org/euthanasia/T4intro_d.html
Reinhard D.
ja, es ist auffällig. ich stelle mir vor, in ihrer familie gäbe es “halb”kirgisen, was da wohl los wäre.
die ohne hemmungen verwendete nazidefinition “halbjüdin” hat aber letztendlich alles klar gemacht. “ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.”