Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Januar 2020…

Fr., 17. Jan · 05:25-05:55 · SWR
Planet Schule: Die Kinder der Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Jahrelang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Sa., 18. Jan · 18:05-19:40 · One
Berlin ’36

Berlin 1936: Die Amerikaner drohen, die Olympischen Spiele zu boykottieren, sollten im deutschen Olympia-Kader keine jüdischen Sportler vertreten sein. Aus diesem Grund wird die Jüdin Gretel Bergmann (Karoline Herfurth), die überragende Hochspringerin dieser Zeit, in das deutsche Trainingslager aufgenommen. In den Augen der Nazis darf Gretel aber auf keinen Fall gewinnen: Der Reichssportführer schickt gegen Gretel die bis dahin unbekannte „Konkurrentin“ Marie Ketteler (Sebastian Urzendowsky) ins Rennen um die Olympia-Qualifikation – sie soll Gretel übertreffen. Doch die Nationalsozialisten haben nicht damit gerechnet, dass sich die beiden Außenseiterinnen und vermeintlichen Konkurrentinnen nach anfänglichen Problemen anfreunden. Am Ende muss sich zeigen, ob die beiden gemeinsam gegen die Intrige der Nazis ankämpfen oder ob der sportliche Ehrgeiz überwiegt. „Berlin ´36“ basiert auf der wahren Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, die bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin als Favoritin für die Goldmedaille galt. Um einen möglichen Sieg Bergmanns jedoch zu verhindern, schickten die Nationalsozialisten Marie Ketteler, in Wahrheit ein Mann, als Konkurrentin gegen sie ins Rennen.

So., 19. Jan · 00:00-03:00 · PHOENIX
phoenix history: Flucht und Vertreibung der jüdischen Deutschen

In der Zeit des zweiten Weltkrieges war das Leid der jüdischen Deutschen grenzenlos. Aufgrund des Rassenwahns und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten blieb vielen Juden nur noch ein einziger Ausweg – die Flucht. „phoenix history“ zeigt die Geschichte der Vertriebenen und deren Streben zu überleben während den Zeiten des Holocaust. Da runter die Dokumentationen: Hafen der Hoffnung Haifa – Das Tor Israels Film von Dietmar Schulz Tomys letzte Reise Kinderflucht aus Hitlers Reich Film von Ulrich Stoll und James Pastouna Mit Kindertransporten versuchten Helfer 1938, jüdische Kinder aus Deutschland und aus den von den Nazis besetzten Ländern nach England zu holen. Nach Hitlers Überfall auf Polen aber stoppten die Transporte, weil die Grenzen geschlossen worden waren. Im letzten Zug aus Prag hätte der elfjährige Tomy Prager reisen sollen, seine Schwester war schon in England. Einer der Initiatoren war der heute 105 Jahre alte Sir Nicholas Winton. Der Film erzählt die Geschichte des letzten verlorenen Zuges, aber auch der geglückten Transporte. EXODUS Die unglaubliche Reise von 4500 Holocaust-Überlebenden Film von Andreas Schmidt 4.500 jüdische Holocaust-Überlebende hatten sich im Sommer 1947 mit einem Schiff aufgemacht, dass später als die „Exodus 1947“ berühmt werden sollte. Das Ziel der Verzweifelten: Palästina. Dort wollten sie in dem noch zu gründenden jüdischen Staat ein neues Leben anfangen. Doch noch hatten die Briten die Mandatsmacht in Palästina und versuchten, die jüdische Immigration zu begrenzen. Der Jude und sein Dorf Die Große Reise des Hans Bär Film von Marco Giacopuzzi.

So., 19. Jan · 22:20-23:50 · RBB
Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis

Voller Zuversicht verlassen 937 jüdische Flüchtlinge 1939 den Hamburger Hafen. Nazi-Deutschland hinter sich, die Freiheit vor sich. Ein Visum für Kuba verspricht ein Leben ohne Angst. Doch Havanna verweigert die Einreise. Kapitän Schröder nimmt Kurs auf die USA. Auch Washington verwehrt der „St. Louis“, einen sicheren, US-amerikanischen Hafen anzulaufen. Als dann auch Kanada die Aufnahme verweigert, gerät die Fahrt in die Freiheit zur Odyssee auf dem Atlantik. An Bord machen die Worte Selbstmord und Meuterei die Runde. Knapp einen Monat nach Verlassen des Hamburger Hafens läuft die „St. Louis“ in Antwerpen ein. Nahezu ein Drittel der Passagiere ermorden die Nazis in den folgenden Jahren. Ein Grammophon, Briefe und ein Tagebuch lagerten jahrelang auf dem Dachboden einer Hamburger Villa in einer alten Seekiste. Der Nachlass von Gustav Schröder erinnert an die dramatischen Ereignisse an Bord der „St. Louis“. In Jad Vashem wird der Kapitän der St. Louis als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. 2019 jährt sich die Geschichte zum 80. Mal. Die großen Flüchtlingsströme der jüngsten Zeit und wachsender Antisemitismus lassen die Ereignisse an Bord der „St Louis“ erschreckend aktuell erscheinen. Die „Washington Post“ erinnerte daher noch einmal an die Ereignisse aus dem Jahr 1939, Kanadas Premier Justin Trudeau entschuldigte sich bei den Familien der jüdischen Flüchtlinge, die Kanada einst abwies.

Di., 21. Jan · 20:14-21:44 · arte
Gegen das Vergessen: Zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Aus diesem Anlass zeigt ARTE einen Themenschwerpunkt mit Dokumentarfilmen, die das Grauen der Shoah zeigen, aber auch auf Momente der Hoffnung verweisen. Wie die Geschichte des bayerischen Auffanglagers in Markt Indersdorf, in dem über tausend junge Menschen nach Kriegsende Zuflucht fanden: Die Kinder von einst erzählen von neuer Hoffnung, die sich hier mit der Last einer Vergangenheit mischte, die nicht vergessen werden konnte.Der Dokumentarfilm „1944: Bomben auf Auschwitz?“ verfolgt die Flucht zweier Auschwitz-Insassen aus dem Vernichtungslager, die der Welt erstmals von der schrecklichen Realität berichteten und damit heftige Debatten auslösten, wie das industrielle Töten gestoppt werden könnte.Block 10 von Auschwitz-Birkenau war der Schauplatz menschenverachtender Experimente durch den Gynäkologie-Professor Clauberg, an deren Folgen viele Mädchen und Frauen starben. In „Medizinversuche in Auschwitz“ erzählen die letzten Überlebenden von den furchtbaren Erlebnissen, die sie im Lager durchstehen mussten.Die Pläne der Nazis beinhalteten nicht nur die Auslöschung jüdischen Lebens, sondern auch die vollständige Beseitigung aller Spuren jüdischer Kultur. In „Papier-Brigade“ begegnet der Zuschauer den tapferen Helden von Wilna, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um die jüdischen Bibliotheken der Stadt vor den Nazis zu retten.Am 27. Januar 2020 zeigt ARTE außerdem den Spielfilm „Lauf Junge lauf“ von Oscarpreisträger Pepe Danquart. Srulik, ein jüdischer Junge, flieht aus dem Warschauer Ghetto. Um zu überleben, hält er seine jüdische Identität geheim und schlägt sich bis zum Kriegsende als katholischer Waisenjunge durch.

Di., 21. Jan · 20:15-21:50 · arte
1944: Bomben auf Auschwitz?

Rudolf Vrba und Alfred Wetzler waren Lagerinsassen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Beide hatten durch ihre Funktionen detailliertes Wissen über die Mechanismen der Massenvernichtung: Wetzler musste als Lagerregistrar alle Besitztümer der Neuankömmlinge wie Kleidung oder Schmuck registrieren. Aus diesem Grund wusste er, wie viele Menschen täglich im Lager ankamen. Seine Deutschkenntnisse erlaubten ihm außerdem, Gesprächen der Wachmänner zu folgen. Wetzler und Vrba gelang die Flucht. Was sie dem slowakischen Judenrat aus dem deutschen Vernichtungslager berichteten, floss in einen detaillierten Report, der das Ausmaß der von den Nazis betriebenen „Endlösung“ verdeutlichte, später bekannt geworden als die „Auschwitz-Protokolle“. Ihr Bericht wurde dem von US-Präsident Roosevelt gegründeten War Refugee Board übermittelt: Zwischen den Alliierten entbrannte daraufhin eine heftige Debatte, wie sie den Massenmord in Auschwitz verhindern könnten. Aus dem Bericht war bekannt, dass sich die Nazis auf die Ermordung von 800.000 ungarischen Juden vorbereiteten. Es musste also gehandelt werden. Eine Option war, die neu gebaute Bahnlinie Kosice-Presov in Richtung Auschwitz zu bombardieren – oder das Lager selbst. Briten und Amerikaner hielten eine Bombardierung des Lagers für falsch. Alle verfügbaren Kräfte wurden für die Landung in der Normandie mobilisiert – dies sei der beste Weg, die Nazis zu schlagen und so die europäischen Juden zu retten. Für manche war das Versäumnis, Auschwitz zu bombardieren, moralische Feigheit. Andere hielten eine Bombardierung unter möglicher Inkaufnahme Tausender unschuldiger Toter für inakzeptabel.

Di., 21. Jan · 23:35-00:40 · arte
Papier-Brigade – Die Shoah und die Bücher von Vilnius

Von 1933 bis 1945 setzten sich die Nazis, Hitlers Völkermordplan befolgend, zum Ziel, sämtliches jüdisches Leben auszulöschen und auch alle Spuren jüdischer Kultur endgültig zu beseitigen. Unter der NS-Herrschaft wurden so sechs Millionen Männer, Frauen und Kinder wegen ihrer jüdischen Herkunft ermordet und mehr als 100 Millionen Bücher unwiederbringlich zerstört. Der Film erzählt die Geschichte der „Papier-Brigade“: einer Gruppe von 40 Dichtern, Schriftstellern und Gelehrten, die während der NS-Besatzung von Litauens historischer Hauptstadt Wilna (Vilnius) ihr Leben aufs Spiel setzten, um die jüdischen und nicht-jüdischen Bibliotheken der Stadt vor der Zerstörung zu bewahren. In der Tat galt Wilna wegen seiner wertvollen Sammlungen, die über 800 Jahre jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens in Europa auf einzigartige Weise dokumentierten, als das „Jerusalem des Nordens“. Außerdem beleuchtet der Film, wie die Überlebenden der „Papier-Brigade“ auch in der Nachkriegszeit und während des Kalten Krieges weitere Bücher retteten: Angesichts des erneuten Antisemitismus, diesmal vonseiten Stalins, gingen sie wieder das Risiko ein und schleusten die gefährdeten Bücher heimlich aus der litauischen Sowjetrepublik. Eine aufregende Rettungsaktion mit vielen Wendungen, die sich bis in die heutige Zeit fortsetzt und uns von Wilna nach Paris, New York und Jerusalem führt. Der Film ist ein Zeugnis der aufopfernden Bemühungen der „Papier-Brigade“ und deren Traum, die jüdische Kultur vor dem Untergang zu bewahren. Darüber hinaus veranschaulicht er die Bedeutung des kulturellen Widerstands während des Holocaust und in der Nachkriegszeit.

Di., 21. Jan · 22:40-23:35 · arte
Die Kinder von Markt Indersdorf

Es war der Zeitraum zwischen der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Lublin-Majdanek am 23. Juli 1944 und der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948. Neue Hoffnung mischte sich mit der Last einer Vergangenheit, die nicht vergessen werden konnte. Die Dokumentation beleuchtet diese Periode, indem er das Schicksal einer Institution in den Mittelpunkt stellt: Das bayerische Kloster Indersdorf wurde 1945 zum ersten Auffanglager für geflüchtete Kinder der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (UNRRA). Die Kinder von einst, die in Indersdorf zeitweilig ein Zuhause fanden und heute in Amerika, Polen oder Israel leben, erzählen ihre Geschichte von den letzten Kriegstagen bis zur Übersiedlung in ihre ursprüngliche oder neue Heimat. Durch die Dokumentation führt Greta Fischer, die für alle Heimkinder zur Ersatzmutter wurde. Greta Fischer war Sozialarbeiterin und begleitete das Auffangzentrum Indersdorf vom ersten Tag an. Etliche ihrer Schützlinge sollten sie nie vergessen. Die Dokumentation kombiniert Zeitzeugenberichte mit Archivmaterial. Auf berührende Art erinnert er an die ersten Krisenhelfer, die sich darum bemühten, den traumatisierten Kindern neues Vertrauen in ihr Leben zu schenken.

Mi., 22. Jan · 00:05-01:38 · MDR
Klemperer – Ein Leben in Deutschland (3-4/13)

Folge 3: Also bleibe ich – Deutschland ist gleichgeschaltet. An den Universitäten werden die Hochschullehrer auf Adolf Hitler vereidigt. Auch Victor Klemperer leistet den Eid auf den Führer. Er hat keine Wahl, wenn er sein Amt behalten will. Dennoch ist Klemperer störrisch wie eh und je. Als „deutscher Nationalist“ hat er für den Zionismus, Hoffnung und Zuflucht vieler Juden, nur Hohn und Spott übrig. Diese Einstellung gerät selbst durch den Selbstmord des emeritierten Kollegen Abendroth nur vorübergehend ins Wanken. Klemperer arbeitet weiter, so gut es geht. Er schreibt, doch kein Verlag will ihn mehr drucken. Das Geld wird knapp. Ein Besuch von Agnes Dember, die über ihr Leben in der Türkei berichtet, bestärkt Klemperer in seiner Absicht, trotz allem in Deutschland zu bleiben. Intellektuellen Austausch findet er bei Natscheff, einem bulgarischen Zeitungskorrespondenten, der in seiner Wohnung eine Leihbücherei unterhält. Unterhaltungen mit Natscheff, Fahrten mit dem Auto und Sonjas kleiner Sohn Benno sind es, die für Abwechslung im Klemperschen Haushalt sorgen. Sonja, deren Vater Straßenbahner und alter Sozialdemokrat ist, lädt die Klemperers zu einem Fest der Dresdener Straßenbahner ein. Als es zu einer ebenso mutigen wie sinnlosen Kundgebung der verbotenen SPD kommt, bereitet die SS der Feier ein brutales Ende. Müller, mittlerweile SS-Hauptscharführer, steht mit seinen Leuten und der Polizei schon am Ausgang bereit. Dank Evas Entschlossenheit entkommen die Klemperers und Sonjas Familie ungeschoren der Razzia. Doch schon folgt der nächste, lang erwartete Schlag: Victor Klemperer wird von seinem Amt „entpflichtet“. Die Hochschule entlässt ihn von heute auf morgen. Folge 4: Liebe, Liebe über alles – Lore Libeskind ist bis über beide Ohren in den Volksschullehrer Eberhard Klingler verliebt. Seit der Verkündung der Nürnberger Gesetze „zum Schutze des deutschen Blutes“ 1935 gilt das als „rassenschänderische“ Beziehung, die unter Strafe steht. Schlimmer noch: Lore erwartet ein Kind von Eberhard. Sie vertraut sich den Klemperers an, und Eva handelt, ohne zu zögern. Sie und Victor begutachten Eberhard Klingler und kommen schnell zu dem Schluss, dass Eberhard ein vertrauenswürdiger junger Mann ist, der Lore von ganzem Herzen liebt. Doch zunächst einmal müssen Lores Eltern behutsam ins Bild gesetzt werden. Die Klemperers greifen zu einer List. Auf einem gemeinsamen Ausflug nach Heidenau stellen sie Eberhard der Familie Libeskind als alten Bekannten vor. Dort, im Johanniter-Krankenhaus, soll der Geburtstag von Dr. Annemarie Euler gefeiert werden. Angesichts der blutjungen schwangeren BDM-Mädchen, denen Annemarie in Heidenau Unterschlupf gewährt, wird auch Lores „Zustand“ für alle Beteiligten offensichtlich. Die Libeskinds fügen sich zögernd in ein Schicksal, das sie nicht mehr ändern können. Sie alle fürchten die ungewisse Zukunft, die auf Lore und Eberhard wartet. Angst vor der Zukunft hat auch Fräulein Sonja. Zumal Feller keine Minute verliert, um ihr mitzuteilen, dass sie nach den neuen Gesetzen nicht mehr in einem jüdischen Haushalt arbeiten darf. Schweren Herzens schreibt Sonja den Klemperers einen Abschiedsbrief. Doch schließlich siegen Bennos Heimweh und Sonjas schlechtes Gewissen über die Gesetzestreue.

Mi., 22. Jan · 03:00-03:55 · arte
Abenteuer Museum: Museum der Geschichte der polnischen Juden, Warschau

Ein noch nie dagewesenes Museum – das Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau – liegt im Herzen des jüdischen Warschaus, in der Gegend, aus der die Nazis während des Zweiten Weltkriegs das Warschauer Ghetto machten. Das junge Museum fungiert zugleich als Kultur- und Bildungszentrum mit einem kulturellen Programm an zeitgenössischen Ausstellungen, Filmen, Debatten, Workshops, Performances, Konzerten, Lesungen und als Plattform für Dialog und Austausch. Die beeindruckende und ausgezeichnete Architektur des Finnen Rainer Mahlamäki steht im Dialog mit dem Denkmal und drückt die Symbolik des Museums als eines des Lebens aus. Die Kuratorin Barbara Kirshenblatt-Gimblett führt den Moderator Gustav Hofer durch das Museum, dessen Konzept es ist, das Leben anstatt den Holocaust in den Mittelpunkt zu stellen. Eine mit reichen Ornamenten verzierte Holzsynagoge wurde im Museum gebaut und zeigt die farbenfrohe Seite des jüdischen Lebens. Die Designer der Museumskleidungskollektion verwenden jüdische Symbole wie den Davidstern als Aufdrucke auf T-Shirts und Pullovern. Die Ausstellung des Archivs von geheimen Aufnahmen aus dem Ghetto vermittelt dagegen die beklemmende und beengte Atmosphäre des Lebens im Ghetto. Neben den Eindrücken aus der Ausstellung begleitet die Dokumentation Gustav Hofer, der zusammen mit der polnischen Filmemacherin Małgorzata Szumowska Warschaus Mahnmale, Kulturszene und die Erinnerungskultur erkundet. Die Regisseurin liebt mystischen Realismus und wurde unter anderem für ihren Film „Body“ auf der Berlinale 2015 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. Die Dokumentation geht auf Spurensuche nach dem jüdischen Warschau und trifft Menschen, die eine Botschaft der Offenheit, von Polen als Land der multikulturellen Ethnien und Mischung mit Offenheit gegenüber Fremden, verbreiten möchten.

Mi., 22. Jan · 22:45-00:15 · BR
Der Mann, der zweimal starb

Als der israelische Filmemacher Yair Lev sich wegen einer Erbschaft um die Papiere seines in Wien geborenen und in Israel verstorbenen Großvaters kümmert, macht er eine mysteriöse Entdeckung. Neben seinem Großvater gibt es noch einen zweiten Ernst Bechinsky, mit denselben Geburtsdaten. Die Identität seines Großvaters wurde kurz nach 1945 anscheinend von einem hohen Nazi gestohlen, der später sogar Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Innsbruck wurde. Der Regisseur begibt sich auf eine intensive Spurensuche, indem er wie ein Detektiv Schritt für Schritt die verzweigte Wahrheit ans Licht bringt. Neben der unglaublichen Aufdeckung eines kriminalistischen Falles handelt der Film von den Nachfolge-Generationen der Holocaust-Überlebenden sowie den deutschsprachigen Nazi-Nachfahren und deren Verhältnis heute. Der Filmemacher wird dabei konfrontiert mit Überlebenden, Verdrängung und nicht aufgearbeiteter Vergangenheit sowie einem tiefen Geheimnis in seiner eigenen Familie. Doch ihm begegnen auch neue Freunde und die Geschichte einer großen Liebe.

Do., 23. Jan · 19:00-19:30 · BR
75 Jahre nach Auschwitz – Aufstehen gegen Antisemitismus

Antisemitischer Hass nimmt auch in Bayern seit Jahren zu. Während die Sorgen der bayerischen Juden wachsen, sucht die Politik Antworten auf diese dramatischen Entwicklungen. Wie ist diese erneut aufflammende Judenfeindschaft zu erklären? Was kann gegen diese alarmierende Entwicklung unternommen werden? Kurz vor dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz stellen sich die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch und der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam den Fragen des BR-Chefredakteurs Christian Nitsche.

Fr., 24. Jan · 11:30-13:00 · BR
Gedenkakt zum Holocaust-Tag

Erstmals erinnert der Bayerische Landtag in der Dreiflüssestadt Passau in einem grenzüberschreitenden Gedenkakt an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren. Landtagspräsidentin Ilse Aigner, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden sprechen. Erwartet werden zudem prominente Gäste und Redner aus Österreich und der Tschechischen Republik. Das BR Fernsehen überträgt den Gedenkakt aus der Universität Passau live. Es kommentiert Julian von Löwis.

Fr., 24. Jan · 19:40-20:15 · arte
Re: Geschichte einer Versöhnung – Hilfe aus Sachsen für Holocaust-Überlebende

Als die deutschen Handwerker vor seiner Tür stehen, ist Josef Aron erstaunt. Der 85-Jährige ist Holocaust-Überlebender – einer von knapp 200.000, die noch in Israel leben. Über 40.000 leben wie er unterhalb der Armutsgrenze. Große Renovierungsarbeiten kann Josef Aron sich nicht leisten. Doch jetzt sind die Maler, Fliesenleger und Klempner aus Sachsen da, um den Wasserschaden in seiner Wohnung unentgeltlich zu reparieren. Die Handwerker haben zwei Wochen Urlaub genommen, Flug und Unterkunft selbst bezahlt, um jetzt anzupacken. Sie alle eint der Wunsch nach Wiedergutmachung. Die Idee für dieses Projekt hatte Michael Sawitzki, der in Chemnitz eine Firma für Naturstein führt. Als er vor 15 Jahren zum ersten Mal Israel bereist, ist er fasziniert von dem Land. Doch dass viele der Holocaust-Überlebenden in Armut leben, lässt ihn nicht in Ruhe. Er will helfen und zwar mit dem, was er am besten kann: seinem Handwerk. In Israel erlebt Michael Sawitzki nun, wie Überlebende nach Jahrzehnten ihr Schweigen brechen. Josef Aron bietet den Handwerkern zunächst Kaffee an. Dann beginnt er zu erzählen, wie er als Siebenjähriger in das Konzentrationslager Bergen-Belsen kam, wie die Wachen ihn bis zum Kriegsende jeden Tag geschlagen und vergewaltigt haben. Auch wenn es ihm schwerfällt, von seinem Martyrium erzählen: Josef Aron will, dass seine Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Die Handwerker treibt nicht nur ihr christlicher Glaube an. Oft kommt die eigene Familiengeschichte dazu und die aktuelle Stimmung in Deutschland. Uwe Schramm ist Dachdeckermeister. Mit Sorge beobachtet er den wachsenden Antisemitismus: „Als Deutscher habe ich eine Verantwortung. Wir können das, was passiert ist, nicht wiedergutmachen. Aber wir können zeigen, dass wir uns verändert haben.“

Sa., 25. Jan · 00:45-02:15 · PHOENIX
Titos Brille

Adriana Altaras will endlich die Geister der Vergangenheit abschütteln. Sie macht sich auf den Weg zu den Orten ihrer Kindheit und sucht die Spuren ihrer jüdisch-kommunistischen Eltern. Die Berliner Schauspielerin und Autorin lässt die Zuschauer mit ihrem selbstironischen und humorvollen Road-Movie an der Geschichte ihrer strapaziösen Familie teilnehmen. So ungewöhnlich ihr persönliches Familienleben auf den ersten Blick sein mag, so beispielhaft steht Adriana Altaras‘ Kindheit und Jugend für einen Großteil ihrer Generation der Nachkriegskinder…

Sa., 25. Jan · 03:45-05:15 · PHOENIX
Aidas Geheimnisse

Was wäre, wenn alles, was dir über deine Vergangenheit erzählt wurde, gelogen wäre? Wenn dein Verständnis von Familie und Religion auf den Kopf gestellt würde? Was, wenn deine engsten Angehörigen die Wahrheit kennen und sie dein ganzes Leben lang vor dir verborgen haben? „Aidas Geheimnisse“ erzählt von Familiengeheimnissen, die sieben Jahrzehnte umfassen und die in detektivischer Spurensuche nach und nach aufgedeckt werden. Eine tief berührende Geschichte über die Suche nach der eigenen Identität, wie man sie sich für ein Spielfilmdrehbuch kaum besser hätte ausdenken können. Izak Szewelewicz kommt 1945 im Lager Bergen-Belsen zur Welt, wo nach Kriegsende heimatlose Zivilpersonen, sogenannte Displaced Persons, vorübergehend untergebracht wurden. Er wird als Nachkriegswaise zur Adoption nach Israel geschickt. Im Alter von zehn Jahren erfährt er erstmals von einem Schulfreund, was alle in seinem Umfeld zu wissen scheinen: Seine Eltern sind nicht seine leiblichen Eltern, er wurde als Kleinkind von ihnen adoptiert. Izak forscht nun auf eigene Faust weiter und findet heraus, dass seine leibliche Mutter Aida in Kanada lebt. Als er 13 ist, fährt er zu ihr. Zwischen den beiden entwickelt sich ein enges Verhältnis, aber Aida möchte nicht über die Vergangenheit sprechen. Jahrzehntelang belässt es Izak es dabei. Viel später, mit 68 Jahren, setzt sich Izak noch einmal intensiv mit seiner Herkunft auseinander und deckt mit Hilfe seiner Familie weitere Familiengeheimnisse auf, die sein Leben verändern sollten.

Sa., 25. Jan · 05:30-06:25 · PHOENIX
Jüdisch in Europa (1/2)

Wie leben und fühlen Juden in Europa heute? Wie sehr stimmt das mediale Bild mit dem Alltag jüdischer Menschen überein? Die Filmproduzentin Alice Brauner und der Publizist Yves Kugelmann, beide selbst Juden, reisen mit diesen Fragen von Marseille bis Berlin, von Budapest bis Venedig und besuchen jüdische Familien, Kulturschaffende, Rabbiner und Journalisten. Wie leben Juden in Europa? Welche Geschichten erzählen sie? Wie leben sie Tradition und Moderne? Und wie gehen sie mit Ausgrenzung und Bedrohung um? „Es gibt einen jüdischen Alltag in Europa, der selten gezeigt werden kann. Debatte n über Politik, Nahost und Antisemitismus überlagern das vielfältige jüdische Leben. Daher war es wichtig, dass wir dieses einfach mal einfangen können, indem wir spontan hingehen und schauen, was läuft.“ Mit diesem Anspruch haben sich der Schweizer Publizist Yves Kugelmann und die deutsche Filmproduzentin Alice Brauner auf eine Reise durch Europa begeben. Der erste Teil des Doku-Zweiteilers führt Brauner und Kugelmann nach Marseille, Straßburg, Frankfurt und Berlin. Mit Harold Weill, dem Großrabbiner von Straßburg, sprechen die beiden über das Leben im jüdischen Viertel. Fühlen er und seine Gemeinde sich bedroht? Alon Meyer, Vorsitzender des TuS Makkabi Frankfurt sowie Präsident des jüdischen Sport-Dachverbands Makkabi Deutschland, erklärt in Frankfurt, welchen Anfeindungen seine Mannschaft abseits des Fußballfelds ausgesetzt ist. In Berlin treffen Alice Brauner und Yves Kugelmann danach die Dramaturgin und Schriftstellerin Sasha Marianna Salzmann. „Jüdisch in Europa“ ist eine facettenreiche Reportagereise voller neuer Blickwinkel.

Sa., 25. Jan · 06:25-07:15 · PHOENIX
Jüdisch in Europa (2/2)

Der zweite Teil des Doku-Zweiteilers führt Brauner und Kugelmann nach Budapest, Warschau und Venedig. Mit der Philosophin Agnes Heller sprechen die beiden in der ungarischen Hauptstadt über das judenfeindliche Klima, das die Regierung Orban im Land etabliert hat. In Warschau besuchen sie die Grabstätten der Widerstandskämpfer des Ghetto-Aufstands von 1943, und in Venedig lassen sie sich von dem italienischen Schriftsteller und Vizepräsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde, Riccardo Calimani, vom jüdischen Alltag im „Land der Unordnung“ (Calimani) berichten. „Jüdisch in Europa“ – zwei facettenreiche Filme voller Überraschungen.

Sa., 25. Jan · 19:20-20:00 · 3sat
Die Zeugen – Eine Reise zu den letzten Überlebenden des Holocaust

Die Dokumentation begleitet die Journalistin Alexandra Föderl-Schmid und den Fotografen Konrad Rufus Müller bei der Entstehung ihres Buches über die letzten noch lebenden Opfer des Holocaust. Jeder der fünf Überlebenden verarbeitet seine schrecklichen Erlebnisse von damals anders. Manch einer gar nicht. So unterschiedlich ihre Gesichter sind, so unterschiedlich sind auch ihre individuellen Lebensgeschichten und Traumata. Alexandra Föderl-Schmid ist seit 2017 Israel-Korrespondentin der „Süddeutschen Zeitung“ und durch ihre Arbeit erfahren im Umgang mit Opfern des NS-Regimes. Konrad Rufus Müller porträtiert seit einem halben Jahrhundert unter anderem Persönlichkeiten der Politik, wodurch er sich als „Kanzlerfotograf“ einen Namen gemacht hat. Für ihn sind es die ersten Begegnungen mit Holocaustüberlebenden. Sie werden für ihn auch zu einer emotionalen Herausforderung. Im Fokus dieser Dokumentation steht neben der Reise zu den Überlebenden auch die persönliche Motivation der Journalistin und des Fotografen. Alexandra Föderl-Schmid führt die Gespräche und schreibt die Texte. Konrad Rufus Müller macht anschließend Porträtfotos der Interviewpartner und versucht, deren Seele fotografisch einzufangen. Ihre Reise führt Alexandra Föderl-Schmid und Konrad Rufus Müller nach Israel, Deutschland und Österreich. Die 93-jährige Psychotherapeutin Giselle Cycowicz überlebte das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und hilft bis heute anderen Shoah-Überlebenden, sich zu öffnen. Für den 95-jährigen Manfred Rosenbaum endete seine Kindheit mit elf Jahren: Er kam ins Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo er Dinge erleben musste, die ihn bis heute nicht loslassen. Der 81-jährige Mosche Frumin flüchtete mit seiner Familie nach Palästina, acht Jahre seiner Kindheit war er heimatlos. Für den 90-jährigen Wiener Künstler Arik Brauer zählen Verfolgung, Erniedrigungen und Flucht zu seinen prägendsten Kindheitserinnerungen, obwohl das Judentum in seiner Familie kaum eine Rolle spielte. Die 94-jährige Malwina Braun überlebte das Konzentrationslager Auschwitz und spricht bis heute kaum über ihre Erlebnisse. Auf ihrem Unterarm befindet sich noch immer die eintätowierte Nummer, die sie als KZ-Häftling kennzeichnete. Die 3sat-Dokumentation „Die Zeugen – Eine Reise zu den letzten Überlebenden des Holocaust“ wühlt auf und zeigt eindringlich, dass Geschichte nichts ist, was nur in Büchern steht: Sie lebt und überlebt. Und mit ihr die Verantwortung, diese zu dokumentieren. Der Film ist nicht nur eine Recherche-Reise zu den letzten Opfern des Holocaust, sondern ein Plädoyer für das kollektive Erinnern und gegen das Vergessen. Er ermöglicht einzigartige und vielleicht letzte Einblicke, die schon bald nicht mehr möglich sein werden. Giselle Cycowicz, Manfred Rosenbaum, Mosche Frumin, Arik Brauer und Malwina Braun: Sie alle haben überlebt. Ihre Geschichten werden es auch.

Sa., 25. Jan · 21:45-22:45 · PHOENIX
Die Lange Nacht der Erinnerung

Auschwitz hätte nicht der Ort der Vernichtung von Juden werden müssen, sondern hätte auch zu einem Symbol ihrer Rettung werden können. Wenn alles den geplanten Lauf genommen hätte, hätten Tausende Menschen ihr Leben retten können. Der Mann, der das behauptet, heißt Henryk Schoenker – Sohn von Leon Schoenker, dem ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Oswiecim/Auschwitz. Die Schoenkers waren eine angesehene jüdische Familie am Ort. Von den d eutschen Militärbehörden, die bald nach Kriegsbeginn nach Auschwitz gekommen waren, erhielt Leon Schoenker im Oktober 1939 den Befehl, dort ein Büro für legale Auswanderung von Juden nach Palästina zu organisieren. Damals war noch nicht von der massenhaften Ermordung die Rede, die Naziregierung wollte die schlesischen Juden loswerden, z. B. nach Palästina oder Südamerika. Aber kein westliches Land wollte sie aufnehmen. Gerettet wurde kaum jemand. In diesem Dokumentarfilm von Marek Pawlowski, einer deutsch-polnischen Koproduktion, erzählt Henryk Schoenker, wie er als Kind zusammen mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester den Holocaust erlebt und überlebt hat. Er lässt in seinen Erinnerungen die schreckliche Odyssee lebendig werden, die die Familie von ihrer Heimatstadt Auschwitz aus von Versteck zu Versteck geführt hat, in verschiedene Ghettos und schließlich ins KZ Bergen-Belsen. Plastisch und eindringlich schildert Henryk Schoenker Situationen, in denen sein Leben in höchster Gefahr schwebte. Aus seiner Sicht waren es nicht nur glückliche Zufälle, denen er sein Überleben verdankt, sondern wahrhafte Wunder – und Menschen, die durch ihr Handeln für ihn zu Engeln geworden sind. Am 27. Januar 2015, genau vor 70 Jahren, erreichte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz und befreite die überlebenden Inhaftierten. International ist dieser Tag dem Gedenken an die Opfer des Holocaust gewidmet. Aus diesem Anlass sendet der WDR in einer „Langen Nacht der Erinnerung“ Filme, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln Lebenswege von Menschen während des NS-Terrors schildern. Es sind Geschichten, die nicht in erster Linie von einer schrecklichen Zeit erzählen, sondern vom Überleben, von Hoffnung und von stillen Helden.

Sa., 25. Jan · 23:30-01:10 · RBB
Verleugnung

Deborah Lipstadt, Professorin für Jüdische Zeitgeschichte an der Emory University in Atlanta, sieht sich mit einem brisanten Gerichtsverfahren konfrontiert: In einer ihrer Publikationen bezichtigte sie den britischen Historiker David Irving der Lüge, weil sich dieser vehement weigert, den im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten verübten Holocaust als geschichtliche Tatsache anzuerkennen. Irving kontert diese Provokation auf seine Weise: Er verklagt Lipstadt wegen Rufschädigung und schwört einen Verleumdungsprozess herauf, bei dem die Angeklagte nach britischem Strafrecht dazu verpflichtet ist, ihre Sicht der Dinge unter Beweis zu stellen. Für die amerikanische Professorin bedeutet dies im Klartext, dass sie die historische Nachweisbarkeit der Judenvernichtung faktisch belegen muss. Unter dem Druck der Beweislast engagiert Lipstadt ein erfahrenes Verteidigerteam angeführt von dem undurchschaubaren, aber mit allen Wassern gewaschenen Anwalt Richard Rampton, dessen eigenwillige Herangehensweise an den diffizilen Fall bei seiner Auftraggeberin nicht immer auf Gegenliebe stößt. Rampton und seine Kollegen versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, Irvings Hauptargumente außer Kraft zu setzen, während das unliebsame Justizspektakel eine kontrovers diskutierte Eigendynamik entwickelt. Vier Jahre, von 1996 bis 2000, dauerte der Verleumdungsprozess, den der britische Historiker und Holocaustleugner David Irving gegen die amerikanische Professorin Deborah E. Lipstadt angezettelt hatte. Heraus kam ein denkwürdiger Sieg für Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit kontra Geschichtsfälschung und Fanatismus. Regisseur Mick Jackson („Bodyguard“) und der preisgekrönte Drehbuchautor und Dramatiker David Hare („Wetherby“) machten aus dem brisanten Fall hochkarätiges, engagiertes Schauspielkino, bei dem die Hauptdarsteller Rachel Weisz, Timothy Spall und Tom Wilkinson mit herausragenden Leistungen glänzen.

So., 26. Jan · 00:00-00:45 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Michael Goldmann-Gilead

Michael Goldmann-Gilead spricht nicht gerne über sich. Aber der 92-Jährige hat dieses intensive und bewegende Interview gegeben, damit die zukünftigen Generationen in Zeiten zunehmenden weltweiten Rechtsrucks und Antisemitismus die Wahrheit erfahren. Die Wahrheit über ein System, das „Menschen wie Mücken tötete“. Michael Goldmann-Gilead verlor fast seine gesamte Verwandtschaft durch den Holocaust und überlebte selbst nur wie durch ein Wunder den nationalsozialistischen Vernichtungsplan von Auschwitz. Keine Rachegefühle oder Hass, sondern der Wunsch nach Gerechtigkeit war später sein Antrieb, als er im Jahr 1960 als Kriminalpolizist bei der Vorbereitung des Eichmann-Prozesses eine maßgebende Rolle im Spezial-Ermittlerteam „Büro 06“ einnahm. Michael Goldmann-Gilead verbrachte neun Monate neben Adolf Eichmann im Gefängnis bei Haifa, nachdem der „Organisator des Holocaust“ 1960 aus seinem Versteck in Argentinien entführt und nach Israel gebracht worden war. Als Kriminalpolizist war es Goldmann-Gileads Aufgabe, Beweismaterialien zu sammeln, Schoah-Überlebende ausfindig zu machen und sie zu überzeugen, im Prozess von ihren hochtraumatisierenden Erlebnissen in den Konzentrationslagern zu berichten. Mit dem Eichmann-Prozess begann die Ära der Zeugen. Zum ersten Mal hörte man ihnen zu. Im Prozess war Michael Goldmann-Gilead der persönliche Referent des Chefanklägers Gideon Hausner, dabei hätte der Polizist selbst in den Zeugenstand gerufen werden können: Er hat im Ghetto Przemysl, im Arbeitslager Szebnie und schließlich im Vernichtungslager Auschwitz Jahre der Folter und Todesangst überlebt. Auch er hat lange geschwiegen. Mit dem Eichmann-Prozess änderte sich weltweit die Wahrnehmung der bis dahin wenig beachteten Ausmaße des Holocaust. Am 31. Mai 1962 wurde das Todesurteil gegen Adolf Eichmann vollzogen, und Michael Goldmann-Gilead war bei der Exekution anwesend. Der Kriminalpolizist erinnert sich: „Eichmann sagte in seinen letzten Minuten: ´Ich war gottgläubig und sterbe gottgläubig.‘ Ich kann mich genau erinnern an diesen Moment, an diese Minuten. In dieser Sekunde habe ich ihn angeschaut, und ich dachte: An welchen Gott hat dieser Massenmörder geglaubt?“ Michael Goldmann-Gilead selbst hat den Glauben an Gott und an die Menschen durch seine Tätigkeit bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, insbesondere bei der Ehrung der „Gerechten unter den Völkern“ wiedergewonnen. Nicht-jüdische Menschen, die uneigennützig Juden zum Überleben verhalfen, werden geehrt und ihre Namen auf Mauern festgehalten: „Das war für mich ein Medikament. Es gab nicht nur Leute, die gemordet haben, sondern solche, die gerettet haben. Hass und Liebe haben keine Logik.“

So., 26. Jan · 00:00-03:00 · PHOENIX
phoenix history: Tatort Auschwitz

Darin enthalten die Dokumentationen: Über Leben in Auschwitz Vier Berichte aus Birkenau Film von Jürgen Ast und Rolf Bergmann Auschwitz ist zu einer Chiffre geworden für millionenfachen Mord. Menschenmord nicht nur im industriellen Maßstab, sondern auch mit industriellen Mitteln – in Todesfabriken. Auschwitz ist eine solche Todesfabrik, ein Vernichtungslager. Was hier geschah, ist nicht greifbar und nicht begreifbar. Jahrhundertzeugen: Noah Klieger Eine Graphic-Novel-Erzählung Film von Martin Priess Bis zu seinem Tod vor wenigen Wochen hat der Holocaust-Überlebende in unzähligen Veranstaltungen und Reden über einen Zeitraum von 70 Jahren vom Schrecken und Leid der Shoah „erzählt“. Er hat nicht versucht zu erklären, was aus seiner tiefsten Überzeugung nicht zu erklären ist. Oft hat er sich gefragt, ob seine Worte stark genug wären, das Leid der Shoah zu schildern. Sie waren es. Seine Stimme ist die Stimme der Millionen Toten – eindrücklich und eindringlich. Noah Klieger hat die Geschichte seines Lebens und Überlebens immer und immer wieder erzählt. Auch in Deutschland, in vielen Medien immer diese eine Geschichte. Detailreich, authentisch und präzise. Nun aber ist seine Stimme verstummt. ZDF-History: Ein deutscher Held Fredy Hirsch und die Kinder des Holocaust Film von Winfried Laasch und Stefan Mausbach Tausenden Kindern wird er zum Hoffnungsträger, Hunderten zum Lebensretter: der jüdische Deutsche Fredy Hirsch. „ZDF-History“ blickt auf eines der letzten Rätsel des Holocaust. Als Pfadfinder kümmert sich Fredy Hirsch schon früh um jene, die den Repressalien der Nazis am hilflosesten gegenüberstehen: jüdische Kinder und Jugendliche. Zunächst in Düsseldorf, später in Prag, dann im Ghetto Theresienstadt und am Ende in Auschwitz. ZDF-History: Mörder unter uns Fritz Bauers einsamer Kampf Film von Peter Hartl und Andrzej Klamt Er war die Ausnahmeerscheinung der Nachkriegsjustiz: Fritz Bauer, hessischer Generalstaatsanwalt, der die Deutschen in einem aufsehenerregenden Prozess vor 50 Jahren mit dem Geschehen in Auschwitz konfrontierte, stand in seiner Zunft weithin allein da. „Wenn ich mein Amtszimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“, lästerte er im Freundeskreis gern mit galligem Humor. Die überwältigende Mehrheit seiner Amtskollegen hatte ihre Robe bereits im Zeichen des Hakenkreuzes getragen und mühte sich nun, eingebunden in alte Seilschaften, nach Kräften, die Verbrechen der Vergangenheit ruhen zu lassen.

So., 26. Jan · 00:05-02:15 · MDR
Sonny Boy – Eine Liebe in dunkler Zeit

Gegen Ende der 1920er-Jahre verlässt der junge Waldemar Nods (Sergio Hasselbaink) seine Heimat Surinam, um im fernen Holland sein Glück zu suchen. Leider findet der fleißige Student keine Unterkunft, denn er hat die falsche Hautfarbe. Doch dann trifft er in Den Haag die aufgeschlossene Rika van der Lans (Ricky Koole), die ihm ein Zimmer vermietet. Die Mutter von vier Kindern hat gerade ihren streng religiösen Mann Willem (Marcel Hensema) verlassen, nachdem dieser sie mit dem Dienstmädchen betrog. Obwohl Rika 17 Jahre älter ist, werden die beiden ein Paar, was ihre schwierige Situation nicht gerade einfacher macht. Rikas Gatte ist zutiefst entsetzt, dass seine Noch-Ehefrau von einem Schwarzen schwanger ist. Er entzieht ihr das Sorgerecht für die Kinder, doch damit nicht genug. Der um seinen Ruf besorgte Vermieter setzt die beiden samt Baby auf die Straße. Mit liebenswürdiger Unterstützung des jüdischen Barbesitzers Sam (Frits Lambrechts) eröffnen Rika und Waldemar im liberalen Vorort Scheveningen eine Pension. Ihr Glück währt nicht lange, denn mit dem Einmarsch der Deutschen beginnt auch in Holland der antisemitische Terror. Dass Rika auf ihrem Dachboden jüdische Flüchtlinge versteckt, bleibt den Nazis nicht lange verborgen. Die mutige Widerstandskämpferin und ihr Mann Waldemar, den sie nach der Scheidung von Willem heiratet, werden in ein Konzentrationslager deportiert.

So., 26. Jan · 00:45-01:30 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Gabriel Bach

Gabriel Bach war elf Jahre alt, als er 1938 mit seiner Familie vor dem Vernichtungsplan der Nationalsozialisten aus seiner Heimat Berlin fliehen konnte. Viele Jahre später übernahm er eine der wichtigsten Aufgaben bei der Aufklärung darüber, was im Holocaust geschah: 1961 wurde der Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Israel vor Gericht gebracht, und der Jurist Gabriel Bach war der stellvertretende Staatsanwalt. Als Adolf Eichmann, der „Organisator des Holocaust“, 15 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in seinem Versteck in Argentinien aufgespürt und nach Israel gebracht wurde, war die Dimension, die dieses Ereignis noch haben würde, vermutlich noch nicht abzusehen. In der jungen Bundesrepublik Deutschland wollte man die NS-Geschichte hinter sich lassen, noch bevor man sich überhaupt mit ihr beschäftigt hatte. Tief ins NS-System verstrickte Politiker konnten in der Regierung Adenauer Karriere machen, und bereits 1949 wurde vom „Schlussstrich“ gesprochen. Auch im jungen Staat Israel beschäftigte man sich kaum mit dem Holocaust: Man wollte nach vorne schauen, die Staatsgründung 1948 mit kräftigen jungen Pionieren bestreiten. Da hatten Opfer nicht viel Platz. Dann aber kam das Jahr 1961 und mit ihm der Eichmann-Prozess. Ein weltweites Medienspektakel und ein Wendepunkt in der Aufarbeitung der Geschichte. Jeder Prozesstag wurde von Kameras aufgezeichnet, und zum ersten Mal sah man hin und hörte denjenigen zu, die lange geschwiegen hatten: den Überlebenden von Auschwitz, Treblinka oder Theresienstadt. Gabriel Bach erinnert sich: „Es haben mich israelische Lehrer angerufen, die gesagt haben, dass die Kinder von dem Prozess nicht hören wollten. Sie hatten ein gewisses Schamgefühl. Aber dass die Zeugen ausgesagt haben, hat dazu geführt, dass unsere Jugendlichen nun Polen und die Lager besuchen wollten. Es besteht kein Zweifel, dass der Eichmann-Prozess das Interesse, was den Holocaust anbetrifft, ganz besonders verstärkt hat. Er hatte eine elektrisierende Wirkung.“ Gabriel Bach beschreibt seine Erinnerungen an den Prozess so, als wäre er gestern gewesen. Er berichtet von den 108 mutigen Zeugen, die damals vor seinen Augen zusammenbrachen, tapfer ihre Geschichte vom Überleben erzählten und von den unfassbaren Gräueltaten der Nazis. Archivausschnitte von diesen Momenten während des Prozesses in Jerusalem brennen sich ein und machen diesen Film über Gabriel Bach zu einem Geschichtsdokument und einer Mahnung.

So., 26. Jan · 20:15-23:35 · arte
Exodus

Zypern, 1947: Die junge US-amerikanische Kriegswitwe Kitty Fremont engagiert sich als Krankenschwester in einem Internierungslager für jüdische Flüchtlinge, die den Holocaust überlebt haben und nun ins Heilige Land Palästina auswandern wollen. Die dort noch herrschenden Briten allerdings weisen die Flüchtigen ab und internieren sie auf Zypern. Dort lernt Kitty die 15-jährige Waise Karen und den 17-jährigen Dov, Opfer von sexuellen Misshandlungen in Auschwitz, kennen, denen sie sehr zugetan ist. Doch nicht nur Kitty setzt sich für die Juden ein. Kommandant Ari Ben Canaan, Mitglied der paramilitärischen Untergrundorganisation Haganah, organisiert schließlich ein Komplott, um die gestrandeten Juden an Bord der „Exodus“ zu holen und nach Palästina zu bringen. Kitty wird als Krankenschwester auf das Schiff gelassen, wo sie Ari kennenlernt. Nachdem das Ablegen der „Exodus“ von den Briten beinahe verhindert worden wäre, kann das Schiff letztendlich doch in Richtung Palästina auslaufen. In Palästina werden die Juden feierlich empfangen und im Dorf Gan Dafna untergebracht. Langsam werden sich Karen und Dov ihrer Gefühle füreinander bewusst. Gleiches gilt für Kitty und Ari. Doch bald zeichnet sich ab, dass sie auch hier noch keinen Frieden finden können. Dov schließt sich der zionistischen, von Aris Onkel Akiva geführten Untergrundbewegung Igrun an, um gegen die Briten in Palästina zu kämpfen. Die Organisation verübt schon bald folgenschwere Attentate. Als dann im November der UN-Teilungsplan für Palästina beschlossen wird, hat das nach anfänglicher Begeisterung weitere fatale Folgen für die Zukunft des Dorfes Gan Dafna und seiner Bewohner …
Bild oben: © Otto Preminger Films/Carlyle Productions, Auf dem Boot trifft Kitty (Eva Marie Saint, li.) Karen (Jill Hawroth, Mi.), eine 15-jährige Waise, und den Kommandanten Ari (Paul Newman), den sie sehr liebt.

So., 26. Jan · 21:45-23:15 · ARD-alpha
Vier Stimmen – Das Schicksal der Familie Klepper

Eine Familie in der Nazizeit: Der protestantische Schriftsteller Jochen Klepper, seine Frau Johanna Klepper, die aus einer jüdischen Modedynastie stammt, und ihre beiden Töchter geraten in den Strudel von Ausgrenzung und Lebensgefahr. Zuletzt gibt es nur für eine der Töchter, Brigitte, eine Rettung. Der Film lässt die vier ihr Schicksal erzählen, durch Tagebücher, Briefe und ein Interview. Das ungleiche Paar heiratet Anfang der 1930er Jahre und zieht von Breslau nach Berlin. Hier arbeitet Jochen Klepper beim Rundfunk. Doch als 1933 die Nazis an die Macht kommen, muss er gehen, weil er den Sozialdemokraten nahesteht – und wegen seiner jüdischen Frau. Klepper schreibt, hat Erfolg, wird ein bekannter Schriftsteller. Sein Roman über den preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. wird zum Bestseller. Er dichtet nun vor allem christliche Lieder. Der Glaube wird zunehmend eine wichtige Stütze für ihn und die Familie. Kleppers Bekanntheit kann seine jüdische Frau und deren Töchter aus erster Ehe, Brigitte und Renate, eine Zeitlang schützen, obwohl Klepper wegen seiner Ehe aus der Schrifttumskammer ausgeschlossen wird und nur noch mit Sondergenehmigung veröffentlichen darf. Für die heranwachsenden Kinder gibt es kaum eine Perspektive in Deutschland. Brigitte, die ältere, wird nach England geschickt, wo sie als Hausmädchen arbeitet. Renate aber bleibt – die Eltern, allen voran Jochen, wollen sie, „das Kind“, noch nicht fortschicken. „Trennung ist schon das bitterste.“ Als sie alt genug für die Auswanderung ist, herrscht Krieg, und die Wege ins Ausland sind versperrt. Die Bedrohung wird existentiell. Jochen Klepper lässt seine Beziehungen zu höchsten Stellen im Staat spielen, um Renate zu schützen und sie doch noch ins neutrale Schweden oder in die Schweiz zu bringen. Als alle Bemühungen scheitern, nehmen sich Jochen Klepper, seine Frau Johanna und deren Tochter Renate im Dezember 1942 das Leben. Der Film gibt vier Menschen eine Stimme, lässt sie ihre Geschichte erzählen. Eine filmische Collage aus Tagebüchern, Briefen, Dokumenten. Gesprochen von den Schauspielern Sylvester Groth, Leslie Malton und Judith Neumann. Brigitte, die emigrierte Tochter, gab 2003 ein längeres Interview. Allein die vier Stimmen der Familie kommen im Film zu Wort – eine ergreifende Geschichte im nationalsozialistischen Deutschland.

So., 26. Jan · 22:20-23:50 · RBB
Meine Tochter Anne Frank

Anne Frank – der Name steht für Lebensmut und Zuversicht in hoffnungsloser Zeit. Das Doku-Drama stellt die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt und erzählt die kurze Lebensgeschichte der Anne Frank bildgewaltig, emotional und authentisch. Vor 75 Jahren, im Februar/März 1945, stirbt Anne Frank im KZ Bergen-Belsen. Millionen Menschen weltweit kennen das Tagebuch der Anne Frank, sie schrieb es im Versteck vor den Nazis. Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er stellt die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt. Otto Frank hat als Einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Er wurde am 27. Januar 1945 in Auschwitz befreit. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Freiheit, Liebe und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm wieder Lebensmut. In Otto Franks Erinnerung ersteht mit Annes Hilfe das Leben der versteckten Menschen im Hinterhaus neu. Otto Frank erfährt von der ersten großen Liebe seiner Tochter, aber auch von ihrer Verzweiflung, die Mutter nicht so lieben zu können wie ihn, den Vater. Er bekommt eine Ahnung davon, wie quälend es für sie gewesen sein muss, ihr Zimmer mit einem alternden Zahnarzt teilen zu müssen. Und dass sie mit dem Jungen Peter van Pels auf dem Dachboden heimlich Küsse tauschte. Mit welcher Genauigkeit und scharfem Witz Anne ihre Mitbewohner und deren Beziehungen beschreibt, ist in dem Doku-Drama in eindrucksvolle Spielszenen übersetzt. Immer halten sie sich eng an die Vorlage des Tagebuchs. Interviews mit den wenigen noch lebenden Menschen, die Anne kannten, mit ihr zur Schule gingen oder ihr noch im Todeslager begegneten, holen die Spielhandlung immer wieder zurück in die Realität. „Meine Tochter Anne Frank“ erzählt die kurze Lebensgeschichte der Anne Frank bildgewaltig, emotional und authentisch.

So., 26. Jan · 22:50-23:35 · MDR
Die Versteigerer – Profiteure des Holocaust

Neue Aktenfunde machen es möglich, das schrecklichste Kapitel der deutschen Geschichte aus einer vollkommen neuen Perspektive zu erzählen. Mit der Akribie eines deutschen Beamten hat der Versteigerer Hans Klemm in Leipzig jeden Verkauf ehemals jüdischen Eigentums zwischen 1933 und 1944 dokumentiert. In unzähligen Listen sind die von den ausreisenden und deportierten Juden zurückgelassenen Gegenstände erfasst: Betten und Schränke, Tische und Stühle, Bettwäsche, Kleidung, Musikinstrumente und Spielzeug. Jeder Gegenstand wird geschätzt und dann versteigert. Als Auftraggeber fungieren damals die Geheime Staatspolizei oder die Oberfinanzdirektion, die das Geld zugunsten der Reichskasse einziehen. Doch auch der Versteigerer selbst erzielt gewaltige Gewinne. 10 Prozent des Versteigerungserlöses stehen ihm zu. Die Gewinne von Hans Klemm steigen in der NS-Zeit von etwa 10.000 auf über 100.000 Reichsmark pro Jahr. Die Aktenfunde rund um den Leipziger Versteigerer Klemm waren für die beiden Filmemacher Jan N. Lorenzen und Michael Schönherr der Anlass, sich auf eine Reise durch Deutschland zu begeben. In mühseliger Recherche haben sie festgestellt: Überall, in jeder Stadt und in jedem kleinen Dorf, in dem Juden gelebt haben, sind deren Habseligkeiten meist unmittelbar nach deren Deportation unter den Hammer gekommen und dies wurde genau dokumentiert: Im mecklenburgischen Stavenhagen z.B. kümmert sich der Bürgermeister persönlich um den Verkauf der Hühner und Kaninchen des „Juden Jacobssohn“. In Schwerin leuchtet Elektromeister Max Kuhlmann den Verkaufsraum aus. In Lörrach bannt ein Polizeifotograf auf Zelluloid, wie im Ort eine Art Schlußverkaufsstimmung entsteht, als die Gegenstände und Möbel der deportierten Juden direkt in den Innenhöfen der Häuser versteigert werden. Und in Düsseldorf freut sich die Stadtverwaltung, dass mit dem „frei Werden“ der jüdischen Wohnungen nunmehr bombengeschädigten „Volksgenossen“ ein Ersatz für ihre verbrannten Sachen geboten werden kann. Mit der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg steigt der Bedarf an Einrichtungsgegenständen ins Unermessliche. Die Möbel der deutschen Juden reichen nicht mehr aus. Ab 1942 werden auch die Wohnungen der französischen und holländischen Juden geplündert, die Möbel von Spediteuren nach Deutschland gebracht: Im niedersächsischen Delmenhorst müssen extra Arbeitskräfte angeworben werden, um den Verkauf zu bewältigen. Unzählige Zeitungsannoncen künden deutschlandweit von dem makabren Geschäft. Deutlich wird: geheim sind diese Vorgänge nicht. Oft werben die Anzeigen offen mit „Judensachen“, oder Möbeln aus „nichtarischem Besitz“. Jeder, der kaufte, wusste, die Deportierten kommen nicht zurück! Die Filmemacher haben unveröffentlichtes Filmmaterial gefunden und mit Zeitzeugen gesprochen, die in ihren Kellern Möbel oder andere Gegenstände aus ehemals jüdischem Besitz bewahren. Auf der Basis dieser Recherche lässt sich die Geschichte der „Judenmöbel“ erzählen: Wer hat sie bekommen? Wer hat sich an ihnen bereichert? Und wo finden sich Dinge bis heute?

So., 26. Jan · 23:15-00:25 · ARD-alpha
#Uploading_Holocaust

Tausende junger Israelis begeben sich jedes Jahr auf eine besondere Klassenfahrt: Die „Reise nach Polen“ führt sie in ehemalige Konzentrationslager und Gedenkstätten. Ihre Erlebnisse halten sie in YouTube-Videos fest und ermöglichen so einen bewegenden Blick auf die Geschichte der Juden in Europa. Der Dokumentarfilm wird im Netz crossmedial fortgesetzt – durch einen interaktiven Fragebogen können Nutzer ihre Haltung zum Holocaust reflektieren und die Frage diskutieren „Wie geht Erinnern heute?“ Sieben Tage, vier Konzentrationslager, drei Massengräber, zwei Ghettos, 14 Gedenk-Zeremonien, 200 Teenager in einem Hotel. Jedes Jahr reisen ca. 30.000 israelische Schüler mit ihren Geschichtslehrern nach Polen, um die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Europa und den Holocaust lebendig zu halten. Diese besondere Klassenfahrt wird in Israel auch „Journey to Poland“ genannt. Was als Suche jedes Einzelnen nach Spuren seiner Familiengeschichte beginnt, wird mehr und mehr zu einer Art gemeinsamer Pilgerfahrt, die es den Teilnehmern ermöglicht, den Verlust und das Leid ihrer Vorfahren nachzuvollziehen. In einer Zeit, in der es immer weniger Holocaust-Überlebende gibt, die von ihren Erfahrungen berichten können, will die junge Generation das kollektive Trauma vor dem Vergessen bewahren. Videos werden zu einem wichtigen Instrument des Erinnerns: Auf ihrer Reise filmen die Jugendlichen jeden Zeitzeugen, jede Gaskammer und jede Gedenkfeier. Sie produzieren ihre ganz eigene Version der Geschichte, laden sie auf YouTube hoch und teilen sie in den sozialen Netzwerken. Mehr als 20.000 Clips finden sich bei YouTube unter dem Suchbegriff „Journey to Poland“. In ihren Videos teilen die Schüler sehr private, emotionale Momente und versuchen in ihren unverstellten Aussagen, das Erlebte zu begreifen. #Uploading_Holocaust ist der erste Dokumentarfilm, der zu 100% aus YouTube-Material besteht und zeigt, wie sich die Erinnerung an den Holocaust im digitalen Zeitalter verändert. Der Dokumentarfilm ist eine Koproduktion der Gebrüder Beetz Filmproduktion mit dem BR, ORF und dem rbb. Fortgeführt wird das crossmediale Projekt unter www.uploading-holocaust.com. Hier stellt ein interaktiver Fragebogen das vermeintliche Desinteresse von deutschen Jugendlichen zum Thema auf den Prüfstand. Durch eine Echtzeitvisualisierung der Antworten erhalten die User ein Stimmungsbild über die Meinungen der anderen Teilnehmer und können untereinander die Frage diskutieren, wie sie an den Holocaust erinnern möchten.

So., 26. Jan · 23:35-00:25 · MDR
Auschwitz – Gedenkstätte in Gefahr

Die Gedenkstätte des KZ Auschwitz und Auschwitz-Birkenau erinnert seit über 70 Jahren an den Massenmord an Juden, Roma und Sinti durch die Nationalsozialisten. Der historische Zustand des Vernichtungslagers soll erhalten bleiben und stellt Restauratoren und Museumsmitarbeiter vor große Herausforderungen. Nicht nur in rein praktischer Hinsicht. Auch emotional ist die Arbeit am und im größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten kaum vergleichbar mit der herkömmlichen Arbeit als Restaurator. Der niederländische Filmemacher Manfred van Eijk hat zusammen mit seinem Kameramann Chris Blokhuis über viele Jahre eine Gruppe überwiegend junger Restauratoren in Auschwitz begleitet. Sensibel beobachtend folgen sie den Menschen, die sich mit der Arbeit im Konzentrationslager täglich ganz großen Fragen stellen müssen. Wie konserviert man menschliches Haar? Soll man es konservieren? Wie erhält man Dokumente aus brüchigem Papier? Und was ist mit den unzähligen persönlichen Gegenständen, die einst Frauen, Männern, Kindern gehörten und die heute so zerbrechlich sind, dass sie beinahe zu Staub zerfallen. Welchen Raum gibt man der Zeit und was trotzt man ihr ab für die Nachwelt? Abgesehen davon müssen Gebäude, Baracken und Ruinen gesichert und vor witterungsbedingten Zusammenbrüchen geschützt werden. Auch dies ein schwieriges Unterfangen, da der Erhalt der teilweise gesprengten Ruinen sehr schwierig ist. „Auschwitz – Gedenkstätte in Gefahr“ ist ein bewegender Film, der nachdenklich macht.

So., 26. Jan · 23:50-01:20 · RBB
Der letzte Jolly Boy

Der Berliner Leon Schwarzbaum überlebte als Einziger seiner Familie Auschwitz, Sachsenhausen, die Lager. Der Film begleitet ihn an Orte des Holocausts. Er besucht seine alte Schule in Polen, ist Zeuge bei einem Prozess gegen einen KZ-Wachmann in Detmold, geht in Talkshows und Schulen und trifft Häftlinge einer Justizvollzugsanstalt. Eine filmische Reise durch deutsche Wirklichkeiten. Leon Schwarzbaum, geboren 1921 in Hamburg/Altona, aufgewachsen im polnischen Bedzin, überlebte als Einziger seiner großen Familie den Holocaust. Er war in Auschwitz, dort Zwangsarbeiter bei Siemens, wurde nach Buchenwald und nach Sachsenhausen/Haselhorst deportiert, überlebte zwei Todesmärsche und wurde im Mai 1945 von den Amerikanern bei Schwerin befreit. Er blieb in Deutschland. Aber erst im hohen Alter von fast 90 Jahren spricht er öffentlich über seine Erlebnisse, über sein Überleben im Land der Täter. Er spricht mit Schülern, bis heute noch – mit fast 99 Jahren. Mit dem Regisseur Hans-Erich Viet beginnt er ein „Roadmovie“ über mehrere Jahre. Sie fahren nach Auschwitz, nach Gleiwitz, an die Stätten der nationalsozialistischen Verbrechen. Aber auch zu seinem Elternhaus nach Bedzin. Er steht an den Bahngleisen, an denen er im Juni 1943 von den Eltern, Freunden und Verwandten getrennt wurde. Fast alle wurden am selben Tag im 60 km entfernten Auschwitz ermordet. Er muss noch ein paar Wochen im Ghetto von Bedzin bleiben, der junge Mann muss für die Deutschen aufräumen. Anfang August 1943 wird er mit den restlichen Juden von Bedzin auch nach Auschwitz deportiert. Der Tätowierer gibt ihm den lebensrettenden Rat: Du musst sehen, dass du eine einfache Arbeit bekommst, sonst bist du bald tot. Schwarzbaum wird Läufer des Lagerältesten, danach Zwangsarbeiter bei Siemens im Außenlager Bobrek. Es folgt eine Odyssee von Verlegungen und Todesmärschen, die er wie durch ein Wunder überlebt. Der Film reist mit Schwarzbaum zu diesen Stätten. Schwarzbaum will unbedingt den Menschen zeigen und erzählen, was passiert ist. Durch das Unterwegs-Sein gerät er auch in das Umfeld des letzten SS-Auschwitz-Prozesses gegen Reinhold Hanning nach Detmold. Er sagt als Zeuge und Nebenkläger aus, appelliert an den Angeklagten: „Wir stehen als 95-Jährige bald auch vor dem letzten Richter, reden Sie über Ihre Erlebnisse, so wie ich von meinen berichte!“ Er erhält keine Antwort. Schwarzbaum wird in Talkshows von Markus Lanz eingeladen. Er besucht Strafgefangene in einer JVA in der Nähe von Riesa. Die Insassen sind fasziniert von dem ruhigen, höflichen alten Mann, verstehen wie es ist, eingesperrt zu sein. „Können Sie den Deutschen vergeben?“, fragen ihn polnische Schüler. Er sagt: „Nein, das kann ich nicht, das könnten nur die Toten.“

Mo., 27. Jan · 00:05-01:43 · Das Erste (ARD)
Sarahs Schlüssel

Es ist der 15. Juli 1942, als an der Wohnungstüre der Familie Starzynski Krach geschlagen wird. Geistesgegenwärtig versteckt die zehnjährige Sarah (Mélusine Mayance) ihren kleinen Bruder im Geheimversteck hinter einer Tapetentür. Ganz schnell wird sie wieder bei ihm sein, das verspricht sie ihm hoch und heilig. Doch Sarah muss ihre Sachen packen und wird mit ihren Eltern in ein überfülltes Pariser Radstadion abtransportiert. Auf Anweisung der Nazis schickt das kollaborierende Vichy-Regime von hier aus über zehntausend französische Juden in den sicheren Tod. Wie durch ein Wunder kann Sarah entkommen. Bei einem hilfsbereiten Bauernehepaar kommt das von den Strapazen gezeichnete Mädchen wieder zu Kräften und kehrt endlich in die Wohnung zurück. – 60 Jahre später arbeitet die Journalistin Julia (Kristin Scott Thomas) an einem Artikel über die große Razzia, die im Juli 1942 stattfand. Bei ihren Recherchen findet sie heraus, dass in der Pariser Wohnung ihrer Schwiegereltern früher einmal Juden gewohnt haben. Je näher Julia der Wahrheit kommt, desto mehr erfährt sie über die Familie ihres zukünftigen Mannes, über ein finsteres Kapitel französischer Geschichte und schließlich über sich selbst. Der Antisemitismus der Grande Nation wurde im französischen Kino lange Zeit totgeschwiegen. Nach „Die Kinder von Paris“ greift auch „Sarahs Schlüssel“ die berüchtigte „Raffle de Vel d’Hiv“ auf. Fast 13000 Juden wurden bei der Pariser Razzia am 16. und 17. Juli 1942 in das Vélodrome d’Hiver (Vel d’Hiv), eine Radrennbahn, gepfercht. Mehrere Tage bekamen sie nichts zu trinken, die sanitären Anlagen waren schnell verstopft. Von dort aus verschleppte man die Internierten über Zwischenlager nach Auschwitz. Gilles Paquet-Brenners Adaption des Bestsellers von Tatiana de Rosnay nähert sich dieser Gräueltat auf zwei Zeitebenen. Der Film kontrastiert die Szenen aus der Radrennbahn mit der Arbeit einer Journalistin, die das Leid der Opfer der Vergessenheit entreißen will. Aus dem Ensemble französischer Charakterdarsteller ragt Kristin Scott Thomas heraus, die als Reporterin buchstäblich von der Vergangenheit eingeholt wird.

Mo., 27. Jan · 01:20-02:05 · ARD-alpha
Zeugin der Zeit: Esther Bejarano

Der 9. November 1938. SA-Schlägerkommandos und SS-Trupps setzen jüdische Geschäfte und Synagogen in Brand. Tausende von Juden werden in dieser Nacht gequält, festgenommen, umgebracht. Esther Bejarano, die damals noch Loewy heißt, erlebt die Pogromnacht als 14-Jährige. Von dieser Nacht an ist nichts mehr wie zuvor. Esther Loewy wird nach Auschwitz deportiert. Eine menschengemachte Hölle. Eine Hölle mit System. Ein „Ort ohne Klang“, wie die Musikerin sagt. In diesem bewegenden Zeitzeugenportrait erzählt Esther Bejarano von ihrem Martyrium während des Dritten Reiches, bezeugt die sadistischen Grausamkeiten der Nazis und berichtet, warum ihr die Musik im Vernichtungslager das Leben gerettet hat.

Mo., 27. Jan · 01:30-02:30 · HR
Jetzt – nach so viel Jahren

Bis 1923 war das idyllische Rhina in Oberhessen ein Ort, in dem mehr als die Hälfte der Dorfbewohner jüdisch waren. Lange Zeit wurde es „Klein-Jerusalem“ genannt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde diese alte jüdische Gemeinde zugrunde gerichtet, und die meisten Juden wurden in Konzentrationslager deportiert. In Rhina blieb von ihnen nicht mehr als ein verwüsteter Friedhof zurück. 1981 drehte ein Filmteam des Hessischen Rundfunks eine eindrucksvolle Dokumentation über das einst so jüdische Dorf in Hessen. Befragt nach den früheren Nachbarn erzählten die Rhinaer vom friedlichen Miteinander damals. Die Filmautoren Pavel Schnabel und Harald Lüders suchten aber auch nach überlebenden jüdischen Rhinaern, um so nach ihren Erinnerungen zu hören. Einige trafen sie in New York. Auch sie sind anfänglich zögerlich, wollen nicht gern über die Vergangenheit reden. Doch schnell wird klar, dass sie aus anderen Gründen schweigen. Die Überlebenden schildern ganz andere Ereignisse. Höhepunkt des Films ist eine emotionale Konfrontation: Die Rhinaer sehen ihre ehemaligen Nachbarn auf der Leinwand wieder und werden konfrontiert mit der verdrängten und so lange verschwiegenen Geschichte. Jahrzehnte nach seiner Entstehung hat dieser mehrfach preisgekrönte Film nichts von seiner Brisanz verloren – im Gegenteil. Gerade angesichts jüngster Versuche, das nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren, und des sich zunehmend artikulierenden Antisemitismus hat dieser Einblick in das kollektive Gedächtnis eines deutschen Dorfes beklemmende Aktualität.

Mo., 27. Jan · 01:45-03:28 · Das Erste (ARD)
Lauf Junge lauf

„Lauf Junge lauf“ erzählt die wahre Geschichte des neunjährigen Jungen Srulik, dem die Flucht aus dem Warschauer Ghetto gelingt. Bis zum Ende des Krieges muss er sich allein durch die Wälder schlagen, er lernt, auf Bäumen zu schlafen und Eichhörnchen mit der Schleuder zu jagen. Um nicht verhaftet zu werden, muss Srulik eine andere Identität annehmen. Aus dem flüchtigen Juden Srulik wird das polnische Waisenkind Jurek, das christliche Gebete kennt und ein Kruzifix um den Hals trägt. Doch Jurek bleibt ein Gejagter und das bis zum Ende des Krieges. Im Alter von neun Jahren gelingt dem kleinen Srulik als einzigem Mitglied seiner Familie die Flucht aus dem Warschauer Ghetto in die nahe gelegenen Wälder. Dort muss er sich bis zum Ende des Krieges mehr oder weniger alleine durchschlagen. Die wenigen Freunde, die Srulik findet, bleiben ihm nicht lange erhalten. Er lebt so einige Monate bis zum Einbruch des Winters von Waldfrüchten, erjagten Kleintieren und kleinen Beutezügen durch die Gärten umliegender Bauernhöfe. Die Einsamkeit, der anhaltende quälende Hunger und der kalte Winter treiben ihn immer wieder in die Dörfer, wo ihm ständig Verrat droht. Aber Srulik hat Glück und wird einige Zeit von einer Bäuerin versteckt, vor allem aber mit einer neuen Identität versorgt: Aus dem flüchtigen Juden Srulik macht sie das versprengte polnische Waisenkind Jurek, das christliche Gebete kennt und ein Kruzifix um den Hals trägt. Doch Jurek bleibt ein Gejagter und das bis zum Ende des Krieges.

Mo., 27. Jan · 02:05-02:50 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Yehuda Bacon

Wie ist es möglich, körperlich und seelisch den absoluten Nullpunkt der Humanität zu überleben? Und was kann jeder Einzelne heute tun, damit so etwas wie die Schoah nie wieder geschieht? In diesem ergreifenden Gespräch teilt der 89-jährige Yehuda Bacon seine Lebensgeschichte und seine wertvollen Lebensweisheiten mit der Nachwelt. „Kinder! In jedem Menschen ist ein unauslöschlicher Funke Gottes, und mit der Zeit wird er zur Flamme.“ An jenem Tag im Jahr 1942, als ein Lehrer in Mährisch-Ostrau diesen Satz aussprach, wusste sein 13-jähriger Schüler Yehuda Bacon noch nicht, welche Bedeutung er für ihn später einmal haben würde. In Theresienstadt, Auschwitz, Mauthausen. Auf dem Todesmarsch. Im KZ Auschwitz begegnet der Jugendliche dem berüchtigten Arzt Josef Mengele, der bei den täglichen Selektionen über Folter, Tod und Leben entscheidet und der Mozart pfeift, wenn ihm dabei langweilig wird. Yehuda Bacon muss zusehen, wie sein Vater ins Gas geschickt wird. Seine Mutter und seine Schwester sterben den Hungertod. Später, im KZ Mauthausen, wird er Zeuge von Kannibalismus. Tief traumatisierende Erlebnisse. Und der Funke, von dem sein Lehrer ihm einst erzählte? Den entdeckt Bacon, wo immer er kann, auch am Ende seiner Kräfte: zum Beispiel in der Güte des Erziehers Fredy Hirsch, der die Sprache der SS beherrscht und sein Leben dafür einsetzt, um die jüdischen Kinder in Auschwitz vor dem Tod zu bewahren. Oder im Verhalten einer Gruppe anderer Jugendlicher im KZ, die in „gottlosen Zeiten“ ihren eigenen Moralkodex aufrechterhalten und mit fremden, zum Tode verurteilten Kindern ihre Suppe teilen. „Mit meinen Händen kann ich ein Bauer werden, ich kann ein Pianist werden, ein Chirurg, denn ich habe wunderbare Finger. Aber ich kann auch ein wunderbarer Dieb werden, denn man muss nur geschickt sein. Von einem zum anderen ist ein sehr leichter Übergang.“ Yehuda Bacon Wie im Leid einen Sinn finden? Wie nach der Stunde Null weitermachen? Wie auf Hass nicht mit Hass reagieren? Yehuda Bacon hat für sich einen Weg gefunden. Über die Kunst und in seiner zutiefst menschlichen Sicht auf die Welt.

Mo., 27. Jan · 02:50-03:30 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Eduard Kornfeld

Als in Bratislava 1942 die Deportation von Juden beginnt, wird der 14-jährige Eduard Kornfeld zusammen mit seinem Bruder von seinen Eltern außer Landes geschickt. Die Brüder werden die Eltern und Geschwister nie wiedersehen. Kann es einen Gott geben, wenn er Ausschwitz zugelassen hat? Diese Frage zerreißt den Holocaust-Überlebenden Eduard Kornfeld bis heute. Als in Bratislava 1942 die Deportation von Juden beginnt, wird der 14-jährige Eduard Kornfeld zusammen mit seinem Bruder von seinen Eltern außer Landes geschickt. Die Brüder werden die Eltern und Geschwister nie wiedersehen. Auf sich alleine gestellt, verstecken sich die beiden Jungen nach ihrer gefährlichen Flucht in Budapest und kämpfen jeden Tag ums Überleben. Hilfe erhalten sie keine. 1944 wird Eduard Kornfeld verhaftet und zusammen mit 400.000 Juden aus Ungarn ins Vernichtungslager Ausschwitz deportiert. Schnell begreift er das Grauen dieses Ortes. Bereits bei der Ankunft sieht er, wie Frauen und Kinder ins Gas geschickt werden, unter ihnen auch seine Jugendliebe Gitta. Unzählige Male steht er selbst vor Mengele – und überlebt immer wieder mit knapper Not die Selektionen des sogenannten Todesengels. „Ich hab keine Angst vor Gott, sollte es ihn geben, hab ich Vorwürfe zu machen! Dort in Ausschwitz war er nicht und in keinem Konzentrationslager!“ Und trotzdem überlebt Eduard Kornfeld das schrecklichste Vernichtungssystem der Menschheit. Von Ausschwitz wird er als Zwangsarbeiter in die KZ-Außenlager Kaufering und Kaufbeuren verschleppt. Als die Lager aufgelöst werden, wird er in den Todesmarsch nach Dachau gezwungen. Wie durch ein Wunder überlebt er das gesamte Vernichtungssystem der Nationalsozialisten. Mit einer schweren Lungentuberkulose und total entkräftet erlebt Eduard Kornfeld schließlich 1945 die Befreiung. Erst 1949 kommt er in die Schweiz, wo er lange Zeit in Sanatorien verbringt. Hier gründet er schließlich seine Familie und gibt trotz aller inneren Zweifel seine Religion an seine Kinder weiter. Doch bis heute lässt ihn ein Gedanke nicht los: „Ich kann mir nicht erklären, wieso kam ich immer mit dem Leben davon? Welche Zufälle? Ist es der liebe Gott, hab ich Engel? Ich stell mir diese Frage heut auch noch. Ich kann es mir nicht erklären.“

Mo., 27. Jan · 04:45-05:30 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Heinz Kounio

„Jerusalem des Balkans“ – so nannte man Thessaloniki um die Jahrhundertwende. In der multikulturellen Stadt leben Christen, Muslime und Juden friedlich miteinander. Die jüdisch-sephardische Gemeinde macht damals ein Viertel der Bevölkerung aus und prägt die lebendige Kultur und das Wesen der Stadt entscheidend. 1941 besetzt die deutsche Wehrmacht Thessaloniki, kurz darauf führt die SS die Rassengesetze in Griechenland ein. Das Leben der Juden ändert sich schlagartig. Sie werden zuerst zur Arbeit gezwungen, in Ghettos umgesiedelt und 1943 schließlich nach Auschwitz deportiert. Betroffen ist fast die gesamte Gemeinde. Einer der wenigen Überlebenden ist Heinz Kounio, Sprachrohr der griechischen Holocaust-Opfer und Träger des deutschen Bundesverdienstkreuzes. Der damals 16-jährige Heinz, seine Eltern und seine Schwester überleben die Deportation und die Gefangenschaft in Auschwitz, weil sie Deutsch sprechen und der SS als Übersetzer bei den Selektionen an der Rampe dienen. Ein Zufall, ein Glücksmoment in einem gnadenlosen Vernichtungssystem. Nach seiner Rückkehr nach Thessaloniki schweigt Heinz Kounio nicht. Die Erlebnisse unmenschlichsten Bedingungen und Tod in Auschwitz, die Vernichtung nahezu einer ganzen Gemeinde, sollen nicht vergessen werden. In jahrzehntelanger Arbeit sammelt Heinz Kounio tausende Namen aus der jüdischen Gemeinde seiner Heimat, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. 2007 übergibt er schließlich seine Liste mit 37.724 Namen der Gemeinde in Thessaloniki und Yad Vashem in Jerusalem. Es ist sein Lebenswerk und sein Weg, das Trauma des Holocausts zu überwinden.

Mo., 27. Jan · 07:20-07:50 · WDR
Planet Schule: Leben nach dem Überleben – Die Literatin Ruth Klüger

„Weiter leben. Eine Jugend“ – so hieß das erste Buch der aus Österreich stammenden amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger. 1992 erschien es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt und war sofort ein Bestseller und gehört inzwischen zum Bildungskanon in Deutschland. Klüger erzählt in unpathetischer Weise darin ihre Geschichte. Die Geschichte eines jüdischen Kindes im Wien der 30er-Jahre, wo sie Heimat und Identität verliert. Im Alter von 11 Jahren wird sie deportiert – erst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz-Birkenau, zuletzt in das Lager Christianstadt, von wo sie im Februar 1945 gemeinsam mit ihrer Mutter flieht. Heute zählt Ruth Klüger zu den anerkanntesten Literaturwissenschaftlerinnen und Germanistinnen der USA, sie ist Professorin in Göttingen und aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht nicht mehr wegzudenken.

Mo., 27. Jan · 19:40-20:14 · arte
Re: Konservatoren in Auschwitz – Arbeiten gegen das Vergessen

Agnieszka Tanistra-Różanowska und ihr Team arbeiten seit Wochen an Baracke 124. Ihre Aufgabe ist es, die ehemalige KZ-Häftlingsunterkunft auf dem Gelände der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau für die Nachwelt zu erhalten. Die Baracke ist eins von 150 Gebäuden, die zu der Gedenkstätte gehören. Dazu kommen Wege, Straßen, Bahngleise, Stacheldraht – stumme Zeugen der Naziverbrechen an diesem Ort. 75 Jahre nach der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee verfallen die Gebäude und Anlagen auf dem 200 Hektar großen Gelände zunehmend. Ein Team von Spezialisten soll das verhindern. Ihr Ziel ist es, den Ort so authentisch wie möglich zu erhalten. Wie schwierig das ist, zeigt sich, als an Baracke 124 eine neue Dachrinne angebracht werden soll. Gleichzeitig müssen sie die emotionale Belastung aushalten, Tag für Tag an dem Ort zu arbeiten, an dem während des Nazi-Terrors Massenmorde verübt wurden. Margit Bormann ist gerade damit beschäftigt, einen Koffer zu restaurieren. Denn das Museum Auschwitz-Birkenau beherbergt auch eine Sammlung persönlicher Gegenstände ehemaliger KZ-Häftlinge. Darunter sind 3.800 Koffer, 5.000 Zahnbürsten, 110.000 Schuhe, Brillen und Kämme. Und auch sie drohen zu verfallen. Restauratorin Margit Bormann arbeitet seit neun Jahren hier. Mit ihrer Arbeit will die Deutsche dazu beitragen, die Erinnerung an die Opfer des Nazi-Regimes wach zu halten. Es ist eine Arbeit gegen das Vergessen und ein Wettlauf mit der Zeit.

Mo., 27. Jan · 20:14-21:53 · arte
Gegen das Vergessen: Zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Aus diesem Anlass zeigt ARTE einen Themenschwerpunkt mit Dokumentarfilmen, die das Grauen der Shoah zeigen, aber auch auf Momente der Hoffnung verweisen. Wie die Geschichte des bayerischen Auffanglagers in Markt Indersdorf, in dem über tausend junge Menschen nach Kriegsende Zuflucht fanden: Die Kinder von einst erzählen von neuer Hoffnung, die sich hier mit der Last einer Vergangenheit mischte, die nicht vergessen werden konnte.Der Dokumentarfilm „1944: Bomben auf Auschwitz?“ verfolgt die Flucht zweier Auschwitz-Insassen aus dem Vernichtungslager, die der Welt erstmals von der schrecklichen Realität berichteten und damit heftige Debatten auslösten, wie das industrielle Töten gestoppt werden könnte.Block 10 von Auschwitz-Birkenau war der Schauplatz menschenverachtender Experimente durch den Gynäkologie-Professor Clauberg, an deren Folgen viele Mädchen und Frauen starben. In „Medizinversuche in Auschwitz“ erzählen die letzten Überlebenden von den furchtbaren Erlebnissen, die sie im Lager durchstehen mussten.Die Pläne der Nazis beinhalteten nicht nur die Auslöschung jüdischen Lebens, sondern auch die vollständige Beseitigung aller Spuren jüdischer Kultur. In „Papier-Brigade“ begegnet der Zuschauer den tapferen Helden von Wilna, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um die jüdischen Bibliotheken der Stadt vor den Nazis zu retten.

Mo., 27. Jan · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Jahre der Verführung

Mehr als 70 Jahre lagen Farbfilmrollen teilweise unentdeckt auf Dachböden oder in Archiven. Nun haben die Regisseurinnen Despina Grammatikopulu und Michaela Wilhelm-Fischer Familiengeschichten hinter den Privatfilmen erforscht. Aus vielen Stunden Filmmaterial ist ein Gesamtbild Bayerns entstanden, wie man es selten gesehen hat: Ein Blick wie durch ein Schlüsselloch auf den Familienalltag in der NS-Zeit zu 100% in Farbe. Wir sehen das „Heute“ der kleinen Leute. Unser „Gestern“. Ganz nah. Mehr als 70 Jahre lagen Farbfilmrollen teilweise unentdeckt auf Dachböden oder in Archiven. Nun haben die Regisseurinnen Despina Grammatikopulu und Michaela Wilhelm-Fischer Familiengeschichten hinter den Bildern der Privatfilme erforscht. Aus vielen Stunden Filmmaterial ist eine zweiteilige Dokumentation entstanden. Es ist ein Blick wie durch ein Schlüsselloch auf den Familienalltag in der NS-Zeit, zu 100% in Farbe. Wir sehen das „Heute“ der kleinen Leute. Unser „Gestern“. Ganz nah. Der erste Teil der zweiteiligen Dokumentation „Jahre der Verführung – Jahre des Untergangs“ erzählt von einem Reich, das in einem Meer aus Fahnen versinken und in dem die Verführung über die Menschlichkeit siegen wird. Es sind Amateurfilmer, die unverfälschte Einblicke aus dem Alltag dieses Reiches in der Zeit von 1931 bis zum letzten Tag vor Kriegsbeginn geben. Es sind Familienfilme, die nicht für fremde Augen gedacht waren. Urlaubsbilder aus dem Chiemgau und aus Garmisch oder ein heiterer Faschingsumzug in Nürnberg. Ein verspielter Tanzreigen im Bayerischen Wald oder ein Streifzug durch die Münchner Innenstadt. Viele Bilder wirken harmlos. Doch mit dem Wissen um die sich anbahnende Katastrophe erzeugen gerade die Farbigkeit und die Unbedarftheit der Aufnahmen ein Unbehagen, das in einer Frage mündet: Wo beginnt es, das Böse? Denn in der Diktatur des „Dritten Reiches“ gab es keinen Lebensbereich, der nicht politisiert war. Durch die jubelnde Menschenmenge der Nürnberger Faschingsgesellschaft etwa zieht vor der Kamera unvermittelt ein Motivwagen mit einem Galgen vorbei, an dem Juden aus Pappmaché hängen. Alle haben es gesehen. Die tanzenden jungen Frauen im Bayerischen Wald sind in einem Zeltlager des „Bunds Deutscher Mädel“ und werden auf ihre Mutterrolle für die zukünftige arische Generation vorbereitet. Und in München, der „Stadt der Bewegung“, marschiert die SS zur Mahnwache an dem von den Nazis errichteten Ehrentempel am Königsplatz auf, der zum touristischen Magneten wird. Und so nähert sich „Jahre der Verführung“ der Frage, wie sich die Gleichschaltung der Gesellschaft unter den Nationalsozialisten vollzog und wie sie die Menschen auf den Krieg vorbereitete. In diesem Bilder-Panoptikum entspinnt sich die Geschichte einer Familie, in der sich die zentrale Frage nach der Schuld spiegelt. Es ist eine Familie wie aus einem nationalsozialistischen Bilderbuch. Die Bilder zeigen einen herzlichen Umgang miteinander. In der perfiden Rassensystematik der Zeit gilt die Familie als „rein arisch“. Vereint im festen Glauben, das Richtige zu tun, sind die Familienmitglieder in der Partei organisiert. Der Vater ist bei der SS, der Sohn in der Hitlerjugend und zumindest die jüngste Tochter im Bund Deutscher Mädel engagiert. Es sind vornehmlich Aufnahmen von der Verlobungsreise dieser jungen Frau, die den schmalen Grat zwischen hoffnungsvoller Zukunftszuversicht und zerstörender Verblendung zeigen. Nur zwei Wochen vor Kriegsbeginn ist schließlich der große Tag gekommen. Die junge Braut nimmt ihren Verlobten, einen SS-Obersturmführer, zum Mann. Die Hochzeitsgesellschaft feiert ausgelassen. Dabei sind die Kriegsvorbereitungen schon längst im vollen Gange. „Jahre der Verführung“ zeigt Bilder aus einem Land, in dem Menschen in blindem Gehorsam in die Katastrophe marschieren. Hat wirklich keiner geahnt, was passieren würde?

Mo., 27. Jan · 20:15-21:00 · PHOENIX
Exodus? Eine Geschichte der Juden in Europa

Zu Beginn der ersten Folge begibt sich Prof. Christopher Clark auf Spurensuche in Israel. Mit dem Tempel Jahwes in Jerusalem, dessen bekanntester Rest die berühmte Klagemauer ist, entstand in der Antike das religiöse und politische Zentrum der Juden. Die vor Jahrzehnten bei Qumran am Toten Meer gefundenen Schrift-rollen sind ein weiterer Schlüssel zum Verständnis jüdischer Kultur. Israelische Archäologen und Restauratoren erläutern Clark die uralte, tiefgreifende Beziehung zwischen diesen Texten und der Geschichte der Juden. Die Tor a wurde zum Kern jüdischer Identität, vor allem nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer und der Zerstörung des Tempels. Seitdem bildet die Heilige Schrift die große Klammer, die das jüdische Volk in der Diaspora zusammenhält, sie wurde zum „portativen Vaterland“, wie der Dichter Heinrich Heine bemerkte, einer Heimat zum Mit-nehmen. Sie hat die Wanderschaft der Juden über alle Zeiten und Kontinente hinweg bis heute begleitet. Christopher Clark reist auch zu den Zentren jüdischen Lebens in Europa. Als das römische Reich im vierten Jahrhundert christlich wurde, siedelten Juden schon überall auf dem Kontinent. Vor allem in Sepharad, der iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und in Aschkenas – hebräisch für die deutschsprachigen Länder. Die drei Gemeinden Speyer, Worms und Mainz galten im frühen Mittelalter als „Jerusalem am Rhein“. Viele Herrscher, auch Karl der Große, stellten jüdische Bewohner als gleichwertige Bürger unter ihren Schutz. Die schriftkundigen, vielsprachigen Juden mit ihren Handelskontakten waren willkommene Entwicklungshelfer in den aufblühenden Städten, auch wenn sie ein für Christen rätselhaftes, durchritualisiertes Leben führten. Zwei Faktoren trugen dazu bei, dass diese Haltung im Verlauf des Mittelalters in offene Feindseligkeit umschlug. Zum einen das Entstehen von christlichen Handwerkszünften, zu denen Juden nicht zugelassen waren. Zum anderen das Zinsverbot für Chris-ten, das es untersagte, anderen Christen gegen Zinsen Geld zu verleihen. Aus den meisten Berufen per Gesetz verdrängt, nutz-ten Juden häufig diese Nische und wurden Geldverleiher. So kam das Feindbild vom „geldgierigen Juden“ in die Welt. Zur großen Zäsur für die Juden Europas wurden die Kreuzzüge. Beim Durch-zug der Kreuzfahrerheere kam es zu schweren Judenverfolgungen in Frankreich und Deutschland. Es waren die ersten großen Pogrome des Abendlandes. Trotz aller Schutzbemühungen der Kaiser verschlimmerte sich die Lage der Juden in Zentraleuropa. Gründe, die Juden zu verfolgen, gab es aus christlicher Perspektive genug: Die Juden galten als Christus-Mörder. Sie assimilierten sich nicht, hielten stattdessen an ihrer Religion fest. Immer häufiger mussten sie als Blitzableiter für Krisensituationen herhalten. Vor allem als 1347 die Pest aus-brach, die in knapp zehn Jahren ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Angeblich hätten Juden die Brunnen vergiftet – ein folgenschweres Gerücht, das die größte Verfolgungs- und Vernichtungsaktion in der Geschichte der Juden vor der Schoah zur Folge hatte. 1492 wurden die sephardischen Juden aus Spanien vertrieben. Sie zogen unter anderem in den Maghreb und das Osmanische Reich. Die meisten Aschkenasim hatten zuvor in Polen Schutz gesucht, wo bald mehr als zwei Drittel aller europäischen Juden lebten. In Krakau, Lublin, Lemberg und Vilnius gründeten sie ihre Gemeinden, für die der Begriff Schtetl sinnbildlich steht. Prof. Clark sieht sich in einem weiteren Zentrum jüdischer Kultur um: in Prag. Hier erlebten Juden in der frühen Neuzeit ein „Goldenes Zeitalter“. Im 17. Jahrhundert gewannen sie als Kreditgeber und Hoffaktoren, als Kaufmänner an Europas Fürstenhöfen, enormen Einfluss. Das zeigt das Beispiel von Joseph Süß Oppenheimer (1698-1738). Der Finanzminister des Herzogs von Württemberg führte effektive, aber unbeliebte Reformen durch. Nach dem Tod seines Herrn wurde er verhaftet, zu Unrecht verurteilt und öffentlich hingerichtet. Der Nazi-Propagandastreifen „Jud Süß“, der zur ideologischen Vorbereitung des Holocaust diente, stilisierte ihn später zum Inbegriff des geldgierigen Juden. Die Rothschilds aus dem Frankfurter Ghetto dagegen machten sich nicht von einem Herrscher abhängig. Gründervater Mayer Amschel Rothschild, geboren 1744, begann mit einfachen Wechselgeschäften und verteilte seine fünf Söhne strategisch über den ganzen Kontinent. Bald zählten die Herrscher Europas zu ihren Kunden – das Haus Rothschild wurde zu einer der erfolgreichsten Bankdynastien und existiert noch heute. Aber die Mehrheit der Juden wurde im 18. Jahrhundert arm. Die Ghettos waren überfüllt. Heimatlos irrten immer mehr besitzlose Juden von Stadt zu Stadt. Hoffnung auf Besserung für die Lage der jüdischen Mehrheit brachte die Französische Revolution mit ihren Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Der Einfluss der Kirche auf den Staat wurde geringer. Die alte Feudalgesellschaft und ihre Zunftzwänge lösten sich auf. Der große Dichter der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing, wagte es 1783 zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Theaters, die Figur eines „edlen Juden“ auf die Bühne zu bringen: Nathan den Weisen. Auch das Judentum selbst wurde von den Idealen der Aufklärung erfasst, wie das Beispiel des Philosophen Moses Mendelssohn zeigt. Den einen gilt er als Vorreiter einer jüdischen Emanzipation, den anderen als Verräter an der Religion und traditionellen Lebensweise. Eine berühmte Vertreterin eines aufgeklärten Judentums ist auch Rahel Varnhagen, die Ende des 18. Jahrhunderts in Berlin einen berühmten Salon führte. Sie sagte sich mehr und mehr von ihren jüdischen Wurzeln los, eignete sich die Bildung an, die ihr als Frau versagt geblieben war, und empfing in ihrer Berliner Wohnung jeden, der Rang und Namen hatte. Damals kam es zu einer Aufspaltung des Judentums. In Abgrenzung zu den „Reformjuden“ lebten Orthodoxe weiter ein Leben, in dessen Zentrum die Tora steht. Sie hielten den Sabbat heilig, aßen koscher, für sie war das ganze Leben ein Gottesdienst. Bis heute leben auf der ganzen Welt Nachkommen dieser auf Tradition und die Ursprünge hin orientierten, nun orthodox genannten Juden. Die Emanzipation der Juden, das heißt die Abschaffung antijüdischer Gesetze, die sich nach den napoleonischen Kriegen auch in Deutschland langsam durchsetzte, erzeugte neue Konflikte. Viele Bürger fürchteten die Konkurrenz durch Juden, die jetzt erstmals Zugang zu allen Berufen und Ämtern hatten. Zudem förderte der aufkeimende Nationalismus antisemitische Tendenzen. Die Zugehörigkeit zur Nation wurde weniger kulturell als völkisch interpretiert, als eine Sache des „Blutes“. Dadurch wurden Juden aufs Neue ausgegrenzt. Das musste auch der junge Theodor Herzl, Sohn einer säkularisierten jüdischen Familie aus Ungarn, erfahren. 1894 bis 1895 berichtete er als Korrespondent einer Wiener Zeitung über den Prozess gegen den jüdischen Hauptmann Dreyfus, der unschuldig wegen Landesverrats zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Die antisemitische Hetze und die Ausschreitungen gegen Juden, die den Prozess begleiteten, ließen Herzl zu dem Schluss kommen, dass Vernunft und Assimilation gegen Judenhass wirkungslos seien. Sein Traum vom „Judenstaat“, der allein wirklichen Schutz bieten könne, begründete den Zionismus. Die Mehrzahl der deutschen Juden stand dem Zionismus skeptisch gegenüber. Sie wollten lieber in ihrem Deutschland bleiben. Sie waren der festen Überzeugung, dass es möglich ist, Deut-scher zu sein und Jude. Ein Traum, der für sie im deutschen Kaiserreich nahezu in Erfüllung zu gehen schien.

Mo., 27. Jan · 21:55-23:35 · arte
Die Kinder aus der Rue Saint-Maur

Was verbirgt sich hinter den Fassaden all der Häuser, an denen wir vorbeigehen? Welche Geschichten oder Dramen spielten sich hier ab? Welche Spuren hinterlässt die Zeit? Der Dokumentarfilm „Die Kinder aus der Rue Saint-Maur“ geht diesen Fragen nach. Regisseurin Ruth Zylberman suchte quasi nach dem Zufallsprinzip ein Pariser Gebäude aus, über das sie nicht das Geringste wusste. Ein Gebäude wie viele im Norden von Paris. Mehrere Jahre lang recherchierte sie, um die ehemaligen Bewohner der Adresse 209 Rue Saint-Maur ausfindig zu machen und die Geschichte der Hausgemeinschaft während der deutschen Besatzung zu rekonstruieren. Anhand einer Volkszählungsliste aus dem Jahr 1936 gelang es Ruth Zylberman, Zeitzeugen und einschlägiges Archivmaterial zu finden, um den einstigen Bewohnern ein Gesicht zu geben. Sie fand die Überlebenden in Paris und seinen Vororten, in anderen französischen Städten, in Melbourne, New York und Tel Aviv. Allmählich ergab das Puzzle Sinn und enthüllte Geschichten über die Nachbarn und deren schwerwiegenden Entscheidungen. Besonders eindringlich sind die Erinnerungen der Zeitzeugen an den 16. Juli 1942, den Tag der Deportationen. Die ehemalige Concierge erinnert sich an ein Baby, das von der Mutter in die Obhut anderer gegeben wurde. Manche versteckten Juden. Bei der sogenannten Razzia des Wintervelodroms – la grande razzia du Vel d’hiv – wurden mehrere Tausend Juden von den deutschen Besatzern mit Hilfe der französischen Polizei in Vernichtungslager deportiert. Ruth Zylbermans Dokumentarfilm zeichnet die Geschichte dieses anfangs anonymen Gebäudes nach und erzählt bruchstückhaft von den tragischen Einzelschicksalen. Es gelingt ihr, in diesem Pariser Wohnhaus, das so vielen anderen ähnelt, den „Lärm der Zeit“ wieder hörbar zu machen und an die Menschen und ihr dramatisches Schicksal zu erinnern.

Mo., 27. Jan · 22:00-22:45 · BR
Lebenslinien – Mein Paradies aus Scherben

„Eine Verkettung von Wundern“, nennt es Ilana Shafir, dass sie als jüdische Jugendliche dem Holocaust in Jugoslawien entkommen konnte. Ihr Leben lang von Krieg verfolgt, rettet sie sich in die Welt ihrer Kunst und „sieht die Dinge ein bisschen anders“, wie ihre Schwester sagt. Mitten im israelischen Krisengebiet hat sich Ilana einen Paradiesgarten gebaut, in dem es „nichts Böses“ gibt. Ilana Shafir wächst in einer heilen Welt auf. Mit ihrer deutschstämmigen Familie lebt sie in Jugoslawien, fühlt sich im Multi-Kulti ihrer Heimatstadt Sarajevo zu Hause und träumt davon, einmal Künstlerin werden. Doch kurz nach ihrem 17. Geburtstag marschieren die deutschen Nationalsozialisten ein. Ilanas jüdische Familie kann in letzter Sekunde fliehen und taucht in einem Bauerndorf unter. Gegen die Verzweiflung, die sich um sie herum breitmacht, kämpft Ilana mit ungebrochenem Optimismus und hält an ihrem Traum von einer Künstlerkarriere fest. Sie erschafft sich eine eigene Welt, improvisiert ihre Bilder aus allem, was sie finden kann. Die Kunstschätze ihrer bewegenden Lebensgeschichte schlummern in riesigen Schubladen. Ilana ist bei den Dreharbeiten 90 Jahre alt, lebt im Süden Israels und sieht die Dinge immer noch „ein bisschen anders“, wie ihre Schwester sagt. Regelmäßig ertönt Raketenalarm, doch Ilana sitzt seelenruhig im Atelier hinter ihrem Haus und setzt Scherbe um Scherbe zusammen. Ihre Methode, aus Zerbrochenem großwandige Mosaike zu machen, hat ihr inzwischen weltweit Anerkennung gebracht. Bis zu ihrem Tod 2014 tüftelt sie täglich an ihrem Lebenswerk: einer paradiesischen Gartenoase, in der es „nichts Böses gibt“.

Mo., 27. Jan · 22:15-23:45 · ZDF
Die Kinder von Windermere

Packender Film nach einer wahren Geschichte über 300 Kinder, die den Holocaust überlebt haben und 1945 nach England gebracht werden. Hier wird ihnen Hoffnung auf ein neues Leben gegeben. Nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern werden die jüdischen Kinder an den Lake Windermere gebracht. Der deutsche Psychologe Oscar Friedmann betreut die Kinder dort einen Sommer lang, und sie lernen, mit ihren schlimmen Erfahrungen umzugehen. Der Film trifft einen durchweg positiven Ton und rückt eine kleine Gruppe 13- bis 17-Jähriger in den Mittelpunkt: Arek Hershlikovicz (Tomasz Studzinski), Ben Helfgott (Pascal Fischer), Ike Alterman (Jakub Sprenger), Sala Feiermann (Anna Maciejewska), Salek Falinower (Jakub Jankiewicz) und Sam Laskier (Marek Wroblewski). In einer geschützten Umgebung wird den traumatisierten Kindern wieder ein normaler, angstfreier und lebensbejahender Alltag gelehrt. Die Kinder lernen wieder, was es heißt, genug zu essen zu haben und allein in einem Zimmer zu schlafen. Außerdem lernen sie Englisch und bereiten sich mithilfe des einfühlsamen Trainers Jock Lawrence (Iain Glen) auf ein Fußballspiel mit den Einwohnern des Dorfes vor. Jedoch ist die Vergangenheit immer präsent, und einige erfahren erst in England, dass ihre Familie vollständig ausgelöscht wurde. In Windermere lernen sie wieder, was es heißt, zu leben und wie viel Glück sie hatten, die Schrecken des Lagers zu überstehen. Zentrale erwachsene Figur ist der Psychologe Oscar Friedmann, gespielt von Thomas Kretschmann, der eine Art Vaterfigur für viele der Jugendlichen wurde und dessen Ziel es war, den jungen Heranwachsenden beim Bewältigen ihrer Erfahrungen zu helfen. Das hoch emotionale Drehbuch von BAFTA-Gewinner Simon Block beleuchtet ein bisher noch nicht erzähltes Kapitel im Umfeld des Holocausts. Der Film erzählt eine Geschichte des Neuanfangs voller Hoffnung und Zuversicht. Die Freundschaft der Kinder von Windermere und der Zusammenhalt ihrer Nachkommen hält bis heute an und war der Grundstein für ein Leben in einer besseren Zukunft. Direkt im Anschluss wird „Die Kinder von Windermere – Die Dokumentation“ ausgestrahlt.

Mo., 27. Jan · 23:05-00:40 · MDR
Jakob der Lügner

1944 in einem Ghetto im besetzten Polen. Man lebt hier von der Außenwelt isoliert. Die Deportationen nehmen zu, die Selbstmorde auch. In dieser Situation verbreitet Jakob Heym Hoffnung. Er gibt vor, ein Radio zu besitzen und hält mit erfundenen Nachrichten über den Vormarsch der Roten Armee die Eingeschlossenen aufrecht. Der jüdische Friseur Jakob Heym (Vlastimil Brodsky) lebt 1944 in einem Ghetto im besetzten Polen. Wegen angeblicher Überschreitung der Ausgangsperre soll er sich eines Tages beim Gestapo-Revier melden, kommt jedoch wider Erwarten mit dem Leben davon. Der Zufall will es, dass Jakob bei der Gestapo aus dem Radio eine Nachricht über den Anmarsch der Russen aufschnappt. Diese Meldung wirkt für Jakob wie ein Lebenselixier und sie soll auch seinen Freunden neuen Lebensmut geben. Damit diese ihm einerseits die Nachricht glauben und andererseits nicht für einen Gestapo-Spitzel halten, wenn er erzählt, dass er die Nachricht bei der SS aufgeschnappt hat, muss Jakob lügen. Er gibt vor, ein Radio zu besitzen. Doch damit beginnt Jakobs tragikomischer Leidensweg. Tagtäglich wollen alle Neues von ihm wissen: Über den Frontverlauf, die Weltpolitik und vieles mehr. Selbst die kleine Lina (Manuela Simon), die er versteckt hält, ist neugierig. Hoffnung breitet sich im Ghetto aus, die Selbstmorde hören auf, Zukunftspläne über ein Leben ohne den gelben Stern werden geschmiedet. Und Jakob lügt weiter, ist doch die Hoffnung in ihrer Situation noch wichtiger als das Stück Brot. Doch allmählich wird die Illusion zum Selbstbetrug. Jakob erträgt die sich selbst aufgebürdete Last nicht mehr und vertraut sich seinem Freund Kowalski (Erwin Geschonneck) an.

Di., 28. Jan · 20:15-22:20 · 3sat
Das Tagebuch der Anne Frank

Ein 13-jähriges jüdisches Mädchen in Amsterdam schreibt Tagebuch. Immer in der Angst vor Entdeckung durch die deutschen Besatzer, in Angst um ihr Leben. Es ist die Geschichte Anne Franks. 1942 – die europäischen Juden sind auf der Flucht vor den Deutschen. Unter ihnen auch die aus Frankfurt am Main geflüchtete Familie Frank. Doch die Deutschen besetzen auch die Niederlande. Zwei Jahre lang versteckt sich die Familie in einem Hinterhaus. Anne Franks bisher wohlbehütetes Leben ändert sich dramatisch, als die Deportation ihrer älteren Schwester Margot zum „Arbeitsdienst“ bevorsteht: Ihr Vater Otto beschließt, mit seiner Frau Edith und den beiden Töchtern unterzutauchen. Im Hinterhaus seines Firmensitzes in der Prinsengracht 263 hat er mithilfe seiner Sekretärin Miep Gies und drei weiteren Mitarbeitern ein Versteck hergerichtet, das von nun an das Heim der Franks sein wird. Bald darauf nehmen sie noch einen Zahnarzt und eine dreiköpfige Familie auf, ein Ehepaar und deren Sohn Peter. Ab sofort gelten strenge Verhaltensregeln, da im selben Haus weiterhin ganz normal gearbeitet wird. Acht Menschen dürfen sich tagsüber kaum bewegen, jedes lautere Geräusch kann tödliche Folgen haben. Eine Verbindung zur Außenwelt gibt es nur über Miep und das Radio. Trotzdem kehrt so etwas wie Alltag ein: Es wird gestritten, sich versöhnt, gelacht und gehofft – immer in der Angst, jederzeit entdeckt zu werden. Festgehalten wird das alles von Anne, der Jüngsten im Versteck. Ihre Beobachtungen und Gedanken vertraut sie dem Tagebuch an, das sie gerade von ihrem Vater zum 13. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Die neue Situation zwingt Anne, besonders schnell erwachsen zu werden. Klug dokumentiert und kommentiert sie zwei Jahre lang die Geschehnisse im Versteck aus der Sicht eines intelligenten Teenagers mitten in der Pubertät. Sie verliebt sich in Peter, hat Konflikte mit ihren Eltern, entwickelt sich seelisch und körperlich, freut sich auf eine Zukunft in Freiheit. Doch kurz nachdem die Nachricht von der Invasion der Alliierten in der Normandie der kleinen Notgemeinschaft neue Hoffnung gegeben hat, wird das Versteck durch einen anonymen Hinweis verraten: Am 4. August 1944 stürmt ein SS-Oberscharführer mit vier Polizisten den Unterschlupf und lässt die Entdeckten nach Auschwitz transportieren. Anne Frank und ihre Schwester sterben Anfang 1945 in Bergen-Belsen, vermutliche Todesursache: Typhus oder Fleckfieber. Einziger Überlebender aus dem Versteck in der Prinsengracht war Annes Vater Otto Frank, der das Tagebuch seiner Tochter nach dem Krieg veröffentlichte und sie damit weltberühmt machte. Bis 2016 gab es keinen deutschen Kinofilm über das Tagebuch der Anne Frank. Es dauerte fast 70 Jahre, bis sich Regisseur Hans Steinbichler („Hierankl“) an eine Spielfilm-Umsetzung des Stoffs wagte. Doch gibt es noch etwas Neues zu erzählen? Oscar-prämierte Filme, Bücher und sogar ein nach Anne Frank benannter Asteroid – das Mädchen ist zu einer Ikone geworden. Genau das, was Steinbichler mit seiner neuen Verfilmung umgehen möchte. Bei ihm wird Anne nicht auf ein Podest gestellt, sondern als das gezeigt, was sie war: ein pubertierendes Mädchen, das ihren Körper entdeckt, mit sich und ihrer Umwelt zu kämpfen hat. Mal selbstbewusst, auch selbstgerecht, mal verzweifelt, immer intelligent und häufig sehr witzig. Keine Heldin, sondern ein Teenager, der ohne Rückzugsort seine Entwicklung mit sieben Personen auf weniger als 60 Quadratmetern erlebt. Steinbichler klammert in seinem Film die Legende der Anne Frank aus, um ihren Alltag im Versteck zu beschreiben, eine fragile Normalität, in der sie mit verschiedenen Textpassagen aus dem Tagebuch auch selbst zu Wort kommt. Dabei konnten sich Drehbuchautor Fred Breinersdorfer („Sophie Scholl – Die letzten Tage“) und Regisseur Steinbichler eng an die Vorlage halten. Die Produzenten Michael Souvignier und Walid Nakschbandi, der bereits das Fernseh-Doku-Drama „Meine Tochter Anne Frank“ produziert hatte, erwarben das Exklusivrecht für die Verfilmung des Tagebuchs, mit ausdrücklicher Unterstützung des Anne Frank Fonds in Basel, der das Urheberrecht am Tagebuch der Anne Frank innehat.

Di., 28. Jan · 20:15-21:00 · RBB
Geheimnisvolle Orte: Die Synagoge mit der goldenen Kuppel – Ein Prachtbau in Berlin

Die „Neue Synagoge“ in Berlin ist immer mehr gewesen als ein Prachtbau mit goldener Kuppel – sie ist ein Symbol für die Hoffnung der jüdischen Gemeinschaft, in der deutschen Gesellschaft angekommen zu sein. Diese Hoffnung zerbricht in der Pogromnacht am 9. November 1938. Die Doku erzählt über die wechselvolle Geschichte und erweckt das Gebäude in all‘ seiner Pracht zu neuem Leben. Als die „Neue Synagoge“ 1866 eingeweiht wurde, kam selbst der preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Bismarck und war beeindruckt vom Bau mit der goldenen Kuppel. Diese Synagoge erinnerte – ganz bewusst – an die spanische Alhambra. Ein Wunder der Baukunst und – der Politik. Die „Neue Synagoge“ war ein sichtbares Zeichen der Toleranz und Akzeptanz gegenüber Juden und gleichzeitig eine Provokation für Antisemiten: Sie war ein Symbol für das Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinschaft. Die Hoffnung, in der deutschen Gesellschaft angekommen zu sein, trug über sechs Jahrzehnte und zerbrach endgültig in der Pogromnacht am 9. November 1938. Ein preußischer Polizeibeamter rettete die „Neue Synagoge“ damals vor dem Feuer. Doch 1943 wurden große Teile des Gebäudes in einer Bombennacht zerstört. Erst in den 1990er Jahren wurde die Synagoge als „Centrum Judaicum“ mit restaurierter Fassade und neugebauter Kuppel wieder aufgebaut, doch ohne ihr Herzstück – die große Hauptsynagoge. Hinter den verglasten, konservierten Ruinenteilen verbergen sich noch immer rätselhafte, geheimnisvolle, auch unbekannte Geschichten, über die unter anderem der langjährige Direktor des Centrum Judaicum, Hermann Simon, und Ruth Winkelmann, ehemalige Schülerin der nahegelegenen Mädchenschule, berichten. Der Film erzählt von einer bis heute in vielen Teilen verschwundenen Kunstsammlung, von entdeckten Inschriften von NS-Gefangenen, von einer heimlichen Bar Mizwa unter den Augen der Nazis und von der Chuzpe ostdeutscher Juden und weitsichtiger SED-Genossen, die den vollständigen Abriss der Synagoge verhinderten. Die Schönheit dieses faszinierenden Baus ist heute nur noch zu erahnen und wird – exklusiv für diesen Film – durch einzigartige Animationen und Fotos- wieder erlebbar.

Di., 28. Jan · 20:15-21:45 · ZDF
Ein Tag in Auschwitz

Die Todesfabrik Auschwitz sollte ihre „Effizienz“ 1944 noch steigern. Täglich starben Tausende Juden. Was die Opfer erlebten und die Täter antrieb, zeigen erschütternde Zeugnisse. Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee Auschwitz. Der Ort gilt heute als Synonym für den Holocaust. Der Film erzählt aus Sicht der Opfer und einiger Täter von einem Tag in Auschwitz im Mai 1944 – auch an diesem Tag war der Massenmord Routine. Ausgangspunkt für den Film ist ein einzigartiges Dokument, das sich in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem befindet: ein Fotoalbum von Auschwitz, angelegt von den SS-Tätern selbst. Fast alle Fotos darin entstanden Ende Mai 1944, an nur wenigen Tagen. Sie zeigen die grausame Routine im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau: die Ankunft der jüdischen Opfer in vollgepackten Viehwaggons, ihre „Selektion“ auf der Rampe in Arbeitsfähige und Todgeweihte, den Raub ihres Eigentums und die Verwandlung all derer, die nicht gleich getötet wurden, in kahl rasierte, uniformierte Arbeitssklaven. Die Fotos sind authentische Momentaufnahmen des Verbrechens. Sicher ist: Die meisten Menschen auf den Bildern sind wenige Stunden nach der Aufnahme tot, ermordet. Doch von denen, die Ende Mai 1944 in Auschwitz eintrafen, überlebten einige wenige. Eine von ihnen ist die heute 88-jährige Irina Weiss, die sich im Interview erinnert, wie sie als 13-Jährige auf der Rampe von Auschwitz stand und ihrer kleinen Schwester hinterherblickte, die – von ihr getrennt – in den Tod geschickt wurde. Auf einem Foto erkennt Irina Weiss ihre kleinen Brüder und ihre Mutter – ahnungslos wartend, in der Nähe des Krematoriums, in dem sie kurz darauf umgebracht werden. Die SS-Fotografen hielten all dies fest. Hatten sie kein Mitleid, wenigstens mit den Kindern, war es für sie ganz normale „Arbeit“? So dreht sich der Film auch um das Psychogramm der Täter, zu denen die Fotografen des Auschwitz-Albums zählen. Ihre Identität ist heute bekannt: Einer von ihnen war Bernhard Walter, ein Stabsscharführer der SS, der mit Frau und drei Kindern in der Nähe des Vernichtungslagers wohnte. Die Autoren suchen nach Antworten auf die immer noch beklemmende Frage, was scheinbar „ganz normale Männer“ zu willigen Helfern einer Mordmaschinerie macht. Die Dokumentation fokussiert einen „typischen“ Tag in Auschwitz, Ende Mai 1944. Doch sie beleuchtet auch verschiedene Wege, die Opfer, aber auch Täter nahmen, bevor sie in das Konzentrations- und Vernichtungslager kamen. Authentische Fotos, Zeichnungen von KZ-Häftlingen, aber auch Selbstzeugnisse der Lager-SS werden filmisch und grafisch in die 90-minütige Dokumentation eingefügt, Schauplätze auf den Fotografien mit Orten der Gedenk-Anlage heute abgeglichen, der Weg durch den Tag vor Ort rekonstruiert – in den geschichtlichen Kontext gestellt und durch Zeitzeugen und Historiker gedeutet.

Di., 28. Jan · 21:00-21:45 · RBB
Schalom Neues Deutschland – Juden in der DDR

Antisemitismus galt in der DDR als „mit Stumpf und Stiel“ ausgerottet. „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“ hieß es, Antifaschismus war in der DDR Staatsdoktrin. Dennoch lebten in der Gesellschaft antisemitische Denkmuster fort und auch das Verhältnis der Staatsführung zu den Juden im Land schwankte zwischen repressivem Vorgehen gegen „zionistische Strömungen“ und Ignoranz. Nach 1945 waren es zumeist vom Kommunismus überzeugte Juden, die in die DDR zurückkehrten. Bei der individuellen Entscheidung für eine Rückkehr in dieses neue Deutschland spielte die kommunistische Weltanschauung gegenüber der jüdischen Herkunft zumeist eine übergeordnete Rolle. Nach einer 1946 durchgeführten Volkszählung waren in Ostdeutschland 4500 Mitglieder der jüdischen Gemeinden registriert. Die Zahl sank bis 1989 auf ca. 400. Die acht jüdischen Gemeinden wurden einerseits vom Staat unterstützt, andererseits von den Sicherheitsorganen observiert. Eine ständige Herausforderung für die ostdeutschen Juden ist der Umgang ihres Staates mit Israel. Zunächst waren die Sowjetunion und ihre Verbündeten Befürworter des jungen jüdischen Staates. Nach dessen Bekenntnis zum Bündnis mit den USA propagierte die Staatsführung jedoch immer deutlicher einen aggressiven Antizionismus, der die jüdischen Gemeinden in der DDR unter Druck setzte. Es entwickelten sich massive antijüdische Tendenzen im Ostblock. 1952 fand in der Tschechoslowakei der Slánsky-Prozess gegen 14 führende Mitglieder der kommunistischen Partei statt. Ihnen wurde u. a. vorgeworfen, sie seien „zionistische Verräter“. Elf der Angeklagten wurden gehenkt, drei erhielten eine lebenslange Haftstrafe. Der Slánský-Prozess verunsicherte auch die Juden in der DDR. Viele von Ihnen verließen aus Furcht vor Verfolgung das Land. Das Verhältnis der jüdischen Gemeinden zum Staat DDR blieb über die Jahre zwiespältig. Inwieweit wurde in dem antifaschistischen Staat konsequent gesellschaftlicher Antisemitismus bekämpft? Als in den 1980er Jahren junge Neonazis in der DDR unverhohlen auftraten und Hakenkreuze auf Grabsteine schmierten, war der Staat im Zugzwang. Das ambivalente Verhältnis zwischen den ostdeutschen Juden und dem Staat DDR zeigt die Dokumentation vor allem durch die persönlichen Erfahrungen jüdischer DDR-Bürger auf. Salomea Genin, die als junge Kommunistin mit vielen Illusionen in die DDR kam, hoffte auch durch die Arbeit in der jüdischen Gemeinde etwas ändern zu können. Auch für den Schriftsteller und Journalisten Walter Kaufmann war die DDR Wahlheimat. Er findet erst spät zu seinen jüdischen Wurzeln zurück. Werner Lappe aus Dresden kommt mit seinen Eltern aus dem englischen Exil in die DDR. Der Rocksänger Andre Herzberg spürte die Zerrissenheit der Mutter, wenn sie sich zwischen der kommunistischen Überzeugung und der jüdischen Religion entscheiden sollte. Für ihn wurde die jüdische Identität nach der friedlichen Revolution 1989 ein neuer Anker. Der Film ist eine Produktion von armadafilm, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Di., 28. Jan · 22:20-23:45 · 3sat
Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto

Es ist eine der bemerkenswertesten und bislang unerzählten Geschichten des Holocaust: Der junge Historiker Emanuel Ringelblum initiierte und leitete im Warschauer Getto ein Untergrundarchiv. Dort wurden Tagebücher und Fotos, NS-Verordnungen und jiddische Poesie gesammelt und vergraben, um der Nachwelt ein authentisches Zeugnis vom Leben im Getto und den Verbrechen der NS-Besatzer zu geben. Seit 1999 ist das Archiv Weltdokumentenerbe der UNESCO. „Wer schreibt unsere Geschichte? Wie können wir sicherstellen, dass unsere Erlebnisse, unsere Traditionen, unser Leid durch unsere eigenen Zeugnisse und nicht nur aus der menschenverachtenden Perspektive der Nazis überliefert werden?“ Getrieben von diesen Fragen und Motiven haben Emanuel Ringelblum und seine rund 60 Mitstreiter über Jahre hinweg ein Geheimarchiv im Getto betrieben und gefüllt. Zeitzeugenberichte und Kinderzeichnungen, Lebensmittelkarten und Plakate aus jüdischen Theatern, Zeugnisse des religiösen Lebens und die Benennung konkreter Verbrechen, sowohl von Deutschen als auch von Polen und Juden – das Archiv sollte ein möglichst breites und ungefiltertes Bild des dem Untergang geweihten Lebens im Getto widerspiegeln. Emanuel Ringelblum promovierte 1927 über die Geschichte der Warschauer Juden im Mittelalter. Er begann im Oktober 1939 mit der Organisation eines konspirativen Netzwerks. Seine Mitstreiter, die die verschiedensten politischen und kulturellen Richtungen repräsentierten, begannen in ihren jeweiligen Kreisen zu sammeln. Über die Arbeit im Archiv hinaus waren die Mitglieder der Gruppe auch in Hauskomitees, bei der Organisation von Suppenküchen und in anderen Selbsthilfeorganisationen aktiv, die das Überleben im Getto sichern sollten. „Oneg Shabbat“, „Freude am Shabbat“, war der Tarnname der Gruppe, die bis auf drei Mitstreiter im Zuge der Räumung des Gettos ermordet wurden. So auch Emanuel Ringelblum, der im März 1944 zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn von Deutschen erschossen wurde. Eine der Überlebenden ist Rachel Auerbach, aus deren Perspektive der Film erzählt wird. Sie machte sich nach Kriegsende auf die Suche nach den verborgenen Kisten im zerstörten Warschau. Im September 1946 wurden zehn Blechkisten mit 1208 Archivalien tief unter den Trümmern eines Hauses wiedergefunden. Im Dezember 1950 konnten zwei große Milchkannen mit weiteren 484 Archivalien geborgen werden, andere Teile des Archivs blieben unauffindbar. Heute wird die Sammlung „Oneg Shabbat“ im Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt, sie umfasst etwa 25 000 Seiten. Der Film von Roberta Grossman erzählt von der Entstehung des Untergrundarchivs und von der ersten Begegnung zwischen Rachel Auerbach und Emanuel Ringelblum, über die Weiterentwicklung des „Oneg Shabbat“ bis zur Räumung des Gettos und dem Auffinden der vergrabenen Dokumente nach dem Krieg. Mit aufwendigen Spielszenen, zeithistorischen Aufnahmen, Aussagen von renommierten internationalen Experten und vielfältigen Auszügen aus den überlieferten Tagebüchern werden das alltägliche Leiden im Getto, der Hunger, die Verzweiflung – und die leidenschaftliche gemeinsame Arbeit an einer eigenen, jüdischen Überlieferung veranschaulicht.

Mi., 29. Jan · 00:00-01:30 · NDR
Wildes Herz

Jan „Monchi“ Gorkow, Anfang 30, 120 Kilogramm schwer, tätowiert an Armen und Beinen. Aufgewachsen in Jarmen, Mecklenburg-Vorpommern. Sänger und Frontmann der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, die im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns bereits als staatsfeindlich eingestuft wurde. In seiner Jugend Fußballhooligan, mittlerweile engagierter Antifaschist. Warmherzig, aber wütend, überwacht und dennoch frei. Für sein Langfilmdebüt hat Schauspieler Charly Hübner, ebenfalls aus Mecklenburg-Vorpommern, Jan „Monchi“ Gorkow drei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Er hat mit der Band, mit Freunden, mit seinen Eltern und ehemaligen Lehrern gesprochen und Videomaterial aus der Vergangenheit gesichtet. Entstanden ist der aufregende Dokumentarfilm „Wildes Herz“, ein Film über einen jungen engagierten Antifaschisten aus dem äußersten Nordosten der Republik, der gemeinsam mit seinen Bandkollegen in Songs und mit Aktionen zeigt, wie Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus jeden Tag aufs Neue gelebt werden kann. „Wildes Herz“ zeigt außerdem den Konflikt zwischen dem Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern und dem Menschen Gorkow. Denn neben dem linksradikalen Antifaschisten kann man in Monchi auch einen humanistischen, lebensfrohen, aber zeitkritischen Geist erkennen, der sich Zeit seines Lebens mit der Propaganda und Lebenskultur neonazistischer Gruppen und Parteien auseinandersetzen musste, einfach weil sie den Lebensalltag im Osten Mecklenburg-Vorpommerns prägend bestimmen. Natürlich geht es in „Wildes Herz“ auch um Musik. Um Monchis steten kreativen Austausch mit seinen Bandkollegen. Außerdem um Monchi und seine Familie, die ihm in seinem Leben immer Rückhalt geboten hat. Es geht um seine Wut auf die Ungerechtigkeit, auf die Intoleranz und die Ausgrenzung von Andersdenkenden, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. Und schließlich geht es auch um das Meer, für Monchi Symbol seiner Heimatverbundenheit. Wasser, Wellen, alles in Bewegung, alles korrespondiert und kommuniziert und lebt miteinander, demokratisch sozusagen: Diese Vision ist Monchis innerer Wegweiser. Im Verlauf des Films wird klar, dass Monchi im Herzen ein zutiefst demokratisch denkender Mensch ist, ein Freund des Miteinanders und des Gemeinsinns. Gleichzeitig lernt man auch seine radikalen Seiten im Kampf gegen den Faschismus kennen, den er nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten führt. Am Ende steht Monchi als Beispiel da, als ein Mensch, der den bürgerlichen Schutzraum verlassen hat, um Haltung zu zeigen. Der sich für eine freie und tolerante Welt engagiert und bereit ist, dafür zu kämpfen.

Mi., 29. Jan · 00:15-01:48 · MDR
Klemperer – Ein Leben in Deutschland

5. Küss mich in der Kurve – Auf der Rückfahrt von Heidenau nutzen Lore und Eberhard die Gelegenheit, die sich ihnen unverhofft bietet: Nach einer Wagenpanne begegnen sie auf der Suche nach Hilfe dem Dorfpfarrer Dost. Dost, kein Freund der Nazis, erklärt sich spontan bereit, die beiden heimlich zu trauen. Religionszugehörigkeit und Rassengesetze kümmern ihn nicht. „Es gilt“, versichern sich Lore und Eberhard immer wieder. Während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin entspannen sich die Verhältnisse vorübergehend. Victor Klemperer erhält eine Einladung seines alten Verlegers Hardenburg. Voller Hoffnung macht er sich auf den Weg nach Berlin. Doch Hardenburg, schwer krank, will nur Abschied nehmen von seinem Autor. Er weiß, wie es um Klemperer steht, doch er kann nichts für ihn tun. Das gilt auch für Hardenburgs forschen Sohn Edwin, der den Verlag übernommen hat und Beziehungen bis in die höchsten Parteikreise pflegt. Edwin zeigt durchaus Sympathie für den ehemaligen Autor, sieht aber keine Möglichkeit, Klemperers Arbeit zu veröffentlichen. Noch deprimiert von diesem Fehlschlag, begegnet Klemperer überraschend seiner früheren Studentin Eva Theissig. Beide sind überwältigt von diesem unverhofften Wiedersehen. In Dölzschen bekommt Eva Besuch von Müller. Der SS-Mann warnt sie vor einer geplanten Strafverfolgung. Victor soll beschuldigt werden, der Beziehung zwischen Lore Libeskind und Eberhard Klingler Vorschub geleistet zu haben. Dank Müllers Geldgier und Evas Tatkraft kann das Schlimmste verhindert werden. Doch die hochschwangere Lore und ihre Eltern müssen Deutschland binnen 24 Stunden verlassen. Sonja, die noch immer heimlich für Eva arbeitet, ermöglicht Lore und dem ahnungslosen Eberhard Klingler eine letzte gemeinsame Nacht. 6. Der gepflanzte Himmel – In Deutschland brennen die Synagogen. Victor und Eva Klemperer werden vom Ausbruch des braunen Terrors in einer kleinen Ortschaft überrascht. Nach einem Autounfall sieht ihr Wagen etwas ramponiert aus. Der örtliche Schupo bemängelt ungerührt die Schäden am „Bock“, während in Sichtweite die jüdischen Familien des Dorfes gedemütigt, ihre Geschäfte geplündert und in Brand gesetzt werden. Eva kann das nicht mit ansehen. Sie will wenigstens den Frauen und Kindern beistehen. Im Gegensatz zu ihr wird der gesundheitlich angeschlagene Victor Klemperer von seiner Angst überwältigt. In dieser angespannten Atmosphäre schleppt Natscheff den heimlich aus der ausgebrannten Dresdner Semper-Synagoge geretteten Davidstern bei Klemperer an. Victor und Eberhard Klingler können den Stern eben noch notdürftig verstecken, bevor in Gestalt des Gemeindebeauftragten Odenthal neue Schikanen drohen. Man beschwert sich über das übermäßige Unkraut im Klemperschen Garten und stellt empfindliche Strafen in Aussicht. Pfarrer Dost erweist sich als Retter in der Not. Er ist nicht nur bereit, den Davidstern in seiner Kirche zu verstecken, er will auch Eberhard Klingler und Lore Libeskind für einen Tag Asyl gewähren. Lore befindet sich mit Söhnchen Samuel auf der Reise von England nach Palästina. In Dresden hat sie einen Tag Aufenthalt. Für Eberhard Klingler ist es die einzige Chance, Lore und seinen Sohn noch einmal zu sehen. Was die Zukunft für sie bereithält, beginnen Victor und Eva Klemperer zu ahnen, als mitten in der Nacht SS-Obersturmführer Malachowski vor der Tür steht. Eine Hausdurchsuchung wegen Waffenbesitzes dient als Vorwand, um Victor und Eva bis in die frühen Morgenstunden zu terrorisieren.

Mi., 29. Jan · 11:00-12:00 · ZDF
Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus – Übertragung aus dem Deutschen Bundestag

Das ZDF überträgt live aus dem Plenarsaal des Deutschen Bundestages die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält die Begrüßungsrede. Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin hält eine Gedenkrede. Die ZDF-Übertragung aus Berlin kommentiert Micha Wagenbach. Die Gedenkstunde ist eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung, die als feierliches Ereignis begangen wird. Seit 1996 wird in der Bundesrepublik Deutschland die Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945 als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Die heutige Sonderveranstaltung im Deutschen Bundestag gehört in diesen Gedenkreigen.

Mi., 29. Jan · 11:15-12:15 · 3sat
Die letzten Zeugen, Leben nach der Shoah

Ein paar der letzten Überlebenden deutscher Konzentrationslager leben heute in der Schweiz. Sie sind hier dank oft unglaublich anmutender Zufälle und gegen alle Wahrscheinlichkeit. Wie lebt man mit einem solchen Schicksal, und wie blickt man auf die Welt? Der Film zeigt fünf jüdische Überlebende zwischen 80 und 93 Jahren, die alle als Kinder oder Jugendliche deutsche Konzentrationslager überlebt haben. Eduard Kornfeld und Fishel Rabinowicz, beide lungenkrank, kamen Ende der 1940er-Jahre zur medizinischen Pflege nach Davos. Nina Weilova, Egon Holländer und Ivan Lefkovits flohen 1967/68 aus der kommunistischen Tschechoslowakei in die Schweiz. Sie alle haben in den Nazi-Lagern nächste Angehörige wie Eltern und Geschwister verloren. Der Film blendet zurück auf ihre Erlebnisse am Rande des Vorstellbaren. Er zeigt die Protagonisten aber auch in ihrem Alltag, das Erlebte begleitet sie ständig. Wie kann man weiterleben nach der Shoah? Manche Überlebende haben sich später das Leben genommen, wie etwa die Schriftsteller Primo Levi und Jean Améry. Andere haben das Weiterleben gewagt, wie der Psychiater Viktor Frankl, der darüber geschrieben hat: „Trotzdem Ja zum Leben sagen.“ Einige dieser letzten Zeugen der Menschheitskatastrophe Auschwitz kamen mehr oder weniger zufällig in die Schweiz. Es konnten sich beeindruckende Biografien entfalten, trotz tiefer Wunden und oft jahrzehntelangem Schweigen über das Erlebte. Im Film sitzen alle fünf Zeugen je einzeln auf dem gleichen Sofa und erzählen ihr Leben. Dieses wird zum Ort des kollektiven Erinnerns. Von hier aus schweifen Bildergeschichten in die jeweiligen Lebenswelten. Die Erinnerungen an die Erlebnisse auf der Flucht oder im Lager überlagern sich mit dem Blick in ihr heutiges Leben und ihren Alltag. Der Film entstand aus der Ausstellung „The Last Swiss Holocaust Survivors“ der Gamaraal Stiftung. Regisseur Eric Bergkraut porträtierte für die Wanderausstellung zunächst 20 Überlebende in der Form reiner Gespräche. Fünf von ihnen wählte er für diesen Film und entschloss sich dabei, den Akzent auf das Leben der Protagonisten zu setzen.

Mi., 29. Jan · 13:45-16:10 · arte
Ein Dorf wehrt sich

1945: Nach und nach werden Deutschland und Österreich von den Nazis befreit. Doch in Altaussee im Salzkammergut ist ihre Herrschaft noch nicht zu Ende. Hier haben sich Nazigrößen wie Ernst Kaltenbruner, Chef der Gestapo, in der Nähe des alten Salzbergwerks verschanzt. In dessen Stollen lagern Kunstschätze, die in ganz Europa für das geplante Führermuseum in Linz geraubt wurden. Der Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, ordnet die Sprengung an, damit die Meisterwerke nicht in die Hände der Alliierten fallen. Doch bei den Bergleuten beginnt sich Widerstand zu regen. Aber im Gegensatz zu seinem Freund Franz, der mit seiner Frau Elsa die Deserteure und Partisanen in den Bergen heimlich versorgt, versucht der eigenbrötlerische Sepp, sich möglichst aus allem rauszuhalten. Erst als sein Freund von der Gestapo erschossen wird und wie ein Hund verscharrt werden soll, kommt er aus der Reserve … Zusammen mit den Bewohnern des kleinen Dorfs stellt er sich gegen den Befehl des Gauleiters und versucht die Sprengung des Bergs in letzter Minute zu verhindern, um die Mine als ihre Existenzgrundlage zu sichern. Dabei begibt sich die Dorfgemeinschaft in große Gefahr, denn auf Widerstand steht immer noch die Todesstrafe …

Mi., 29. Jan · 22:45-23:30 · BR
Verbotene Filme

Mehr als 1.000 Spielfilme wurden in Deutschland während der NS-Zeit produziert, über 40 Filme davon sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich, sogenannte „Vorbehaltsfilme“. Volksverhetzend, kriegsverherrlichend, antisemitisch und rassistisch – so lauten die Begründungen, warum die Filme für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich sind. Urheberrecht und Jugendschutz sind dabei die juristischen Hebel, denn das deutsche Grundgesetz erlaubt keine Zensur. Der Umgang mit diesen Filmen ist umstritten: bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? In „Verbotene Filme“ stellt Regisseur Felix Moeller die Nazifilme aus dem Giftschrank vor und macht sich auf die Suche nach ihrem Mythos, ihrem Publikum und ihrer Wirkung heute – in Deutschland wie im Ausland. Eine Reise zur dunklen Seite des Kinos. Über die Brisanz der Propagandafilme des Dritten Reichs und eines angemessenen Umgangs damit geben Auskunft u. a. Oskar Roehler, Moshe Zimmermann, Rainer Rother, Margarethe von Trotta, Jörg Jannings, Sonja M. Schultz, Götz Aly sowie Aussteiger aus der Nazi-Szene und Überlebende der Shoah.

Do., 30. Jan · 01:55-03:25 · Das Erste (ARD)
Liebe und Tod auf Java 1/2

Java, 1939. Hellen (Muriel Baumeister), Tochter des deutschstämmigen Tabak-Plantagenbesitzers Arthur Landgraf (Michael Mendl), lernt den Bankier Hans Jakob Braun (Francis Fulton-Smith) kennen, der bei seiner Flucht aus Nazideutschland Hab und Gut zurücklassen musste. Die Liebe der beiden steht unter keinem günstigen Stern, denn mit dem Einmarsch der Nazis in Holland gelten Deutsche auch in der niederländischen Kolonie als Feinde. Es kommt zu Brandanschlägen auf die Plantage. Schließlich gibt Hellen dem Drängen ihres herzkranken Vaters nach und dem einflussreichen Holländer Joop van Boven (Filip Peeters) ihr Jawort. Diese Verbindung verspricht Schutz für Vater und Tochter. Dem Kolonialverwalter wird allerdings bald klar, dass das Herz seiner Verlobten für einen anderen schlägt. Hans wird indessen in einem Lager für Kriegsgegner interniert, da die niederländische Verwaltung in ihm trotz seiner Verfolgung als Jude in erster Linie den Deutschen sieht. Auf Hellens inständige Bitte verwendet Joop sich für den Nebenbuhler, der daraufhin wieder freikommt. Das Glück wäre perfekt, doch der Tod des alten Landgraf trifft Hellen hart. Gemäß dem Testament ist sie die Alleinerbin und gerät darüber in erbitterten Streit mit ihrem habgierigen Halbbruder Conrad (Sven Martinek). Während sie sich um Hans kümmert, der durch die Inhaftierung schwer erkrankte, reißt Conrad klammheimlich die Geschäfte an sich und führt die Plantage an den Rand des Ruins. Hellen wirft den intriganten Bruder und dessen kaltherzige Frau Ilse (Nadeshda Brennicke) aus dem Haus – doch mit Japans Kriegseintritt geschieht das Unerwartete: Die Japaner besetzen die Insel, und damit erlangen deren Verbündete auch auf Java wieder die Oberhand. Dank seiner guten Beziehungen zu den Nazis kann Conrad die verhasste Stiefschwester endlich von der Plantage verjagen. Hellen ist verzweifelt, dann aber wendet sich das Blatt erneut.

Do., 30. Jan · 23:15-00:00 · HR
Bubis – das letzte Gespräch

Deutschland 1992. In Rostock-Lichtenhagen brennt das Sonnenblumenhaus, in dem vor allem Vietnamesen leben. Anwohner applaudieren und befeuern die rechtsradikalen Brandstifter. Als der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland den Tatort besucht, kann er seine innere Bewegung kaum verbergen. Ignatz Bubis ist schockiert und erschüttert angesichts der schieren Gewalt. Ein lokaler CDU-Politiker findet, dass Bubis hier nichts zu suchen habe, seine Heimat sei doch Israel. Wenige Monate vor seinem Tod gibt Ignatz Bubis im Jahre 1999 sein letztes Interview. Seine Lebensbilanz ist unüberhörbar: „Ich habe nichts oder fast nichts erreicht.“ Das Gespräch mit den beiden Journalisten Michael Stoessinger und Rafael Seligmann erscheint im Stern und entfacht eine heftige Debatte. Es wird ein Gespräch über Angst, Schuld, Deutschland und sein Leben als Jude in Deutschland. Bubis sinnt nach über die Macht des Zufalls und spricht über die Deutschen und ihren Umgang mit dem Holocaust. Bis heute gilt dieses Interview als Bubis‘ Vermächtnis. Die unmittelbare Erfahrung von Bubis‘ Desillusionierung und seine Einsamkeit, sie werden zum Ausgangspunkt der Erzählung. Für die Dokumentation, eine Zusammenarbeit von hr, rbb, NDR und AVE, wurde das letzte Interview mit dem Schauspieler Udo Samel als Ignatz Bubis so einfach wie eindrucksvoll in Szene gesetzt. Es bildet den Rahmen für die Dokumentation. Interviews mit Bubis‘ Tochter Naomi in Tel Aviv, den Journalisten Michael Stoessinger und Rafael Seligmann, mit Weggefährten – wie Salomon Korn, Michel Friedman und Daniel Cohn-Bendit – entwerfen ein intimes und umfassendes Porträt. Ihre Erinnerungen und sorgfältig ausgewählte Archiv-Sequenzen führen zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Ignatz Bubis als Immobilieninvestor in Frankfurt am Main etablierte und recht bald als „jüdischer Spekulant“ angegriffen wurde, zurück in die Jahre seines politischen Engagements als „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, als Brückenbauer, als Mahner und „moralische Autorität“ im Kampf gegen Fremdenhass und Antisemitismus. Entstanden ist dabei eine intensive bild- und wortgewaltige Annäherung an einen streitbaren, engagierten Deutschen – der die deutsche Gesellschaft, in der er lebte, zu Lebzeiten nicht in Ruhe ließ, der unbequem war, der sich angesichts von ausländerfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Äußerungen, Ausschreitungen und rechtsradikalen Wahlerfolgen einmischte und seine Stimme erhob. Die Filmautorin Johanna Behre und der Regisseur Andreas Morell dokumentieren das Leben und Wirken von Ignatz Bubis in angespannten Zeiten. „Bubis – das letzte Gespräch“ ist eine Annäherung an Ignatz Bubis und eine Auseinandersetzung mit diesem Land, ein Nachdenken über das Ankommen und Weggehen, über Zugehörigkeit und Fremdsein. Bubis‘ damalige Bilanzen und Prognosen – der Hass und die Gewalt -, das ist auch die Gegenwart: Deutschland im Jahr 2017.

Fr., 31. Jan · 00:00-01:30 · HR
Ein blinder Held – die Liebe des Otto Weidt

Mit List und Bestechung versucht der Berliner Bürstenfabrikant Otto Weidt in den vierziger Jahren, seine Mitarbeiter, die fast alle Juden und fast alle blind sind, vor dem Zugriff der Gestapo zu bewahren. Als seine Sekretärin Alice Licht am Ende nach Auschwitz deportiert wird, macht sich Weidt, selbst nahezu blind, auf den Weg, um sie zu befreien. Es gelingt ihm, doch seine Liebe zu ihr bleibt unerfüllt.

Fr., 31. Jan · 20:15-21:00 · HR
Israel – hip und heilig

Tel Aviv: die Stadt, die niemals schläft, das New York des nahen Ostens – unbändige Lebensfreude, offen, tolerant und verdammt laut. Auch nicht wirklich leise geht es in Jerusalem zu – drei Weltreligionen auf engstem Raum, hier wird Gott überall und immer gefeiert. Ein bisschen Ruhe gibt’s am Toten Meer, wie lange noch steht in den Sternen, das einzigartige Naturwunder verschwindet jedes Jahr ein bisschen mehr. Kulinarisch ist Israel ein absolutes Highlight. Die israelische Küche ist so vielfältig wie die Israelis selbst. Filmautorin Natascha Rhein und Kameramann Steffen Heyermann erleben Israel in sieben Tagen auf eigene Faust – eine Reise zum Miterleben und Nachreisen.

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