Werk C – Ein Zeitzeugenbericht aus den Fabriken des Todes

Kurz nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald im April 1945 begann Mordechai Strigler seine Erfahrungen in den Lagern des besetzten Polens literarisch zu verarbeiten. Nun ist nach „Majdanek“ und „In den Fabriken des Todes“ der dritte Teil seiner Tetralogie „Verloschene Lichter“ erschienen…

(c) Leah Strigler

Strigler schildert in „Werk C“ die Monate von September 1943 bis März 1944 im Arbeitslager Skarzysko-Kamienna, das vom Leipziger Rüstungsunternehmen HASAG AG betrieben wurde. Während er im vorangegangenen Band viel über die äußeren Umstände und Produktionsbedingungen schrieb, stellt dieser Band das Gewebe der zwischenmenschlichen Beziehungen der Häftlinge in den Mittelpunkt. Werk C, „ein großes Rad des wahnsinnigen Todes, das Menschen hineinzieht und ihnen das Blut aussaugt“, war auch ein Ort für Beziehungen, Begegnungen, für Liebe, Enttäuschung und Prostitution. 

Strigler stellt den Alltag im Werk dar, die komplizierten Machtverhältnisse zwischen den einzelnen Häftlingsgruppen, zwischen Aufsehern und Häftlingen. Es ist kein einfaches Buch. Man muss zwischen den Zeilen lesen und sich auf die teils ausführlicheren Passagen einlassen. Denn dann entfaltet sich die Welt, die Strigler auf den ersten Seiten so beschreibt:

„Selbstverständlich wird diese Welt untergehen. Das ist sicher und alle wissen es: die Deutschen, die Polen, die Ukrainer und vor allem die Juden selbst. Aber das gibt es: Man arbeitet viele Monate daran, eine Arena aufzubauen, ein Bühnenbild, von dem niemand weiß, für wie lange es halten muss. Und doch bereitet man sie vor und stattet sie mit allen Details aus. Alle die ausgedörrten Skelette wissen eigentlich, dass man hier keine normale Welt baut, in der man wird leben können und müssen. Hier errichtet man nur einen Ort für das Spiel, in dem man eine gewisse Zeit eine Rolle spielen muss, die ein teuflischer Regisseur sich erdacht hat.“

Mordechai Strigler wurde 1918 bei Zamość (Polen) geboren. Er überlebte als Häftling verschiedener Arbeits- und Konzentrationslager. Kurz nach seiner Befreiung emigrierte er nach Paris und begann seine Erfahrungen in der Tetralogie „Verloschene Lichter“ niederzuschreiben. 1952 ging er nach New York und arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1998 für jiddische Zeitungen. 1978 erhielt er den Itzik Manger-Preis für Jiddische Literatur.

Mordechai Strigler, Frank Beer (Hrsg.), Sigrid Beisel (Übers.), Werk C. Verloschene Lichter III. Ein Zeitzeugenbericht aus den Fabriken des Todes, zu Klampen Verlag 2019, 460 S., Euro (D) 32,00, Bestellen?

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