Feindbild Islam

Es gibt durchaus eine Feindschaft gegen Muslime als Muslime. Beleidigungen von Frauen mit Kopftuch stehen dafür ebenso wie Herabwürdigungen durch Pauschalisierungen mit Terrorismusverdächtigungen. Doch bilden für das Gemeinte dann „Islamfeindlichkeit“, „Islamophobie“ und „Antimuslimischer Rassismus“ die inhaltlich zutreffenden Termini? Dies meint der österreichische Politikwissenschaftler Farid Hafez, der gegenwärtig als Senior Researcher an der Abteilung Politikwissenschaft der Universität Salzburg arbeitet und Herausgeber des „Jahrbuchs für Islamophobieforschung“ ist…

Von Armin Pfahl-Traughber

In seinem neuen Buch „Feindbild Islam. Über die Salonfähigkeit von Rassismus“ will Hafez zum Thema einen Überblick geben. Dabei irritiert bereits der Titel: Denn einerseits wird von einer Religion gesprochen, andererseits vom Rassismus. Nur muss die Ablehnung eines Glaubens aber nicht direkt etwas mit der Herabwürdigung einer Menschengruppe zu tun haben.

Wer dann im Buch dazu mehr Klarheit erhofft, wird in seinen Erwartungen enttäuscht. Denn auch die erwähnten drei Begriffe „Islamfeindlichkeit“, „Islamophobie“ und „antimuslimischer Rassismus“ sollen synonym verwendet werden (vgl. S. 11). Dass sie aber etwas anderes meinen können, erläutert der Autor nicht näher. Er nimmt auch keine wirkliche Definition vor und bleibt hier inhaltlich mehr im Ungefähren. Gleichwohl verspricht Hafez eine „Bestimmung ihrer Grenzen“ (S. 11), die indessen nicht nur in diesem Kontext nicht erfolgt. Denn wichtig wäre es, aufklärerische Islamkritik von hetzerischer Muslimenfeindlichkeit zu unterscheiden. So etwas wird zwar versprochen (vgl. S. 18), aber nicht eingelöst. Auch hinsichtlich der Frage, inwieweit die gemeinten Aversionen etwas mit Eigenschaften mit den jeweiligen Gruppen zu tun haben, bleibt Hafez widersprüchlich. Nur zwischen wenigen Seiten wird so etwas mal bejaht, mal verneint (vgl. S. 12-16).

Dann geht es um die Herkunft und Entwicklung des „Islamophobie“-Verständnisses mit einigen interessanten Informationen zur wissenschaftlichen Rezeption. Hier finden sich auch kurze Anmerkungen zu den Einwänden gegen den Terminus. Indessen werden die Hauptargumente gar nicht rezipiert, obwohl Hafez die Literatur dazu sehr wohl kennt. Dass sich etwa das Bielefelder Institut für Konflikt- und Gewaltforschung mit guten Gründen davon verabschiedet hat, würde schon allein eine genauere Problematisierung und Reflexion nötig machen. Dem schließt sich dafür ein historisches Kapitel zu „Ursprünge des antimuslimischen Rassismus“ vom Mittelalter bis in die Gegenwart an. Hier wird berechtigt eine Fülle von Zerrbildern genannt, gleichwohl ohne den historischen Kontext in den Unterkapiteln dezidierter anzusprechen. Denn damals erlebte man den Islam auch als Eroberungsideologie, was eine solche eindimensionale Wahrnehmung mit erklärt.

Dem schließen sich danach Beispiele aus der Gegenwart an, wobei es berechtige wie unberechtigte Zuordnungen gibt. Ersteres gilt für rechtspopulistische Agitatoren, letzteres für Ayaan Hirsi Ali (vgl. S. 78). Dann geht es noch um die Funktionen des „antimuslimischen Rassismus“, wobei auf Machtausweitung abgestellt wird. Aber auch hier erfolgt keine genauere Definition mehr, springt Hafez doch nach wenigen Seiten gleich zu Beispielen. Ein ganzes Kapitel ist noch dem Vergleich von „Antisemitismus und Islamophobie“ gewidmet. Aber auch hier geht der Autor nur ausführlicher auf ein anderes Buch ein, statt sich systematisch mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu beschäftigen. So hat man es in der Gesamtschau mehr mit einem Werk zu tun, das die selbstgestellten Ansprüche nicht nur hinsichtlich einer Begriffsbestimmung nicht erfüllt. Warum der Autor übrigens meint, dass die Rockefellers jüdische Bankiers waren (vgl. S. 15), ist auch nicht nachvollziehbar.

Farid Hafez, Feindbild Islam. Über die Salonfähigkeit von Rassismus, Wien 2019 (Böhlau-Verlag), 153 S.

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