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Achtung! Achtung! Der Klang der Deutschen Sprache

Es gibt ein neues Lied in „Galgalatz“ (Verkehrsfunk des Militärsenders „Galei Zahal“). Das Lied ist von der Dresdner Band „Polarkreis 18“ und es heißt „Allein, allein“. Bei dem Refrain schließen sich der Band die Stimmen einer deutschen Menschenmasse an, die brüllt „Allein, allein“…

Karni Eldad berichtet in Israel hajom: Der Klang der deutschen Sprache ist noch immer unerträglich

Das Lied ist in der Hitparade des Senders platziert, der einer der populärsten Sender Israels ist, und niemand hält für einen Moment inne und fragt sich, ob es eigentlich in Ordnung ist, dass das Gebrüll einer deutschen Menschenmenge in einem jüdischen Radiosender zu hören ist.

Vor einem Jahr kam Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Knesset und sprach dort in ihrer Muttersprache. Das hat niemanden gestört (mit Ausnahme meines Vaters, MdK Arie Eldad). Eine Rede auf Deutsch im israelischen Parlament erfüllte die Volksvertreter mit dem perversen Stolz auf „Normalisierung“. Sie verschlossen auch ihre Ohren, als die Kapelle das Deutschlandlied spielte, die deutsche Hymne, die auch die Hymne der Nazis war.

Jigal Alon sagte einmal: „Ein Volk, das seine Vergangenheit nicht kennt, dessen Zukunft liegt im Ungewissen“… Ein Volk, dessen Angehörige in Betracht ziehen, nach Deutschland auszuwandern, weil dort der Lebensstandard höher ist; ein Volk, dessen Angehörige Architektur in Berlin studieren; ein Volk, dessen populärster Radiosender einen deutschen Refrain in seiner Hitparade hat, das ist ein Volk, das sich nicht daran erinnert, was sein Erzfeind ihm angetan hat.

Wir würden uns freuen, wenn wir ein gesundes, normales Volk wären, ohne ein Holocaust-Trauma. Aber allein der Versuch, dieses Trauma zu ignorieren, ist eine Leugnung der Realität. Ein Auslöschen der Vergangenheit ist pathetisch und falsch. Es kann auch nicht gelingen.

Das nationale Trauma jedes Chromosoms in unseren Genen ist so tief, dass es sogar den Wunsch überkommt, so „normal“ wie andere Völker zu sein. Ein gesundes Volk ist ein Volk, das aus seiner Geschichte lernt, das nicht vergisst. Wir dürfen ruhig sagen, dass die deutsche Sprache schrill in unseren Ohren klingt. Im Radio, in der Knesset, auf der Straße. Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern.

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50 comments to Achtung! Achtung! Der Klang der Deutschen Sprache

  • Koshiro

    Öhm… im Nationalsozialismus war bekanntlich nur die erste Strophe (die heute aus nahliegenden Gründen nicht mehr verwendet wird) des Deutschlandliedes Nationalhymne… und selbst die spielte die zweite Geige hinter dem Horst-Wessel-Lied. Wenn man das weiterverwendet hätte, das wäre bedenklich gewesen… aber so?

    Das Deutschlandlied als Ganzes war Nationalhymne der Weimarer Republik (im Kaiserreich gab’s keine offizielle Nationalhymne) und der Bundesrepublik, mithin in den einzigen deutschen Demokratien. Da sehe ich keine verdammenswerte Kontinuität, um deren Willen man die Hymne einer sozialistischen Diktatur hätte vorziehen sollen.

  • karlheinz

    Zamba hat vollkommen recht; bei einer solchen deutschen Geschichte immer noch ein “über alles” zu singen oder zu spielen ist vollkommen unangebracht und so wäre,  die DDR-Hymne zu übernehmen, keine schlechte Idee gewesen. Dass unser rechtsradikaler Reserveoffizier Koshiro, das anders sieht, war nur zu erwarten.

  • Koshiro

    Karlheinz arbeitet mal wieder daran, seinen Ruf als Ignorant auszubauen. Jedes Kind weiß, daß seit langem auch de jure nur und ausschließlich die dritte Strophe des Deutschlandliedes Nationalhymne ist (was ja de facto schon seit 1952 der Fall ist) und ergo von “über alles” nichts zu hören ist.

  • Dan

    Und selbst wenn nicht..”Über alles” hatte einen ganz anderen Sinn als die Deutschen um ihre Identität im Freiheitskampf gegen Napoleon gekämpft hatten.

    Natürlich hat er nichts gegen die martialischen, bedrohlichen Hymnen der Briten (die immer noch die Meere beherrschen) or die der Franzosen (ganz schön blutrünstig aufrufend zu Mord)…deren imperiale Vergangenheit scheint ihn ja nicht zu stören.
    Naja….als nächstes kommt dann wahrscheinlich ein Essay über die fiesen Farben unserer Fahne, stammt ja auch aus den Befreiungskriegen.

    Deutsch = mies!

    Ich glaub, er würde nicht mal nach Israel passen mit so einer Einstellung…armer Junge! :)

  • makkabäer

    @Koshiro
    …und ergo von “über alles” nichts zu hören ist.”
     
    Das meinen auch nur Sie. Die meisten Deutschen haben das “über alles”  derart stark verinnerlicht, dass, wenn man sie nach der Hymne fragt, genau dieses “über alles” immer wieder mit genannt wird.
     
    Fragen Sie ruhig mal in Ihrem Bekannten-/Freundeskreis nach!
    Sie werden staunen.
     
    Da hilft es überhaupt nichts, dass da einst etwas von den politisch Verantwortlichen mit guten Absichten gestrichen wurde. Theorie und Praxis sind zweierlei!

  • Esther

    @ Trauriger Artikel
    Aufgrund des Familienumfeldes von Karni Eldad liegt die Vermutung natürlich nahe, daß Arabisch kaum weniger schrill in seinen Ohren klingt und er einfach nur jemand ist, der Feindbilder braucht… Auch dies könnte man als indirekte Folge des Holocaust erklären oder als ganz individuelles psychologisches Defizit – die Spekulation darüber brächte uns wohl kaum weiter.

    Im übrigen besteht für den Leser das Problem ja nicht darin, negative Gefühle anderer Menschen akzeptieren zu können, insbesondere wenn sie von einem persönlichen oder kollektiven Trauma herrühren und man selber mit diesem Trauma in einer Verbindung steht (z.B. auch Einfluß auf seinen Heilungsprozeß nehmen könnte). Die Frage ist also nicht, ob jemand negative Gefühle besitzt und äußert, sondern *wie* er sie äußert – ob er ihnen einen aggressiven, destruktiven, andere Menschen verletzenden Ausdruck verleiht.

    Eldads Artikel ist in dieser Hinsicht ein Grenzfall: Zunächst muß man anerkennen, daß er sich an ein israelisches Publikum wendet und dafür wirbt, negative Gefühle gegenüber Deutschen/ Deutschland zuzulassen und sie nicht – wie er der Mehrheit seiner Landsleute unterstellt – zu verdrängen. Dies ist durchaus positiv zu werten, nachdem er damit auch keine politischen Forderungen – wie z.B. ein Verbot deutscher Musik im Radio o.ä. – verbindet. Trotzdem erscheint einem dieses “Plädoyer für die Zulassung von Gefühlen” irgendwie vordergründig. Warum?

    Bei einem erwachsenen (im psychiatrischen Sinne nicht behandlungsbedürftigen) Menschen darf man erwarten, daß ihm zumindest auf der rationalen Ebene klar sein müßte, daß es sich um keine sonderlich zukunftsorientierten Gefühle handelt. Bei Eldad sind jedoch keine Anzeichen dafür erkennbar, daß er dies zu reflektieren versucht bzw. bereit wäre, an sich zu arbeiten – keinerlei Ansatzpunkte für einen Dialog also.

    Letztlich redet er nur der Unveränderbarkeit menschenverachtender Gefühle das Wort… denn um nichts anderes handelt es sich, wenn man der Gegenseite (in diesem Fall dem Kollektiv “deutscher Erzfeind”) signalisiert, daß – egal, was sie sagt oder tut und egal, wie sie sich verhält – sich nichts an der negativen Einstellung ihr gegenüber ändern wird. Und das ist (sorry, Jim) eben nicht akzeptabel.

    P.S.: Was will der Autor eigentlich mit seinem Artikel erreichen ?

    Die Pflege eines negativen Deutschenbildes als Teil einer extrem selektiven Erinnerungskultur – Eldad reduziert ja die jüdisch-deutsche Geschichte (inkl. Zukunft!) ausschließlich auf den Holocaust – scheint für ihn reiner Selbstzweck zu sein. Insofern ist der Artikel auch ziemlich uninteressant und kann nur als Anlaß dienen, über das Thema allgemein nachzudenken.

  • willow

    “Eldads Artikel ist in dieser Hinsicht ein Grenzfall: Zunächst muß man anerkennen, daß er sich an ein israelisches Publikum wendet und dafür wirbt, negative Gefühle gegenüber Deutschen/ Deutschland zuzulassen und sie nicht – wie er der Mehrheit seiner Landsleute unterstellt – zu verdrängen. Dies ist durchaus positiv zu werten, nachdem er damit auch keine politischen Forderungen – wie z.B. ein Verbot deutscher Musik im Radio o.ä. – verbindet.”
    Damit bringen sie eine wichtige Saite zum klingen… es ist ja in der Tat so, daß sich Besucher aus Deutschland in Israel häufig darüber freuen (und wundern…?), daß sie mit großer Freundlichkeut aufgenommen und angenommen werden, ihne fast nie negative Gefühle (offen?) entgegentreten. Wobei gerade dies -zumindest in meinem Bekanntenkreis- intensivere Beschäftigung mit “dem Thema” provozierte, als offene Feindlichkeit es jemals erreicht hätte…
     

  • Taurus

    Habe mir dieses Thema sehr interessiert durchgelesen. Die unterschiedlichen Standpunkte haben mich sehr nachdenklich gemacht.
    Nunja, es ist ein schwieriges und bewegendes Thema.
    Ich kann verstehen, dass Karni Eldad sich mit der Wiederöffnung hin zur deutschen Sprache in Israel schwer tut. Bei ihm sind die Gedanken an die Shoah stärker im Kopf verhaftet, als heutzutage bei vielen anderen jungen Menschen in Israel.
    Vielleicht rührt es von seinem Vater her oder das Interesse bzw. sie Emotionen zu diesem Thema haben sich ganz selbstständig entwickelt.
    Seine Schilderung beschreibt eine Sichtweise die für eine generelle Lebensentwicklung steht, die wir höchstwahrscheinlich schonmal alle durchgemacht haben:
    Das Zurückbleiben bei einem Umbruch. Das Nachtrauern einer wegfallenden aber an sich bewährten Situation. In diesem Fall das Festhalten am Feindbild Deutschland und dessen (Un?)Kultur.
    Ich bitte dies nicht falsch zu verstehen, ich will den Artikel von Karni Eldal nicht bewerten. Dies haben hier die vorherigen Schreiber bereits ausführlich getan.
    Worüber ich mich aber äußern möchte, ist die Streitkultur hier.
    Es ist sehr auffällig, dass Begriffe wie Antisemitismus, Judenfeindlichkeit und Israelgegner gerne als Waffe gegen (auch noch so sachliche) Kritik gegenüber pro-israelischen oder pro-jüdischen Hardliner-Ansichten ins Feld geführt werden.
    Wenn “supi” beschreibt, dass er sich als Deutscher nicht schämt und eine Wahrheit in Sachen Rüstungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel anspricht (was nichts negatives sein muss), dann wird er von “karlheinz” gleich mit allen negativen Eigenschaften belegt (welche ja so typisch deutsch sind), und es folgt die Unterstellung ”supi” sei in den abgründigen Tiefen seines Herzens doch ein Judenfeind.
    Jeremy belegt einen anderen Schreiberling mit einem Fluch (Schande über Sie), weil er eine revisionistische Gegenaufrechnung von Verbrechen wittert.
    Eine sachliche Anfrage für eine klärende Stellungnahme hätte es hier vielleicht auch getan.
    Ein anderer Schreiber wittert bei den Deutschen die Gefahr, weil sie das Deutschlandlied weiter als Nationalhymne singen. Hmmm viele von denen fahren auch weiterhin Volkswagen und trinken Fanta (Achtung, das war in der Kriegszeit die Nazi-Eratzbrause für Coca-Cola!)
    Hmmm, aber auch viele Israelis und Juden in allen Teilen der Welt tun das… mehr oder weniger wissentlich.
    Aber vielleicht ist die Kritik an diese Form von Streitkultur nicht gerecht.
    Schließlich ist das die Art, wie auch der Zentralrat der Juden in Deutschland mit Kritik umgeht. Ein Vorbild, welches als moralische Instanz aufgrund der deutschen Kollektivschuld über jeden Zweifel erhaben ist.

    Um es kurz zu machen, …Menschen, egal ob Christen, Moslems, Juden, Zeugen Jehovas, Atteisten, Vegetarier oder Blumenzüchter etc. haben das gleiche Maß an Verantwortung für das friedliche Nebeneinander von Menschen jeglicher Herkunft, Rasse und Religion. Dies ist unabhängig von Schuldhaftigkeit vergangener Generationen bestimmter Völker.
    Jeder der sich dieser Verantwortung entzieht oder sie zu seinen Gunsten mit einem “schuldbeladeneren” Menschen verrechnen will, begeht den ersten Schritt auf den Irrweg des Bösen.
    Nicht Scham und das Ergehen in Demut ist der richtige Weg, sondern Aufgeschlossenheit, Toleranz und Nächstenliebe. Da haben wir alle einen schweren Weg vor uns!

    Hmmm..wenn ich das so lese, …ich klinge wie ein Wanderprediger..fehlt nur noch das Amen
    Ich überlege nun ob ich hier gerade einen Anlass für den Vorwurf des Antisemitismus geliefert habe….

  • Esther

    @ Taurus
    Zu Ihrer Information:
    Das Kapitel “Karlheinz” (und offensichtlich auch “Makkabäer”) scheint abgeschlossen zu sein…

    http://www.hagalil.com/archiv/2009/08/05/nazis-in-bayern/comment-page-1/#comment-5074
    http://www.hagalil.com/archiv/2009/08/05/nazis-in-bayern/comment-page-2/#comment-5535

    … was natürlich nicht erklärt, warum seine “Streitkultur” hier so lange auf so wenig Widerspruch gestoßen ist.