Am Schabbat treffe ich mich am liebsten mit Freunden, erzählt Denis Sorokin (27). Wir gehen dann gemeinsam zu einer Schabbatveranstaltung jüdischer Studenten bei Chabbad oder in der Gemeinde. In letzter Zeit setzen wir uns aber auch einfach immer öfter privat zusammen. Einen perfekten Schabbat kann es aber nur in Israel geben, so der aus der Ukraine stammende Student, der heute in Berlin lebt…
Alexandra Schapiro, 35, Ingenieurin in München, geboren in Lettland
Früher ging ich fast jeden Schabbat zur Synagoge. Als ich Kinder bekam, wurde das aber sehr anstrengend, insbesondere weil ich nur noch aufpassen muss, dass meine Kinder niemanden stören. Und Stress ist ja gerade „Anti-Schabbat“. Deshalb gestaltet sich mein Schabbat nun als „Herumhängen“ in den eigenen vier Wänden: essen, schlafen, lesen, mit den Kindern spielen und mal ohne einen „aktuellen Anlass“ mit meinem Partner plaudern. Am Samstagabend, nach dem Schabbat, gehen wir aus. Sonntags arbeite ich nebenberuflich von Zuhause, und gerade dieses Kontrastprogramm macht für mich den Schabbat aus.
Igor M., 56, Arbeitsloser aus Hessen, geboren in Weißrussland
Ich gehe freitagabends immer in die Synagoge. Allerdings bringt mich mein Nachbar, ein Jude aus Minsk, mit dem Wagen dorthin gebracht. Auf dem Rückweg diskutieren wir oft, was wichtiger ist: dass wir mit anderen Juden zusammen waren oder dass der Schabbat bereits begonnen hat und wir verbotenerweise Auto fahren. Am besten wäre es, wenn wir den Schabbat selbst, zu Hause, feiern könnten. Dazu fehlen uns aber die Kenntnisse. Am Samstag lese ich im russischen Siddur die Gebete und wenn ich eine Tora auf Russisch geschenkt bekomme – meine Schwester fährt bald nach Israel und hat versprochen, diese zu bringen – werde ich jeden Samstag darin lesen.
Elena Zolotareva, Künstlerin in Berlin, geboren in Russland
Ich gehe freitags oft zur Synagoge, aber den Samstag – sorry! – verbringe wie eine „normale“ Berlinerin. Morgens gehe ich zum Sportstudio für Yogatraining und Sauna und dann zum Shopping. All das tut mir richtig gut. Ich verstoße zwar gegen die Schabbatregeln, aber nicht gegen den Geist des Schabbats: Ich freue mich des Lebens, tue mir etwas Gutes und – im Gegensatz zu den anderen sechs Tagen der Woche – bin ich samstags nicht schöpferisch tätig.
Tatjana Salzman, Krankenschwester in Dresden, geboren in Russland
Mit dem Schabbat ist meine Arbeit nicht zu vereinbaren. Wenn meine Schicht im Krankenhaus für den Samstag eingeplant ist, kann ich zwar für mich leise seufzen, aber ich muss dann hin und arbeite schwer. Mein Trost ist, dass in Israel die Kranken in den Krankenhäusern auch am Samstag vom jüdischen Personal betreut werden.
Von Irina Leytus, Zukunft
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