Nein, liebe Leser, ich beabsichtige keineswegs Sie mit dieser, möglicherweise als pietätlos empfundenen, Frage ‚auf den Arm nehmen‘ zu wollen, ich stelle nur die simple Frage nach dem Gehalt eines Begriffs, den wir alle kennen und den manche von uns häufig benutzen. Aber, was präzise soll oder muss man sich in Deutschland unter „Nazi“ vorstellen?…
Von Robert Schlickewitz
Als ich Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in München Geschichte studierte, wurden wir Studenten in Einführungsvorlesungen auf häufig gebrauchte Begriffe sowie Schlagworte und deren Verwendung hingewiesen und wurde uns eingeschärft Begriffsabgrenzungen gegen verwandte oder vermeintlich ähnliche Worte zu betreiben. Lieber eine Definition zu viel als eine zu wenig, war die Devise unseres nicht mehr ganz jungen, aber wohlwollenden Profs gewesen.
Blättern wir also in diversen Nachschlagewerken nach, in der Hoffnung beim Begriff „Nazi“ zufriedenstellend fündig zu werden und mit dem Ziel, am Ende eine allgemein gültige Definition von „Nazi“ zur Verfügung zu haben, mit der jedwede weitere Diskussion zu diesem Thema obsolet wäre.
Der Große Brockhaus, 15. Auflage, 1932:
„Nazi, südd. Kurzform zum Namen Ignaz.“ (südd. = süddeutsch, RS); somit wäre also auch der Historiker J. J. Ignaz von Döllinger ein „Nazi“.
Der grosse Brockhaus, 16. Aufl., 1953:
Enthält das Stichwort „Nazi“ nicht.
Der Grosse Herder, mehrbändig, 5. Aufl. von 1955:
Kommt gleichfalls ohne dieses Stichwort aus.
Erich Bayers „Wörterbuch zur Geschichte“ erschienen im renommierten Stuttgarter Kröner Verlag, 4. Aufl., 1974/1980:
Verzichtet auf einen Eintrag zu „Nazi“.
Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 9. Aufl., 1976/78:
„Nazi, Kurzform von Nationalsozialist (abwertend).“ – Glaubt der Lexikonredakteur im Ernst man könne „Nationalsozialist“ noch abwerten?
Die Enzyklopädie des Nationalsozialismus, herausgegeben von den Spitzenleuten Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß, 3. Aufl., 1997/98:
Informiert generell recht gut, nur zu „Nazi“ fiel der Redaktion nichts ein.
Gerhard Taddeys „Lexikon der deutschen Geschichte bis 1945“, ebenfalls Kröner Verlag, 3. Aufl. 1998:
Ist der Überzeugung „Nazi“ nicht näher erläutern zu müssen.
Das Goldmann Lexikon in 24 Bänden aus dem Lexikographischen Institut von Bertelsmann von 1998:
Glaubt auf eine Definition von „Nazi“ verzichten zu können.
Die Zeit. Das Lexikon in 20 Bänden von 2005:
Empfindet ebenfalls keinen Bedarf für eine Begriffsklärung von „Nazi“.
Die Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden, 21. Aufl., 2006:
Kennt das Stichwort „Nazi“ nicht, hält jedoch unter „Nazigold“ den Verweis auf „Raubgold“ bereit.
Fehlanzeige also bei den allgemeinen Nachschlagewerken und den Handbüchern zur Geschichte. Wenden wir uns daher einem Wörterbuch der deutschen Sprache zu, beispielsweise
dem Wahrig – Deutsches Wörterbuch, Ausgabe 1986/88:
„Nazi (m. 6; abwertendes Kurzwort für) Nationalsozialist“; schon wieder diese semantische Kuriosität wie beim Meyer von 1976/78.
Und das Ausland, hat es mehr Mut einen Begriff zu erläutern, den genau zu definieren, doch von großer Bedeutung wäre, angesichts der mit „den Nazis“ verbundenen Gräuel des 20. Jahrhunderts?
Gran Diccionario Enciclopedico Plaza & Janes heißt eine 12bändige spanische Enzyklopädie aus dem Jahre 1976 (5. Aufl.):
„Nazi adj. com. Nacionalsocialista. apl. a pers., u. t. c. s.”; gewöhnlich ein Adjektiv also für „Nationalsozialist“, das auf Personen angewendet wird und auch als Substantiv gebraucht werden kann.
Die Encyclopaedia Britannica von 1959 bietet geringfügig mehr an Informationen:
„Nazi, a popular abbreviation for a member of Adolf Hitler’s National Socialist German Workingmen’s party (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, commonly designated by its initials NSDAP). The nickname originated from the German pronunciation of the first two syllables of ‚National‘. (See National Socialism.)“
Summa summarum kommt man zum Schluss, dass es wohl jedem selbst überlassen bleibt, was er unter „Nazi“ versteht, oder damit bezeichnen will, solange es noch keine endgültige Festlegung auf eine und eine einzige Bedeutung dieses Terminus‘ gibt.
Zu meinen Zeiten als Student galt, so jedenfalls gemäß einem weiteren meiner ehemaligen Professoren, das nur der Begriff als determiniert anzusehen ist, der auch im Brockhaus (oder einem anderen anerkannten Nachschlagewerk) steht. Da sich die Zeiten inzwischen geändert haben und Brockhaus an Reputation und Bedeutung eingebüßt hat, könnte man sich an Wikipaedia orientieren – oder nicht. Ein Blick wert ist deren Eintrag zu „Nazi“ allemal.
Spekulationen darüber, warum noch keine allgemeingültige Begriffsbestimmung für „Nazi“ vorliegt, führen früher oder später zum, von mir als verlogen angesehenen, nicht tabufreien Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte und deren Unfähigkeit diese offen und ehrlich zu ‚bewältigen‘.
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@RS
“Diskussionen mit Ihnen betrachte ich als zwecklos. Sie sind nicht in der Lage einen Gedankengang zu beenden und daraus die nötigen logischen Schlüsse zu ziehen”
Beleidigte Replik eines Ertappten – Ihr Artikel ist schlichtweg überflüssig, aus den von mir dargelegten Gründen. Natürlich kann man das nicht einfach so zugeben und deswegen werden Sie massiv beleidigend. So ein Verhalten ist genauso unredlich und schräg, wie der obige Artikel.
Die Frage, inwiefern Aufarbeitung der deutschen Geschichte umfassend und sinnvoll geschehen ist oder nicht – ist eine andere, die völlig legitim ist.
Der Aufhänger, den Sie sich hier gesucht haben, ist allerdings aus recht einfach nachzuvollziehenden Gründen schlichtweg nicht tauglich.
Wenn Sie das nicht nachvollziehen können, dann sind Sie meines Erachtens nicht in der Lage, auch nur den einfachsten logischen Gedanken nachzuvollziehen und darüberhinaus ist intelektuelle Redlichkeit ganz offensichtlich nicht Ihr Ding.
Unabhängig von unterschiedlichen politischen Standpunkten, hinsichtlich anderer Themen auf dieser Plattform, ist mein Einwand schlicht, treffend, sachlich, korrekt und wahr, und darüberhinaus völlig wertfrei.
Aus Wikipedia
‘Ab etwa 1930 wurde der Ausdruck in Analogie zu Sozi (Sozialist oder SPD-Anhänger) schärfer distanzierend für die Anhänger Adolf Hitlers gebraucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auch die Wortschöpfung Entnazifizierung, womit in erster Linie die systematische Entfernung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern gemeint war.
Der Begriff wurde auch von den Nationalsozialisten selbst als Trotzwort benutzt (und später unterbunden)[4], so veröffentlichte Joseph Goebbels 1927 in Elberfeld eine Schrift mit dem Titel Der Nazi-Sozi. Fragen und Antworten für den Nationalsozialisten[5].
Im angelsächsischen (und internationalen) Sprachgebrauch findet sich die Kurzform Nazi wesentlich häufiger als die Herkunftswörter und wird auch zur Bezeichnung der damaligen Politik, Ideologie und Kriegsführung, teilweise auch zur Bezeichnung von Fanatikern anderer Art, gebraucht.’
Wiktionary:
Nazi: Bedeutungen:
[1] umgangssprachlich: Kurzform für einen Anhänger des Nationalsozialismus, im engeren Sinne: für einen Anhänger Adolf Hitlers
[2] angelehnt an Bedeutung [1]: Schimpfwort gegen einen Ausländerfeind oder Rechtsextremisten
[3] Slang: Beleidigung gegen jemanden, der die eigenen Verhaltensnormen absolut stellt und anderen aufzwingt
Herkunft:
[1] Kurzform von Nationalsozialist, analog gebildet zu (früher gebräuchlicherem und ideologisch gegensätzlichem) Sozi für Sozialist bzw. Sozialdemokrat
http://de.wiktionary.org/wiki/Nazi
Gerade in den 50ern gingen Deutsche mit ihrer Sprache generell noch sehr viel strenger um, als dies heute der Fall ist und zwar ganz unabhängig von der politischen Gesinnung. Das Wort Nazi ist nun einmal schlichtweg eine umgangssprachliche Abkürzung genau, und analog zum Wort Sozi.
Zumindest die Schlüsse des Artikels wären korrekt, falls in besagten Naschlagewerken die Begriffe Nationalsozialist und Holocaust nicht enthalten wären, bzw. verharmlosende Definitionen liefern würden; oder auch wenn der Gebrauch der Sprache hinsichtlich des Begriffs ‘Sozi’ weniger streng wäre. Beides würde mich allerdings sehr wundern.
Wenn schon Nachschalgewerke sich nicht an eine strenge Auslegung deutscher Sprachregeln gebunden fühlten, wer dann?
Mit politischer Gesinnung hat das gar nichts zu tun, mit Verdrängung auch nicht.
‘Für mich umfaßt er die überwiegende Mehrheit der Deutschen zwischen 1933 und 1945, die das Naziregime mehr oder weniger aktiv unterstützt haben’
Korrekt
‘zumindest aber keinen effektiven Widerstand dagegen leisteten und nicht in der Lage waren, es bis zum Kriegsende aus eigener Kraft zu beseitigen’
Finde ich nicht akzeptabel. Wie sollte eine Minderheit denn das Nazi-Regime beseitigen, das sagt sich heute so einfach an einem Schreibtisch mit über 60 Jahren Distanz. Wer Widerstand leistete, tat dies wohlwissend, dass dies sein Tod bedeuten könnte.
Es ist bewundernswert, dass manche Menschen z.Bsp. unter Einsatz ihres Lebens dem Regime Widerstand leisteten und Juden versteckten – allerdings kann man diese Art von Heldentum nicht jedem Menschen abverlangen, deshalb ist man aber noch lange kein Nazi.
Neben diesen Helden gab es natürlich genauso Menschen, die das Nazi-Regime ablehnten, sich in keiner Weise beteiligten und versuchten trotz ihrer Ablehnung das Regime zu überleben, denn wer Widerstand leistete, ja wer nur Ablehnung äußerte, riskierte sehr schnell sein Leben.
Die Mitglieder der Weißen Rose vereilten Flugblätter, wohlwissend, dass dies ihren Tod bedeuten kann. Das ist sehr heroisch, aber man kann das nicht ‘verlangen’.
Oppositionelle Jugendliche wurden deportiert mitunter alleine schon weil sie den ‘falschen’ Musikgeschmack hatten (Swing-Kids). Manche von Ihnen erlebten, viele von Ihnen wurden zunächst in Jugendlager und mit Erreichen der Volljährigkeit in KZs deportiert und im Zuge des Euthanesie-Programms ermordet.
Auch oppositionelle Geistliche wurden in KZs gebracht.(Priesterblock Dachau)
Einflußreiche politische Gegner wurden unmittelbar nach der absoluten Machtergreifung Hitlers (34) ermordet. Weiterhin Sozialdemokraten, Kommunisten, Pazifisten, konservative Oppositionelle etc.
Dies geschah mittels der ‘Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat’.
Später gewährleisteten ca. 200.000 Blockleiter und weitere ehrenamtliche Helfer die Überwachung der Bevölkerung schon auf leiseste Unmutsbezeugungen hin, Beflaggung, Leumundszeugnisse etc. über die akribisch Karteien geführt wurden, um der Bildung jeglichen Widerstands rechtzeitig zuvorzukommen. Sie waren auch Anlaufstelle für Denunzianten, denen natürlich Juden, aber eben auch jeder zum Opfer fallen konnte, der das Regime ablehnte und seine Zunge nicht im Zaum hielt.
Die Nazis führten also ein sehr strenges Regiment, um jeden politischen Widerstand im Keim zu ersticken.
Sicher gab es viele Anhänger Hitlers, vemutlich eine Mehrheit der Deutschen, allerdings war das Dritte Reich auch eine grausame Diktatur, nicht nur tödlich für jüdische Menschen, sondern auch für Andersdenkende und Oppositionelle jeglicher Art.
Ein gestern von mir hier eingestellter, ähnlicher Beitrag “ging verschütt”, während von anderen später geschriebene “Kommentare” längst freigeschaltet sind. Liebe ModeratorInnen, falls er doch noch auftaucht: bitte nicht mehr hereinstellen. Dies ist der Ersatz.
———
Warum Nazis bei Tucholsky, der sie sonst bestimmt aufgespießt hätte mit seiner spitzen Feder, in den frühen Zwanzigern keine Nationalsozialisten waren und Nationalsozialisten, obwohl sie einen österreichischen Kunstmaler in ihren Reihen hatten, sich damals bestimmt nicht gerne Nazis nennen ließen, was bis heute bei immer noch vielen ihrer Nachahmer u.ä. durchschlägt:
http://www.sudelblog.de/?p=376
Zitat: “Mach keine Kulleraugen, Leser. Wir wollen uns schnell darüber einigen, daß ich mit den »Nazis« jene gewisse Gattung des österreichischen, mährischen und speziell wienerischen Künstlervölkchens meine, die anfängt, obgemeldetes Berlin auf das Heftigste zu verpesten.”
Das passt wie Faust auf Auge voll auf eine Einzelperson, nämlich den von der Wiener Kunstakademie abgelehnten Herrn Hitler, jedoch nicht auf seinen rassistischen Verein. Dessen Mitglieder bekamen den Titel später. Sie werden ihn samt ihren Nacheiferern genau wie alle jeder braunen Couleur nicht mehr los. Das ist auch gut so. Von mir aus sollen sie ihn, wie z.B. der “Ami” Lauck, als Ehrentitel führen: was schert es mich, wie Nazis sich nennen und ob sie aus der Not eine Tugend machen wollen. Sie sind welche.
ego
@Jane
Darmlange Wortwürste!
Was ist eig. ein NAZI!
Ein Mitläufer?, ein Soldat im Kampf? oder nicht auch schon der, der der islamischen Ideologie “jeden Juden und Christen, auch wenn sie sich hinter einem Stein verstecken” Vorschub leistet. Dem Naziregime ging jahrelanges Schönreden und beschwichtigender Pazifismus hervor, der die Nazis erst zu Mörder machte. Sind nicht “Selbstislamisierer” wie die Bischöfin (?) Jepsen im Vorfeld nicht schon Wegbereiter einer antisemitischen und ántichristlichen Hetze. Wen man etwas von Geschichte versteht, dann schon!
http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Islam-Muezzin-Rufe-Hamburg;art122,2978891
@Robert Schlickewitz
‘Darmlange Wortwürste!’
die Art und Weise, wie sich Ihre Unfähigkeit einen Fehler einzugestehen manifestiert ist armselig, zutiefst gehässig und peinlich, mit anderen Worten ein Armutszeugnis für Sie selbst. Ihre ‘darmlangen Wortwürste’ können Sie sich sonst wohin schmieren.
@ego
‘ Von mir aus sollen sie ihn, wie z.B. der “Ami” Lauck, als Ehrentitel führen: was schert es mich, wie Nazis sich nennen und ob sie aus der Not eine Tugend machen wollen. Sie sind welche.’
Das ist ja auch okay und darüber brauchen wir hier wohl keine Diskussion zu führen, mit mir jedenfalls nicht, denn da bin ich ganz Ihrer Ansicht – nur in die gewichtigsten Nachschlagewerke deutscher Sprache kommen natürlich nicht die umgangssprachlichen Verkürzungen, die sich, wie das Wort schon sagt, umgangssprachlich durchaus etabliert haben, sondern die sprachlich korrekten Formulierungen vor und die lautet nun mal Nationalsozialist analog zu Nazi, sowie Sozialist analog zu Sozi. Das hat nichts mit Wertung zu tun und betrifft sämtliche Einträge zu jedwedem Thema. Das Feuilleton, die Satire etc. ist natürlich zu solcher ‘Sprachstrenge’ nicht zwingend verpflichtet. Der Gebrauch des Wortes Nazi im angelsächsischen Raum obliegt deren Sprachregelungen.
Dass sich über die deutsche Gesellschaft erst mal eine Decke des Schweigens legte ist unbestreitbar. Die Entnazifizierung machte leider auch vor manchen Leuten in durchaus relevanten Schlüsselpositionen durchaus halt, was ich unverzeihlich finde. So waren z.Bsp. noch in den 80ern Jura-Studenten mit Professoren konfrontiert, die ihre Karriere im dritten Reich begründeten, um mal ein Beispiel von vielen zu nennen.
Auch die Kinder und Enkel der Täter wissen oft nichts oder sehr wenig von der Vergangenheit ihrer Familienangehörigen, insofern diese im Nazi-Establishment aktiv waren und so steht einer gesellschaftlichen und historischen Aufarbeitung, die in Deutschland durchaus sehr umfänglich gegeben ist (wahrschneinlich mehr als reflektiv irgend eine andere Nation vollbracht hat), ein Mangel an Wissen über die Vergangenheit der eigenen Familie oft entgegen. In den 50ern sind viele Deutsche schlicht und ergreifend verstummt und dies betraf auch den engsten Familienkreis, wo die Kinder nichts von der Vergangenheit ihrer Eltern erfuhren.
Ich sags noch mal, dies anhand des Fehlens des Ausdrucks ‘Nazi’ in namhaften Nachschalgewerken festzumachen, ist freilich alles andere als sinnig, vor allem dann nicht, wenn der korrekte Ausdruck ‘Nationalsozialist’ im gleichen Nachschlagewerk mit hinreichender Definition vorhanden ist.
Jane
“Auch die Kinder und Enkel der Täter wissen oft nichts oder sehr wenig von der Vergangenheit ihrer Familienangehörigen…”
“In den 50ern sind viele Deutsche schlicht und ergreifend verstummt und dies betraf auch den engsten Familienkreis, wo die Kinder nichts von der Vergangenheit ihrer Eltern erfuhren.”
Was meine Feststellung, dass es sich bei unserer bundesdeutschen Gesellschaft um eine verlogene Gesellschaft handelt, nur zu deutlich unterstreicht!
Danke, dass Sie mir auch noch mit Ihren eigenen Worten zustimmen.
RS
Macht mal bitte einen Punkt.
Ich geboren 1958 habe keine Nazi Eltern.
Ich lasse mich aber auch nicht als Enkelkind der Nazis bezeichnen.
www. gefällig ?
Bitte schön
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/133325
NOCHMAL BITTE GENAU LESEN!
gosi
כ”ח בטבת ה’תש”ע (Januar 14th, 2010) at 17:55
Ich brauche einmal eure Hilfe.
Nationalsozialist oder Nationalsozialismus würde ich immer mit “NASO” aber niemals mit NAZI abkürzen!
Wie seht Ihr das?
Vielen Dank für Eure Mail´s.
Keiner hat bisher meine Frage beantwortet, sondern immer nur seine Meinung zu NAZI kundgetan.
Könnt Ihr nicht mal eine einfache Frage beantworten, ohne gleich in Selbstdarstellung zu zerfließen?
Also nochmals meine ganz einfache Frage:
Nationalsozialist oder Nationalsozialismus würde ich immer mit “NASO” aber niemals mit NAZI abkürzen!
Wie seht Ihr das?
Es ist keine Abkürzung, sonern eine Verächtlichmachung.
@Joe1955
das was Sie behaupten, hat keiner getan, Sie tun es. Lesen Sie doch genauer worum es geht.
@gosi:
Es gibt verschiedene Formen um Begriffe sprachlich zu kürzen. Handelt es sich um einen “technischen” Ausdruck wählt man (im Deutschen) meist jeweils die ersten (oder ersten zwei) Buchstaben (z.B.: United Nations := UN). In diesem Fall spricht man von einer Abkürzung. Bei Abkürzung gibt es darüberhinaus die Regel (welche aber nicht durchgängig ist), dass man die Initialen als Buchstaben und nicht als ihren Klang liest, d.h. “UN” wird als “u-en” und nicht als “un” gelesen.
ABER bei den meisten Verkürzungen (oder ähnlichen Phänomen, wie Verballhornungen, Koseformen, etc.) handelt es sich nicht um Abkürzungen, sondern um Ausdrücke, welche nicht nach rein technischen Gesichtspunkten gestaltet werden, sondern bei denen andere sprachliche Eigenschaften oder Assoziationen eine Rolle spielen. Diese Art von Verkürzungen werden auch als vollwertige Worte verstanden und genutzt. Bsp.: Das Autokennzeichen von “Ludwigshafen am Rhein” verwendet die (technische) Abkürzung “LU”, sprich “el-u”; gleichzeitig ist in der gesprochen Sprache in Ludwigshafen die sprachliche Verkürzung “Lu”, sprich “lu” im Umlauf.
Bestes Beispiel hierfür sind Koseformen von Vornamen; hier können regionale Vorlieben, persönliche Eigenschaften (Herkunft, Geschehnisse,…) oder auch die Haltung zu der Person eine Rolle spielen. Daher kann “Peter” dann auch zu “Pe”, “Pit”, “Piet”, “Petze”, o.Ä. werden, oder aus “Alexander” kann “Alex”, “Ali”, “Sascha”, o.Ä. werden.
Im Falle von “Nazi” handelt es sich zwar um eine (irgendwie geartete) Verkürzung, aber NICHT um eine Abkürzung, welche festen Regeln folgen würde und die nicht als Wort, sondern als Sequenz von Buchstaben gelesen würde. Die Abkürzung von “nationalsozialistisch” lautet von daher auch nicht “Nazi”, sondern “NS”, sprich “en-es”. Es hätte sich von daher auch statt “Nazi” sagen wir mal “Naso”, “Nisolist”, “Nisist”, “Nist”, “Nasost”, o.Ä. durchsetzen können. Eine feste Regel gibt es hierfür nicht.
Bei der Verkürzung insbesondere von ideologischen Begriffen spielen allerdings in besonderen Maße Assoziationen aber auch die Haltung eine Rolle. Im Falle von “Nazi” spielt vor allem die Assoziation mit “Sozi” eine Rolle, daher auch “Nazi” und nicht (bsp.) “NaTi” (was ja bei “naTionalsozialistisch” näher läge). Wie der Begriff “Sozi”, so war auch der Begriff “Nazi” eine pejorative Fremdbezeichnung und die Verkürzung sollte vermutlich klanglich “unangenehm” und “hart” klingen. Evt. spielten auch Assoziationen mit Koseformen wie “Bazi”, “Basti”, “Spezi”, “Spatzi”, etc. eine Rolle.
Lange Reder, kurzer Sinn: Es gibt bei sprachlichen Verkürzungen mit Ausnahme (technischer) Abkürzungen, keine Regeln dafür, was sich durchsetzt. Von daher kann es zwar vorkommen, dass man persönlich eine andere Verkürzung wählen würde, berufen kann man sich darauf jedoch nicht. D.h. “Nazi” ist im Gegensatz zu “Naso” korrekt, da “Nazi” von einer großen Zahl an Sprachnutzern verstanden wird, “Naso” jedoch nicht.
@ Jane
Ihre Kritik ist insofern berechtigt, als ich in meiner Definition vielleicht nicht klar genug zwischen Kollektiv- und Individualbegriff unterscheide – d.h. eine *Mehrheit* der Deutschen hätte das Naziregime beseitigen sollen. Es wäre tatsächlich anmaßend und realitätsfremd, einer Minderheit oder gar einem einzelnen vorwerfen zu wollen, daß ihr/ ihm das Unmögliche bzw. Unzumutbare nicht gelungen ist. Ich glaube, in den Anfangsjahren hätte evtl. noch eine Chance auf erfolgreichen Widerstand bestanden… sobald (und solange) eine Diktatur jedoch etabliert ist, ist dies i.d.R. nur noch unter Einsatz des eigenen Lebens möglich.
Ich sehe den “Nazi”-Begriff daher v.a. als *Chiffre*, die den Moment und den Umfang bezeichnet, in dem man schuldig, also zum Täter wird. Mir geht es nicht darum, Schwarz-weiß-Etiketten zu verteilen nach dem Motto “schuldig/ unschuldig”, “Nazi/ Nicht-Nazi”: Auch “echte” Nazis waren ja nicht 24 Stunden am Tag, 12 Jahre lang nur Nazis. Auch hier gab es ambivalente Persönlichkeiten, gab es eine persönliche Entwicklung und Entscheidungssituationen, vor die der eine gestellt wurde und der andere nicht. Letztlich ist es also die Tat (bzw. Nicht-Tat) in einer Situation, in der es auch eine Alternative gegeben hätte, die den Nazi vom Nicht-Nazi unterscheidet – und in der sich seine Gesinnung manifestiert.
Mir erzählte einmal ein Mann, der als Kommunist im KZ war, daß seine Frau einem russischen Kriegsgefangenen oder KZ-Häftling, der zu Aufräumarbeiten nach einem Bombenangriff eingesetzt war, einen Teller Suppe gegeben habe… Er küßte ihr die Hände dafür – es muß eine sehr ergreifende Szene gewesen sein, die den alten Mann, der sie selber gar nicht erlebt hatte, Jahrzehnte nach dem Kriegsende noch bewegte. Natürlich entscheidet nicht (nur) ein Teller Suppe über Nazi oder Nicht-Nazi. Aber es gab viele solcher Gelegenheiten, in denen man sich auch anders hätte verhalten können, ohne gleich das eigene Leben dabei zu riskieren und es geht darum, wie sowohl der einzelne als auch die Mehrheit der Deutschen sich in der Mehrheit dieser Situationen verhalten haben.
AN “her”
Vielen Dank!
Endlich ein Mensch der lesen kann!
Endlich ein Mensch der ohne Selbstdarstellungsneurose eine Frage beantworten kann.
Mir bleibt nichts anderes übrig als DANKE zu sagen.
DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE
@ gosi
Ihre Frage wurde übrigens bereits 2 Stunden und 20 Minuten nachdem Sie sie erstmals gestellt hatten beantwortet.
Der Begriff “Nazi” stammt historisch betrachtet aus der Ursprungszeit, der “Münchener Zeit” des Nationalsozialismus. Bis dato galt dieses Wort als Koseform von “Ignatius”, eines in Bayern gewöhnlichen Namen. Als bezeichneten Spitznamen und Kurzform wählte man diese als familiär und bayerisch- volkstümlich empfundene Abkürzung. Seitdem hatte sich “Nazi” als Kurzform für Nationalsozialist in den Sprachgebrauch eingebürgert.
Kurzformen und Bezeichnungen sind keine willkürlichen Erscheinungsformen; sie sind in einen historischen Kontext eingebunden. In der Geschichte sollten zwar wissenschaftliche Begriffe klar erfasst werden und innerhalb einer Argumentation auch widerspruchsfrei dargelegt werden. Aber wie eine naturwissenschaftliche Formel lassen sie sich nicht definieren.