11. Jüdische Filmtage im Jüdischen Gemeindezentrum am Jakobsplatz in München

Wie kann man in acht Tagen durch viele Welten reisen? Die Antwort liegt ganz nahe: Mit den 11. Jüdischen Filmtagen am Jakobsplatz…

Wie alle Weltreisen bietet diese Tour mit ihren acht Stationen viele widersprüchliche Eindrücke: Sie ist anregend und anstrengend, erkenntnisreich und erschütternd, erheiternd und erschreckend, unterhaltsam und unglaublich.

Immer wieder hört man, dass Vergangenes nicht wirklich nachvollziehbar sei: Bis zu einem gewissen Grad ist das richtig, weil Historisierung von Erfahrungen und Erinnerungen abschirmen kann, die unerträglich wären. Andererseits können einen gerade im Film Themen, die unerzählbar scheinen, immer wieder aufs Neue in Staunen versetzen. Das Sehen, Wiedererkennen, Verstehen und Weitersinnen machen die Faszination des Films aus. Das werden Ihnen – vom Dokumentar- bis zum Spielfilm, vom sorgsam Recherchierten bis zum phantasievoll Ausgemalten – die acht Beiträge des diesjährigen Programms im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen.

Aus dem Grusswort von Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Von Mittwoch, 15. Januar bis Samstag, 15. Februar 2020

ZUM PROGRAMMHEFT (Pdf)

 

Mittwoch, 15. Januar 2020, 19.00 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum
»The Invisible Line – Die Geschichte der Welle«

Dokumentarfilm, Deutschland 2019, 45 Min.
Regisseur/Produzent/Autor: Emanuel Rotstein
Kamera: Alexander Vexler
Schnitt: Rodney Sewell
Mitwirkende: Ron Jones, Mark Hancock, Deanna Jones, Debbie Berry, Alyssa Reit, Jo Ann Wood Gasaway, Phil Neel, Steve Coniglio und Russel Mulock
Dt. Stimme von Ron Jones: Hanns Zischler

Grußwort: Anton Biebl, Kulturreferent der Landeshauptstadt München

Ron Jones am Originalschauplatz  in Palo Alto © PR Crime + Investigation

Das Schulexperiment »Die Welle«  des Geschichtslehrers Ron Jones demonstrierte, wie schnell totalitäres Gedankengut in einer Gesellschaft Fuß fassen kann. Morton Rhues gleichnamigen Bestseller zählt seit Generationen rund um den Globus zur Schulpflichtlektüre.

Mit »The Invisible Line – Die Geschichte der Welle« kommt erstmals eine Dokumentation über die Hintergründe und den tatsächlichen Ablauf des Experiments auf die Leinwand.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Eintritt: 5 Euro, für Schüler, Studenten und Münchenpass-Inhaber frei.
Anmeldung unter: 089/20 24 00-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse
Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

 

Donnerstag, 23. Januar 2020, 10.00 Uhr, NS-Dokumentationszentrum München
»Leni … muss fort«

Spielfilm nach einer wahren Begebenheit, Deutschland 1994, 86 Min.
Regie und Drehbuch: Leo Hiemer
Kamera: Marian Czura
Schnitt: Ulrike Leipold
Musik: Vyšniauskas-Quartett
Darsteller: Johannes Thanheiser, Christa Berndl, Franz Buchrieser und Johanna Thanheiser

Das Mädchen Gabi (»Leni«) im Dirndl © Leo Hiemer

Ein fünfjähriges Mädchen, das bei Allgäuer Bauern als Pflegekind untergebracht ist, muss 1943 seine Heimat verlassen. Seine jüdische Mutter ist bereits ermordet worden. Alle Bemühungen des Pflegevaters und des Dorflehrers, das Kind zurückzuholen, bleiben erfolglos. »Leni« wird in Auschwitz ermordet.

Im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Leo Hiemer.

Veranstaltungsort: NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer Platz 1, 80333 München
Eintritt: frei
Anmeldung für Schulklassen unter veranstaltungen.nsdoku@muenchen.de
Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und NS-Dokumentationszentrum München

 

Dienstag, 28. Januar 2020, 19.00 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum
»Ein Abend für Beyle Schaechter-Gottesman«

Dokumentarfilm: »BEYLE: The Artist and Her Legacy«, USA 2019, jidd. / engl. OF mit engl. Untertiteln
Regie: Liz Walber, Christa Whitney
Produzent: Robin und Danny Greenspun
Cinematographie: Christa Whitney, Heather Daniles Pusey, Amanda Lundquist, Liz Walber
Color & Sound Mix: Rikk Desgres
Mitwirkende: Beyle Schaechter-Gottesman, Itzik Gottesman, Gitl Schaechter-Viswanath, Rukhl Schaechter, Esther Gottesman, Asya Vaisman-Schulman

Einführung: Dr. Evita Wiecki, Jiddisch-Lektorin an der LMU München.

Beyle Schaechter-Gottesman überlebte mit ihrem Mann das Ghetto von Czernowitz. Nach der Befreiung emigrierten sie nach New York, wo sich Beyle Schaechter-Gottesman für jiddisch-sprachige Kultur engagierte: Sie schrieb Unterrichtsmaterialien, Theaterstücke und Lieder und gab eine Kinderzeitschrift heraus.

Anschließend Konzert mit Liedern von Beyle Schaechter-Gottesman, präsentiert von der Sängerin Andrea Pancur und dem Akkordeonisten Ilya Shneyveys.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Eintritt: 7 Euro/ ermäß. 5 Euro, für Schüler, Studenten und Münchenpass-Inhaber frei.
Anmeldung unter: 089/20 24 00-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse
Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

 

Donnerstag, 30. Januar 2020, 19.00 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum
»Refugee Lullaby«

Dokumentarfilm, Österreich, Israel 2019, 73 Min., engl. / dt. / jidd. OF mit dt. Untertiteln
Regie/Buch/Schnitt: Ronit Kerstner
Produktion: WILDart Film
Koproduktion: Ronit Kerstner Productions
Kamera: Shalom Rufeisen, Jerzy Palacz
Musik: Hans Breuer
Originalton: Johannes Bültermann, David Almeida-Ribeiro, Nora Czamler
Mitwirkende: Hans Breuer, Verena Krausneker, Mingo Georgi, Louis Georgi, Rosa Georgi, Efe Turumtay, Nikola Zaric

»Refugee Lullaby« Hans Breuer mit seinen Schafen © Hans Breuer

Hans Breuer hütet Schafe und singt dabei jiddische Lieder. Im Herbst 2015 fuhr er regelmäßig Fluchtrouten ab, um Asylsuchende ein Stück des Weges mitzunehmen, Essen, Tee und Informationen zu verteilen. Die Verfolgung seines Vaters in der NS-Zeit im Kopf sagt Breuer: »Es geht mir nicht um Wohltätigkeit, es geht um Solidarität«.

Anschließend spricht Ellen Presser mit Hans Breuer.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Eintritt: 5 Euro, für Schüler, Studenten und Münchenpass-Inhaber frei.
Anmeldung unter: 089/20 24 00-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse
Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

 

Sonntag, 2. Februar 2020, 17.00 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum
»Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein«

Spielfilm, Österreich 2019, 134 Min.
Regie: Rupert Henning
Drehbuch: Uli Brée, Rupert Henning
Produzenten: Danny Krausz, Kurt Stocker
Ausführende Produzentin: Isabelle Welter
Kamera: Josef Mittendorfer (AAC)
Montage: Alarich Lenz (AEA)
Ausstattung: Katharina Wöppermann (Szenenbild), Christine Ludwig (Kostümbild), Helene Lang, Roman Braunhofer (Maskenbild)
Musik: Kyrre Kvam
Darsteller: Karl Markovics, Sabine Timoteo, Valentin Hagg, André Wilms u. a.

Mutter und Sohn verlassen das Internat © Dor Film Produktion

Paul Silberstein, Spross einer Zuckerbäckerdynastie, ist ein seltsames Kind. Im Österreich der späten 1950er Jahre entdeckt er die Macht der Vorstellungskraft, des Eigensinns und des Humors – und seine außergewöhnliche Begabung zum Gestalten eigener Welten und Wirklichkeiten. Dies ist auch bitter nötig, denn der ebenso exzentrische wie despotische Vater hat eigene Pläne für den Sohn. Ein zugleich berührender wie erschütternder Film nach Motiven von André Hellers gleichnamiger Erzählung.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Eintritt: frei
Anmeldung unter: 089/20 24 00-491 und per E-Mail an karten@ikg-m.de
Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

 

Donnerstag, 6. Februar 2020, 19.00 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum
»Die vorletzte Freiheit – Landschaften des Otto Dov Kulka«

Dokumentarfilm, Deutschland, Tschechien 2018, 65 Min. dt. / hebr. / tschech. OF mit dt. Untertiteln
Autor/Regisseur: Stefan Auch
Co-Autor: Markus Bauer
Produktion: Stefan Auch, Anna Bürgermeisterová
Kamera: Katinka Zeuner
Montage/Dramaturgie: Anna Theil
Schnittassistenz: Sharon On
Ton: Oliver Eberhard
Mitwirkende: Otto Dov Kulka

Filmstill mit Otto Dov Kulka © Stefan Auch

Otto Dov Kulka wurde 1933 in Nový Hrozenkov / Tschechoslowakei, geboren und 1942 mit der Mutter nach Theresienstadt deportiert und 1943 weiter nach Auschwitz. Kulka überlebt, wandert nach Israel aus und wird ein anerkannter Historiker. Der Film zeichnet die inneren Landschaften nach. Findet Bilder zu den Worten. Lange ruhige Einstellungen begleiten die Erzählungen über die Metropole des Todes.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Karten zu 5 Euro, für Schüler, Studenten und Münchenpass-Inhaber frei.
Anmeldung unter 089/20 24 00-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse
Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

 

Dienstag, 11. Februar 2020, 20.30 Uhr, Münchner Kammerspiele
»Flimmerkammer #6 – Jüdisches Filmvarieté«

Jüdisches Kinovarieté, das ist Kinoerlebnis wie im Filmpalast der Stummfilmzeit. Mit Neukompositionen aus der »Münchner Wochenschau«, »Max Davidson Comedy: Call of the Cuckoo« und »Die Puppe« von Ernst Lubitsch.

Mit Varieté-Nummern zwischen den Filmen.

Filmstill aus »The Call of the Cuckoo« © Edition Filmmuseum München

Jewish Chamber Orchestra Munich
Dirigent
: Daniel Grossmann

Veranstaltungsort: Münchner Kammerspiele, Maximilianstraße 26, 80539 München
Karten: Eintritt: 34,- / 28,- / 23,- / 17,- über MünchenTicket (www.muenchenticket.de )
Ermäßigt 8,- an der Tageskasse der Münchner Kammerspiele für Schüler, Studenten und Auszubildende bis 28 Jahre (unter Vorlage eines Ausweises)
Veranstalter: Kammerspiele, Jewish Chamber Orchestra Munich, Hochschule für Musik und Theater München sowie Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

 

Samstag, 15. Februar 2020, 19.30 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum
»Crescendo #makemusicnotwar«

Drama, Spielfilm, Deutschland 102 Min., Originalsprache: Deutsch (Dialoge in Englisch, Hebräisch, Arabisch mit dt. UT)
Regie: Dror Zahavi
Drehbuch: Johannes Rotter, Dror Zahavi
Produzentin: Alice Brauner / CCC Filmkunst
Produktion: CCC Filmkunst, AVE Publishing GmbH & Co. KG, Filmvergnuegen, MZ-Film, Niama-Film GmbH, Red Bull Media House
Kamera: Gero Steffen
Schnitt: Fritz Busse
Darsteller: Peter Simonischek, Daniel Donskoy, Mehdi Meskar, Sabrina Amali, Bibiana Beglau

Eduard Sporck (Peter Simonischek) formiert das Orchester © Camino Film

»Crescendo #makemusicnotwar« ist ein Film über die Kraft der Musik, die Menschen miteinander verbinden kann. Eduard Sporck (Peter Simonischek), ein weltberühmter Dirigent aus Frankfurt, soll mit israelischen und palästinensischen Jugendlichen ein Konzert vorbereiten. Es soll die Friedensverhandlungen begleiten und ein Zeichen gegen den Hass setzen. Eduard Sporck zweifelt, auch wegen seiner eigenen Biographie.

Zum Finale der Filmtage kommen der Hauptdarsteller Peter Simonischek und die Filmproduzentin Dr. Alice Brauner.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Eintritt frei
Anmeldung unter 089/20 24 00-491 oder per E-Mail an karten@ikg-m.de
Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

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